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Jugendliche Widerstandsgruppen im Nationalsozialismus – Täter oder Opfer?

Die Darstellung und Bedeutung der Leipziger Meute im Roman "Bis die Sterne zittern" von Johannes Herwig

Titel: Jugendliche Widerstandsgruppen im Nationalsozialismus – Täter oder Opfer?

Hausarbeit , 2023 , 16 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der vorliegenden Hausarbeit wird die Thematik jugendlicher Widerstandsgruppen in Deutschland während des Nationalsozialismus unter dem Aspekt des Täter-Opfer-Diskurses behandelt.
Im ersten Teil erfolgt zunächst ein historischer Exkurs, der die Entstehung, Beweggründe und Bedeutung von Widerstandsgruppen in Deutschland zusammenfasst. Darüber hinaus wird ein grober Überblick über bekannte Widerstandsgruppen in Deutschland sowie ihre Motivation, das faschistische Herrschaftssystem zu bekämpfen, gegeben. Anschließend wird im zweiten Teil des folgenden Kapitels die Opposition im Raum Leipzig in den Fokus gerückt und dabei auf die sogenannten „Leipziger Meuten“ eingegangen, die sich als Nachreiter linkssozialistischer Widerstandsgruppen einsetzten.

Dies dient als Kontext für den zweiten Teil dieser Arbeit, in dem die Darstellung der Leipziger Meute im Roman „Bis die Sterne zittern“ des 1979 geborenen Leipziger Autors Johannes Herwig² analysiert wird. Dabei wird ihre Zusammensetzung im Roman anhand der Differenzkriterien Class und Gender untersucht sowie ihre Position als Täter oder Opfer thematisiert. Zur Unterstützung des letztgenannten Punktes dienen einige Textausschnitte, die sowohl ihr oppositionelles als auch ihr systemkonformes Handeln markieren.

Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse in einem Fazit festgehalten und eine persönliche Einordnung der Meute im Täter-Opfer-Diskurs vorgenommen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis des E-Books

  • 1. Einleitung............................................................................................................................ 1
  • 2. Jugendlicher Widerstand im Nationalsozialismus ................................................................ 2
    • 2.1 Die Bedeutung von deutschen Widerstandsgruppen während der NS-Zeit ............. 2
    • 2.2 Opposition im Raum Leipzig........................................................................................ 3
  • 3. Darstellung der Leipziger Meute im Roman........................................................................ 6
    • 3.1 Zusammensetzung der Jugendgruppe ...................................................................... 6
    • 3.2 Täter-Opfer-Diskurs innerhalb der Jugendgruppe.................................................. 7
      • 3.2.1 Leipziger Meute als Opfer durch Widerstandsaktionen .............................. 8
      • 3.2.2 Leipziger Meute und ihr systemkonformes Handeln ................................... 9
  • 4. Fazit ................................................................................................................................... 10

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit jugendlichen Widerstandsgruppen in Deutschland während des Nationalsozialismus, insbesondere unter dem Aspekt des Täter-Opfer-Diskurses. Das primäre Ziel ist es, die Darstellung und Bedeutung der Leipziger Meute im Roman „Bis die Sterne zittern“ von Johannes Herwig zu analysieren.

  • Historischer Exkurs zu Widerstandsgruppen in der NS-Zeit.
  • Spezifische Betrachtung der Opposition im Raum Leipzig und der „Leipziger Meuten“.
  • Analyse der Zusammensetzung der Leipziger Meute im Roman „Bis die Sterne zittern“ nach Differenzkriterien wie Klasse und Geschlecht.
  • Untersuchung des Täter-Opfer-Diskurses innerhalb der Jugendgruppe anhand von Textausschnitten, die sowohl oppositionelles als auch systemkonformes Handeln beleuchten.
  • Einordnung der Meute im Täter-Opfer-Diskurs.

