Einsatz des Spiels als pädagogisches Mittel


Hausarbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Das Spiel - Ein Merkmal menschlichen Lebens

2. Ursprüngliche Spieltheorie
2.1 Das Spiel als Lernmittel
2.2 Zweckentfremdung des Spiels durch Stilisierung zum Lernmittel?
2.3 Die ideale Gestaltung des Spiels

3. Das Spiel im Wandel der heutigen Zeit
3.1 Spiel als Freizeitaktivität
3.2 Die Kommerzialisierung des Spiels
3.2.1 Kommerzielles vs. Traditionelles Spiel
3.2.2 Das Videospiel

4. Schlussbemerkung

5. Literaturverzeichnis

1. Das Spiel - Ein Merkmal menschlichen Lebens

„Das Kinderspiel ist eine zu auffällige Erscheinung aller Zeiten und Kulturen, als dass die Menschen es nicht von jeher hätten wahrnehmen müssen" (Flitner 2004, S.13). Allein an dieser Aussage wird die große Bedeutung, die das Spiel für alle Menschen hat, sichtbar. Das Bedürfnis zu spielen ist im Menschen von Geburt her angelegt und die Formen des Spiels sind nahezu unbegrenzt. So ist es leicht verständlich, dass sich im Laufe der Geschichte verschiedene Spieltheorien und unterschiedliche Mei­nungen in Bezug auf das Spiel entwickelt haben.

In dieser Arbeit möchte ich besonders auf die Bedeutung des Spiels in der Pädago­gik eingehen. Denn hier wird das Spiel zunächst vor allem als Lernmittel angesehen, durch welches Kinder sich bereits sehr früh die ersten Kenntnisse und Fertigkeiten aneignen. Aus dieser Sicht wird dem Phänomen des Spiels somit von Anfang an auf den Grund gegangen, da „...die Pädagogik seit langem das Spiel in die Organisation der Erziehung eingebaut [hat]" (Prange 2006, S.116). Natürlich regte sich im Laufe der Zeit, wie fast überall, auch hier wieder Kritik an dieser Auffassung. Das Spiel sol­le nicht nur als Mittel zum Zweck des Lernens angesehen werden. Der ursprüngliche freie und ungezwungene Charakter des Spiels soll erhalten bleiben, denn eines der wichtigsten Merkmale des Spiels an sich ist, dass es von Natur aus „... eine freie Handlung dar[stellt]..." (ebd., S.118). Deshalb ist es wichtig, dass abgeklärt werden muss, welche Merkmale das Spiel besitzt, um zu verstehen wie es sinnvoll als päda­gogisches Mittel eingesetzt werden und welche Ziele und Aufgaben es haben kann. Vor allem aber in unserer heutigen, vom Konsum geprägten Zeit nimmt das Spiel wieder eine wichtige Rolle ein. Allerdings bleibt die Frage, ob die heutige immer stär­ker werdende Kommerzialisierung des Spiels mit dem traditionellen Kinderspiel ver­einbar ist oder ob Sie zum Aussterben des letzteren führt. Ebenfalls ist das Spiel ganz besonders heutzutage nicht mehr auf die Kindheit begrenzt. Durch vielfältiges Spielzeug, Videospiele und andere Medien gewinnt das Spiel über eine große Le­bensspanne hinweg immer mehr an Bedeutung für die Freizeitgestaltung. Zudem hat gerade die Freizeitgestaltung selbst heute einen sehr hohen Stellenwert bei Men­schen aller Altersgruppen, was das Interesse an Spielmöglichkeiten natürlich zu­nehmend weckt. Doch auch hier stellt sich dann wieder die Frage, ob dieses kon­sumorientierte Spielen dann überhaupt noch etwas mit dem ursprünglichen, im Men­schen angelegten Merkmal des Spiels zu tun hat. Außerdem sollte man untersuchen, ob sich das Spiel in dieser Weise noch mit den pädagogischen Absichten vereinba­ren lässt. Betrachtet man schließlich Johan Huizingas Theorie des „Homo Ludens", so kommt sogar der „Ursprung der Kultur aus dem Spiel" (Huizinga 1937/1956, zitiert nach Prange 2006, S.118). Dies zeigt, wie wichtig das Spiel für den Menschen und sein Leben ist und warum man es früher wie heute auch in der Pädagogik aus meh­reren Sichtweisen betrachten sollte.

