Gemeinwesenarbeit - Definitionen, Formen, Ziele


Hausarbeit, 2007

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die historische Entwicklung
2.1. Historische Entwicklung in Deutschland

3. Definitionen

4. Merkmale

5. Nutzen und Wirkung

6. Ziele

7. Grenzen

8. Formen
Wohlfahrtstaatliche GWA
Integrative GWA
Aggressive GWA
Katalytisch-aktivierende GWA
Integrative, lebensweltliche GWA als Netzwerk
Soziokulturelle GWA
Definition Kultur

9. Phasen

10. Intermediäre Funktion
10.1 Intermediäre Instanzen
Intermediäre dürfen bei ihrer Arbeit nicht ihrer eigenen Biografie verfallen
Was heißt das?

11. Thesen für die Umsetzung der GWA
12. Quartiersmanagement
Quartiersmanagement in Deutschland
Der Beitrag der Gemeinwesenarbeit zum Quartiersmanagement

13. Gesellschaftliche Bedingungen und Veränderungsstrategien in der aktivierenden GWA
Lernprozesse beim Handeln
Verbesserung der Lebensbedingungen durch Sacherfolge
gesetzliche Institutionalisierung
Organisierung und Durchsetzung von politischer Partizipation

14. Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt"

15. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Am häufigsten ist die untere Bildungsschicht auf die Hilfe der Gemeinwesenarbeiter angewiesen. Es fehlt ihnen meist an Erfahrungen im Anfertigen von Schriftsätzen, in der Auslegung von Rechtsvorschriften, mit der Öffentlichkeitsarbeit oder im Umgang mit den Behörden.

Bei einer soliden Planung und Durchführung ist es auch in örtlich überschaubaren Gemeinden möglich, bestehende Machtverhältnisse zu beeinflussen oder zu verändern.

Die Gemeinwesenarbeit übernimmt eine vermittelnde Funktion und sucht den Dialog zwischen z.B. Institution und Bürger. Da die Armut in Deutschland immer mehr wächst, und die Bewohner sich nicht selbstständig aus der Misslage befreien können, werden Gemeinwesenarbeiter immer wichtiger. Sie sind es, die ein Gemeinwesen mobilisieren können und ihm Hilfestellung in Form von Konzepten, Informationsmaterial aber auch Ideen geben können. Die Bevölkerung verändert so leichter und vor allem geplanter ihre jetzige Lebenssituation.

2. Die historische Entwicklung

Das Pfarrerehepaar Barnett gründete 1884 in London das erste Nachbarschaftszentrum (settlement) mit Wohnbereich, das sie „Toynbee Hall“ nannten.

In Toynbee Hall sollten verschiedene Gesellschaftsschichten zusammenleben. Diese Idee war damals sehr radikal, da die unterschiedlichen sozialen Klassen streng voneinander getrennt unter ihresgleichen lebten. Es wurden vor allem Universitätsstudenten und –absolventen motiviert mit den Armen und Arbeiterklassen zu leben.

Das Ziel war es, dass der enge nachbarschaftliche Kontakt von Menschen unterschiedlicher Klassen und Lebensweisen zu gegenseitigen Respekt führt. Jedem Menschen wurden Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten geboten und zur sozialen Gerechtigkeit verholfen.

Toynbee Hall wurde als soziales Experiment berühmt und von Sozialreformern aus der ganzen Welt besucht.

Kurze Zeit später gründete Jane Addams 1889 in Chicago das „Hull House“, dass Anfangs eine wichtige Einrichtung für Einwanderer und Flüchtlinge war, welche immerhin 2/3 der Gesamtbevölkerung von Chicago ausmachte.

Hull House war die erste soziale Einrichtung in Chicago und galt als Ort für Forschungs- und politische Projekte. Addams war ernsthaft an den Lebensbedingungen der ImmigrantInnen, ArbeiterInnen und SlumbewohnerInnen interessiert. Sie forderte eine Demokratisierung aller Lebensbereiche, wie Bildung, Wirtschaft, Familie und Kultur.

Jane Addams statuiert ein Exempel für die GWA. Sie integrierte individuelle nachbarschaftliche Hilfe mit fachpolitischem Engagement auf allen sozialen Ebenen.

(Vgl.: Bitzan, Maria. Klöck,. 1994, S.40)

2.1 Historische Entwicklung in Deutschland

In den frühen zwanziger Jahren wurden auch in Deutschland die ersten Nachbarschaftsheime eröffnet. Jedoch hatten sie auf Grund ihrer geringen Zahl und ihres begrenzten Einflusses bei der gesellschaftlichen und politischen Situation kein Mitspracherecht.

In den 30er Jahren besetzten die Nationalsozialisten alle Nachbarschaftshäuser und nutzten sie für praktische Hilfeleistungen für die durch den Krieg Not leidende Bevölkerung.

Ab 1947 bauten englische und amerikanische Vertreter neue Nachbarschaftsheime in Deutschland. Sie sollten zur Linderung der Kriegsfolgen und der Erziehung zur Demokratie dienen.

