Was macht eine Ausstellung überzeugend, berührend und nachhaltig wirksam? Diese Ausstellungsanalyse widmet sich genau dieser Frage am Beispiel der Ausstellung „Wolf Biermann. Ein Lyriker und Liedermacher in Deutschland“, die im Deutschen Historischen Museum gezeigt wurde. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Biografie Wolf Biermanns, sondern vor allem die Frage, wie Geschichte, Politik und Kunst museal vermittelt werden können – und welche Wirkung dabei auf unterschiedliche Zielgruppen entsteht.
Die Arbeit führt die Leserinnen systematisch durch die Ausstellung und analysiert sie entlang zentraler didaktischer und gestalterischer Kriterien. Ausgehend vom historischen Kontext beleuchtet sie die Konzeption, Zielsetzung und das intendierte Publikum der Ausstellung. Darauf aufbauend werden Ausstellungsgestaltung, räumlicher Aufbau und die bewusste Inszenierung von Exponaten untersucht. Besonderes Augenmerk liegt auf der Frage, wie narrative Strukturen geschaffen werden und wie Besucherinnen durch Raum, Farben, Objekte und Medien gelenkt werden.
Ein zentrales Kapitel widmet sich der Auswahl und Präsentation ausgewählter Exponate und zeigt, wie einzelne Objekte stellvertretend für größere historische Zusammenhänge stehen. Ergänzt wird diese Analyse durch die Untersuchung der interaktiven Elemente der Ausstellung. Hier wird gefragt, inwiefern Mitmachstationen, Hörangebote und spielerische Formate zur Reflexion anregen und insbesondere Kindern und Jugendlichen einen Zugang zu komplexen Themen wie Zensur, Überwachung und Meinungsfreiheit ermöglichen.
Die Analyse verknüpft geschichtsdidaktische Theorie mit konkreter museumspädagogischer Praxis und macht sichtbar, welche Potenziale Ausstellungen als Lern- und Erfahrungsräume besitzen. Zugleich wird kritisch hinterfragt, wo Grenzen liegen und welche Zielgruppen besonders erreicht werden.
Die Arbeit richtet sich an Studierende, Lehrkräfte, Museumspädagoginnen sowie an alle, die sich für Ausstellungen als Orte historischer Bildung interessieren. Sie wurde mit der Bestnote 1,0 bewertet und bietet einen fundierten, anschaulichen und reflektierten Zugang zur Ausstellungsanalyse. Ideal für Leserinnen, die verstehen möchten, wie Geschichte erzählt, erlebt und erinnert wird.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung:
- 2. Historischer Kontext
- 3. Zielsetzung, Zielpublikum und Konzeption der Ausstellung:
- 4. Ausstellungsgestaltung, -interpretation und -aufbau:
- 5. Auswahl und Präsentation der Exponate:
- 6. Einfluss und Wirkung der interaktiven Elemente:
- 8. Literaturverzeichnis:
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit analysiert die Ausstellung „Wolf Biermann. Ein Lyriker und Liedermacher in Deutschland“ im Deutschen Historischen Museum. Das Hauptziel ist es, die Konzeption, Gestaltung und Wirkung der Ausstellung kritisch zu untersuchen, insbesondere wie sie Biermanns Biografie im Kontext der deutsch-deutschen Kulturgeschichte darstellt und verschiedene Zielgruppen anspricht.
- Biografie und Werk von Wolf Biermann im Kontext der deutsch-deutschen Geschichte.
- Die Rolle der Kultur und Kunst in der DDR als öffentlicher Raum und Objekt staatlicher Kontrolle.
- Analyse der Ausstellungsgestaltung, -interpretation und des Aufbaus.
- Die Auswahl und Präsentation der Exponate und deren Bedeutung.
- Einfluss und Wirkung interaktiver Elemente auf unterschiedliche Rezipientengruppen.
- Die Vermittlung komplexer historischer Inhalte an ein jüngeres Publikum.
Auszug aus dem Buch
2. Historischer Kontext
Wolf Biermann wurde noch vor dem zweiten Weltkrieg 1936 in Hamburg geboren und wuchs im kommunistisch geprägten Arbeitermilieu auf. Sein Vater Dagobert Biermann war ein jüdischer Kommunist und lernte seine Mutter Emma Biermann bei einer Veranstaltung der Kommunistischen Jugend kennen. Sein Vater arbeitete als Hafenarbeiter, die starke politische Aktivität seiner Eltern hatten jedoch Dagoberts Arbeitslosigkeit zur Folge.
