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Herzeloyde als Medium der Zeitenwende in Wolframs von Eschenbach "Parzival"

Title: Herzeloyde als Medium der Zeitenwende in Wolframs von Eschenbach "Parzival"

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Agathe Schreieder (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Versucht man, sich der Figur Herzeloyde in Wolframs von Eschenbach Parzival mithilfe der Forschungsliteratur anzunähern, so sieht man sich schnell vor das Problem gestellt, dass diese Gestalt ungewöhnlich kontrovers diskutiert wird. Ist sie nun das „menschliche Abbild der schmerzensreichen Mutter“, wie Gustav Ehrismann bereits 1927 behauptet oder ist doch eher Gertrude Lewis zuzustimmen, die zu folgender Erkenntnis kommt: „Wolfram stellt tatsächlich eine königliche Frau dar mit all ihren Intrigen, ihren um Mitleid heischenden Schwächen, ihrem Stolz, ihren selbstischen Plänen und ihrer letzten Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit“?
Diese Arbeit soll zeigen, dass die Mutter Parzivals von entscheidender Bedeutung für dessen Entwicklung ist. Sie ist als Bindeglied zwischen der von seinem Vater repräsentierten Ritterschaft "von art" und dem Gralsrittertum, das der Protagonist zu erlangen sucht, unverzichtbare Voraussetzung für die Weiterentwicklung des Letzteren aus Ersterem. Herzeloyde fungiert als Medium der Zeitwende – in ihr und durch sie erscheint erstmals eine dem Gahmuret-Rittertum überlegene Lebensform als Perspektive.
Zunächst soll eine kurze Auflistung der gegenüber der Vorlage Chrétiens de Troyes vorgenommenen Veränderungen deutlich machen, dass Wolfram die Figur der Herzeloyde entscheidend um- und aufwertet und ihr somit offenbar eine neue Bedeutung zumisst. Im Anschluss daran wird anhand des Textes Wolframs der Versuch unternommen, die richtungsweisende Funktion dieser Frauengestalt aufzuzeigen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Das Rätsel Herzeloyde

2 Perceval und Parzival – die Weiterentwicklung der Mutterfigur

3 Herzeloyde als Medium der Zeitenwende

3.1 Das Bindeglied Herzeloyde

3.2 Das mütterliche Erbe

3.2.1 Parzivals Genealogie

3.2.2 Die triuwe und das Leid der Mutter

3.2.2.1 Der Drachentraum

3.2.2.2 Herzeloyde als Mater dolorosa

3.3 Leid als Kritik am Gesellschaftsmodell

3.4 Der heilsgeschichtliche Aspekt

3.4.1 Marianische Topik

3.4.1.1 Marien-Attribute

3.4.1.2 Herzeloydes Apokalypse

3.4.1.3 Herzeloyde lactans

3.4.2 Herzeloyde als Vorbotin der Gralsherrschaft

3.5 Der Rückzug nach Soltane

3.5.1 Parzivals art

3.5.2 Herzeloydes triuwe

3.6 Präfiguration und Parzivals Happy End

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der Figur Herzeloyde in Wolframs von Eschenbach „Parzival“. Dabei wird der Fokus auf ihre Funktion als Bindeglied zwischen der väterlichen Ritterschaft und dem Gralsrittertum sowie als Medium einer heilsgeschichtlichen Zeitenwende gelegt, wobei ihre Figur als Vorformung und Mittlerin für die Entwicklung Parzivals analysiert wird.

  • Die Weiterentwicklung der Mutterfigur im Vergleich zu Chrétiens „Perceval“
  • Herzeloyde als Bindeglied und Trägerin des mütterlichen Erbes (triuwe)
  • Leid als implizite Kritik am höfischen Gesellschaftsmodell
  • Die heilsgeschichtliche Dimension und Anlehnung an die Marianische Topik
  • Die Präfiguration von Parzivals Schicksal durch den Lebensweg der Mutter

Auszug aus dem Buch

3.2.2.1 Der Drachentraum

Diu vrouwe umb einen mitten tac eins angestlîchen slâfes pflac. ir kom ein vorhtlîcher schric. si dûhte wie ein sternen blic si gein den lüften vuorte, dâ si mit creften ruorte manc viurîn donerstrâle. Die vlugen al zemâle gein ir: dô sungelt unde sanc von gänstern ir zöpfe lanc. mit crache gap der doner duz: brinnende zäher was sîn guz. ir lîp si dâ nâch wider vant, dô zucte ein grîfe ir zeswen hant: daz wart ir verkêrt hie mite. si dûhte wunderlîcher site, wie si waere eins wurmes amme, der sît zervuorte ir wamme, und wie ein trache ir brüste süge, und daz der gâhes von ir vlüge, sô daz si in nimmer mêr gesach. daz herze er ir ûz dem lîbe brach: die vorhte muosen ir ougen sehen. es ist selten wîbe mêr geschehen in slâfe kumber dem gelîch. dâvor was si ritterlîch: ach wênc, daz wirt verkêrt gar, si wirt nâch jâmer nu gevar. (103,25-104,22)