Erst im Folge der Studentenbewegung, Ende der 60er, wurde die GWA als zusätzliche Methode der Sozialen Arbeit aufgenommen. Sie integrierte sich besonders in Neubaugebieten, bei Sanierungsvorhaben und in Obdachlosen-Siedlungen. GWA trat oft in Verbindung mit Bürgerinitiativen auf.

(Galuske 1998, S. 99; Höbel/Seibert 1973, S. 43)

Anfangs der 80er entwickelte sich die GWA in Richtung „stadtteilbezogener Arbeit“ bzw. „sozial-kultureller Arbeit“. Es sollte nicht mehr eine Strategie die Arbeit bestimmen, sondern eine pragmatische Kombination verschiedener Handlungsmöglichkeiten, welche die unterschiedlichen Lebenslagen ernst nimmt und bei der Alltagsbewältigung unterstützend tätig wird, zunehmend auch mit kulturellen Angeboten, Anregungen zur Selbstentfaltung und Begegnungen ermöglichen, ohne zu pädagogisieren.

Weiterhin haben sich gemeinwesenorientierte Arbeitsweisen auf andere gesellschaftliche Bereiche, wie beispielsweise Stadt- und Sozialplanung, in Gesetzgebung etc., ausgeweitet.

3. Definitionen

„Community organization for social welfare“ gilt als eine der grundlegenden Methoden der Sozialen Arbeit. In der einfachsten Form wird sie praktiziert, wenn eine Gruppe von Bürgern einer Stadt sich zusammentut, um in planmäßiger Weise ein gemeinsames Bedürfnis zu befriedigen. Als berufsmäßig ausgeübte Tätigkeit mit erprobten Methoden und anerkannten, lehrbaren Fertigkeiten aber ist community organization der Prozess, durch den Hilfsquellen und Bedürfnisse der sozialen Wohlfahrt innerhalb eines geographisch oder inhaltlich begrenzten Arbeitsfeldes immer wirksamer aufeinander abgestimmt werden.“

(Lattke 1955)

„Der Begriff Gemeinwesenarbeit (…) bezeichnet einen Prozeß, in dessen Verlauf ein Gemeinwesen seine Bedürfnisse und Ziele feststellt, sie ordnet oder in eine Rangfolge bringt, Vertrauen und den Willen entwickelt, etwas dafür zu tun, innere und äußere Quellen mobilisiert, um die Bedürfnisse zu befriedigen, dass es also in dieser Richtung aktiv wird und dadurch die Haltung von Kooperation und Zusammenarbeit und ihr tätiges Praktizieren fördert.“

(Ross 1968)

„Gemeinwesenarbeit ist eine Methode, die einen Komplex von Initiativen auslöst, durch die die Bevölkerung einer räumlichen Einheit gemeinsame Probleme erkennt, alte Ohnmachtserfahrungen überwindet und eigene Kräfte entwickelt, um sich zu solidarisieren und Betroffenheit konstruktiv anzugehen. Menschen lernen dabei, persönliche Defizite aufzuarbeiten und individuelle Stabilität zu entwickeln und arbeiten gleichzeitig an der Beseitigung akuter Notstände (kurzfristig) und an der Beseitigung von Ursachen von Benachteiligung und Unterdrückung.“

(Karas/Hinte 1978)

„Individuelle soziale Problemlagen von Menschen im Gemeinwesen haben einen

strukturellen Hintergrund. In der Gemeinwesenarbeit, die ein Arbeitsprinzip der

sozialen Arbeit ist, geht es um Linderung, Verhinderung oder Beseitigung der

Probleme von Menschen, die in einem sozialgeografisch definierten Raum leben (in

einem Stadtteil, einem Dorf, einem Grätzel, ...).“

(DSA Renate Schnee,2003)

„Gemeinwesenarbeit verknüpft auf Grund der Problemzusammenhänge soziale Ziele

mit ökonomischen, räumlichen, baulichen, ökologischen, rechtlichen und kulturellen

Zielen.

Im Rahmen der aktuellen Fachdiskussion über den notwendigen Stadtteilbezug der

sozialen Arbeit steht der Begriff Gemeinwesenorientierung für eine verstärkte

konzeptionelle Ausrichtung an den Bedürfnissen der Wohnbevölkerung und versucht

Problemlösungen auch auf der lokalen Ebene des Stadtteils zu fördern und die

BewohnerInnen zu Eigeninitiative zu ermutigen.“

(aus: „Qualitätsmerkmale der gemeinwesenorientierten Arbeit in den Stadtteilzentren des Wiener Jugendzentren“, Wien, 200.)

„Meine Definition orientiert sich v.a. an der Stadtteilbezogenen Arbeit, dem

Arbeitsprinzip GWA und an Empowerment und ich persönlich verwende am liebsten

Stadtteilarbeit. Nachteil dieses Begriffs ist, dass er ausschließlich territorial und nicht

funktional/kategorial definiert ist. Tatsächlich aber könnte folgende Definition auch

funktional/kategorial angewendet werden, da müsste dann „Stadtteil“ durch

„Gemeinwesen“ ersetzt werden.

