Digitalisierung und Digitalität ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Digitale Produkte begegnen uns tagtäglich. Aus diesem Grund müssen sich auch Betriebe und Institutionen auf diese Entwicklung einstellen und ihre Produkte und Dienste digitalisieren, im digitalen Raum anbieten und sich an die stetigen Entwicklungen im Bereich Digitalisierung und Digitalität anpassen. Von diesen stetigen Adaptionen sind Lerninstitutionen wie die Schule aber auch außerschulische Lernorte wie Museen nicht ausgeschlossen. In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, wie spezifisch historische Museen diesen wachsenden Anforderungen begegnen, welche digitalen Maßnahmen sie umsetzen und wie somit das historische Lernen unterstützend durch Digitalität gefördert wird. Ferner wird untersucht, welches Innovationspotential im Kontext des digitalen historischen Lernens die Museen bieten und was das historische Lernen im Allgemeinen von diesen Umsetzungsmaßnahmen lernen kann. In dieser Arbeit wird untersucht, ob Digitalität in historischen Museen, am Beispiel des Bonner „Haus[es] der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“, ein Initiator dieser digitalen Entwicklungen historischen Lernens sein können oder ob sie nur als digitale Ergänzung zum analogen Lernen fungiert.
Inhaltsverzeichnis
- 1) Einleitung.................................................................................................................................................... 1
- 2) Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ................................................................ 4
- 2.1) Allgemeine Vorstellung ...................................................................................................................4
- 2.2) Digitales Konzept ..........................................................................................................................5
- 3) Der geschichtsdidaktische Blick auf Digitalität in historischen Museen ................................................7
- 3.1) Außerschulische Lernorte...............................................................................................................7
- 3.2) (Digitales) historisches Lernen ......................................................................................................8
- 3.3) Geschichtskultur...........................................................................................................................11
- 4) Kritische Beurteilung des Digitalkonzeptes des Hauses der Geschichte .............................................12
- 4.1) Digitales historisches Lernen?......................................................................................................13
- 4.2) Perspektiven für das historische Lernen .....................................................................................15
- 5) Fazit .........................................................................................................................................................17
- 6) Literaturverzeichnis ................................................................................................................................19
- 7) Anhang ....................................................................................................................................................22
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie historische Museen auf die wachsenden Anforderungen der Digitalisierung reagieren, welche digitalen Maßnahmen sie umsetzen und wie sie das historische Lernen durch Digitalität fördern. Es wird analysiert, welches Innovationspotential Museen im Kontext des digitalen historischen Lernens bieten und ob Digitalität in historischen Museen, exemplarisch am Beispiel des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, als Initiator digitaler Lernentwicklungen oder lediglich als Ergänzung zum analogen Lernen fungiert.
- Die Rolle von Digitalisierung und Digitalität in historischen Museen.
- Unterstützung und Förderung des historischen Lernens durch digitale Angebote.
- Innovationspotential von Museen im Kontext digitalen historischen Lernens.
- Analyse des digitalen Konzepts des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
- Abgrenzung von initiierender und ergänzender Funktion digitaler Angebote.
- Theoretische Grundlagen des historischen Lernens und der Geschichtskultur.
Auszug aus dem Buch
3.2) (Digitales) historisches Lernen
Folgend wird sich mit dem Konzept des historischen Lernens nach Rüsen beschäftigt. Dies ist für die Arbeit von zentraler Bedeutung, da digitales historisches Lernen das Ziel ist, welches am Beispiel des Museums untersucht wird.
Historisches Lernen hat als Ziel, Orientierung zu bieten. Vergangenheit wird dabei erinnert und auf die Gegenwart bezogen, sodass gegenwärtige Lebensverhältnisse verstanden werden und Zukunftsaussichten entwickelt werden können (Rüsen 2008, 61). Diese Orientierung dient dazu, historischen Sinn zu stiften (Rüsen 2008, 83). Das historische Lernen besteht dabei zunächst aus drei Dimensionen. Diese wären Erfahrung, Deutung und eben auch Orientierung. Rüsen definiert den Prozess des historischen Lernens als mentalen Vorgang, bei dem neue Zeiterfahrungen angeeignet werden, die anschließend gedeutet werden.