Seine Eltern gaben ihm den Doppelnamen Karl-Wolf. Sie benannten ihn nach dem deutschen Kommunisten Karl Wolff, welcher nach den Straßenschlachten zwischen den linken Arbeitern und der Sturmabteilung inhaftiert und anschließend hingerichtet wurde. Das politische Interesse und die politische Gesinnung wurden ihm auf diese Weise von Geburt an mehr oder weniger in die Wiege gelegt. Im Jahr 1943 wurde Dagobert aufgrund seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Gesinnung nach Ausschwitz deportiert und noch im selben Jahr ermordet. Seine Mutter sah sich in der Pflicht, dass die Erinnerung an ihren Mann bewahrt werden müsste. Das Bild von seinem Vater als mutigen Antifaschisten prägte Wolf Biermann maßgeblich und er fungierte auf diese Weise post mortem als Vorbildfunktion.
Im Jahr 1953 siedelte Wolf Biermann mit seiner Mutter in die DDR über. Vier Jahre später begann er sein Studium der Politischen Ökonomie an der Humboldt Universität zu Berlin. Zwischen 1957 und 1959 arbeitete er erfolgreich als Regieassistent am Berliner Ensemble. Anschließend studierte er Philosophie und Mathematik an der Humboldt Universität zu Berlin.
Im Jahr 1960 stellte Biermann einen Aufnahmeantrag in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), dieser wird jedoch drei Jahre später von der Partei abgelehnt. Die SED reagierte damit auf sein Stück „Berliner Brautgang", welches daraufhin verboten wurde.
Dieser Sachverhalt führte dazu, dass Biermann 1965 ein Auftritts- und Publikationsverbot durch das Zentralkomitee der SED in der DDR erteilt wurde. Anschließend wurden seine künstlerischen Werke ausschließlich in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) veröffentlicht. Diese gelangten jedoch über Umwege auch in die DDR. Im Jahr 1976 erhielt Biermann überraschend die Erlaubnis zu einer Konzertreise in die BRD. Am 13.11.1976 trat Wolf Biermann, nach zwölf Jahren Auftrittsverbot, vor 7000 Menschen in der Kölner Sporthalle öffentlich auf. Nach dem Konzert gab das Politbüro der DDR seine Ausweisung aus der Republik bekannt. Biermann erfuhr von seiner Ausbürgerung aus den Nachrichten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Ausstellung „Wolf Biermann. Ein Lyriker und Liedermacher in Deutschland“ vor, beschreibt ihre Entstehung und die Relevanz Biermanns als Symbolfigur des Widerstands.
2. Historischer Kontext: Hier wird der Lebensweg Wolf Biermanns von seiner Geburt in Hamburg, über die Prägung durch seine jüdisch-kommunistischen Eltern bis hin zu seiner Ausreise aus der DDR detailliert beleuchtet.
3. Zielsetzung, Zielpublikum und Konzeption der Ausstellung: Das Kapitel erläutert, wie die Ausstellung Biermanns Leben mit der deutsch-deutschen Geschichte verknüpft, die Rolle der Kultur in der DDR aufzeigt und das diverse Zielpublikum, einschließlich Kinder, anspricht.
4. Ausstellungsgestaltung, -interpretation und -aufbau: Dieser Abschnitt analysiert die physische Gestaltung der Ausstellung im Deutschen Historischen Museum, die bewusste Farb- und Raumgestaltung sowie die Interpretation zentraler Elemente und interaktiver Stationen.
5. Auswahl und Präsentation der Exponate: Drei exemplarische Exponate – ein Harmonium, ein Chanukkaleuchter und ein Foto der Chausseestraße 131 – werden vorgestellt und ihre Bedeutung für die Vermittlung von Biermanns Geschichte und Identität diskutiert.
