Die Ausstellung romanischer Bauskulptur

Zu den Raumkonzeptionen in Bad Wimpfen und Basel und zur Auswahl verschiedener Ausstellungskataloge


Seminararbeit, 2010

25 Seiten, Note: 1,3


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Die Raumkonzeptionen in Bad Wimpfen und Basel
1.1 Das Museum im Steinhaus Bad Wimpfen
1.2 Das Museum Kleines Klingental in Basel

2 Ein Vergleich verschiedener Ausstellungskataloge
2.1 Der Katalog „Baukunst der Romanik in Sachsen-Anhalt“ von
2.2 Der Katalog „Canossa 1077. Erschütterung der Welt“ von
2.3 Der Katalog „Abglanz des Himmels. Romanik in Hildesheim“ von

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsnachweis

Abbildungen

Einleitung

Die Ausstellung romanischer Bauskulptur ist zunächst nicht einfach zu gestalten, da die Bauskulpturen meist zur Ausschmückung dienend an Gebäudefassaden angebracht sind oder als Innen- bzw. Binnendekoration so in Räume integriert sind, dass es als nicht richtig erscheint, die Elemente vom Ursprungsort zu entfernen. Doch in vielen Fällen wird dies notwendig, wenn Bauskulptur z. B. vor der Witterung geschützt, durch Beschädigungen erneuert oder durch Kopien ersetzt werden muss und besonders um die einzelnen Elemente, welche für den Betrachter unerreichbar sind, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.[1]

Zur Ausstellung der einzelnen Werke selbst ergibt sich die Problematik, dass die Bauskulpturen nur in erschwerter zeitlicher Rekonstruktion genau datiert werden können und oftmals auch Fehldatierungen geschehen, sodass die zeitliche Eingliederung in Ausstellungen nicht immer erreicht werden kann und deshalb die Objekte undatiert oder in einen temporalen Rahmen ausgezeichnet werden.

Meine Fragestellung lautet: Ist es möglich, romanische Bauskulptur so auszustellen, dass die Beziehung zum Ursprungsort nicht verloren geht und dass der Betrachter bei der Schwierigkeit der wenigen Datierungsmöglichkeiten einen Überblick über die Epoche und deren Werken erhält?

Im Folgenden möchte ich zwei Ausstellungsorte betrachten, um diese im Hinblick auf ihre Raumkonzeptionen für romanische Bauskulptur zu analysieren. Dabei werde ich vor allem die Vor- und Nachteile der Aufstellung und Inszenierung herausarbeiten, um auch mögliche Verbesserungen vornehmen zu können.

Daran anschließend ist es von Bedeutung, auch Ausstellungskataloge zu untersuchen, da sie teilweise zur Ausstellung selbst erforderlich sind, in verschiedenen Formen und Ausführungen vorliegen können und deshalb mit besonderem Bedacht gewählt werden müssen. Aus diesem Grund möchte ich drei unterschiedliche Ausstellungskataloge zur romanischen Bauskulptur vorstellen und analysieren.

Doch zuerst widmen wir uns den beiden Ausstellungskonzeptionen zur romanischen Bauskulptur in Bad Wimpfen und Basel.

1 Die Raumkonzeptionen in Bad Wimpfen und Basel

1.1 Das Museum im Steinhaus Bad Wimpfen

Das Museum im Steinhaus in Bad Wimpfen beherbergt zwei größere Räume, in denen Bauskulptur ausgestellt wird. Allgemein werden in diesen als Dauerausstellung mit Schwerpunkt auf die Kaiserpfalz und die hohen Staufer auch die Jungsteinzeit, die Römerzeit und verschiedene Steinmetz- und Keramikkünste[2] behandelt, somit unterschiedliche Bereiche in einen Raum vereint.

Im Erdgeschoss des Museums (Abb. 1) befinden sich die Exponate zur Römerzeit, in welchem vor allem die Funde aus Ausgrabungen in und um Bad Wimpfen zugänglich gemacht werden. Obwohl der Raum keine romanischen Werke zeigt, möchte ich ihn trotzdem vorstellen, um einige positive und negative Aspekte einer Ausstellungskonzeption darlegen zu können.

