Zunächst wird die Popliteratur der 1990er Jahre behandelt, wobei vor allem auf einzelne Merkmale und Schreibweisen dieser Zeit eingegangen wird. Thematisiert wird dabei sowohl der Inhalt als auch die Sprache. Anhand dessen werden anschließend ausgewählte Beispiele aus Christian Krachts Roman "Faserland" aufgezeigt und dabei eine Einordnung in die Popliteratur vorgenommen. Im darauffolgenden Punkt wird explizit das Motiv der Grenzüberschreitung und Identitätssuche aufgegriffen. Bezüglich der Grenzüberschreitung wird der Fokus hierbei primär auf dem Konsumverhalten des Protagonisten liegen. Sexuelle Unsicherheit kennzeichnen in dieser Arbeit den Prozess der Identitätssuche. Im letzten Kapitel wird sich mit der Darstellung von Identitäten des Protagonisten beschäftigt. Darin soll speziell die Konstruktion des Dandys und Flaneurs anhand von Beispielen aus dem Werk untersucht werden sowie deren Herstellung mit Popschreibweisen. Die Arbeit schließt mit einem Fazit ab.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Popliteratur der 1990er Jahre
- 2.1 Merkmale und Schreibweisen der Popliteratur der 1990er Jahre
- 2.2 Darstellung ausgewählter Motive im Roman anhand von Beispielen
- 3. Grenzüberschreitungen und Identitätssuche des Protagonisten
- 3.1 Im Konsumverhalten
- 4. Darstellung von Identitäten des Protagonisten
- 4.1 Als Dandy
- 4.2 Als Flaneur
- 5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht Christian Krachts Roman Faserland mit dem primären Ziel, die dort konstruierten Identitäten des Protagonisten im Kontext der Popliteratur der 1990er Jahre zu analysieren und zu beleuchten, inwiefern diese Identitäten durch sogenannte Pop-Schreibweisen hergestellt werden. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Grenzüberschreitungen und Identitätssuche im Roman dargestellt und mit popliterarischen Merkmalen verknüpft werden.
- Analyse der Merkmale und Schreibweisen der Popliteratur der 1990er Jahre.
- Identifikation und Darstellung ausgewählter Motive aus Christian Krachts Roman Faserland.
- Untersuchung von Grenzüberschreitungen und der Identitätssuche des Protagonisten, insbesondere im Konsumverhalten und der sexuellen Unsicherheit.
- Darstellung spezifischer Identitäten des Protagonisten wie des Dandys und des Flaneurs.
- Beleuchtung der Rolle von Konsumverhalten und Markenfetischismus als Kompensationsstrategie.
Auszug aus dem Buch
3. Grenzüberschreitungen und Identitätssuche des Protagonisten
Im vorherigen Kapitel wurde bereits, bezogen auf die andauernden Standortwechsel, auf Grenz-überschreitungen im lokalen Sinne eingegangen. In diesem Kapitel werden nun Grenzüber-schreitungen im Verhalten des Protagonisten thematisiert.
Diese sind zunächst dadurch bedingt, dass der Protagonist offenbar Schwierigkeit hat, persön-liche Grenzen zu setzen und sich schnell von seinem Umfeld mitreißen lässt. Dies äußert sich primär in seinem übermäßigen Drogen- und Alkoholkonsum. Bereits auf der ersten Seite von Faserland findet der Verzehr von Alkohol statt: „ich stehe da bei Gosch und trinke ein Jever.“. Der Genuss von billigen Bieren ist jedoch im gesamten Roman die Ausnahme. Es werden neben diversen Weinen vermehrt teure und höher prozentuierte alkoholische Getränke konsumiert, darunter Champagner der Marke Roederer, Gin Tonic oder ein Brandy Alexander. Durch den Konsum von teuren Getränken wird versucht ein Statussymbol zu setzen bzw. versucht den Nachweis zu erbringen, Mitglied einer Wohlstandsgesellschaft zu sein.