Dieses prophetische Traumerlebnis „erzeugt eine Atmosphäre der Bedrohung, spricht verschlüsselt von Tod, Geburt und Verlust. Zusammen mit den Klagen des Erzählers [wê unde heiâ hei, / daz güete alsölhen kumber tregt / und immer triuwe jâmer regt! 103,20-22] bereitet er das Publikum auf den Leidensweg der eben noch als Inbegriff höfischer Schönheit und Idealität gefeierten Königin vor“.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Das Rätsel Herzeloyde: Dieses Kapitel thematisiert die kontroverse literaturwissenschaftliche Diskussion um die Figur der Herzeloyde und verortet sie als unverzichtbares Bindeglied für Parzivals Entwicklung.

2 Perceval und Parzival – die Weiterentwicklung der Mutterfigur: Hier wird der entscheidende Wandel der Mutterfigur bei Wolfram im Vergleich zur Vorlage bei Chrétien de Troyes herausgearbeitet.

3 Herzeloyde als Medium der Zeitenwende: Das Hauptkapitel analysiert die funktionale Rolle der Herzeloyde als Mittlerin zwischen der Gahmuret-Welt und dem Gralsrittertum anhand verschiedener Ebenen.

4 Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Resümee, dass Herzeloyde als funktionales Medium und als Verkörperung christlich-heilsgeschichtlicher Werte die entscheidende Voraussetzung für Parzivals erfolgreichen Weg zum Gralskönig darstellt.

Schlüsselwörter

Herzeloyde, Wolfram von Eschenbach, Parzival, Gahmuret, Gralsrittertum, triuwe, mütterliches Erbe, Heilsgeschichte, Mater dolorosa, Maria lactans, Ritterschaft, Zeitenwende, Soltane, Präfiguration, höfisches Ideal

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Figur der Herzeloyde in Wolframs von Eschenbach „Parzival“ und analysiert deren zentrale Funktion für die Entwicklung des Protagonisten vom ritterlichen Erben Gahmurets zum Gralsritter.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Umwertung der Mutterfigur bei Wolfram, dem mütterlichen Erbe (triuwe), der Kritik am Gahmuret-Ritterideal sowie dem heilsgeschichtlichen Aspekt durch mariologische Bezüge.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass Herzeloyde weit mehr als ein Randcharakter ist; sie dient als „Medium der Zeitenwende“, das den Übergang von einer vorarturischen, kämpferischen Ritterschaft hin zu einer christlich orientierten Gralsgemeinschaft einleitet.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die intensiv mit der vorhandenen Forschungsliteratur (z.B. Christa Ortmann, Katharina Ebel) arbeitet und den Originaltext von Wolfram von Eschenbach direkt befragt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Herzeloyde als Bindeglied zwischen Vater und Sohn, ihr mütterliches Erbe (insbesondere die triuwe), ihre Funktion als Kritikerin des Gesellschaftsmodells und ihre Identifizierung durch marianische Attribute.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Herzeloyde, triuwe, Gralsrittertum, Heilsgeschichte, Präfiguration und Gahmuret-Art geprägt.

Warum wird Herzeloydes Verhalten nach dem Tod Gahmurets als besonders eingestuft?

Ihr Verhalten – wie das Zerreißen des Hemdes und das Stillen des Kindes entgegen adliger Normen – wird als ungebührlich empfunden, ist jedoch allegorisch als Ausdruck ihrer absoluten triuwe und ihrer Rolle als „Mater dolorosa“ bzw. „Maria lactans“ zu verstehen.

Inwiefern beeinflusst der „Drachentraum“ die Wahrnehmung der Figur?

Der Traum fungiert als prophetisches Erlebnis, das das Ende der Gahmuret-Welt antizipiert und die Figur der Herzeloyde in einen Leidensprozess überführt, der für ihre Funktion im Heilsplan wesentlich ist.

Was bedeutet der „Rückzug nach Soltane“ in diesem Zusammenhang?

Der Rückzug ist kein pädagogisches Versagen, sondern eine bewusste Abkehr von einer gewaltgeprägten, sinnlos reproduzierenden Ritterkultur, um dem Sohn eine alternative Lebensform fernab der Gahmuret-Ritterschaft zu ermöglichen.

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Details

Title
Herzeloyde als Medium der Zeitenwende in Wolframs von Eschenbach "Parzival"
College
University of Regensburg
Grade
1,0
Author
Agathe Schreieder (Author)
Publication Year
2004
Pages
23
Catalog Number
V168558
ISBN (eBook)
9783640857494
ISBN (Book)
9783640858682
Language
German
Tags
ÄDL Wolfram von Eschenbach Eschenbach Parzival Herzeloyde Rittertum
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Agathe Schreieder (Author), 2004, Herzeloyde als Medium der Zeitenwende in Wolframs von Eschenbach "Parzival", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168558
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