Ein Gemeinwesen setzt sich aus einer Vielzahl von Menschen zusammen, die durch

gemeinsame Interessen verbunden sind.

GWA ist keine Methode, sondern ein Arbeitsansatz, der viele Methoden anwendet

und integriert.

GWA definiert soziale Probleme im gesellschaftlichen Kontext. Das Problem des

einzelnen hat immer einen Zusammenhang mit gesellschaftlichen Strukturen und

Rahmenbedingungen. Deshalb zielt GWA auf die Veränderung ungerechter

Strukturen ab.“

(Persönliche Definition von DSA Christoph Stoik.2003)

4. Merkmale

- Die GWA bezieht sich auf großflächige soziale Netzwerke. Diese sind :
- territorial (Stadtteil, Nachbarschaft, Gemeinde, Wohnblock, Straßenzug)
- kategorial (bestimmte ethnische, geschlechtsspezifisch, altersbedingt
abgrenzbare Bevölkerungsgruppen)
- funktional (d.h. im Hinblick auf bestimmte inhaltliche bestimmbare

Problemlagen wie Wohnen, Bildung etc. abgrenzbar

Soziale Konflikte bzw. geteilte soziale Probleme innerhalb eines sozialen Netzwerkes sind zumeist der Ausgangspunkt der Institutionalisierung von Gemeinwesenarbeitsprojekten.

- Die Probleme der Klienten werden immer im Kontext regionaler Bedarfs- und Bedarfsausgleichsstrukturen wahrgenommen.
- Gemeinwesenarbeit ist trägerübergreifend, sie ist orientiert an der Koordination, aber auch Kooperation, von und zwischen verschiedensten Anbietergruppen sozialer Dienstleistungen innerhalb eines Gemeinwesens.
- Gemeinwesenarbeit arbeitet methodenintegrativ, d.h. sie bedient sich der notwendigen Formen sowohl von der Einzelfallhilfe als auch von der Gruppenarbeit.
- Das Ziel ist es die Bevölkerung innerhalb ihres Gemeinwesens zu aktivieren, so dass sie gemeinsam die soziale Problemlage bearbeiten.
- Um die Bevölkerung zu aktivieren sind Qualifizierungs- und Bildungsprozesse notwendig, um die Individuen in eine Gemeinschaft zu verwandeln, damit sie gemeinsam ihre Probleme selbst in die Hand nehmen können.

(vgl. Oelschlegel 1983, 1992)

(Oelschlegel aus Galuske 1998, S. 102)

5. Nutzen und Wirkung

Die GWA schafft einen Rahmen in dem der Bürger und die Politik direkter miteinander kommunizieren können. Anders gesagt: Die GWA „übersetzt“ die Bedürfnisse von

Bürgern in eine Sprache, die von Politik verstanden werden kann und

umgekehrt. Im Optimalfall entwickelt die GWA Strukturen, bietet Ressourcen,

Unterstützung, dass die Bürger ihr Anliegen so formulieren, dass sie für

die Politik verständlich und umsetzbar ist. Umgekehrt stellt GWA den

Entscheidungsträger Strukturen und Unterstützung zur Verfügung, damit diese

ihre Ideen und Anliegen effizienter transportieren können, sofern es um

sachpolitische Themen geht.

Letztendlich bietet die GWA der Politik und den Bürger regionale

Konfliktlösungsstrategien. Konflikte können so kurzfristig sichtbarer werden,

langfristig gesehen wird eine nachhaltige Bearbeitung nötig sein.

(www.telesozial.net, 2003)

6. Ziele

Ziel der GWA ist die Verbesserung der Lebensqualität benachteiligter Menschen und

Gruppen, die Bearbeitung sozialer Konflikte im Stadtteil und die Beteiligung

benachteiligter Bürger an Prozessen im Stadtteil.

Soziale Konflikte sollen konstruktiv und nachhaltig bearbeitet werden.

Die GWA hat dabei die Aufgabe, die Bürger zu unterstützen, denen nicht

ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen, um die eigenen Interessen

nachdrücklich vertreten zu können.

(www.telesozial.net,2003)

(DSA Stoik,2003)

7. Grenzen

Die Grenzen der GWA beginnen dort, wo es um die Lösung gesamtgesellschaftlicher

Probleme, wie Massenarbeitslosigkeit geht. Die GWA löst diese Probleme nicht. Sie

kann aber positiv Verantwortung übernehmen, wenn sie gesamtgesellschaftliche

Probleme öffentlich Macht.

(DSA Stoik,2003)

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Gemeinwesenarbeit - Definitionen, Formen, Ziele
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V168599
ISBN (eBook)
9783640861217
ISBN (Buch)
9783640860517
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gemeinwesenarbeit
Arbeit zitieren
Eva Pasternak (Autor), 2007, Gemeinwesenarbeit - Definitionen, Formen, Ziele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168599

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