Auf der Zugfahrt von Sylt nach Hamburg bestellt der Protagonist fünf Flaschen Ilbesheimer Herrlich. Obwohl ihm das Gehen bereits schwerfällt, schafft er es noch sich auf der Zugtoilette einzuschließen, wo ihm schließlich leicht übel wird. Von sich selbst behauptet er jedoch: „Ei-nen Kater bekomme ich ja nicht mehr. Anfangs habe ich noch gedacht, daß [sic!] ich Alkoholi-ker geworden sei, aber inzwischen denke ich das nicht mehr, auch wenn ich zwei Tage und zwei Nächte durchgetrunken habe [...]“. Ziel seines übermäßigen Alkoholkonsums ist schlichtweg die eigene Betäubung: „Ich [...] brauche aber noch mehr, weil ich den Grad erreichen will, der kurz vor dem Vollrausch eintritt.
Darüber hinaus lässt sich der Protagonist zusätzlich als Kettenraucher bezeichnen. In beinahe jeder möglichen Situation wird eine Zigarette geraucht, um unangenehmen Momenten zu ent-fliehen: „Ich weiß nicht, wohin mit meinen Händen, also zünde ich mir eine Zigarette an.“. Eine Grenzüberschreitung findet hierbei bei der Missachtung von tatsächlichen Rauchverboten statt. Beispielsweise bucht sich der Protagonist für seinen Flug von Hamburg nach Frankfurt am Schalter ein Ticket mit Sitzplatz im Nichtraucher-Bereich. Noch währenddessen zündet er sich eine Zigarette an und verwundert somit die Frau von der Lufthansa. Eine ähnliche Pro-vokation findet erneut kurze Zeit später im Flugzeug statt: „Ich zünde mir noch eine Zigarette an, obwohl das Nichtraucherzeichen schon seit einiger Zeit leuchtet“. Im letzten Kapitel be-schließt der Protagonist kurzzeitig sich das Rauchen abzugewöhnen und legt seine angebro-chene Zigarettenschachtel auf dem Tisch eines Cafés nieder. Zehn Minuten später bereut er jedoch seine Entscheidung und kauft sich aus Schwäche eine Neue, als er beim Zurückgehen feststellt, dass sich seine soeben abgelegte Schachtel nicht mehr auf dem Tisch befindet.
Doch Zigaretten und Alkohol sind nicht die einzigen vom Protagonisten konsumierten Betäu-bungsmittel. Dabei findet er „Drogen absolut widerlich". Dennoch entscheidet er auf einer Party mit Nigel in Hamburg eine unbekannte Pille zu nehmen, welche er mit einem großen Schluck Prosecco runterspült. Nachdem ihm diese Pille nicht sonderlich gut bekommen ist, bleibt er auf einer weiteren Party in Heidelberg seiner ursprünglichen Anti-Haltung gegenüber Drogen standhaft und lehnt das Angebot eine Line Koks zu ziehen konsequent ab. In München bekommt er gemeinsam mit seinem Freund Rollo von einem Hippie erneut zwei Pillen ange-dreht, die sie beide zwar annehmen, jedoch nicht konsumieren.
Eine weitere markante Provokation und Grenzüberschreitung in Faserland ist die wiederkeh-rende Nennung und mitunter explizite Beschreibung von Exkrementen und anderen Körperaus-scheidungen, wie Kot, Urin, Kotze, Blut, Schweiß und Sperma. „Ich [...] sehe, daß [sic!] ich ins Bett gekotzt habe, aber das ist nicht alles, nein, ich habe auch noch ins Bett geschissen.“. Diese ausführliche Schilderung von in der Gesellschaft verpönten Tabu-Themen ist ein typi-sches Merkmal in der Popliteratur.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Popliteratur der 1990er Jahre ein, positioniert Christian Krachts Roman Faserland als Gründungsdokument der zweiten deutschen Popliteratur und skizziert die Struktur der Arbeit bezüglich Identitätssuche und Popschreibweisen.
