Die Ämter und Aufgaben der Frauen in der Kirche des ersten Jahrhunderts


Essay, 2010

8 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Frage, welche Ämter und Aufgaben den Frauen in der frühchristlichen Gemeindebildung zukamen. Als Quelle hierfür werden vor allem die paulinischen Briefe des Neuen Testaments herangezogen. Hier wird die besondere Rolle der Frau für die Verbreitung des christlichen Glaubens hervorgehoben. Klar ist, dass Paulus nicht alle Gemeinden, von denen im Neuen Testament die rede ist, selbst gegründet hat.[1] Er konnte hier auf schon bestehende Punkte seiner Reise zurückgreifen. Auch wird deutlich, dass die Frauen, welche Paulus als „Mitarbeiterinnen“ bezeichnete, nicht durch ihn selbst zu Christinnen wurden. Viele von diesen Frauen haben sich, unabhängig von ihm, für einen aktiven Gemeindeaufbau eingesetzt. Diese Mitarbeit der Frauen hat Paulus an keiner Stelle in Zweifel gezogen. Er hat ihre Hilfe geschätzt und die Arbeit dieser Frauen hervorgehoben.

Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit genau diesen Frauen, um deutlich zu machen, welche wichtige Bedeutung sie in der frühen Kirche des Christentums hatten.

Hiernach wird genauer untersucht, welche Wendepunkte es gab, die es einer Frau erleichterten, in den Gemeindedienst einzutreten.

Die Frauen in den paulinischen Briefen

Ungefähr bei ein Viertel der Namen, die in den paulinischen Briefen als aktive Mitarbeiter in den Gemeinden genannt werden, handelt es sich um Frauennamen.[2] Besonders ungewöhnlich ist hier, dass diese Frauen eigenständig und unabhängig genannt werden und nicht unter dem Patronat eines Mannes stehen. Dies war in der damaligen Tradition jedoch völlig unannehmbar und macht den Eintritt der Frauen in die Männerwelt deutlich.[3]

In dem Brief an die Römer wird zunächst „unsere Schwester“ Phoebe genannt, eine Diakonin in der Gemeinde Kenchreä (Röm 16,1). Paulus verlangte in dem Brief, dass Phoebe gemäß ihrer Stellung in der Gemeinschaft zu behandeln sei, nicht weil sie eine Frau war. Phoebe gehörte also zu jenen Frauen, welche Jesus und seine Jünger mit ihrem Geld unterstützte.[4] Sie setzte sich für die Gemeinde und für einzelne Glaubengeschwister ein. Außerdem füllte sie möglicherweise regelmäßig die Armenkasse auf.[5]

Im Neuen Testament ist keine genaue Aufgabenbeschreibung eines Diakons zu finden, doch ist klar, dass Phoebe die einzige Frau ist, welche namentlich als Diakonin beschrieben wird. Deshalb ist darauf zu schließen, dass sie eine sehr engagierte Frau in der frühen Kirche sein musste. Die Bezeichnung als Diakonin lässt ebenfalls darauf schließen, welche Führungsrolle sie in der Kirche übernommen hat.

Die nächste Frau, die in dem Brief an die Römer gegrüßt wird, ist die jüdische Zelttuchfabrikantin Prisca. Diese führt Paulus noch vor ihrem Ehemann an, was für die große Achtung spricht, die Paulus ihr gegenüber empfindet.[6] Durch Paulus Brief wird deutlich, dass Versammlungen der christlichen Gemeinde in Priscas Haus stattfanden. Später wurde die Hausgemeinde Priscas geistliche Lebensberufung und sie entwickelte eine theologische Befähigung zur Auslegung von Gottes Wort.[7]

Weiter wird eine „Maria“ erwähnt, welche „viel Mühe und Arbeit“ hatte. Dieser wird mit dieser Beschreibung denselben Rang zugeschrieben, wie ihn jeder arbeitender Mann in Rom hatte. Ebenfalls zu erwähnen ist die Tatsache, dass Paulus mit „Arbeit“ stets die Arbeit beschrieb, welche mit dem Dienste am Evangelium oder dem Aufbau einer christlichen Gemeinde anfällt. Dies würde bedeuten, dass Paulus Marias Arbeit, bei der Verkündigung der frohen Botschaft über Jesus Auferstehung in seinem Brief an die Römer würdigte. Ihre Arbeit war demnach genau so wichtig, wie die der Männer.[8]

Das Ehepaar Andronicus und Junia beschreibt Paulus als „meine Stammesverwandten und Mitgefangenen, welche berühmte Apostel sind und vor mir in Christus gewesen“ (Röm 16,7). Junia ist also vor Paulus selbst zum Glauben gekommen und wird deshalb von ihm als die „dienstältere“ beschrieben. Dies ist besonders interessant, weil gerade Paulus von Kindesbeinen an mit der Auffassung erzogen wurde, dass der Platz einer Frau zu hause unter der Obhut eines Mannes wäre.[9] Ebenfalls beschreibt Paulus Junia nicht als die Ehefrau von Andronicus, weshalb er sie wohl als selbstständige Person akzeptierte.

[...]


[1] Susanne Heine: Frauen der frühen Christenheit. Zur historischen Kritik einer feministischen Theologie, Göttingen 1986, S. 96.

[2] Ebenda.

[3] Ross Saunders: Frauen im Neuen Testament. Zwischen Glaube und Auflehnung, Darmstadt 1999, S. 113.

[4] Ross Saunders: Frauen im Neuen Testament, S. 113.

[5] Ulrich Wendel: Führende Frauen in der Bibel. Priska, Junia & Co., Gießen 20072, S. 25.

[6] Ross Saunders: Frauen im Neuen Testament, S. 114.

[7] Ulrich Wendel: Führende Frauen in der Bibel, S. 20.

[8] Ross Saunders: Frauen im Neuen Testament, S. 114-115.

[9] Ebenda, S. 115.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Ämter und Aufgaben der Frauen in der Kirche des ersten Jahrhunderts
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
8
Katalognummer
V168477
ISBN (eBook)
9783640854745
ISBN (Buch)
9783640854905
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aufgaben, frauen, kirche, jahrhunderts
Arbeit zitieren
Claudia Löb (Autor:in), 2010, Die Ämter und Aufgaben der Frauen in der Kirche des ersten Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168477

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