Die erste Abbildung (Abb. 2) ist ein gutes Beispiel für eine genau nachgestaltete Präsentation. Hier werden die Proportionen, die Größenverhältnisse und das ursprüngliche Aussehen der Figuren dargestellt, und zwar verdeutlicht durch die Höhe der Anbringung der Fragmente und durch die Nachzeichnung der fehlenden Teile und Abschnitte. Die Beschriftung befindet sich am Boden und dient der genaueren Information über die Figurengruppe, welche auf einem Podest erhöht steht und durch diese Einrahmung als Gesamtkomplex ausgezeichnet wird. Die Komposition ist von hinten nach vorne ausgebreitet, um alles in einem einzigen Blick vereinen zu können. Durch die Beleuchtung der wenigen Spotlights an den Ecken der Raumdecke wird zusätzlich die Oberflächenbehandlung der Fragmente ersichtlich. Doch werden insgesamt keine Werke im Besonderen ausgeleuchtet oder explizit dadurch ausgezeichnet, wie wir es in Basel im Kapitel 1.2 sehen werden.

Im zweiten Abbildungsbeispiel (Abb. 3) ist die Plastik frei stehend, d. h. es ist möglich, dass man um sie herum gehen kann. Aufgrund der Verbindung von natürlicher und künstlicher Lichtquellen, also kleiner Fenster und den Deckenlampen, wird ein hell erstrahlter Raum geschaffen, der allerdings, abgesehen von den eigens beleuchteten Vitrinen, unbedeutend und die wie eine einheitliche, nicht in Szene gestellte Präsentation wirkt. Deshalb erscheinen die Vitrinen wie besonders vorgestellt und etwas mehr hervorgehoben, d. h. sie wirken wichtiger oder wertvoller als die frei im Raum positionierten Säulen oder Skulpturen. Besonders interessant ist hier die Kombination unterschiedlicher Innenwände, demnach alter und unbehandelter sowie neuer und verputzter Mauern, das etwas Schönes und Besonderes an sich hat. Denn nur durch die Erhaltung der Wand aufgrund der Fenster kann man auch allgemein die ehemalige Mauer besser betrachten, sodass sie eine Beziehung zum Rest der Ausstellung herstellt.

Die dritte Präsentation (Abb. 4) ist ein tolles Beispiel, ähnlich wie im ersten Bild, für eine getreue Nachahmung des Originalaussehens der Skulpturen. Allerdings werden hier die fehlenden Teile nicht nachgezeichnet, sondern die Fragmente so gerahmt, dass die Originalproportionen im direkten Vergleich miteinander veranschaulicht werden können.

Bei dieser (Abb. 5) und bei der nächsten Präsentation stellt sich jeder sofort die Frage, weshalb das Werk genau an dieser Stelle positioniert wird. Es scheint wohl unwichtig zu sein, weil es, zwar passend, aber dennoch in der Ecke und etwas im Dunkeln steht. Und da hier keinerlei Beschriftung zu finden ist, bleibt diese Frage ungeklärt.

Auch bei diesem Beispiel (Abb. 6), wie bereits angekündigt, weiß man nicht genau, was man damit anzufangen hat. Allgemein gibt es die Annahme, dass man auf die Vollständigkeit bei Stückesammlungen verzichtet, wenn sie hochwertig sind,[3] deshalb bleibt die Säule hier im angebrochenen Zustand, um sie so zur Betrachtung frei zu geben. Der Aufstellungsort an der Wand, isoliert von anderen Säulen, lässt vermuten, dass die Zugehörigkeit zu anderen Säulen demnach nicht gegeben sei. So bleibt man auch in diesem Fall unaufgeklärt, weil auch hier keine Beschriftung angesetzt wurde.

Kommen wir nun schon zum letzten Beispiel (Abb. 7) für das Erdgeschoss in Bad Wimpfen. Es ist eines der wenigen Werke, die in der Mitte eines Raumes platziert wurde. Da das Werk dreidimensional ansichtig ist, bietet es sich an, dieses auch IN den Raum zu stellen, damit es auch heute wie damals von allen Seiten betrachtet werden kann. Die Beschriftung ist auf dem Boden angebracht, sodass eine Hauptansicht vorbestimmt ist. Da es etwas erhöht steht, kann man sich das Werk auch genauer ansehen, ohne in gebückter Haltung verharren zu müssen, was für die Betrachtung ein großer Vorteil ist.

Im Obergeschoss des Museums werden Objekte aus der Stauferzeit präsentiert und, was sehr bedeutsam ist, die originalen Arkadensäulen (Abb. 8), welche durch ihre poröse und damit schlechte Beschaffenheit durch Kopien ersetzt wurden. Diese sind im Museum in Originalhöhe und Originalabstand angebracht. In den Glasvitrinen davor (Abb. 9) sind Fotos und Aufzeichnungen mit Informationsmaterial über diese Säulen untergebracht. Besonders die sich darin befindenden Fotos sind wichtig für den Betrachter, da der Ursprungsort für die Besucher zum Teil leider nicht zugänglich ist, sodass die Proportionen und die Wirkung lediglich durch Farbaufnahmen wiederhergestellt werden können, was in diesem Falle ein positiver Aspekt ist.

Im letzten Abbildungsbeispiel von Bad Wimpfen (Abb. 10) sieht man eine gut erhaltene Säule, welche durch eine seitlich platzierte Beschriftung und Erklärung auf Kunststoff etwas hervorgehoben wird. Genau so etwas hätte man sich auch für die gesamte Ausstellung gewünscht, um weniger verwirrt, sondern mehr informiert werden zu können.

In Bad Wimpfen gibt es folglich kein wirkliches oder ersichtliches Raumkonzept. Die Ausstellung dient lediglich der Gruppierung ähnlicher Werke, die thematisch zusammen gehören, welche dadurch eine Einordnung oder Orientierung innerhalb der Ausstellung bieten. Dennoch ist alles sehr unübersichtlich und es kommt schnell die Frage auf, weshalb eine Säule hier und eine Vitrine dort steht, sodass ein Roter Faden schwer zu finden ist. Deshalb ist es wünschenswert, entweder mehr Informationstafeln vorzufinden, oder wenigstens, falls die Infos zu gering sind, ein Handbuch zum Rundgang zu erhalten, um die einzelnen Zusammenhänge besser verstehen zu können.

Um zu zeigen, wie romanische Bauskulptur auch anders präsentiert werden kann, möchte ich im Folgenden das Museum Kleines Klingental in Basel vorstellen und genauer betrachten.

1.2 Das Museum Kleines Klingental in Basel

Das Museum beherbergt zwei große Säle, die dem Publikum zugänglich gemacht sind: das große Refektorium und die Küche des einstigen, 1274 gegründeten Dominikanerinnen-Klosters[4]. In diesen werden romanische und gotische Werke präsentiert.

Im Erdgeschoss, dem Refektorium, (Abb. 11) ist der Raum ganz anders aufgebaut als es in Bad Wimpfen der Fall ist. Der Raum ist klar strukturiert und auch durch die Beleuchtung effektvoll in Szene gesetzt. Doch braucht man einen Katalog, um den Rundgang der Ausstellung beginnen zu können, da es keinerlei Beschriftung gibt und man so nicht wüsste, was sich vor einem befindet. Der Katalog selbst ist handlich in kleinem Format, der Text ist gut zu lesen und sehr verständlich. Die Scheinwerfer, die nach oben leuchten, stehen jeweils zwischen den einzelnen Werken und erhellen den Raum, vor allem aber den Bereich der Skulpturen. Diese stehen allesamt, abgesehen von einem Reiter ganz hinten, auf ein hohes senkrecht platziertes Podest und werden ohne Bezug zu ihrem Ursprungsort präsentiert, also isoliert und zusammenhangslos.

Der Raum selbst ist sehr groß, hat eine niedrige Decke und wird von zwei senkrecht stehenden Balken gestützt, welche den Raum optisch minimieren und vor allem in zwei Bereiche trennt. Der Ausstellungsraum ist dadurch auch strukturiert, doch werden nur die Wände ausgenutzt und nicht der mittlere Bereich. Besonders dort hätte man aufklärende Info-Tafeln platzieren können.