Während des Lernprozesses entstehe die Kompetenz zur Deutung, welche fortlaufend weiterentwickelt würde (Rüsen 2008, 61). Lernen sei dabei ein dynamischer Prozess, bei welchem sich das Subjekt stetig weiterentwickle. Historisches Lernen referiere darauf, sich Geschichte anzueignen: aus etwas Objektivem solle dann etwas Subjektives werden. Rüsen spricht da von einem Bewusstseinsprozess, der sich zwischen der objektiven zeitlichen Veränderung der Vergangenheit und dem subjektiven Selbstverständnis in der Gegenwart bewegt (Rüsen 2008, 63). Dies ist mit Blick auf die vorliegende Arbeit eine wichtige Erkenntnis.
Es scheint daher nicht nur um eine „objektive“ Wissensvermittlung zu gehen, sondern vielmehr um eine historische Sinnstiftung, die die historisch Lernenden dem Inhalt für sich persönlich geben müssen. Das Subjekt muss sich daher seine Subjektivität in Form von historischer Identität selbst aufbauen (Rüsen 2008, 64). Historisches Lernen wird dabei verstanden als Zuwachs in den drei Dimensionen Erfahrung, Deutung und Orientierung. Zuwachs an Erfahrung wäre die Bereitschaft, sich historischer Erfahrung, also Zeitdifferenzerfahrungen, auszusetzen (Rüsen 2008, 65). Eine sogenannte „Bruch-Erfahrung" stelle diese Zeitdifferenz dar, die Unterschiedlichkeit der eigenen und anderen Zeit werde dadurch hervorgehoben (Rüsen 2013, 38). Zuwachs an Deutung bezeichnet nach Rüsen die Deutung vom vorherigen Erfahrungszuwachs, welcher mit historischem Sinn gefüllt wird.
Durch die irritierende Komponente der Zeitdifferenzerfahrung sei eine Deutung unerlässlich (Rüsen 2013, 40). Zuwachs an Orientierung wäre der letzte Schritt, in dem das erlangte historische Wissen zur sinnhaften Gestaltung der eigenen Lebenspraxis in einem Umfeld zeitlicher Veränderungsprozesse genutzt würde (Rüsen 2008, 65-67). Durch die Deutung werde die historische Erfahrung zu historischem Wissen. Dieses müsse zur Orientierung aber noch auf die eigene Lebenswelt bezogen werden und eine Lebensdienlichkeit vorweisen (Rüsen 2013, 41). Orientierung ist dabei in zwei Unterkategorien, die innere und die äußere Orientierung aufgeteilt. Die innere Orientierung bezieht sich auf die Identität (Rüsen 2008, 134). Historisches Wissen solle daher auch Orientierung für die eigene Identität, ihrer Durchsetzung, Verhandlung und Veränderung bieten (Rüsen 2013, 41). Die äußere Komponente bezieht sich auf die Praxis (Rüsen 2008, 134).
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Forschungsfrage ein, ob historische Museen Initiatoren oder nur Ergänzungen digitaler historischer Lernentwicklungen sind, und skizziert die Relevanz der Digitalisierung für Lerninstitutionen.
2) Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Hier wird das Haus der Geschichte exemplarisch vorgestellt, einschließlich seiner allgemeinen Ausrichtung und seines spezifischen digitalen Konzepts, das analoge und digitale Inhalte verknüpft.
3) Der geschichtsdidaktische Blick auf Digitalität in historischen Museen: Dieses Kapitel erläutert theoretische Konzepte wie historisches Lernen nach Rüsen, die Rolle außerschulischer Lernorte und Geschichtskultur im Kontext digitaler Medien.
