Die Arbeit gibt einen systematischen Überblick über den vogtländischen Dialekt als Teil des obersächsischen Sprachraums. Sie beleuchtet dessen historische Entstehung im Kontext mittelalterlicher Siedlungsbewegungen, die Wahrnehmung des Dialekts durch Sprecherinnen und Sprecher sowie seine phonologischen Besonderheiten. Darüber hinaus werden typische sprachliche Phänomene wie Satzwörter und ausgewählte traditionelle Bräuche des Vogtlandes dargestellt. Insgesamt zeigt die Arbeit das Vogtländische als eigenständige, historisch gewachsene Varietät und betont seinen Wert für sprachliche Vielfalt und regionale Identität.
Inhaltsverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Hauptteil
- 2.1. Wie Sachsen Sächsisch Wahrnehmen - Wahrnehmungsdialektologie des Obersächsischen
- 2.2. Entstehungsgeschichte des vogtländischen Sprachraumes
- 2.2.1. Historischer Überblick zum ostmitteldeutschen Sprachraum
- 2.2.2. Historischer Überblick zum vogtländischen Sprachraum
- 2.2.3. Abgrenzung der einzelnen Mundarten des Vogtlandes
- 2.3. Phonologie Vogtländischen
- 2.3.1. Lange Vokale
- 2.3.2. Kurze Vokale
- 2.3.3. Diphthonge
- 2.3.4. Konsonanten
- 2.4. Ein Satz in einem Wort? - Das Satzwort kurz erklärt
- 2.5. Zwischen Erinnerung und Vergessen: Alte Bräuche im Vogtland wiederentdeckt
- 3. Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich dem Vogtländischen als einer spezifischen Form innerhalb des obersächsischen Dialektraums. Sie verfolgt das Ziel, diesen Regiolekt in seinen historischen, phonologischen, lexikalischen und grammatikalischen Besonderheiten systematisch darzustellen. Dabei wird auch die Frage nach der Außenwahrnehmung dieses Dialekts thematisiert, um eine differenzierte Betrachtung lokaler Sprachformen zu fördern.
- Analyse der Wahrnehmung sächsischer Dialekte.
- Historische Entwicklung des ostmitteldeutschen und vogtländischen Sprachraums.
- Systematische Darstellung der Phonologie des Vogtländischen (Vokale, Diphthonge, Konsonanten).
- Erklärung spezifischer sprachlicher Phänomene wie "Satzwörter".
- Beleuchtung alter vogtländischer Bräuche und deren kulturelle Bedeutung.
- Diskussion der sprachlichen Vielfalt und regionalen Identität im Kontext des Deutschen.
Auszug aus dem Buch
Wie Sachsen Sächsisch Wahrnehmen - Wahrnehmungsdialektologie des Obersächsischen
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wird der sächsische Dialekt für Nicht-Dialektsprecher als eher negativ wahrgenommen (vgl. Niebaum & Macha, 2014, S. 223). Allein der Begriff "Sächsisch” ist mit zahlreichen Vorurteilen belegt und immer an eine Bewertung gekoppelt, wie Suchergebnisse von Online-Recherchen mittels gängiger Suchmaschinen zeigen (vgl. Anders, 2012, S. 290). Dabei stellt sich jedoch auch die Frage, wie die Sachsen ihren Dialekt selbst wahrnehmen.
Dieser Frage nachgehend untersuchte Christina Ada Anders die repräsentativen Merkmale des Sächsischen. Sie kritisiert, dass die Umfragen zur Beliebtheit bzw. Unbeliebtheit von Dialekten lediglich den Bekanntheitsgrad dieser darstellen würden, jedoch keine Aussagen über die tatsächliche Beliebtheit zuließen (vgl. Anders, 2012, S. 290). Sie führt weiterhin aus, dass aus den Umfragen nicht hervorgeht, ob der Dialekt selbst, der Dialektsprecher oder lediglich die Wahrnehmung der Befragten zu den Dialekten erfragt wurden (vgl. Anders, 2012, S. 291).
