Entwurf zum 1. Unterrichtsbesuch zu dem Thema "Emilia Galotti"

Ist die Figur der Emilia ein Opfer der bürgerlichen Moralvorstellungen oder entwickelt sie sich zu einer Frau, die beginnt zu handeln?


Unterrichtsentwurf, 2010

8 Seiten, Note: 11


Leseprobe

1. Lernbedingungen

1.1 Beschreibung der Lerngruppe

Grundsätzlich herrscht eine angenehme und konstruktive Arbeitsatmosphäre. Die SuS sind den Inhalten des Faches Deutsch gegenüber aufgeschlossen und arbeiten zumeist konzentriert und engagiert. Die Lern- und Leistungsbereitschaft ist als hoch einzuschätzen, einigen SuS fällt es jedoch schwer, den Anforderungen der gymnasialen Oberstufe gerecht zu werden[1]. Die schriftlichen Leistungen einzelner SuS divergieren stark von ihren mündlichen Leistungen. Die mündliche Beteiligung am Unterricht ist sehr heterogen. In der Klasse fallen besonders drei leistungsstarke SuS auf. Sie sind im Unterricht sehr präsent und aktiv und beteiligen sich mit guten bis sehr guten Beiträgen. Der Schüler ist mit seinen Gedanken oft einen Schritt voraus. Eine der beiden Schülerinnen beteiligt sich sehr aktiv am Unterricht, die andere ist eher etwas zurückhaltend. Sie hat jedoch eine sehr gute Beobachtungsgabe, kann Sachverhalte gut einordnen, zu ihnen Stellung beziehen und diese beurteilen. Fünf SuS sind im oberen Mittelfeld, sechs SuS im unteren Mittelfeld zu verorten. Daneben gibt es sechs SuS, die sich selten und größtenteils nur nach Aufforderung am Unterrichtsgeschehenbeteiligen. Ihre Beiträge unterscheiden sich dann auch stark von den oben dargestellten SuS, indem sie teilweise nicht in der Lage sind auf Rückfragen qualitativ gute Antworten zu geben. Einer dieser Schüler ist sehr introvertiert, zeigt aber ausreichende Leistungen im schriftlichen Bereich und arbeitet still mit. Fünf Schüler kommen aus Familien mit muslimischem Hintergrund. Sie reagieren teilweise sehr sensibel auf bestimmte Themen[2] und bringen ihre „Andersartigkeit“ auch immer wieder scherzhaft zum Ausdruck. Vier dieser SuS sind in die Gruppe der sich selten beteiligenden SuS einzuordnen. Insgesamt ist festzustellen, dass es eine beträchtliche Leistungsspanne zwischen den leistungsstarken und den leistungs-schwächeren SuS gibt, was jedoch im Unterrichtsgeschehen selbst zu keinen gravierenden Einschränkungen führt. Es fallen noch zwei weitere SuS durch Nichtbeteiligung am Unterricht auf. Der Schüler wiederholt die Jahrgangsstufe[3], ist also mit dem Thema der Einheit bereits vertraut. Hier vermute ich, dass er sich unsicher ist, ob er mit eventuellen Beiträgen Ergebnisse vorweg nehmen könnte. Die Schülerin beteiligte sich vor den Herbstferien regelmäßig und mit guten Beiträgen am Unterricht, jedoch ist ihre Beteiligung in der aktuellen Einheit stark zurückgegangen. Ich vermute, dass sie sich sehr an die Lehrerin gewöhnt hatte und mit dem Lehrerwechsel (noch) nicht zurechtkommt. Grundsätzlich verhalten sich die SuS aber mir, untereinander und auch der Lehrerin gegenüber respektvoll und kooperativ.

1.2 Lernausgangslage

In der Einheit vor den Herbstferien wurden anhand mehrerer Kurzgeschichten aus dem 20. Jahrhundert Text- und Interpretationsanalyse behandelt. Durch textimmanentes Analysieren und Interpretieren wurden inhaltliche und formale Merkmale von Kurzgeschichten erarbeitet. Die SuS schulten ihre Analyse- und Kritikfähigkeit, indem sie nicht nur die Kurzgeschichten, sondern auch ihre eigenen Interpretationsansätze analysierten und sich gegenseitig Feedback gaben. Einigen SuS fiel es schwer, bei den Interpretationen die Hauptaspekte der Kurzgeschichten zu erkennen und sich dann auf diese beschränkenzu können.

In der aktuellen Unterrichtseinheit liegt der Schwerpunkt auf der Epoche der Aufklärung. Die SuS lernen verschiedene methodische Textzugänge kennen und anzuwenden. Exemplarisch wird das bürgerliche Trauerspiel „Emilia Galotti“ von Gotthold Ephraim Lessing behandelt. Vorbereitend haben die SuS die Ganzschrift selbstständig gelesen. Das Werk dient stets als Text- und Arbeitsgrundlage. Die Inhaltsklärung und –sicherung des Dramas erfolgte durch kreative Gestaltung der einzelnen Aufzüge in Gruppenarbeit.

In einem zweiten Schritt wurde der literatursoziologische Zugang behandelt, damit die SuS sich in die Welt, das Denken und die Wertebegriffe des 18. Jahrhunderts einfühlen können. Anhand wissenschaftlicher Texte wurden die Funktion der bürgerlichen Familie und deren Moralvorstellungen erarbeitet, an den Figuren der Familie Galotti und insbesondere der Figur der Emilia präzisiert und in den Moralkontext des18. Jahrhundert eingeordnet. Die SuS sollen lernen, genauer mit Texten umzugehen. Die ausgewählten Texte waren anspruchsvoll und haben die SuS teilweise überfordert.

Um die Empathie für Figuren weiter entwickeln zu können sollen die SuS in der heutigen Stunde eine Stimmenskulptur[4] entwickeln. Die SuS haben bisher noch keine Erfahrungen mit dem szenischen Interpretieren gemacht, daher muss die Methode in der Stunde eingeführt werden.

1.3 Lernstand

In den bisherigen Unterrichtsstunden zu dieser Unterrichtsreihe wurde der Akzent auf die Aufzüge 2 bis 4 und die bürgerliche Familie im 18. Jahrhundert am Beispiel der Familie Galotti gelegt. Die SuS haben u.a. Rollenbiographien zu den Familienmitgliedern der Galottis geschrieben. In der letzten Stunde wurden die Auftritte 7 und 8 des 5. Aufzuges gemeinsam gelesen und erste Eindrücke besprochen. Die Entwicklung und Ambivalenz der Figur der Emilia ist jedoch noch nicht hinreichend ausdifferenziert worden und soll daher das Thema der heutigen Stunde sein.

[...]


[1] In der letzten Klausur erreichten die SuS durchschnittlich 6,3 Punkte.

[2] Z.B. bei dem Thema Emilia als Maitresse Hettores und der damit verbundenen Entjungferung Emilias.

[3] Er wiederholt die Jahrgangsstufe aufgrund ungenügender Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern.

[4] Scheller weist darauf hin, dass mit Hilfe von Stimmenskulpturen „die ambivalenten inneren Strebungen der Figuren in kritischen Situationen sichtbar gemacht und gedeutet werden können.“ Scheller, Ingo (1996): Szenische Interpretation. In: Praxis Deutsch 136, S. 22 – 32. S. 27.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Entwurf zum 1. Unterrichtsbesuch zu dem Thema "Emilia Galotti"
Untertitel
Ist die Figur der Emilia ein Opfer der bürgerlichen Moralvorstellungen oder entwickelt sie sich zu einer Frau, die beginnt zu handeln?
Note
11
Autor
Jahr
2010
Seiten
8
Katalognummer
V168584
ISBN (eBook)
9783640874576
ISBN (Buch)
9783640874491
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Abbildung wurde aus urheberrechtlichen Gründen entfernt
Schlagworte
Emilia Galotti, Lessing, Stimmenskulptur
Arbeit zitieren
Sarah Müller (Autor), 2010, Entwurf zum 1. Unterrichtsbesuch zu dem Thema "Emilia Galotti", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168584

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