Ernst von Glasersfeld: Wahrheit und Viabilität

Die philosophisch – kybernetische Schule


Seminararbeit, 2008

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Biographischer Hintergrund

Die Grundzüge des Radikalen Konstruktivismus

Lernen und Lehren

Fazit

Literaturverzeichnis

„Der Konstruktivismus macht das Leben schöner und einfacher, weil man den Drang verliert, recht zu haben.“
Ernst von Glasersfeld, 13.05.05

Einleitung

Ernst von Glasersfeld gilt als der Begründer des Radikalen Konstruktivismus. Im folgenden möchte ich in einen kurzen Überblick über seine „konstruktivistische Theorie des Wissens[1] geben. Da seine Denkweise in engem Zusammenhang mit seiner Biographie steht, soll ein biographischer Abriß den Zugang zu den Grundzügen seines Radikalen Konstruktivismus eröffnen. Abschließend werden einige pädagogischen Aspekte des Glaserfeld‘schen Konstruktivismus vorgestellt.

Biographischer Hintergrund

Ernst von Glasersfeld wird 1917 als Sohn eines österreichischen Diplomatenehepaares (deutsch/englisch) geboren. Seine Kindheit verbringt er in Prag (tschechisch) und Südtirol (italienisch). Als Zehnjähriger kommt er auf ein Schweizer Internat, wo er fließend englisch, französisch und italienisch sprechen und schreiben lernt. Der lebendige Umgang mit vielen Sprachen bringt ihn früh zu der Erkenntnis, dass der Zugang zur Welt in jeder Sprache ein anderer ist[2]. Ein Mathematikstudium in Wien bricht er ab, um in Australien als Skilehrer zu arbeiten. 1939, kurz vor Kriegsausbruch, emigriert Glasersfeld mit seiner Frau nach Irland, wo er als Farmer tätig ist. Hier befasst er sich mit den Werken von Pirandello, Joyce, Vico und Berkeley, die ihn „zuerst in der Richtung auf subjektive Konstruktion bewegten[3].

Nach Kriegsende siedelt die Familie nach Meran in Oberitalien über, wo Glasersfeld Silvio Ceccato kennenlernt. Eine fast zwei Jahrzehnte währende „außerordentlich intensive Zusammenarbeit“[4] beginnt. Der Musiker und Philosoph Ceccato gründet die „Italienische operationistische Schule“, einen interdisziplinären Kreis von Logikern, Linguisten, Psychologen, Physikern, Ingenieuren und Computerspezialisten, die daran arbeiten, Semantik auf mentale Operationen zurückzuführen. Glasersfeld übernimmt die Übersetzung der verschiedenen Beiträge der Gruppe und findet die folgenden sechs Jahre eine Anstellung als Fachjournalist der Zeitschrift „Methodos“. Im Jahr 1951 erhält Ceccato die Aufforderung, seine operationalen Analysen auf maschinelle Übersetzungsaufgaben anzuwenden. Er ruft daraufhin das erste italienische Institut für Kybernetik ins Leben und arbeitet, mit Glasersfeld als Forschungsassistent, für die amerikanische Luftwaffe[5]. Aus dieser Zeit, in der Glasersfeld hauptsächlich an semantischen Analysen in unterschiedlichen Sprachen arbeitet, wurzelt seine Erkenntnis, dass „jede Sprache eine andere begriffliche Welt bedeutet[6].

1969 wechselt Glasersfeld zur University of Georgia über. Zunächst ist er dort in der Computerabteilung tätig, nimmt aber schon bald darauf die Zusammenarbeit mit den Psychologen Pollack und Smock auf, die sich mit dem Phänomen der Wahrnehmung, und insbesondere mit dem Vorgang des Sehens auseinandersetzen. Diese Arbeit führt Glasersfeld zu der wichtigen Entdeckung, dass unsere Aufmerksamkeit fähig ist, „sich nach Belieben innerhalb eines Sehfeldes hin und her zu bewegen, genau wie zwischen Sprachäußerungen, die aus verschiedenen Quellen gleichzeitig am Ohr ankommen[7].

Aufgrund seines computerlinguistischen Interesse arbeitet er Anfang der siebziger Jahre an einer langjährigen Studie zum Spracherwerb von Schimpansen am anthropologischen Institut und entwickelt dort ein Affensprache, die er „Yerkish“ nennt[8].

Über Charles Smock findet Glasersfeld Zugang zu den Werken Piagets, die ihn zu seiner Konstruktivismustheorie inspirieren. Die Zusammenarbeit mit dem ebenfalls an Piaget orientierten Psychologen Steffe führt zur weiteren Ausarbeitung seiner eigenen Begrifflichkeiten. Sie führen 1972 – 1977 gemeinsam Lehrexperimente an Schulen durch, bei denen es darum geht, Kinder in mathematischen Versuchssituationen bei der Lösungsfindung, bzw. – konstruierung zu beobachten[9].

Bis 1987 arbeitet Glasersfeld an der Universität von Georgia als Professor für kognitive Psychologie. Anschließend übernimmt er eine Gastprofessur für Tiefenpsychologie an der Universität von Massachusetts, an der noch bis heute als Mitarbeiter am Scientific Reasoning Institute forscht und lehrt.

[...]


[1] Glasersfeld (1987), S. XI

[2] Ebd., S.XI f.

[3] Ebd., S. XII

[4] Ebd.

[5] Vgl. Stoller-Schai (1998), S. 2

[6] Glasersfeld (1996), S. 33

[7] Ebd., S. 37

[8] Übernommen aus Bettoni (2007), S. 33. Das von Ernst von Glasersfeld aufgenommene Foto zeigt die Schimpansin Lana beim Bedienen des Lexigram-Boards, dass von Glasersfeld entwickelt wurde.

[9] Vgl. Stoller-Schai, ebd.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Ernst von Glasersfeld: Wahrheit und Viabilität
Untertitel
Die philosophisch – kybernetische Schule
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
10
Katalognummer
V168696
ISBN (eBook)
9783640866625
ISBN (Buch)
9783640866526
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ernst von Glasersfeld, Radikaler Konstruktivismus, philosophisch – kybernetische Schule, Wahrheit, Viabilität
Arbeit zitieren
Susanne Weise (Autor), 2008, Ernst von Glasersfeld: Wahrheit und Viabilität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168696

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