Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Theologie - Systematische Theologie

Kehrseiten des Lebens. Das Sakrament der Taufe als Schmutzabwehr und Reinigung?

Titel: Kehrseiten des Lebens. Das Sakrament der Taufe als Schmutzabwehr und Reinigung?

Hausarbeit , 2024 , 28 Seiten , Note: 14 Punkte

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Theologie - Systematische Theologie
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Seminararbeit verfolgt - unter anderem unter Einnahme einer kritischen Perspektive - die Fragestellung, inwiefern das Sakrament der Taufe als Schmutzabwehr, Schmutzumkehr oder Reinigung gelten kann. Ferner wird untersucht, welche Implikationen sich aus der Analyse der Phänomene Ekel und Schmutz für eine theologisch verantwortbare Rede von der Taufe ergeben. Es ist daher nicht Ziel der Arbeit, eine abgeschlossene Taufdogmatik, oder einen Gesamtüberblick über das Sakrament der Taufe zu bieten.

Zum Aufbau sei vermerkt, dass in dieser Arbeit zentrale Termini bzw. Phänomene wie Ekel, Schmutz, Angst, Reinheit, Schmutzabwehr und weitere analytisch untersucht und zugehörige Diskurse skizziert werden. Die Beschreibung des Ekels nach Aurel Kolnai wird dabei als Orientierungshilfe verwendet, aber auch kritisch reflektiert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • I. EXPOSITION
  • II. EKEL
    • II.1 Was ist Ekel?
    • II.2 Ekel, Distanzierung und Gewalt
    • II.3 Einwirken des Ekels auf die Sinne
    • II.4 Die ontologische Dimension des Ekels
    • II.5 Ekel als Nein-Sagen auf der Grenze des Bewusstseins
    • II.6 Abgrenzung des Ekels als Abwehrreaktion
      • A. Die Taufe als Adresse der Angst
      • B. Die personenausfüllende Macht der Taufe
    • II.7 Angst und Ekel als Haupttypen der Abwehrtönungen
    • II.8 Erstreckungsgebiet und Typen des Ekels
      • C. Schmutz und Ekel als Paradigmata für Sünde
    • II.9 Die Erotik des Ekels
      • D. Die Erotik der Sünde
    • II.10 Leiblicher Ekel
      • E. Ekel vor dem Vitalitätskult
    • II.11 Prohibitiver Ekel und Überdrussekel
      • F. Die Taufe als Antithese zu KOLNAIS Ekelbegriff
  • III. SCHMUTZ und REINHEIT
    • III.1 Vom Ekel zum Schmutz
      • G. Von der Sinnlichkeit des Ekel und der Taufe
    • III.2. Reinheitsvorstellungen und Ethik
      • H. Die ethische Dimension der Taufe
    • III.3 Das Verhältnis von Schmutz und Reinheitscode
    • III.4 Reinheitswahn
      • I. Die problematische Rede von der Taufe als Reinigungsritus
      • J. Die Ambivalenz des Wassers
    • III.5 Schmutz als Antikosmos
      • K. Taufe als effektive Reinigung von der Sünde?
  • IV. TAUFE und SCHMUTZUMKEHR
    • IV.1 Schmutzumkehr nach ENZENSBERGER
      • L. Der problematische Sündenbegriff in der augustinischen Tradition
  • V. FAZIT: Inwiefern ist Taufe Schmutzumkehr?
    • V.1 Taufe und Versöhnungsentdeckung ermöglichen Schmutzumkehr
    • V.2 Taufe als Schmutzumkehr statt Reinigung oder Abwehr
  • VI. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Seminararbeit verfolgt die Fragestellung, inwiefern das Sakrament der Taufe als Schmutzabwehr, Schmutzumkehr oder Reinigung gelten kann. Ferner wird untersucht, welche Implikationen sich aus der Analyse der Phänomene Ekel und Schmutz für eine theologisch verantwortbare Rede von der Taufe ergeben.

  • Das Phänomen des Ekels in seinen verschiedenen Dimensionen
  • Der Zusammenhang von Schmutz, Reinheit und ethischen Vorstellungen
  • Die Taufe als theologisches Sakrament und ihre Deutung im Kontext von Schmutz und Ekel
  • Die Hamartiologie (Sündenlehre) und ihre Verbindung zu Ekel und Schmutz
  • Das Konzept der "Schmutzumkehr" im Vergleich zu Reinigung und Abwehr
  • Eine interdisziplinäre Betrachtung aus Systematischer Theologie, Philosophie und Ethnologie

Auszug aus dem Buch

II. EKEL

II.1 Was ist Ekel?

