Diese Arbeit befasst sich mit der Frage welche Auswirkung der Konsum von Medien, im Speziellen Fernsehen und Computer, auf Kinder und Jugendliche hat. Überprüft wird deren Sprachkompetenz. Dies wird anhand der Schulnoten in der jeweiligen Mutter- bzw. Landessprache belegt. Wie wirkt sich frühkindlicher Medienkonsum auf die weitere Entwicklung des Kindes aus? Welche Rolle spielen das gesellschaftliche Umfeld und das Bildungsniveau der Eltern? Spielt es eine Rolle, zu welchem Zweck (Unterhaltung/ Information) das Medium genutzt wird? Die Antwort auf diese Fragen finden sich in dieser Arbeit.
Einführung:
Neue Medien sind aus unserem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Bis auf wenige Ausnahmen werden Fernsehen und Internet weltweit flächendeckend genutzt. Damit ist ein schier unendlicher Zugriff auf Information für einen gewaltigen Teil der Menschheit gewährleistet. Doch nicht jeder nutzt dieses Angebot auf die gleiche Weise.
Die heutigen Generationen von Kindern und Jugendlichen wachsen von klein auf mit Medienverständnis und Mediennutzung auf, da ihnen dies bereits im schulischen Alltag nahe gelegt wird. Mehr noch findet dies jedoch in der privaten Nutzung während der Freizeit statt. Vor allem das Fernsehen erlangt eine breite Nutzung und ist dabei zum Leitmedium geworden.
In nahezu allen deutschen Haushalten ist ein Fernsehgerät vorhanden und in circa 20 Prozent fand sich sogar schon im Jahr 2000 eines im Kinderzimmer.
Die Inhalte, die im Fernsehen und den Medien vermittelt werden, lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: Unterhaltung und Information.
Diese werden von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich genutzt und diese Nutzung kann verschiedene Gründe, aber auch verschiedene Auswirkungen haben.(...) Fernsehen ist bei den meisten Kindern und Erwachsenen die häufigste Freizeitbeschäftigung.
Seit einigen Jahren findet die Kinder- und Jugendmedienforschung einen starken Zuwachs an Interesse, nachdem sie lange Zeit nahezu unbeachtet blieb. Inhalte hierbei sind vor allem die Bedeutung der Medien auf die Freizeitgestaltung, die Inhalte und die Dauer des Konsums, die Identitätsbildung und vor allem die schulischen Leistungen. Untersucht werden hierbei jedoch nicht nur das Fernsehverhalten, sondern auch die jugendlichen Konsumenten selbst und deren Umfeld. Es sind bedeutende Zusammenhänge der verschiedenen Indikatoren und der Mediennutzung entdeckt worden. (...)
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Die Nutzer
2.1. Nutzereinteilung allgemein
2.2. Kinder und Jugendliche
3. Gründe für den erhöhten Konsum
4. Auswirkungen auf die schulischen Leistungen
4.1. Minderungshypothese
4.2. Fernsehen als Bildungsinstrument: Stimmulierungshypothese
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des exzessiven Fernsehkonsums auf die Sprachentwicklung sowie die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit medienbedingte Verhaltensmuster – insbesondere die Zeitverdrängung und die Wahl des Programminhalts – die kognitive Entwicklung und den Schulerfolg beeinflussen.
- Differenzierung der Mediennutzer (Informationselite vs. Unterhaltungsproletariat)
- Analyse des Einflusses sozioökonomischer Faktoren auf den Fernsehkonsum
- Gegenüberstellung der Minderungshypothese und der Stimmulierungshypothese
- Auswirkungen von Gewalt- und Unterhaltungsinhalten auf die Lesekompetenz
- Zusammenhang zwischen früher Mediennutzung und langfristigem Schulerfolg
Auszug aus dem Buch
4.1. Minderungshypothese
Ergebnisse über die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen sind am deutlichsten durch die Ergebnisse der PISA- Studie zu erkennen und zu vergleichen. Diese zeigen, dass sich vor allem die schulischen Leistungen von Jungen deutlich verschlechtert haben. Die meisten europäischen Mediaforscher nutzen die PISA- Studie zur Unterstützung ihrer Arbeit (vergl. Pfeiffer 2007), während amerikanische Studien meist eigene Erhebungen und Ergebnisse vorweisen.
In Deutschland berufen sich die meisten Forscher auf die Zahlen für Medienkonsum, die durch Schülerbefragungen des KFN entstanden sind. Anhand der PISA- Studie lässt sich eines sehr deutlich erkennen: Die Leistungen der männlichen Teilnehmer divergieren immer mehr von denen der Mädchen.