Die Klosterküche (Abb. 12) im Erdgeschoss ist genauso aufgebaut wie der vorige Raum, nur befinden sich die Leuchter dieses Mal an der Decke, sodass nicht der Raum z w i s c h e n den Werken, sondern die Werke s e l b s t besser beleuchtet werden. Die Lichtquellen von oben erzielen damit eine deutlichere Erhellung als im Refektorium, da hier die Objekte nicht im Dunkeln verbleiben, was das genaue betrachten um Einiges erleichtert.

Im Obergeschoss des Museums befindet sich ein bemerkenswert gestalteter Ort (Abb. 13), in welchem die Gegenstände richtig in Szene gesetzt werden. Es wirkt, als seien sie Teil eines Bühnenerlebnisses, welches auch besonders durch die ausgewählte punktuelle Ausleuchtung oder besser Beleuchtung verstärkt wird. Was irgendwie zusammengehört wird auch zusammen beleuchtet. Alles ist auf Tischen präsentiert und an der Wand entlang gereiht. Der Rest verschwindet im Dunkeln. Es wirkt wie Powerpoint-Präsentation, welche einen schwarzen Hintergrund hat, in dem schließlich das zu behandelnde Werk aufleuchtet. Das Scheinwerferlicht, welches sehr hell ist, ermöglicht ein genaues und detailliertes Betrachten der Oberfläche der Stücke, was für eine Skulptur-Ausstellung von großer Bedeutung ist.

Im Vordergrund erstreckt sich das Basler Stadtmodell. Rechts sieht man das Basler Münster, „dessen Skulpturen hier ausgestellt“[5] werden. Links hinten sieht man das Museum, dessen Räume für die Ausstellung hergerichtet wurden. Diese beiden wichtigen Orte werden noch einmal explizit hervorgehoben, indem sie extra beleuchtet werden.

Die Figuren im nächsten Raum (Abb. 14) dienten ursprünglich als Säulenträger und werden deshalb nebeneinander aufgereiht präsentiert. Auch diese sind erhöht positioniert, um sie besser zu sehen und auch diese werden extra beschienen, damit die Oberflächen genau untersucht werden können.

[...]


[1] Die Gründe der Ersetzung der Originalen durch Kopien am Bau werden thematisiert in Gotische Skulpturen des Basler Münsters. Museum Kleines Klingental . Ausstellungsführer Bd. IV. Basel 2006. S. 7.

[2] Die Informationen zum Ausstellungsinhalt sind entnommen von der Homepage von Bad Wimpfen:http://www.badwimpfen.de/showpage.php?SiteID=119&sn=1&lang=1. Stand: 19.09.2010.

[3] Diese Formulierung bezieht sich auf die Aussage in Vieregg, Hildegard: Museumswissenschaften . Paderborn 2006. S. 27. Dort heißt es: „Es geht also letztendlich nicht um die Anzahl gesammelter Objekte, sondern wesentlich um ihren ideellen Wert, Erhaltungszustand, wissenschaftliche Bedeutung, museologische Bezüge und ihre gesellschaftliche Relevanz.“

[4] Teilzitiert nach Gotische Skulpturen des Basler Münsters , S. 7.

[5] Zitiert nach Skulpturen des Basler Münsters. Museum Kleines Klingental. Ausstellungsführer Bd. I., Basel 1998. S. 15.

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Details

Titel
Die Ausstellung romanischer Bauskulptur
Untertitel
Zu den Raumkonzeptionen in Bad Wimpfen und Basel und zur Auswahl verschiedener Ausstellungskataloge
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Europäische Kunstgeschichte)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V168504
ISBN (Buch)
9783640858989
Dateigröße
6324 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ausstellung, bauskulptur, raumkonzeptionen, wimpfen, basel, auswahl, ausstellungskataloge
Arbeit zitieren
Nicole Hilbig (Autor), 2010, Die Ausstellung romanischer Bauskulptur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168504

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