Das Thema meiner Seminararbeit lautet „Armut aus soziologischer Sicht“. Was heißt das ein Thema mit Hilfe der Soziologie zu betrachten. Einerseits um die Sichtweise, die Auswirkungen und die Veränderungen in der Geschichte von Armut. Aus diesem Grund möchte ich zu Beginn der Arbeit einen Einblick in die Sozialgeschichte der Armut geben. Ebenso werde ich speziell auf Armut in Deutschland eingehen.
Ein weiterer Aspekt sollen Theorien von Armut sein, die Ursachen, Erscheinungsformen und Auswirkungen von Armut in unserer Gesellschaft beleuchten.
In diesem Vorwort möchte ich darauf hinweisen, dass es hier um eine ganz andere Armut geht, als die in den Dritte Welt Ländern bzw. in Kriegsgebieten wie Afghanistan oder dem Nahen Osten. Es soll hier primär um die Armut in unserem Wohlfahrtsstaat Deutschland gehen, wie sie fassbar wird und inwiefern sie in Erscheinung tritt.
Gliederung
0 Vorwort
1 Definitionen von Armut
2 Neue Armut
3 Bedeutungswandel von Armut in der Geschichte
3.1 Das frühe Mittelalter
3.2 Das späte Mittelalter
3.2.1 Armut am Land
3.2.2 Armut in der Stadt
3.2.3 Arbeit und Essen
3.2.4 Armenpolizeiliche Maßnahmen
3.3 Zur Zeit des Nationalsozialismus
3.4 Armut und moderner Sozialstaat
3.5 Armenbehandlung heute
4 Armut – Ein Thema für Deutschland
4.1 Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik
4.2 Die Süddeutsche Zeitung
5 Theorien der Armut
5.1 Armut – Tabuthema in der Wohlfahrtsgesellschaft
5.2 Armut als Ungleichheit - Deprivationskonzepte
5.3 Armut als Lebenslage
5.4 Das Pentagon der Armut nach Tschümperlin
5.5 Armut als Kumulation sozialer Benachteiligung
6 Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Armut aus einer soziologischen Perspektive, um den Wandel des Phänomens von der historischen Betrachtung bis hin zur modernen „neuen Armut“ im deutschen Wohlfahrtsstaat zu beleuchten. Das primäre Ziel ist es, die Ursachen, Erscheinungsformen und die Wahrnehmung von Armut aufzuzeigen sowie die Grenzen der aktuellen Sozialpolitik kritisch zu hinterfragen.
- Sozialgeschichte der Armut vom Mittelalter bis zur Gegenwart.
- Die „neue Armut“ und Individualisierung in der Risikogesellschaft.
- Analyse der Armutssituation von Familien und Kindern in Deutschland.
- Sozialwissenschaftliche Konzepte: Deprivation, Lebenslagenansatz und multiple Benachteiligung.
Auszug aus dem Buch
2 Neue Armut
Bevor ich in die Geschichte von Armut einsteige möchte ich, die „neue Armut“ nach Ulrich Becks` „Risikogesellschaft“ darlegen, um die „neue Armut“ im Folgenden schon mit der Armut in früheren Zeiten vergleichen zu können. Deutschland – ein Land in dem es keine Klassenunterschiede mehr gibt? Ein Land mit einem gut ausgebauten sozialen (Auffang-)Netz. Kann es hier noch soziale Ungleichheiten geben, ist das nicht undenkbar?