2. Popliteratur der 1990er Jahre: Hier werden die spezifischen Merkmale und Schreibweisen der Popliteratur der 1990er Jahre erläutert und anhand ausgewählter Beispiele aus Faserland, wie der ständigen Markennennung und dem Motiv der Rastlosigkeit, illustriert.
3. Grenzüberschreitungen und Identitätssuche des Protagonisten: Dieses Kapitel befasst sich mit den thematischen Grenzüberschreitungen des Protagonisten, insbesondere seinem exzessiven Konsumverhalten von Alkohol und Drogen sowie seiner sexuellen Unsicherheit.
4. Darstellung von Identitäten des Protagonisten: Es wird die Konstruktion und Inszenierung des Protagonisten als Dandy und Flaneur analysiert, wobei sein Stilbewusstsein und seine Rolle als Beobachter im Vordergrund stehen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, die den Protagonisten als facettenreichen Charakter innerhalb der Popliteratur ausweisen, und schlägt weiterführende Forschungsfragen, wie die Analyse hochkultureller Referenzen und des Verhältnisses zum Nationalsozialismus, vor.
Schlüsselwörter
Christian Kracht, Faserland, Popliteratur, 1990er Jahre, Identitätssuche, Grenzüberschreitungen, Pop-Schreibweisen, Konsumverhalten, Dandy, Flaneur, Sexuelle Unsicherheit, Postmoderne Gesellschaft, Oberflächenfaszination, Rastlosigkeit, Tabu-Themen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Hausarbeit analysiert Christian Krachts Roman Faserland, um die dort konstruierten Identitäten des Protagonisten im Kontext der Popliteratur der 1990er Jahre zu untersuchen und zu zeigen, wie diese Identitäten mittels Pop-Schreibweisen erzeugt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Merkmale und Schreibweisen der Popliteratur der 1990er Jahre, Grenzüberschreitungen und Identitätssuche des Protagonisten, die Rolle des Konsumverhaltens, sexuelle Unsicherheit sowie die Darstellung des Protagonisten als Dandy und Flaneur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern die im Roman Faserland konstruierten Identitäten des Protagonisten mit Pop-Schreibweisen hergestellt werden, wobei die Analyse von Grenzüberschreitungen und der Identitätssuche im Mittelpunkt steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit bedient sich einer literaturwissenschaftlichen Analysemethode, indem sie Poptheorie auf ausgewählte Textbeispiele aus Christian Krachts Roman Faserland anwendet, um die Konstruktion von Identitäten und Schreibweisen zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil der Arbeit behandelt die Merkmale der Popliteratur der 1990er Jahre, zeigt ausgewählte Motive aus Faserland auf, thematisiert Grenzüberschreitungen und die Identitätssuche des Protagonisten (insbesondere im Konsumverhalten und der sexuellen Unsicherheit) und analysiert dessen Darstellung als Dandy und Flaneur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Christian Kracht, Faserland, Popliteratur, 1990er Jahre, Identitätssuche, Grenzüberschreitungen, Pop-Schreibweisen, Konsumverhalten, Dandy, Flaneur, sexuelle Unsicherheit, Postmoderne Gesellschaft, Oberflächenfaszination, Rastlosigkeit und Tabu-Themen.
Warum gilt Christian Krachts Roman Faserland als Gründungsdokument der zweiten deutschen Popliteratur?
Faserland gilt als Gründungsdokument, weil es 1995 erschien und mit seinem zynischen, nüchternen und ironischen Erzählton sowie der Reflexion postmoderner Gesellschaftsmerkmale die Bewusstseinsänderung und neuen Schreibweisen der Popautor*innen Mitte der 90er Jahre maßgeblich prägte.
Welche weiterführenden Forschungsfragen schlägt die Arbeit vor?
Die Arbeit schlägt vor, zukünftig intensiver den Einsatz hochkultureller Referenzen im Werk sowie die Verbindung des Protagonisten zum Nationalsozialismus zu untersuchen, dessen politische Einstellung als vielseitig und widersprüchlich erscheint.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2024, Von Sylt bis Kokain. Grenzüberschreitungen und Identitätssuche in Christian Krachts Roman "Faserland", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1685552