Der zuletzt genannte Aspekt fällt in den Bereich der Wahrnehmungsdialektologie, die untersucht, was Laien unter Sprache und ihren regionalen Varianten verstehen und wie sie diese wahrnehmen. (vgl. Niebaum & Macha, 2014, S. 214). Dieser Zweig der Dialektologie untersucht also die subjektiven Vorstellungen, Bewertungen und mentalen Konzepte von Sprecherinnen und Sprechern zu regionalen Varietäten und unterscheidet sich dadurch von der traditionellen Dialektologie, die sprachliche Phänomene objektiv beschreibt und kartiert (vgl. Niebaum & Macha, 2014, S. 215). Die Perzeptionsdialektologie, wie die Wahrnehmungsdialektologie auch genannt wird, gilt als junge Disziplin, da intensivere Forschung erst seit den frühen 2000er-Jahren einsetzt, die wissenschaftliche Dialektologie jedoch bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts begründet wurde (vgl. Niebaum & Macha, 2014, S. 215).
Während Dialekträume traditionell sprachhistorisch begründet werden, versteht die Wahrnehmungsdialektologie sie als kognitive Konstrukte (vgl. Anders, 2012, S. 294). Die laienlinguistische Wahrnehmung des Obersächsischen bezieht sich demnach auf einen kognitiven Raum, der durch verschiedene Dimensionen geprägt ist (vgl. Anders, 2012, S. 294). Anders (2012) untersuchte das wahrgenommene Konzept des Obersächsischen hinsichtlich der arealen Wahrnehmung, der repräsentativen Merkmale der Dialektkonzepte sowie sozialer Variablen wie Alter, Geschlecht oder
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung diskutiert die geringe Beliebtheit des Sächsischen und stellt die Arbeit vor, die sich dem Vogtländischen als spezifischer Varietät widmet, um dessen historische und phonologische Besonderheiten sowie die Außenwahrnehmung zu beleuchten.
2.1. Wie Sachsen Sächsisch Wahrnehmen - Wahrnehmungsdialektologie des Obersächsischen: Dieses Kapitel erörtert die negative Wahrnehmung des Sächsischen und führt in die Wahrnehmungsdialektologie ein, die subjektive Konzepte regionaler Varietäten bei Laien untersucht, insbesondere bezogen auf das Obersächsische.
2.2. Entstehungsgeschichte des vogtländischen Sprachraumes: Hier wird die historische Entwicklung des ostmitteldeutschen Sprachraums und des Vogtländischen beleuchtet, inklusive der Ostsiedlung, der Zusammentreffen verschiedener Siedlerströme und deren Einfluss auf die Sprachlandschaft.
2.2.3. Abgrenzung der einzelnen Mundarten des Vogtlandes: Dieses Unterkapitel identifiziert verschiedene Teilräume des Vogtländischen (Kern-, Nord-, Ost- und Obervogtländisch) und beschreibt ihre spezifischen lautlichen Merkmale, die durch die unterschiedlichen Siedlerströme geprägt wurden.
2.3. Phonologie Vogtländischen: Das Kapitel bietet eine detaillierte Analyse des Lautsystems des Vogtländischen, einschliesslich langer und kurzer Vokale, Diphthonge und Konsonanten, wobei die typischen Merkmale dieser Varietät hervorgehoben werden.
2.4. Ein Satz in einem Wort? - Das Satzwort kurz erklärt: Dieser Abschnitt behandelt die typischen "Satzwörter" im Vogtländischen, die aus einem Wort eine ganze Satzart ausdrücken können, und illustriert dies anhand von Beispielen wie "Siehdichfür" und "Saufaus".
2.5. Zwischen Erinnerung und Vergessen: Alte Bräuche im Vogtland wiederentdeckt: Das Kapitel stellt traditionelle vogtländische Bräuche wie "Hiemuezet", "Fraadenwaachele", "Fosent" und "Flurfleck" vor und diskutiert deren soziale und kulturelle Bedeutung im historischen Kontext.
3. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die pauschal negative Wahrnehmung des Sächsischen einer differenzierten Betrachtung bedarf und das Vogtländische als eigenständiger, komplexer Regiolekt mit reicher Sprachgeschichte und phonologischen Besonderheiten einen wertvollen Beitrag zur sprachlichen Vielfalt des Deutschen leistet.
Schlüsselwörter
Vogtländisch, Dialektologie, Obersächsisch, Sprachgeschichte, Phonologie, Vokalismus, Konsonantismus, Diphthonge, Satzwörter, Bräuche, regionale Identität, Sprachvarietäten, Perzeptionsdialektologie, Mundartforschung, Kulturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen Überblick über den vogtländischen Dialekt, seine historischen Wurzeln, phonologischen Besonderheiten und kulturellen Aspekte, um die pauschal negative Wahrnehmung sächsischer Dialekte zu differenzieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Wahrnehmungsdialektologie des Obersächsischen, die Entstehungsgeschichte des vogtländischen Sprachraumes, die detaillierte Phonologie des Vogtländischen, spezifische Wortbildungsphänomene wie Satzwörter und die Wiederentdeckung alter vogtländischer Bräuche.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den vogtländischen Regiolekt in seinen historischen, phonologischen, lexikalischen und grammatikalischen Besonderheiten systematisch darzustellen und seine Außenwahrnehmung zu thematisieren, um seinen Wert als Teil der sprachlichen Vielfalt zu betonen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse und Synthese vorhandener sprachwissenschaftlicher Forschung, insbesondere aus der Dialektologie und Perzeptionsdialektologie, um eine systematische Beschreibung zu erstellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Wahrnehmung des Sächsischen, die historische Entwicklung des ostmitteldeutschen und vogtländischen Sprachraums, die Abgrenzung der vogtländischen Mundarten, eine detaillierte phonologische Analyse sowie die Erklärung von Satzwörtern und die Darstellung alter vogtländischer Bräuche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Vogtländisch, Dialektologie, Obersächsisch, Phonologie, Satzwörter, Bräuche, Sprachgeschichte und Perzeptionsdialektologie charakterisiert.
Welche Rolle spielen "Satzwörter" im Vogtländischen?
Satzwörter sind typisch für das Vogtländische und fassen eine ganze Satzart in einem einzigen Wort zusammen, oft mit scherzhafter oder abwertender Funktion, sowohl schriftlich als auch mündlich, wie die Beispiele "Siehdichfür" oder "Saufaus" zeigen.
Welche alten Bräuche des Vogtlandes werden in der Arbeit vorgestellt?
Die Arbeit beschreibt alte vogtländische Bräuche wie das "Hiemuezet" (Brauch zur Geburt), den "Fraadenwaachele" (Festlichkeit zur Taufe), die "Fosent" (Fastnacht) und den "Flurfleck" (Erntedankfest), die die soziale und kulturelle Geschichte der Region widerspiegeln.
Wie unterscheidet sich die Wahrnehmungsdialektologie von der traditionellen Dialektologie?
Die Wahrnehmungsdialektologie untersucht subjektive Vorstellungen, Bewertungen und mentale Konzepte von Laien über regionale Varietäten, während die traditionelle Dialektologie sprachliche Phänomene objektiv beschreibt und kartiert.
Welche spezifischen phonologischen Merkmale des Vogtländischen werden hervorgehoben?
Die Phonologie des Vogtländischen zeichnet sich durch ein reiches System langer und kurzer Vokale mit Tendenzen zu größerer Öffnung und schwächerer Rundung, ein breites Inventar an Diphthongen sowie charakteristische Affrikaten und variantenreiche Liquide im Konsonantismus aus.
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- Anonym (Autor:in), 2025, Der Vogtländische Dialekt im Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1685539