Man kann dieses Phänomen auch an der Geschlechterverteilung an den verschiedenen Schularten aus dem Schuljahr 2005/2006 erkennen: Während an den Realschulen das Verhältnis Jungen zu Mädchen annähernd gleich war (mit 49,8 Prozent lag der Jungenanteil nur leicht unter dem der Mädchen), lag der Anteil der Jungen an den Hauptschulen bei 55,8 Prozent. An den Gymnasien wiederum sind Jungen mit 46,3 Prozent in der Unterzahl (Mößle/ Kleinmann/ Rehbein 2007: 10).
Auch die Zahlen für Wiederholungen von Klassen werden deutlich von Jungen dominiert. So waren im Schuljahr 2004/2005 62,5 Prozent der Klassenwiederholungen an Hauptschulen von Jungen zu verzeichnen. An den Realschulen waren es 55,6 Prozent und an den Gymnasien 57,7 Prozent.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit von Medien und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Wirkung des Fernsehens auf Kinder und Jugendliche.
2. Die Nutzer: Dieses Kapitel klassifiziert Fernsehnutzer in informationsorientierte Wenigseher und unterhaltungsorientierte Vielseher und analysiert deren sozioökonomische Hintergründe.
3. Gründe für den erhöhten Konsum: Hier werden Ursachen für exzessiven Fernsehkonsum identifiziert, wie etwa der Besitz eines eigenen Fernsehers im Kinderzimmer und der soziale Kontext.
4. Auswirkungen auf die schulischen Leistungen: Das Kapitel vergleicht die negativen Effekte der Minderungshypothese mit den potenziell positiven Ansätzen der Stimmulierungshypothese.
5. Schluss: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass extensiver Medienkonsum meist schädlich ist, betont jedoch die Bedeutung einer selektiven, bildungsorientierten Fernsehnutzung.
Schlüsselwörter
Fernsehkonsum, Mediennutzung, Schulleistungen, Minderungshypothese, Stimmulierungshypothese, Medienkompetenz, Lesekultur, Bildungsniveau, Kinder und Jugendliche, Informationselite, Unterhaltungsproletariat, Zeitverdrängungshypothese, PISA-Studie, Medienpädagogik, Sesamstraße.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Fernsehkonsums auf die Sprachentwicklung sowie die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen unter Berücksichtigung verschiedener Theorien.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Kategorisierung von Mediennutzern, die Gründe für hohen Medienkonsum und die Auswirkungen des Fernsehverhaltens auf den Bildungserfolg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, wie sich ein hoher Fernsehkonsum auf den Umgang mit der Muttersprache und die schulische Leistungsfähigkeit auswirkt.
Welche wissenschaftlichen Hypothesen werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Minderungshypothese (negative Auswirkungen auf die Entwicklung) und die Stimmulierungshypothese (positive, bildungsfördernde Aspekte).
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil analysiert Nutzergruppen, strukturelle Bedingungen wie den Besitz eigener TV-Geräte, den Zusammenhang zu Schulleistungen und die Rolle pädagogischer Kindersendungen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Medienkonsum, Minderungshypothese, Stimmulierungshypothese, Bildungschancen und Medienkompetenz beschreiben.
Wie unterscheidet der Autor zwischen verschiedenen Nutzertypen?
Der Autor verwendet die Kategorien der "informationsorientierten Wenigseher" (meist höhere Bildung) und "unterhaltungsorientierten Vielseher" (oft niedriges Bildungsniveau).
Welche Bedeutung hat das Beispiel der "Sesamstraße" in der Arbeit?
Die Sesamstraße dient als Paradebeispiel für die Stimmulierungshypothese, da bei Kindern, die diese Sendung verfolgten, eine gesteigerte Leselust und bessere Schulleistungen nachgewiesen werden konnten.
Welchen Einfluss hat ein eigener Fernseher im Kinderzimmer laut dem Autor?
Der Besitz eines eigenen Fernsehers erhöht die tägliche Konsumdauer drastisch und korreliert häufig mit einer tendenziell negativeren Entwicklung der schulischen Leistungen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für Eltern?
Eltern sollten nicht zwingend auf Unterhaltung verzichten, aber den Medienkonsum gezielt steuern, Gewaltdarstellungen vermeiden und bildungsfördernde Formate unterstützen.
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- Sebastian Leben (Author), 2010, Fernsehen macht dumm! , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168793