Die Kontur des Ekels als starker Empfindung,5 sowie das Erstreckungsgebiet dieses Phäno- mens zu skizzieren, ist Ziel der folgenden Ausführungen. Der deutschsprachige Philosoph AUREL KOLNAI, der im Jahr 1900 als Sohn einer jüdischen Familie in Budapest geboren wurde, hat bemängelt, dass das Problem des Ekels im wissen- schaftlichen Diskurs vernachlässigt wurde.7 Die gesichtete Literatur über den Ekel macht je- doch deutlich, dass diese spätestens seit dem Tod KOLNAIS im Jahr 1973º im Wachstum be- griffen ist. So wird Ekel nicht nur in theologischer und philosophischer Literatur10 reflektiert, sondern z.B. auch im Essay Pouvoirs de l'Horreur, Essai sur l'abjection,¹¹ der Psychoanalyti- kerin JULIA KRISTEVA aus dem Jahr 1980.12 Nach MENNINGHAUS ist KRISTEVAS Theorie der Ab- jektion auch eine Theorie des Ekels, „[...] angesichts unreiner' Körper und des Brechreizes angesichts bestimmter Speisen.“13,14

II.2 Ekel, Distanzierung und Gewalt

WINFRIED MENNINGHAUS, der von 2013 bis 2022 das Max-Planck-Institut für empirische Ästhe- tik in Frankfurt am Main geleitet hat, 15 würdigt KOLNAIS Untersuchung des Ekels, die dieser erstmalig im Jahr 1929 unternahm.16 Ekel bedeutet nach KOLNAI, eine sich aufdrängende Nähe zu erfahren, die nicht gewollt sei¹7 und führe deshalb zur Reaktion, denn eine Konsumption, die sich aufdränge, würde im Falle des Ekels als Kontamination gewertet und „[...] mit Gewalt distanziert."18 MENNINGHAUS ergänzt, dass Lieben, Begehren und Appetit daher asymmetri- sche Gegenüber zum Ekel markieren, zielen diese doch auf Aufhebung der Distanz.19

II.3 Einwirken des Ekels auf die Sinne

MENNINGHAUS nennt Ekel „[...] eine der heftigsten Affektionen des menschlichen Wahrneh- mungssystems.“20 Auch IMMANUEL KANT betone diese Heftigkeit.21 Ferner habe KANT hervor- gehoben, dass Ekel zu solchen Empfindungen gehöre, die stets auf das gesamte Nervensys- tem einschlagen. Daher ist es nach MENNINGHAUS sekundär, durch welche Sinne Ekel wahr- genommen wird.22 KOLNAI unterscheidet dagegen schärfer zwischen Geruchs-, Gesichts- und Tastsinn. 23 Der Geruch sei dabei der primäre Ort24 und das „[...] Urorgan des Ekels [...]“.25 Der Tastsinn sei wiederum intimer als das Sehen. 26 Denn beim Ertasten brauche es das Hinzutre- ten weiterer Ekel-Elemente, wie z.B. Fäulnis.27 Der Sehsinn trete nur dann in den Vordergrund, wenn der Gegenstand des Ekels in seiner Vielgestalt begründet ist. 28

II.4 Die ontologische Dimension des Ekels

Laut MENNINGHAUS scheint beim Ekel „[...] nie weniger als alles auf dem Spiel zu stehen [...].“29 Ekel sei darum ein Zustand des Alarms und der Ausnahme, sowie „[...] eine akute Krise der Selbstbehauptung gegen eine unassimilierbare Andersheit, ein Krampf und Kampf, in dem es buchstäblich um Sein oder Nicht-Sein geht.“30 Es zeigt sich also die elementare Bedeutung des Ekels für die Ontologie, letztlich als Bedrohung des Seins durch den Ekel nach MENNIN- GHAUS.

II.5 Ekel als Nein-Sagen auf der Grenze des Bewusstseins

Nach MENNINGHAUS lässt sich die Abwehrhandlung, die dem Ekel zugehörig ist, als starkes Nein-Sagen bestimmen. Er ergänzt, dass Ekel die Fähigkeit und den Zwang zum Nein-Sagen impliziere, sowie die Unfähigkeit dies nicht zu tun. Daher sei Ekel aufgrund seiner scheinbaren Automatik auf der Grenze zwischen bewussten Handlungsmustern und unbewussten Hand- lungsantrieben zu verorten.31 MENNINGHAUS beschreibt die charakteristische Ambivalenz des Ekels, denn Ekel sei für die bewusste Wahrnehmung stark gegenwärtig, trete aber i.d.R. un- angekündigt auf. So gleiche Ekel einer „[...] von anderswo kommende[n] Stimme [...]",32 die sich nicht zum Untertan des Bewusstseins machen wolle. 33

Zusammenfassung der Kapitel

I. EXPOSITION: Stellt die Forschungsfrage vor, die untersucht, inwiefern die Taufe als Abwehr, Umkehr oder Reinigung von Schmutz und Ekel verstanden werden kann und welche theologischen Implikationen sich daraus ergeben.

II. EKEL: Analysiert detailliert das Phänomen des Ekels nach Aurel Kolnai und weiteren Autoren, beleuchtet seine psychologischen, ontologischen und sinnesbezogenen Dimensionen sowie die Abgrenzung zu Angst und anderen Abwehrreaktionen.

III. SCHMUTZ und REINHEIT: Untersucht die Verbindung von Ekel und Schmutz, Reinheitsvorstellungen und deren ethische Dimensionen, das Verhältnis von Schmutz zu Reinheitscodes sowie die problematischen Aspekte des Reinheitswahns im Kontext der Taufe.

IV. TAUFE und SCHMUTZUMKEHR: Erörtert das Konzept der Schmutzumkehr nach Christian Enzensberger und dessen Bezug zur Taufe, kritisiert dabei problematische Sündenbegriffe und stellt die Idee einer "Schmutzumkehr" vor.

V. FAZIT: Inwiefern ist Taufe Schmutzumkehr?: Fasst die Erkenntnisse zusammen und beantwortet die leitende Frage, indem die Taufe als eine Ermächtigung zur kritischen Reflexion gesellschaftlicher Reinheitsvorstellungen und als Schmutzumkehr statt bloßer Reinigung oder Abwehr gedeutet wird.

Schlüsselwörter

Taufe, Ekel, Schmutz, Reinheit, Sünde, Schmutzabwehr, Schmutzumkehr, Systematische Theologie, Hamartiologie, Aurel Kolnai, Martin Luther, Günter Thomas, Mary Douglas, Christian Enzensberger, Ethik, Angst, Ritus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Diese Arbeit untersucht die komplexen Beziehungen zwischen den Phänomenen Ekel und Schmutz und dem Sakrament der Taufe, insbesondere ob die Taufe als Abwehrreaktion, Umkehrprozess oder Reinigung verstanden werden kann und welche theologischen Implikationen sich daraus ergeben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder sind Ekel, Schmutz, Reinheit, Angst, Sünde, die Taufe im Kontext theologischer Reflexion, Hamartiologie sowie interdisziplinäre Bezüge zu Philosophie und Ethnologie.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, inwiefern das Sakrament der Taufe als Schmutzabwehr, Schmutzumkehr oder Reinigung gelten kann und welche Implikationen sich aus der Analyse von Ekel und Schmutz für eine theologisch verantwortbare Rede von der Taufe ergeben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine kritische, interdisziplinäre Perspektive, die theologische, philosophische und ethnologische Quellen analysiert und reflektiert, wobei beispielsweise Aurel Kolnais Ekelbegriff als Orientierungshilfe dient, aber auch kritisch hinterfragt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die detaillierte Analyse von Ekel (Definition, Dimensionen, Typen), die Verbindung von Schmutz und Reinheit (Reinheitsvorstellungen, ethische Implikationen, Reinheitswahn) und deren jeweiligen Bezüge zur Taufe, bevor das Konzept der "Schmutzumkehr" eingeführt und diskutiert wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter, die diese Arbeit charakterisieren, sind Taufe, Ekel, Schmutz, Reinheit, Sünde, Schmutzabwehr, Schmutzumkehr, Systematische Theologie, Hamartiologie, Aurel Kolnai, Martin Luther, Günter Thomas, Mary Douglas, Christian Enzensberger, Ethik, Angst, Ritus.

Wie werden Ekel und Schmutz in dieser Arbeit als Paradigmen für Sünde erschlossen?

Die Arbeit erschließt Ekel und Schmutz als Paradigmen für Sünde, indem sie ihre Eigenschaften – wie das "Kleben" am Menschen, die Unbestimmtheit und die dauerhafte Schwächung zum Guten – mit dem augustinischen Sündenverständnis und dessen Auswirkungen auf den Menschen vergleicht.

Welche Kritik übt die Arbeit an einer unreflektierten Deutung der Taufe als Reinigungsritus?

Die Arbeit kritisiert eine unreflektierte Deutung der Taufe als Reinigungsritus, da dies zu einer moralischen Verkürzung führen und im Kontext des Reinheitswahns gewalttätige Konnotationen hervorrufen könnte, wie sie historisch in der Ausgrenzung von Menschengruppen sichtbar wurden.

Inwiefern unterscheidet sich die "Schmutzumkehr" von traditionellen Vorstellungen der Taufe?

Die "Schmutzumkehr" unterscheidet sich von traditionellen Reinigungs- oder Abwehrvorstellungen der Taufe, indem sie nicht die vollständige Beseitigung von Schmutz und Sünde anstrebt, sondern eine Verwandlung der menschlichen Disposition dazu, einen neuen Blick auf Schmutz ermöglicht und ihn als Teil des Lebens akzeptiert.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Kehrseiten des Lebens. Das Sakrament der Taufe als Schmutzabwehr und Reinigung?
Hochschule
Kirchliche Hochschule Wuppertal
Note
14 Punkte
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2024
Seiten
28
Katalognummer
V1684746
ISBN (PDF)
9783389174586
ISBN (Buch)
9783389174593
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kehrseiten lebens sakrament taufe schmutzabwehr reinigung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2024, Kehrseiten des Lebens. Das Sakrament der Taufe als Schmutzabwehr und Reinigung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1684746
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  28  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum