Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Genus und Sexus bei dem Indefinitpronomen jemand. Genus bezieht sich auf das grammatische Geschlecht, während Sexus das natürliche Geschlecht meint. Bei letzterem existiert vorrangig die binäre Unterscheidung zwischen männlich und weiblich.
Jedoch gibt es im Deutschen wenig lexikalische Ausdrucksmöglichkeiten für weitere, nicht binäre Sexus. Das Lexem jemand trägt hierbei aufgrund seines maskulines Genus nicht zu einer geschlechterinklusiven Sprache bei, obwohl es laut dem Duden auf eine beliebige, nicht näher bestimmte Person referiert. Aus diesem Grund wird untersucht, wie sich das Indefinitpronomen jemand in der referentiellen Kongruenz auf eine weibliche Person verhält und, ob jemand in der Referenz auf nicht-binäre Personen inklusiver in den Sprachgebrauch eingebettet oder umgangen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Forschungsüberblick zu jemand aus Grammatiken des Deutschen
- 3. Möglicher Lösungsansatz und Argumentation
- 4. Fazit
- 5. Ausblick
- 6. Literaturverzeichnis
- 7. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen grammatischem Genus und natürlichem Geschlecht (Sexus) beim Indefinitpronomen "jemand". Das Hauptziel ist es, konkret zu analysieren, wie sich "jemand" in der referentiellen Kongruenz auf nicht-männliche Personen verhält und ob es Möglichkeiten gibt, das Pronomen inklusiver im Sprachgebrauch einzubetten oder zu umgehen, um zur Sichtbarmachung von Frauen und nicht-binären Personen im Deutschen beizutragen.
- Zusammenhang von Genus und Sexus im Deutschen.
- Grammatisches Genus und Flexion des Indefinitpronomens "jemand".
- Referentielle Kongruenz bei Bezug auf nicht-männliche Personen.
- Analyse von Sprachbeispielen aus dem DWDS-Korpus.
- Diskussion über geschlechtsneutrale Sprachpraktiken und Alternativen.
- Die Rolle der konzeptuellen Kongruenz in der Sprachverwendung.
Auszug aus dem Buch
Möglicher Lösungsansatz und Argumentation
Vor allem in der persönlichen Selbstreferenz fällt auf, dass weibliche Personen das generische Maskulinum als Default von jemand bewusst ablehnen und die feminine Form wählen, in dem das eigentlich maskuline Genus an ihren weiblichen Sexus angepasst wird.
1. ja ich bin jemand die aba/vb kennt!!! (DWDS Webkorpus: Erfahrungsberichte, Butterblumenland, ~2015-04-20, abgerufen am 14.11.2024)
Aber auch, wenn jemand in der Fremdbezeichnung explizit auf eine Frau referiert, werden feminine Verweispronomina verwendet, obwohl grammatisch gesehen, maskuline Verweispronomina vorgesehen sind, wie das folgende Beispiel zeigt.
2. Aber nie hat jemand ihr Image so besudelt wie Lauren Weisberger mit dem Roman "Der Teufel trägt Prada". (DWDS Mode- und Beauty-Blogs: Höllisch schick, ELLE, ~2006-10-12, abgerufen am 26.09.2024)
In diesen Kontexten der konzeptuellen Kongruenz verliert das Indefinitpronomen jemand seine prototypische Funktion der indefiniten Referenz und dient einer diskurs-pragmatischen Typisierung (vgl. Ellsäßer 2023: 224). Die Gründe hierfür sind primär semantischer Natur, da auffällt, dass die konzeptuelle Kongruenz vor allem in Kontexten auftritt, in denen der Referent (Lauren Weisberger) dem Sprecher bekannt ist (vgl. ebd.). So ist am obigen Beispiel klar, dass ihr Image auf das Image von Lauren Weisberger zurückzuführen ist und der Satz zunächst nicht ungrammatisch klingt.
Um in solchen Fällen der Uneindeutigkeit eine gewünschte Geschlechtsneutralität zum Ausdruck zu bringen, kann im Relativsatz zusätzlich die Doppelform jemand, der oder die verwendet werden. Wie die folgenden Korpusdaten zeigen, ist dies kein junges Phänomen.
3. Helfe auch gerne mit Infos und suche auch jemand der oder die mit mir nach Polen auswandern will und würde mich freuen, wenn sich jemand meldet mfg Frank. (DWDS Webkorpus: Auswandern nach Polen, Wohin-Auswandern.de, ~2008-01-16, abgerufen am 13.11.2024)
4. aber wenn du mit 28 deine Pläne überdacht hast, kann es dann auch nicht sein, dass jemand der oder die mit 20 ein Kind bekommen hat, sich mit 28 denkt, dass es vielleicht doch nicht so eine gute Idee war? (DWDS Webkorpus: Selbermach-Sonntag (02.05.10), Mädchenmannschaft, ~2010-05-02, abgerufen am 26.11.2024)
Aber auch aktuelle Quellen spiegeln wider, dass sich die Verwendung der Doppelform der oder die im Relativsatz bereits etabliert hat.
5. Da ich direkt wusste welche Location sich anbieten würde und wie wir ein Outfit/Styling machen könnten, fehlte mir nur noch jemand der oder die das ganze mit mir umsetzt. (DWDS Webkorpus: Are you scared?, mipby.de, ~2020-07-25, abgerufen am 26.11.2024)
6. Ist halt nicht glaubwürdig; ist wie jemand der oder die behauptet vegan zu leben und sich dann ein Schnitzel reindreht. (DWDS Webkorpus: Pressespiegel Wave-Gotik-Treffen 2023: Schwarzes Schaulaufen, Robert Forst, ~2023-06-03, abgerufen am 26.11.2024)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Führt in die Problematik des Zusammenhangs von Genus und Sexus beim Indefinitpronomen "jemand" ein und skizziert die Forschungsfrage zur referentiellen Kongruenz bei nicht-männlichen Personen.
2. Forschungsüberblick zu jemand aus Grammatiken des Deutschen: Beschreibt die grammatischen Eigenschaften von "jemand" als maskulines Indefinitpronomen, dessen Anwendung aber geschlechtsunspezifisch sein kann, und beleuchtet die Genustheorie.
3. Möglicher Lösungsansatz und Argumentation: Untersucht Korpusbeispiele, die zeigen, wie "jemand" in der Praxis auf nicht-männliche Personen referiert, und diskutiert die Verwendung femininer Verweispronomina sowie geschlechtsneutraler Doppelformen und Neopronomen.
4. Fazit: Fasst zusammen, dass die Verwendung femininer Verweispronomina für "jemand" kontextabhängig akzeptabel ist, die Hypothese der strikt maskulinen Kongruenz widerlegt wird und Doppelformen inklusiver sind.
5. Ausblick: Schlägt vor, zukünftige Forschung auf neutrale Umformulierungen des Lexems "jemand" zu konzentrieren, um das generische Maskulinum zu umgehen.
Schlüsselwörter
Grammatisches Genus, Sexus, Indefinitpronomen, jemand, jemensch, referentielle Kongruenz, Genderlinguistik, generisches Maskulinum, geschlechtsneutrale Sprache, Doppelform, Verweispronomen, Korpusanalyse, Sprachwandel, Deutsche Grammatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen grammatischem Genus und natürlichem Geschlecht (Sexus) beim Indefinitpronomen "jemand" und dessen Auswirkungen auf eine geschlechterinklusive Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Analyse des Indefinitpronomens "jemand", das grammatische Genus im Deutschen, die referentielle Kongruenz und die Herausforderungen einer geschlechtergerechten Sprache.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, welche Veränderungen in der referentiellen Kongruenz von "jemand" auftreten, wenn es sich auf nicht-männliche Personen bezieht, und wie man zur Sichtbarmachung dieser Personen beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine korpuslinguistische Methode, indem sie authentische Sprachbeispiele aus dem DWDS-Korpus analysiert und diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die grammatischen Aspekte von "jemand", relevante Genustheorien sowie mögliche Lösungsansätze und Argumentationen anhand von Sprachbeispielen behandelt, die die referentielle Kongruenz bei nicht-männlichen Personen beleuchten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakterisierende Schlüsselwörter sind: Grammatisches Genus, Sexus, Indefinitpronomen, jemand, referentielle Kongruenz, Genderlinguistik, geschlechtsneutrale Sprache, Korpusanalyse, Sprachwandel.
Wie verhält sich das grammatisch maskuline Genus von "jemand" in Bezug auf nicht-männliche Referenten?
Obwohl "jemand" grammatisch maskulin ist, zeigt die Analyse, dass im Sprachgebrauch feminine Verweispronomina verwendet werden können, wenn auf Frauen referiert wird, insbesondere wenn der Sprecher und Hörer das Geschlecht der referierten Person kennen.
Welche Rolle spielt die Doppelform "der oder die" bei der Geschlechtsneutralität?
Die Doppelform "jemand, der oder die" im Relativsatz trägt zu einer inklusiveren Sprache bei, in der sich auch Frauen angesprochen fühlen, auch wenn dies zu Kongruenzunsicherheiten bei nachfolgenden Pronomen führen kann.
Wird das Neopronomen "jemensch" als Lösung für Geschlechtsneutralität vorgeschlagen?
Das Neopronomen "jemensch" wird als geschlechtsneutraler Ersatz für "jemand" vorgestellt. Die Arbeit kommt jedoch zu dem Schluss, dass es aufgrund seines ebenfalls maskulinen Genus in Relativsätzen dieselbe Doppelform "der oder die" benötigt, um Geschlechtsneutralität auszudrücken.
Welche künftigen Forschungsansätze werden im Hinblick auf "jemand" vorgeschlagen?
Für zukünftige Untersuchungen wird vorgeschlagen, die Umgehung des Lexems "jemand" durch neutrale Umformulierungen, wie zum Beispiel "Eine Person", zu prüfen, um die Diskussion um das generische Maskulinum weiterzuführen.
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- Johanna Nickiewicz (Autor), 2025, Zusammenhang zwischen Genus und Sexus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1685546