4) Kritische Beurteilung des Digitalkonzeptes des Hauses der Geschichte: Der Hauptteil der Arbeit analysiert das digitale Konzept des Hauses der Geschichte anhand der zuvor dargestellten Theorien, insbesondere im Hinblick auf Digital Literacy und die Förderung historischen Lernens.
5) Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont, dass historische Museen, insbesondere das Haus der Geschichte, das Potenzial haben, als Initiatoren digitaler historischer Lernentwicklungen zu agieren, die Digital Literacy fördern und eine neue Ebene der Vermittlung schaffen.
Schlüsselwörter
Historische Museen, Digitalität, Historisches Lernen, Haus der Geschichte, Geschichtsdidaktik, Außerschulische Lernorte, Geschichtskultur, Digital Literacy, Medienkompetenz, Orientierung, Zeitdifferenzerfahrung, Dekonstruktion, Online-Museum, Partizipation, Geschichtsbewusstsein
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle historischer Museen, speziell des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, als Initiatoren oder lediglich als Ergänzungen digitaler Lernentwicklungen im Kontext des historischen Lernens. Sie analysiert die Umsetzung digitaler Maßnahmen und deren Potenzial.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Digitalisierung und Digitalität in historischen Museen, die Förderung des historischen Lernens durch digitale Angebote, der geschichtsdidaktische Blick auf Museen als außerschulische Lernorte und die Rolle von Geschichtskultur und Digital Literacy.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu überprüfen, ob Digitalität in historischen Museen digitale Entwicklungen des historischen Lernens initiiert oder primär eine digitale Ergänzung zum analogen Lernen darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit analysiert und bewertet das Digitalkonzept des Hauses der Geschichte auf Basis geschichtsdidaktischer Theorien, insbesondere des Konzepts des historischen Lernens nach Rüsen und Ansätzen der Geschichtskultur sowie Digital Literacy.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen des geschichtsdidaktischen Blicks auf Digitalität in historischen Museen dargelegt, gefolgt von einer kritischen Beurteilung des digitalen Konzepts des Hauses der Geschichte hinsichtlich seiner Potenziale und Herausforderungen für das historische Lernen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Historische Museen, Digitalität, Historisches Lernen, Haus der Geschichte, Geschichtsdidaktik, Außerschulische Lernorte, Geschichtskultur, Digital Literacy und Medienkompetenz charakterisiert.
Welche Rolle spielt das "Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" in dieser Untersuchung?
Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland dient als zentrales Fallbeispiel, da es als große Institution bereits intensiv eigene digitale Konzepte entwickelt und publiziert hat, was eine detaillierte Untersuchung seiner digitalen Ansätze ermöglicht.
Was versteht die Arbeit unter "Digital Literacy" im Kontext historischen Lernens?
Die Arbeit versteht Digital Literacy als eine entscheidende Medienkompetenz, die es Lernenden ermöglicht, Medien adäquat und kompetent zu nutzen, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, analytisch zu denken, zu hinterfragen und Informationen kritisch zu überprüfen.
Wie werden die drei Dimensionen des historischen Lernens nach Rüsen in Bezug auf Digitalität bewertet?
Die Arbeit bewertet, dass die digitalen Angebote des Hauses der Geschichte alle drei Dimensionen des historischen Lernens nach Rüsen – Erfahrung, Deutung und Orientierung – als Lernziele verfolgen und somit zur Sinnstiftung und Identitätsbildung beitragen.
Inwiefern trägt die Digitalität zur Transformation der Historiographie bei?
Digitalität führt zu einer Transformation der Historiographie, indem Inhalte nicht einfach "übersetzt", sondern neue Herangehensweisen und Methoden der Geschichtsvermittlung entwickelt werden müssen, wodurch sich der Umgang mit Geschichte grundlegend verändert.
- Arbeit zitieren
- Flavio Redecker (Autor:in), 2024, Historische Museen als Initiatoren digitaler historischer Lernentwicklungen oder nur als Ergänzungen analogen historischen Lernens?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1687292