6. Einfluss und Wirkung der interaktiven Elemente: Das Kapitel bewertet die Rolle der interaktiven Stationen bei der Aktivierung der Besucher, insbesondere von Kindern, zur Reflexion über eigene Meinungen und die Bedeutung von Vorbildern.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der Ausstellung, die ein umfassendes Bild von Wolf Biermanns Leben und seinen Spannungsfeldern vermittelt und einen gelungenen Weg zur Vermittlung komplexer historischer Inhalte an ein breiteres Publikum darstellt.
Schlüsselwörter
Wolf Biermann, Ausstellung, DDR-Geschichte, Liedermacher, Lyriker, Deutsches Historisches Museum, Kulturgeschichte, künstlerischer Widerstand, staatliche Überwachung, interaktive Elemente, Geschichtsdidaktik, Zielpublikum, Exponate, Identitätsbildung, Ost-West-Konflikt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit befasst sich mit einer kritischen Analyse der Ausstellung „Wolf Biermann. Ein Lyriker und Liedermacher in Deutschland“ im Deutschen Historischen Museum, wobei sie deren Konzeption, Gestaltung und die Vermittlung von Biermanns Leben im Kontext der deutsch-deutschen Kulturgeschichte beleuchtet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder umfassen die Biografie Wolf Biermanns, die Kulturgeschichte der DDR und BRD, künstlerischen Widerstand gegen staatliche Zensur, die Gestaltung und didaktische Aufbereitung von Ausstellungen sowie die Bedeutung von Vorbildern und Identitätsbildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, wie die Ausstellung die komplexen Themen von Wolf Biermanns Leben und Wirken adressiert, wie sie verschiedene Zielgruppen einbezieht und welche Botschaften sie über die deutsch-deutsche Geschichte vermittelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer detaillierten Ausstellungsanalyse, die eine tiefergehende Untersuchung von Einleitung, Methodik, Hauptteil und Fazit beinhaltet, um die Konzeption, Gestaltung und Wirkung der Ausstellung zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der historische Kontext von Wolf Biermanns Leben, die Zielsetzung und Konzeption der Ausstellung, ihre Gestaltung und ihr Aufbau, die Auswahl und Präsentation spezifischer Exponate sowie der Einfluss und die Wirkung der interaktiven Elemente detailliert behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Wolf Biermann, Ausstellung, DDR-Geschichte, Liedermacher, Kulturgeschichte, künstlerischer Widerstand, staatliche Überwachung, interaktive Elemente und Geschichtsdidaktik.
Inwiefern spielt Wolf Biermanns jüdische Herkunft in der Ausstellung eine Rolle?
Biermanns jüdische Herkunft und die Schicksale seiner Familie, insbesondere seines Vaters, werden in der Ausstellung als identitätsstiftende Elemente und als maßgeblicher Einfluss auf sein politisches und künstlerisches Wirken präsentiert, unter anderem durch Exponate wie den Chanukkaleuchter.
Wie wird die deutsch-deutsche Teilung in der Ausstellung visuell und interaktiv dargestellt?
Die deutsch-deutsche Grenze wird durch gezackte Wände in Betonoptik symbolisiert. Interaktive Stationen wie ein Brettspiel ermöglichen es den Besuchern, den Verlauf der Grenze physisch nachzuvollziehen und die damit verbundene Geschichte spielerisch zu erfahren.
Welche besonderen Maßnahmen wurden ergriffen, um die Ausstellung für Kinder zugänglich zu machen?
Für Kinder gibt es ein spezielles Begleitheft ("Ausstellungsheft für Kinder – Wolf Biermann mit Gitarre, Mikrofon und Stift"), interaktive Führungen ("Warte nicht mit deinem Mut!") und Stationen wie "unsere Vorbilder!" oder "Schreib dein Lied", die komplexe Inhalte vereinfacht und spielerisch vermitteln.
Was war die Bedeutung der Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR für seine Karriere und öffentliche Wahrnehmung?
Die Ausbürgerung nach seinem Kölner Konzert 1976 stellte eine Zäsur dar und führte zu öffentlichen Protesten. Sie festigte seine Rolle als Symbolfigur des Widerstandes und forcierte die Veröffentlichung seiner Werke ausschließlich in der BRD, wodurch er zum zentralen Bezugspunkt der Zensurkritik wurde.
- Arbeit zitieren
- Dario Heeland (Autor:in), 2023, Die Ausstellung "Wolf Biermann. Ein Lyriker und Liedermacher in Deutschland", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1684865