2. Ursprüngliche Spieltheorie

2.1 Das Spiel als Lernmittel

Das Kinderspiel gibt es seit jeher. Verschiedenste Formen des Spiels zeigten sich bereits in der Antike, im Mittelalter sowie in der vorindustriellen Gesellschaft, in wel­cher die Kinder auch direkt an den Erwachsenenspielen teilnahmen (vgl. Flitner 2004, S.13). Mit dem Beginn des Industriezeitalters schließlich rückte die Aufmerk­samkeit für das Kind und dessen Erziehung zunehmend in den Vordergrund. Somit gewinnt die Pädagogik im 18. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung und „in diesem Zusammenhang auch entstehen das wachsende Interesse für das kindliche Spiel und die zunehmende Beschäftigung mit dem Phänomen ‘Spiel’ überhaupt" (ebd., S.14). Es wird sofort klar, dass Kinder im Spiel großen Eifer und Enthusiasmus zei­gen. Das große Ziel bestand nun darin, diesen Eifer, diese Unermüdlichkeit und die Freude, welche die Kinder für das Spiel aufbringen, auch für die Schule zum Zweck des Lernens zu nutzen. An Stelle der aufgezwungenen Wissensvermittlung in der Schule soll nun das spielerische Lernen treten. Das dürfte jedem verständlich sein: Wenn einem etwas Spaß macht und man sich für etwas begeistern kann, dann fällt es einem viel leichter und man macht es viel lieber, als wenn man es als notwendi­ges Übel ansieht und weiß, es muss gemacht werden, ob man nun will oder nicht. Auf diese Art soll eben Schule mit Spiel verbunden werden, damit die Kinder leichter und gerne lernen. Diese Zielsetzung „...finden wir [bereits, Anm. d. Verf.] bei Eras­mus von Rotterdam und bei Johann Amos Comenius formuliert, [sowie, Anm. d. Verf.] bei John Locke und den Philanthropisten; es ist ein durchgehender Gedanke der ‘Aufklärung’ und ihrer Schultheorie, der uns bis heute geläufig ist." (ebd., S. 14).

Doch hat sich im Laufe der Zeit und mit zunehmender Forschung herausgestellt, dass das Spiel von sich aus Lerneffekte mit sich bringt. Gemeint ist damit nicht das Lernen von Lesen, Schreiben und Rechnen, wie es aus der Schule bekannt ist, son­dern die Aneignung von wichtigen Fähigkeiten und Fertigkeiten für die menschliche Entwicklung. Besonders „in den modernen Spieltheorien handelt es sich vielmehr um die Beziehung zwischen dem Spiel und der individuellen Entwicklung des Kindes" (van der Kooij 1977/2000, in Roth 2001, S.293). So wurden verschiedene Formen des Spiels beobachtet und unterschieden. Beispielhaft sind hier die drei aufeinander­folgenden Grundformen des Spiels nach Jean Piaget, die verschiedene Entwick­lungsaufgaben verfolgen (vgl. Prange 2006, S. 120 f.). Die erste Stufe bildet hierbei das Übungsspiel, welches sich durch einfache Bewegungen von Armen und Beinen oder beispielsweise dem Schütteln einer Rassel auszeichnet. Durch ständige Wie­derholung dergleichen werden hier sensomotorische Fertigkeiten trainiert. Auf der zweiten Stufe finden wir das Symbolspiel. Hier wird die Vorstellungskraft ausgebildet und es kommt zur Identifikation mit verschiedenen Personen und Dingen sowie de­ren Nachahmung. Dies äußert sich zum Beispiel darin, dass das Kind Flugzeug spielt oder dass ein großer Karton spielerisch ein Auto darstellt. Natürlich wird hier auch die Phantasie des Kindes geschult. Auf der dritten Stufe, dem Regelspiel, wird vor allem Regeltreue vermittelt und das Kind lernt im Spiel mit wechselseitigen sozialen Kontakten umzugehen. Beispielsweise muss man sich beim „Mensch ärgere dich nicht" an bestimmte Regeln halten, damit das Spiel funktioniert. Achten alle Mitspie­ler diese Regeln, so zeigen sie sich somit gegenseitig Respekt. Dadurch lernt das Kind nach Piaget auch eine „fremdbestimmte Moral", die „...schließlich zur eigenen, autonomen Erzeugung von Regeln [führt]" (ebd., S.121). Darüber hinaus kann man das Spiel noch in weitere Kategorien einteilen, wie „Konstruktionsspiel" und „Grup­pierungsspiel" (vgl. van der Kooij 1983a/1986, in Roth 2001, S. 296), bei denen das Kind im Umgang mit verschiedenen Spielzeugelementen lernt. Aus diesen Erkennt­nissen heraus entwickelte sich zunehmend der Gedanke, das Spiel als Mittel der Er­ziehung für pädagogische Zwecke zu nutzen. Somit stellt die Pädagogik das Spiel „.in den Dienst eines geordneten Lernens zum Erwerb von Fertigkeiten, Kenntnis­sen und Haltungen" (Prange 2006, S. 122).