Auszug aus dem Buch

2.2 Opposition im Raum Leipzig

Auch in Leipzig waren zahlreiche Ortsgruppen aktiver Jugendbünde des ganzen Reiches vertreten. Über die genaue Anzahl von Meute-Mitgliedern ist jedoch nur wenig überliefert¹⁵. Mit dem Begriff Meute wurden von der Gestapo Jugendgruppen in Leipzig bezeichnet¹⁶, die sich 1936/1937 hauptsächlich aus Lehrlingen, (Hilfs-)Arbeiter*innen, Oberschüler*innen und Studierenden zusammensetzt. Vertreten waren dabei oftmals Berufe aus der Metallindustrie, aber auch klassische Handwerksberufe wie Bäcker oder Klempner¹⁷. Besonders der Leipziger Osten und Westen galt während der Industrialisierung mit seinen massenhaften Fabrik-Standorten als Arbeiterviertel¹⁸. Unter den Meute-Anhänger*innen fanden sich allerdings auch ehemalige Mitglieder der Staatsjugend. Gründe für deren Austritt waren laut Gestapo „Interessenlosigkeit, fehlende Zeit aufgrund der Lehre oder Arbeit und Streitereien mit dem Vorgesetzten“¹⁹. Politische Einwände gegen die Diktatur waren demzufolge nicht zwingend ausschlaggebend für die Distanzierung zur HJ, sondern auch emotionale Unzufriedenheit spielte eine Rolle.

Auf der Suche nach Freizeitmöglichkeiten jenseits der Staatsjugend, fanden sich schließlich politisch gleichgesinnte Jugendliche, die gemeinsam in Leipzig eine neue Freizeit- und Jugendkultur prägten. Die Kontakte entstanden häufig durch das eigene Wohnumfeld in den jeweiligen Vierteln, aber auch gemeinsame Mitgliedschaften früherer Kinder- und Jugendgruppen bildeten die Basis. Die Jugendcliquen etablierten sich zunächst ab 1933 unabhängig voneinander in verschiedenen Stadtteilen. Erst später wurden sie als Meute bekannt und erlebten 1938/1939 ihren Höhepunkt²⁰. Zu dieser Zeit rühmte sich die Stadt besonders mit ihren braunen Wahlergebnissen²¹. Außerdem fand seit 1938 der Meuten-Begriff regelmäßig Eingang in die Akten der NS-Organe²². Ein auffälliges Merkmal der Meute war ihr eigener Dresscode, der sich aus weißen Strümpfen, bunt karierten Flanellhemden, kurzen Lederhosen, roten Halstüchern, blanken Koppelschlössern und vereinzelt aus Totenkopfringen zusammensetzte²³. Ziel dieser Gleichtracht war neben der symbolisierenden Ablehnung der Staatsjugend, auch die Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls innerhalb der Gruppe. Damit hoben sie sich zwar sichtbar von HJ, Erwachsenenwelt und anderen Gruppierungen wie der Swing-Jugend ab, waren aber wiederum durch das öffentliche Tragen ihrer Kluft für ihre Gegner leicht auffindbar. Bei ersten Verhaftungen wurde im Laufe des Jahres 1937 durch die Gestapo ein erstes Trachten- und Aufenthaltsverbot ausgesprochen, was jedoch von den Jugendlichen nicht befolgt wurde, sodass die „erhoffte einschüchternde Wirkung"²⁴ ausblieb. Ein wichtiger und zentraler Treffpunkt der stetig wachsenden Meute war die westlich gelegene Leipziger Kleinmesse, die zunehmend vom HJ-Streifendienst und Gestapo bewacht wurde. Was diese Gruppen vor allem für männlich pubertierende Jugendliche zusätzlich attraktiv erscheinen ließ, war die Tatsache, dass unter ihnen auch Mädchen waren²⁵ und reine Jungenbünde somit allmählich der Vergangenheit angehörten. Weiterhin charakteristisch waren auch gemeinsame Fahrten in die Leipziger Umgebung. Beliebte Ausflugsziele waren u.a. die Lübschützer Teiche östlich von Leipzig und die Steinbrüche bei Brandis²⁶. Diese Orte wurden mitunter regelmäßig von der Connewitzer Meute frequentiert, die zusammen mit der Meute „Arndtstraße“ und „Sidonienstraße“ im Leipziger Süden wütete. Da die Connewitzer Meute weitestgehend von Ermittlungen der Gestapo verschont blieb und auch nur einzelne Mitglieder der Gruppe, deren Namen nur spärlich überliefert, verfolgt wurden, bekam die Meute keinen spezifischen Namen seitens der NS-Organe. Zudem war eine Selbstbezeichnung der Gruppe unbekannt²⁷. Connewitz war zur damaligen Zeit sowohl von Arbeiter*innenfamilien als auch von kleinbürgerlichen Familien bewohnt. Viele von ihnen waren bereits vor 1933 bei den Sozialdemokraten organisiert oder sympathisierten zumindest mit ihnen. Jugendliche aus Arbeiter*innenfamilien waren nicht selten Mitglied bei den Roten Falken oder der SAJ. Das Zentrum des Stadtteils bildete das Connewitzer Kreuz, in dessen Nähe sich zwei Kinos befanden, die zum wesentlichen Treffpunkt der Meute wurden. Die Mitglieder trafen sich abwechselnd vor dem bis heute erhaltenen Universaltheater (UT) in der damaligen Pegauer Straße (heute Wolfgang-Heinze-Straße) und dem Centraltheater in der Bornaischen Straße. Die ca. 10-15 Jugendlichen bestanden sowohl aus Mädchen als auch aus Jungen und unterschieden sich in ihrer Kluft kaum von anderen Leipziger Meuten. Die meisten von ihnen wohnten unweit des Connewitzer Kreuzes oder in der angrenzenden Südvorstadt²⁸. Weiterhin gab es im Zentrum die „St. Pauli“-Meute und die Meute „Gerberstraße“, die sich vorerst als zwei verschiedene Gruppen entpuppten, letztendlich aber im Sommer 1939 miteinander zu einer Meute verschmolzen²⁹.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik jugendlicher Widerstandsgruppen im Nationalsozialismus und den damit verbundenen Täter-Opfer-Diskurs ein, wobei der Fokus auf die Darstellung der Leipziger Meute in einem Roman liegt.

