Lernwerkstätten entwickelten sich im 20. Jahrhundert im Rahmen der Reformpädagogik als Lernform, die sowohl Studierenden als auch SchülerInnen eine neue Form des offenen Unterrichts näherbringen sollte. Seit jeher sind sie vereinzelt in der deutschen Hochschullandschaft und in Institutionen der Primarbildung zu finden. Ihre Planung und Umsetzung ist dabei meist an den grundlegenden Zielen der Reformpädagogik oder an Konzepten bekannterer Vorreiterlernwerkstätten ausgerichtet.
Ausgehend von dem Interesse näher zu Beschreiben was Lernwerkstätten als Lernform über ihr Vermögen, auf die Potenziale der Öffnung des schulischen Unterrichts zu verweisen, hinaus kennzeichnet, wird das Lernen in Lernwerkstätten in dieser Arbeit vor dem Hintergrund raum- und handlungstheoretischer Grundlangen betrachtet. Diesbezüglich gilt es für Lernwerkstätten im Kontext performativ-raumsoziologischer Theorien drei Fragen zu beantworten:
1. Inwieweit können Merkmale von Lernwerkstätten so beeinflusst werden, dass sich AdressatInnen, diese in einer vorab intendierten Art und Weise erschließen, konstruieren und aneignen?
2. Inwieweit können die symbolischen und materiellen Gegebenheiten einer Handlungssituation bewusst so vorbereitet werden, dass ein Lernsetting offeriert wird, welches von den Beteiligten im Lern- und Arbeitsprozess als strukturiert, aber nicht als einengend oder gar übergriffig empfunden wird?
3. Welche Faktoren können BesucherInnen von Lernwerkstätten dabei unterstützen unbekannten und irritierenden Momenten einer Handlungssituation offen zu begegnen und diese durch die Suche nach eigenen Lösungen und durch die Entwicklung neuer Handlungsmuster zu bewältigen?
In der Beantwortung dieser Fragen sollen folgend zum einen die bestehenden Definitionsansätze miteinander verglichen und ihren Kerninhalten dargestellt werden, sodass grundsätzliche Merkmale von Lernwerkstätten benannt werden können. Zudem sollen die in der Lernwerkstattarbeit stattfindenden Handlungen in ihrer tiefergehenden Dynamik und Bedeutung mit Blick auf die Verwirklichung von Lernzielen in dem Maße begreifbar werden, dass sie bereits in der Planung und Entwicklung von Lernwerkstätten berücksichtigt und in Hinblick auf ihre Wirkeffekte bewusst implementiert werden können.
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- Michelle Marggraff (Author), 2022, Potenziale gegenkultureller Räume vor dem Hintergrund soziologischer und lerntheoretischer Betrachtungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1687408