Nicht zuletzt bleibt hier noch das Spielzeug zu erwähnen, welches das Kind zum Spielen anregen und im Spiel unterstützen soll. „Das Spielzeug ist die pädagogische Antwort auf das Spielen des Kindes; es wird zum Lernspiel in dem Maße, wie wir damit ausdrücklich bestimmte Zwecke verfolgen und so das Spielen zur Kultivierung und bildenden Unterhaltung der Kinder heranziehen“ (ebd., S.122). Blickt man auf das heutige vielfältige Spielzeugangebot, so erkennt man sehr wohl den Zweck eini­ger Spielsachen: Bauklötze, mit denen Konstruktions- und räumliche Vorstellungsfä­higkeit eingeübt werden können, Spielzeugwerkzeuge und -kochutensilien, die die Erwachsenenwelt ins Spielzimmer bringen oder auch einfachste Memorykärtchen mit Abbildungen von Tieren und Alltagsgegenständen, die das Kind in der Realität wie­der erkennen kann. Jetzt wissen wir auf welche Weise Spiel und Spielzeug als päda­gogisches Mittel eingesetzt werden, doch ist es wirklich der Sinn des Spiels bewusst als Lernmittel zu dienen?

2.2 Zweckentfremdung des Spiels durch Stilisierung zum Lernmittel?

Durch die Nutzung des Spiels für pädagogische und didaktische Zwecke wird dieses immer mehr ein Mittel zum Zweck, nämlich zum vielseitig einsetzbaren Lernmittel. Doch dies muss kritisch hinterfragt werden. Darf das Spiel zum Lernmittel stilisiert werden? Hat das Spiel von Natur aus nicht eine ganz andere Bedeutung? Bei diesen Fragen ist es sinnvoll sich erst einmal die grundlegenden Eigenschaften und Merk­male des Spiels anzusehen. Geht man dem näher auf den Grund, wird man oft fest­stellen, „...dass [das] Spiel leicht zu erkennen, aber sehr schwer zu definieren ist“ (van der Kooij, in Roth 2001, S. 295). Allerdings ist eine der wichtigsten Eigenschaf­ten des Spiels, dass es eine freie Handlung, eine Freitätigkeit darstellt. Das finden wir bei Huizinga, Fröbel und auch schon bei Schiller, welcher den freien Charakter des Spiels als Vorraussetzung für die Kunst sieht: „Nur wo der Mensch nicht dem Zwang der Naturtriebe unterworfen ist und auch nicht dem Zwang des Sittengeset­zes, der praktischen Vernunft’ - nur dort ist er wirklich frei: im Bereich des Schönen nämlich, der Künste und des Spiels“ (Flitner 2004, S. 17). Des Weiteren hat das Spiel nach Fröbel noch andere wichtige Merkmale: Zum einen besitzt das Spiel an sich keinen ökonomischen Nutzen. Zum andern ist es aber die beste Art soziale Kon­takte zu knüpfen, so stellt das Spiel Gemeinschaftsverbände her und erhält diese auch. Außerdem gehören zum Spiel auch immer ein bestimmter Raum, in dem das Spiel stattfindet sowie eine bestimmte Zeit, in der gespielt wird. Zudem braucht es meist bestimmte Regeln, damit das Spiel ordnungsgemäß ablaufen kann. Schließlich bleibt noch der „Als-Ob-Charakter“, welcher das Spiel vor allem von der Realität und dem Ernst abgrenzt. Und genau hier wird die entscheidende Differenz sichtbar. Das Spiel steht für Freiheit außerhalb der Notwendigkeit. Hier kann man sich zurückzie hen, der Bedrängnis des Alltags entfliehen und seinen Freiraum ohne Last genießen. Lernen und Arbeiten hingegen bestehen aus Last und Notwendigkeit sowie Ernst und Unfreiheit.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Einsatz des Spiels als pädagogisches Mittel
Hochschule
Universität Augsburg  (Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Grundformen pädagogischen Handelns
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V168820
ISBN (eBook)
9783640867493
ISBN (Buch)
9783640868056
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Pädagosches, Mittel, Einsatz, Spiel, Spielzeug
Arbeit zitieren
Alexander Schwalm (Autor), 2010, Einsatz des Spiels als pädagogisches Mittel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168820

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