Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Filmwissenschaft

Filmische Gestaltung intergenerationeller Traumata in "Incendies" (K/FR 2010) von Denis Villeneuve. Intermedialer Vergleich mit der Dramenvorlage von Wajdi Mouawad (2003)

Titel: Filmische Gestaltung intergenerationeller Traumata in "Incendies" (K/FR 2010) von Denis Villeneuve. Intermedialer Vergleich mit der Dramenvorlage von Wajdi Mouawad (2003)

Masterarbeit , 2025 , 115 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Flavio Redecker (Autor:in)

Filmwissenschaft
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In der Arbeit soll sich dem Traumabegriff daher aus einer psychoanalytisch-kulturwissenschaftlichen Perspektive angenähert werden und seine Verhandlung am Beispiel des Spielfilms "Incendies", der auf dem gleichnamigen Drama beruht, untersucht werden. Ein besonderer Fokus wird dabei auf der Inszenierung intergenerationeller Übertragungen des Traumas liegen.
Das Drama "Incendies" von Wajdi Mouawad erschien im Jahr 2003 und bildet die Grundlage für die gleichnamige filmische Adaptation von Denis Villeneuve aus dem Jahr 2010. Das Werk basiert ohne eine explizite Nennung der Konfliktzone auf Ereignissen aus dem libanesischen Bürgerkrieg, legt jedoch einen universellen Fokus auf die Themen des Bruderkrieges, der intergenerationellen Traumaweitergabe, Inzest und Vergewaltigung. Ferner spielen auch Fragen der Familiengeschichte, Identität und Migration, Konfliktbewältigungen innerhalb der Familie, Erinnerung und individuelles resp. kollektives Gedächtnis eine Rolle.
In der Arbeit soll sich vor allem der filmischen Verhandlung der intergenerationellen Traumata, wobei der Fokus auf der Raumkonstitution liegt, und den Inszenierungsmöglichkeiten des Theaters gewidmet werden. Wenn im Folgenden der Begriff ,Film‘ verwendet wird, so bezieht sich dieser immer auf das Medium des Spielfilms. Es erfolgt daher eine Produktanalyse dieser filmischen Adaption des Dramas. Die Filmästhetik und seine Aussage werden untersucht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • 1) Einleitung
  • 2) Intermedialität
    • 2.1) Die Werke
      • 2.1.1) Das Drama
      • 2.1.2) Der Spielfilm
  • 3) Intergenerationelles Trauma im Drama
    • 3.1) Der Traumabegriff
    • 3.2) Figurenkonstellation und Handlungsmotive
    • 3.3) Raumkonstitution
    • 3.4) Elemente der griechischen Tragödie
  • 4) Das Motiv des Busses im Film
    • 4.1) Raum der Suche
    • 4.2) Raum des Traumas
  • 5) Das Element des Wassers im Film
    • 5.1) Verbildlichung des Traumas
    • 5.2) Migration und globale Verknüpfungen
  • 6) Die sakrale Komponente des Films
    • 6.1) Das Motiv des Kreuzes
    • 6.2) Das Versprechen
  • 7) Fazit
  • 8) Literatur- und Quellenverzeichnis
  • 9) Anhang
    • 9.1) Konfiguration des Dramas
    • 9.2) Konfiguration des Spielfilms
    • 9.3) Sequenzprotokoll
      • 9.3.1) Phaseneinteilung
    • 9.4) Abbildungsverzeichnis
    • 9.5) Liedtexte
      • 9.5.1) Radiohead: „You and Whose Army?“
      • 9.5.2) Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra- Ausschnitt aus Grégoire Hetzels Komposition Gustav Mahlers III. Symphonie, IV. Satz
    • 9.6) Filminformationen
      • 9.6.1) Credits
      • 9.6.2) Besetzung
      • 9.6.3) Technische Daten

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit befasst sich aus einer psychoanalytisch-kulturwissenschaftlichen Perspektive mit dem Traumabegriff und dessen Verhandlung im Spielfilm "Incendies", der auf dem gleichnamigen Drama basiert. Das primäre Ziel ist es, die Inszenierung intergenerationeller Traumaübertragungen zu untersuchen. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie der Film im Gegensatz zum Drama intergenerationelle Traumata durch filmische Räume und visuelle Leitmotive wie das Wasser eingängiger darstellen kann.

  • Intergenerationelle Traumaübertragung und ihre Darstellung in Drama und Film.
  • Intermedialer Vergleich der Inszenierungsmöglichkeiten von Theater und Film.
  • Die Rolle der Raumkonstitution, insbesondere des Busses und des Wassers, als Traumaräume.
  • Analyse der filmischen Ästhetik und Handwerksmittel (Montage, Schnitt, Ton) zur Trauma-Darstellung.
  • Untersuchung von Elementen der griechischen Tragödie und ihre Reinterpretation im Werk.
  • Die Bedeutung sakraler Komponenten, insbesondere des Kreuzes und des Versprechens, im Kontext von Gewalt und Hoffnung.
  • Die Ambiguität von Täter- und Opferrollen aus multidirektionaler Erinnerungsperspektive.