Betrachten wir uns Zahlen und Entwicklungen in unserer Gesellschaft, so werden „zwei Einkommensbewegungen erkennbar: ein allgemeines Auseinanderdriften zwischen Unternehmern und Selbständigen auf der einen Seite und allen Arbeitnehmern auf der anderen Seite. Dies geht einher mit einer Abschirmung eines Teils der Bevölkerung, die fest in den insgesamt schrumpfenden Arbeitsmarkt integriert ist, und einer wachsenden Nicht-Mehr-Minderheit, die in der Grauzone von Unterbeschäftigung, Zwischenbeschäftigung und Dauerarbeitslosigkeit von den immer spärlich fließenden öffentlichen Mitteln lebt oder von >>informeller<< Arbeit (Eigenarbeit, Schwarzarbeit usw.). Schätzungen über diese letzte Gruppe , die um die Sozialhilfe- und Armutsgrenze herum lebt, gehen – wie die Unstetigkeit der Versorgungsbedingungen nicht anders erwarten läßt – weit auseinander. Sie schwanken zwischen zwei und mehr als fünf Millionen. Wobei diese Gruppe kontinuierlich wächst, wie der inzwischen auf ein Drittel gesprungene Anteil der (registrierten!) Arbeitslosen von 2,2 Millionen (Herbst 1985) anzeigt, die überhaupt keine Arbeitslosenunterstützung erhalten.“
Was ist der Unterschied zur Armut früher, was macht diese Armut zur eigentümlichen „neuen Armut“? Die Antwort liegt in der Individualisierung unserer Gesellschaft, denn jeder trägt das Schicksal seiner Armut selbst, es ist sein persönliches Schicksal. Jeder wird für seine Arbeitslosigkeit, die in Armut übergehen kann, selbst verantwortlich gemacht. Die „Massenarbeitslosigkeit“ wird nämlich nicht mehr kollektiv sichtbar, sie tritt in einzelnen Schicksalen auf, was der Ausdruck „Massenarbeitslosigkeit“ kaum nicht vermuten lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Vorwort: Einführende Darlegung der Motivation, das Thema Armut soziologisch und historisch zu betrachten, mit Fokus auf den deutschen Wohlfahrtsstaat.
1 Definitionen von Armut: Begriffliche Einordnung von Armut anhand verschiedener Definitionen, einschließlich absoluter, relativer und subjektiver Armut.
2 Neue Armut: Untersuchung der durch Individualisierung geprägten Armut, die primär als Einzelschicksal und Folge von Arbeitslosigkeit in der Risikogesellschaft auftritt.
3 Bedeutungswandel von Armut in der Geschichte: Historischer Rückblick auf die Armenfürsorge und die gesellschaftliche Bewertung von Armut vom Mittelalter bis zur Weimarer Republik.
4 Armut – Ein Thema für Deutschland: Analyse aktueller statistischer Daten zur Sozialhilfebedürftigkeit, insbesondere bei Familien und Kindern, und deren mediale Rezeption.
5 Theorien der Armut: Theoretische Auseinandersetzung mit Armutskonzepten wie Deprivation, dem Lebenslagenansatz und kumulierter Benachteiligung.
6 Nachwort: Kritische Reflexion über die heutige Sozialpolitik, die Armut eher verwaltet als beseitigt, mit einem Plädoyer für ein tieferes Verständnis von multipler Deprivation.
Schlüsselwörter
Armut, Soziologie, Risikogesellschaft, Neue Armut, Sozialhilfe, Deprivation, Lebenslage, soziale Benachteiligung, Kinderarmut, Massenarbeitslosigkeit, Individualisierung, Wohlfahrtsstaat, soziale Ausgrenzung, Armutsforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit untersucht das Phänomen Armut aus soziologischer Sicht, wobei der Schwerpunkt auf der Entwicklung der Armut in Deutschland und ihrer Wahrnehmung durch Gesellschaft und Politik liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit deckt die historische Entwicklung der Armenfürsorge, die Struktur der „neuen Armut“, empirische Daten zu Sozialhilfeempfängern sowie theoretische sozialwissenschaftliche Modelle zur Messung von Armut ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich Armut von einem kollektiven Schicksal zu einem individualisierten Risiko gewandelt hat und warum die aktuelle Sozialpolitik Schwierigkeiten hat, dieses komplexe Problem nachhaltig zu lösen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die verschiedene soziologische Theorien und statistische Daten miteinander verknüpft, um ein multidimensionales Verständnis von Armut zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Teil, eine aktuelle Analyse der Armut in Deutschland (z.B. Kinderarmut) und eine theoretische Diskussion über Konzepte wie Deprivation und den Lebenslagenansatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind die „neue Armut“, Risikogesellschaft, multiple Deprivation, soziale Benachteiligung und der Lebenslagenbegriff.
Welche Rolle spielt die „neue Armut“ im Vergleich zur historischen Armut?
Während Armut früher oft als Klassenschicksal wahrgenommen wurde, wird sie heute als ein persönliches, individualisiertes Schicksal betrachtet, das Menschen in einer Risikogesellschaft trifft.
Warum wird der Lebenslagenansatz als wichtig erachtet?
Dieser Ansatz erweitert den Blick über die rein monetäre Einkommensarmut hinaus und betrachtet die Lebensqualität und soziale Teilhabe in verschiedenen Bereichen wie Bildung, Gesundheit und Wohnen.
- Quote paper
- Sandra Schmidt (Author), 2002, Armut aus soziologischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16867