2. Jugendlicher Widerstand im Nationalsozialismus: Hier wird ein historischer Überblick über jugendliche Widerstandsgruppen in Deutschland während der NS-Zeit gegeben, mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Opposition im Raum Leipzig und die sogenannten „Leipziger Meuten“.

3. Darstellung der Leipziger Meute im Roman: Dieses Kapitel analysiert detailliert, wie die Leipziger Meute im Roman „Bis die Sterne zittern“ von Johannes Herwig dargestellt wird, einschließlich ihrer Zusammensetzung, ihres systemkonformen Handelns und ihrer Positionierung im Täter-Opfer-Diskurs.

4. Fazit: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse bezüglich der Leipziger Meute und ihrer Rolle im Täter-Opfer-Diskurs zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Meute im Roman eindeutig als Opfer dargestellt wird, mit einer kritischen Anmerkung zur fehlenden jüdischen Perspektive.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, jugendlicher Widerstand, Leipziger Meute, Täter-Opfer-Diskurs, Johannes Herwig, Bis die Sterne zittern, Antifaschismus, Hitlerjugend, Jugendgruppen, Romananalyse, Geschlechterverteilung, Klassenherkunft, passiver Widerstand, aktiver Widerstand, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht jugendliche Widerstandsgruppen im Nationalsozialismus und analysiert, wie diese im Kontext des Täter-Opfer-Diskurses dargestellt werden, insbesondere am Beispiel der Leipziger Meute in Johannes Herwigs Roman „Bis die Sterne zittern“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind der historische Hintergrund des jugendlichen Widerstands im Nationalsozialismus, die spezifische Situation in Leipzig mit den „Leipziger Meuten“, die literarische Analyse ihrer Darstellung in einem Roman sowie die Verhandlung des Täter-Opfer-Diskurses.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Darstellung und Bedeutung der Leipziger Meute im Roman „Bis die Sterne zittern“ zu untersuchen und ihre Position im Täter-Opfer-Diskurs zu analysieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romans „Bis die Sterne zittern“ in Verbindung mit der Aufarbeitung historischer Kontexte jugendlichen Widerstands im Nationalsozialismus.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Zusammensetzung der Leipziger Meute im Roman, ihre sozialen Hintergründe, die Formen ihres Widerstands und die Frage, wie ihr Handeln im Kontext des Täter-Opfer-Diskurses interpretiert werden kann, unter Berücksichtigung sowohl oppositionellen als auch systemkonformen Verhaltens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Nationalsozialismus, jugendlicher Widerstand, Leipziger Meute, Täter-Opfer-Diskurs, Johannes Herwig und Romananalyse charakterisiert.

Wie wird die Leipziger Meute im Roman charakterisiert und welche sozialen Hintergründe haben ihre Mitglieder?

Die Leipziger Meute im Roman besteht hauptsächlich aus Jugendlichen aus Arbeiterfamilien, viele von ihnen sind Lehrlinge. Im Roman werden ihre einheitliche Kleidung (kurze Lederhosen, Karohemden) und ihre Treffpunkte in Leipzig (z.B. Kinos am Connewitzer Kreuz) detailliert beschrieben. Es wird auch thematisiert, dass die Gruppe Mädchen und Jungen umfasst und trotz ungleicher Geschlechterverteilung keine Hierarchien aufweist.

Welche Formen des Widerstands übt die Leipziger Meute aus und welche Rolle spielt dabei systemkonformes Handeln?

Die Meute übt passiven Widerstand durch Missachtung der HJ-Symbole, Tragen eines eigenen Dresscodes und Fernbleiben von HJ-Veranstaltungen aus. Aktiver Widerstand zeigt sich in der Verbreitung eigener Glossen gegen die NS-Propaganda. Systemkonformes Handeln, wie Harros erzwungener HJ-Beitritt, dient oft dem persönlichen Schutz oder der Tarnung, um den Widerstand ungestört fortsetzen zu können.

Gibt es eine eindeutige Positionierung der Leipziger Meute als Täter oder Opfer im Roman?

Der Roman positioniert die Meute nicht explizit als Täter oder Opfer, sondern überlässt die Interpretation dem Leser. Die Arbeit kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Meute aufgrund ihrer Widerstandsaktionen und der erfahrenen Gewalt eindeutig als Opfer dargestellt wird, auch wenn einzelne systemkonforme Handlungen kurzzeitig die Rolle komplexer erscheinen lassen.

Welche Kritik übt der Autor der Hausarbeit am Roman "Bis die Sterne zittern"?

Der Autor der Hausarbeit bedauert, dass die jüdische Perspektive im Roman kaum Platz findet und dass diskriminierende Begriffe zur Bezeichnung indigener Völker und der Inuit verwendet werden.

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Details

Titel
Jugendliche Widerstandsgruppen im Nationalsozialismus – Täter oder Opfer?
Untertitel
Die Darstellung und Bedeutung der Leipziger Meute im Roman "Bis die Sterne zittern" von Johannes Herwig
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
16
Katalognummer
V1685544
ISBN (PDF)
9783389172285
ISBN (Buch)
9783389172292
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leipziger Meute, jugendliche Widerstandsgruppen Bis die Sterne zittern Johannes Herwig Täter-Opfer-Konflikt Nationalsozialismus Gegenwartsliteratur Roman Jugendgruppen Leipzig Widerstand
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Anonym (Autor:in), 2023, Jugendliche Widerstandsgruppen im Nationalsozialismus – Täter oder Opfer?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1685544
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  16  Seiten
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