Auszug aus dem Buch

3.1) Der Traumabegriff

Trauma, ein Begriff aus der Psychologie, welcher stark von Sigmund Freud geprägt wurde. Etymologisch referiert das Wort auf das griechische traũma, das mit „Wunde“ übersetzt werden kann. Sprach Nietzsche noch von Schmerz als nie vernarbende Wunde, so wurde durch Freud der Begriff Trauma populär, transgenerationelle Übertragungen wurden dabei bereits thematisiert. Vermutlich wurde der Begriff 1889 von Oppenheim eingeführt und anschließend von Freud und Breuer 1895 weiterentwickelt. Zunächst wurde damit nur ein extrem erschütterndes, schockierendes Ereignis beschrieben. In der Folge wurde diese Definition ausgeweitet. So wurde als Trauma das Zusammentreffens eine solchen Ereignisses mit einer besonders reizbaren Psyche verstanden. Im zweiten Schritt bleibt eine passende Reaktion auf das Erlebte aus, die Eindrücke werden unterdrückt und ein Trauma könnte sich ausbilden und dazu führen, dass die Affekte nachträglich hervortreten. Das verzögerte Auftreten der Reaktion kann demnach als das auslösende Moment des Traumas beschrieben werden. Der Fokus lag somit nicht mehr nur auf dem Ereignis an sich, sondern vor allem auf der individuellen Reaktion darauf. In Bezug auf die misslungene Verarbeitung des Ereignisses durch den Organismus grenzt sich das Trauma auch von anderen ähnlichen Störungen, wie etwa der Anpassungsstörung, ab. Freud und Breuer definierten das Trauma daher als gewaltsame Attacke von außen, welche den Organismus beeinträchtige. Durch ein externes Ereignis könnten sich so Psychoneurosen und traumatische Neurosen entwickeln. Durch einen sogenannten „auxiliary moment“ könnte das Erlebte zudem wieder aufgerufen werden und ein Wiedererleben der traumatischen Erfahrung erfolgen. Bei Freud ist der Traumabegriff allerdings auch mit Sexualität verbunden. Wenngleich viele Psychoanalytiker sich dagegen aussprechen, den Begriff von Freuds Überlegungen zum Trauma abzukoppeln, so ist dies in der Holocaust- Forschung und erinnerungskulturellen Literatur mehrheitlich der Fall. Ebenso wird in dieser Arbeit verfahren und kein Bezug zwischen Traumata und Sexualität hergestellt. Die Psychologin Marianne Rauwald wiederum definiert den Traumabegriff der Gegenwart wie folgt: Ein Trauma ist ein Ereignis im Leben eines Subjekts, das definiert wird durch seine Intensität, die Unfähigkeit des Subjekts, adäquat darauf zu antworten, die Erschütterung und die dauerhaften pathogenen Wirkungen, die es in der psychischen Organisation hervorruft. Das Trauma ist gekennzeichnet durch ein Anfluten von Reizen, die im Vergleich mit der Toleranz des Subjekts und seiner Fähigkeit, diese Reize psychisch zu meistern und zu bearbeiten, exzessiv sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1) Einleitung: Stellt das Thema Trauma und seine intergenerationelle Übertragung vor, basierend auf dem Drama und Spielfilm "Incendies", mit Fokus auf filmische Inszenierung.

2) Intermedialität: Vergleicht die Werke als Drama und Spielfilm, beleuchtet deren Inszenierungsmöglichkeiten und die Theorie der Intermedialität als Basis des ästhetischen Vergleichs.

3) Intergenerationelles Trauma im Drama: Definiert Trauma, untersucht Figurenkonstellationen, Handlungsmotive, Raumkonstitution und Elemente der griechischen Tragödie im Drama sowie deren Bezug zur Traumaweitergabe.

4) Das Motiv des Busses im Film: Analysiert den Bus als zentralen dynamischen Raum der Suche und des Traumas im Film, insbesondere das Bus-Massaker, und seine Verknüpfung mit Schuld und Neuanfang.

5) Das Element des Wassers im Film: Untersucht die symbolische Rolle des Wassers als fließendes und unbegrenzbares Element des Traumas, das Kulturräume verbindet und zur Traumabewältigung beiträgt.

6) Die sakrale Komponente des Films: Beleuchtet das Kreuzsymbol und das Versprechen als zentrale Motive, ihre ambivalente Bedeutung in Bezug auf Gewalt und Hoffnung sowie deren inszenatorische Eigenheiten im Film.

7) Fazit: Fasst die Kernerkenntnisse der Arbeit zusammen, insbesondere zur differenzierten Darstellung intergenerationeller Traumata, der Täter-Opfer-Ambivalenz und der Bedeutung filmischer Mittel im Vergleich zum Drama.

Schlüsselwörter

Trauma, intergenerationell, Film, Drama, Incendies, Denis Villeneuve, Wajdi Mouawad, Intermedialität, Raumkonstitution, Wasser, Bus, Kreuzsymbol, Versprechen, Täter-Opfer-Ambivalenz, Gedächtnis, Erinnerung, griechische Tragödie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das Konzept des Traumas und seine intergenerationelle Weitergabe im Drama und insbesondere im Spielfilm "Incendies" dargestellt werden, mit einem Fokus auf filmische Inszenierungsmöglichkeiten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind intergenerationelle Traumata, Intermedialität (Vergleich von Drama und Film), die Konstitution von Räumen als Traumaorte, die Symbolik von Wasser und des Busses, sakrale Elemente und die Ambivalenz von Täter-Opfer-Rollen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, zu zeigen, dass der Film "Incendies" im Vergleich zum Drama intergenerationelle Traumata durch spezifische filmische Räume und visuelle Leitmotive wie Wasser eindringlicher und vielfältiger darstellen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Methodisch wird eine hermeneutische Dramen- und Filmanalyse durchgeführt, die sich auf psychoanalytische und kulturwissenschaftliche Perspektiven stützt, insbesondere im Kontext von Trauma und intergenerationeller Übertragung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Intermedialität der Werke, das intergenerationelle Trauma im Drama (Traumabegriff, Figuren, Räume, griechische Tragödie), das Motiv des Busses und des Wassers im Film sowie die sakrale Komponente des Films (Kreuz, Versprechen) detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Trauma, intergenerationell, Film, Drama, Incendies, Denis Villeneuve, Wajdi Mouawad, Intermedialität, Raumkonstitution, Wasser, Bus, Kreuzsymbol und Versprechen.

Wie unterscheidet sich die Darstellung von Trauma im Film im Vergleich zum Drama?

Der Film legt einen weitaus größeren Fokus auf die intergenerationelle Traumaweitergabe und bezieht den Täter Nihad explizit als traumatisierte Person ein. Er nutzt zudem filmische Mittel wie Montage, Sound und die dynamische Konstitution von Räumen, um das Trauma fassbarer darzustellen als das Drama, welches eher statische Räume und textuelle Vermittlung verwendet.

Welche Rolle spielen die Symbole des Busses und des Wassers bei der Darstellung von Traumata?

Der Bus und das Wasser fungieren im Film als zentrale Chronotopoi und symbolische Bedeutungsträger des Traumas. Der Bus repräsentiert die Suche, Bewegung und das Bus-Massaker als Kipppunkt, während das Wasser die fließende, unbegrenzte Natur des Traumas und die Verknüpfung unterschiedlicher Kulturräume symbolisiert.

Inwiefern beeinflusst der libanesische Bürgerkrieg die Handlung, obwohl er nicht explizit genannt wird?

Obwohl der Konflikt nicht explizit genannt wird, sind seine Dynamiken, wie religiöse und ethnische Spaltungen, Massaker an der Zivilbevölkerung und der Bruderkrieg, entscheidend für die Handlung. Sie prägen die Raumkonstitution, zentrale Motive und die Traumatisierung der Charaktere, insbesondere durch Symbole wie das Kreuz, das mit Gewalt assoziiert wird.

Welche Bedeutung hat das Versprechen in Bezug auf die Überwindung des Traumas?

Das Versprechen wird als heiliges, überkonfessionelles Element inszeniert und dient als Gegengewicht zur religiös motivierten Gewalt. Seine Einhaltung durch Nawal und später durch die Zwillinge ist der Schlüssel zur Auflösung des Rätsels, zum Durchbrechen des Zyklus der Gewalt und zur Ermöglichung eines versöhnlichen Endes.

Ende der Leseprobe aus 115 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Filmische Gestaltung intergenerationeller Traumata in "Incendies" (K/FR 2010) von Denis Villeneuve. Intermedialer Vergleich mit der Dramenvorlage von Wajdi Mouawad (2003)
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,3
Autor
Flavio Redecker (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2025
Seiten
115
Katalognummer
V1687049
ISBN (PDF)
9783389172902
ISBN (Buch)
9783389172919
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wajdi Mouawad Denis Villeneuve Incendies Intergenerationelles Trauma Trauma Freud Libanesischer Bürgerkrieg Montage Kollektives Gedächtnis lieux de mémoire Theater Film Drama Bruderkrieg Migration Konfliktbewältigungen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Flavio Redecker (Autor:in), 2025, Filmische Gestaltung intergenerationeller Traumata in "Incendies" (K/FR 2010) von Denis Villeneuve. Intermedialer Vergleich mit der Dramenvorlage von Wajdi Mouawad (2003), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1687049
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  115  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum