In der vorliegenden, 22 Unterrichtsstunden umfassenden Unterrichtseinheit setzen sich die SuS auf verschiedenen Wegen mit dem Werk Faust – der Tragödie erster Teil auseinander. Im Rahmen dessen werden die Fertigkeiten im Bereich „Umgang mit Texten“ und konkret im „Verstehen, Analysieren und Interpretieren von literarischen Texten – vertiefende Rezeption“29 geschult. Auf eine allgemeine Einführung zum Werk und dessen kulturellen Bedeutung anhand geflügelter Worte aus dem Werk folgte eine Auseinandersetzung mit der Entwicklung des Fauststoffes und somit mit zentralen Motiven und Themen des Werkes. Darüber hinaus wurde in der biographische, historische und literaturhistorische Hintergrund (Weimarer Klassik) in einer Übersicht erarbeitet. Der erste rolog zum Werk - „Zueignung“ - sowie die Erarbeitung der unterschiedlichen Positionen im „Vorspiel auf dem Theater“ fand in jener vor der Prüfungsstunde gelegenen Lernzeit statt. Im Anschluss an die Prüfungsstunde zum „Vorspiel auf dem Theater“ erfolgt eine detaillierte Analyse und Interpretation der Szenen „Prolog im Himmel“ und „Nacht“. Daraufhin wird die Verfilmung der Faust-Inszenierung des Hamburger Schauspielhauses aus dem Jahr 1960 gezeigt, in der Gustaf Gründgens als Mephisto brilliert, und den SuS somit ein Überblick über den weiteren Handlungsverlauf gegeben. Auf diese Weise erhalten die SuS eine Orientierung für die Gestaltung von Mini-Projekten, die im Anschluss stattfinden sollen. Im projektorientierten Lernen wählen die SuS gruppenweise eine Szene aus dem Werk aus und bereiten diese auf unterschiedlichste Weise für eine Präsentation auf (Hörspiel, Video-Clip, Szenische Interpretation, Schattenspiel, Puppenspiel, Rollensplitting o.ä.). Diese werden sie dann im Rahmen des Kurses durchführen und deren Gestaltung entsprechend durch die Literaturvorlage begründen, d.h. eine Szeneninterpretation mit einem entsprechenden Schwerpunkt (Figurencharakterisierung, Sprachliche Gestaltung, Figurenkonstellation etc.) wird zugrunde gelegt. Abgeschlossen wird die Einheit schließlich durch eine Evaluation der Unterrichtseinheit sowie durch das Aufgreifen jener, in den Anfangsstunden erarbeiteten Thesen und deren Verifikation bzw. Negation in Form einer Diskussion.
Inhaltsverzeichnis
1. Unterrichtliche Vorbedingungen
1.1. Die Lerngruppe
1.2. Die Referendarin
1.3. Schulspezifische Voraussetzungen
2. Didaktische Analyse
2.1. Sachanalyse
2.2. Stellung der Stunde in der Unterrichtseinheit
2.3. Didaktische Überlegungen
3. Ziele
4. Methodische Analyse
5. Tabellarischer Entwurf
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Unterrichtseinheit ist die vertiefende Auseinandersetzung mit Goethes Faust unter besonderer Berücksichtigung der szenischen Interpretation und der produktionsorientierten Arbeit. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, wie die im „Vorspiel auf dem Theater“ verhandelten, kontroversen Positionen zum Wesen der Dichtung handlungsorientiert erschlossen und in das Verständnis der Schülerinnen und Schüler integriert werden können.
- Analyse des „Vorspiels auf dem Theater“ als Schlüssel zur Dramenstruktur
- Handlungsorientierte Erschließung von Dichter-, Regie- und Zuschauerinteressen
- Förderung der Interpretations- und Analysefähigkeit durch produktive Verfahren
- Stärkung der Sozialkompetenz im Rahmen von Gruppenprozessen
Auszug aus dem Buch
2.1. Sachanalyse
Der Kurs 10/1 beschäftigt sich in der vorliegenden Unterrichtseinheit mit Johann Wolfgang Goethes Faust – Der Tragödie erster Teil. Dieses in mehreren Etappen vollendete Drama gehört zu einem der berühmtesten Werke der Weltliteratur. Es unterteilt sich in drei Zugänge (Prologe) zum Drama, die sogenannte Gelehrtentragödie und die Gretchentragödie. Faust, Gelehrter im 16. Jahrhundert, befindet sich zu Beginn der Handlung in tiefer Verzweiflung darüber, dass wir „nichts wissen können“. Wissenschaft und Religion können ihm nicht erklären, was „die Welt im Innersten zusammenhält“, sodass er sich der Magie zuwendet und den Erdgeist beschwört. Als er den Anblick dessen nicht ertragen kann, wachsen in ihm starke Selbstzweifel darüber, was er vermag, und die Selbsttötung scheint ihm der einzige Ausweg. Er wird jedoch abgehalten vom Klang der Osterglocken und begibt sich am Ostermorgen in die Natur. Inspiriert von den einfachen, tätigen Menschen sucht er in seinem Studierzimmer Erkenntnis im Neuen Testament und gelangt zur Überzeugung „Im Anfang war die Tat“. Daraufhin sieht sich Faust konfrontiert mit Mephisto, der ihm in Gestalt eines Pudels gefolgt ist und nun „des Pudels Kern“ Preis gibt. Faust fürchtet den Teufel nicht und tritt ihm gegenüber als überlegen ein. Als dieser vorgibt, ihm die Lebenstotalität durch Lust und Genuss verschaffen zu können, wettet Faust selbstsicher dagegen. So beginnen Mephistos Versuche, Faust vom rechten Weg abzubringen. In „Auerbachs Keller“ versucht er, Faust zu oberflächlicher Lust und Genuss zu verführen, doch dieser zeigt sich angeekelt. Es folgt Fausts Verjüngung um 30 Jahre in der „Hexenküche“. Mit der ersten Begegnung von Faust mit dem jugendlichen Gretchen wird dann der Auftakt zur Gretchentragödie gegeben. Statt des Mephisto erhofften Liebesabenteuers entwickelt sich auf beiden Seiten eine tiefe, echte Liebe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Unterrichtliche Vorbedingungen: Dieses Kapitel beschreibt die soziokulturelle Zusammensetzung der Lerngruppe, das Selbstverständnis der Lehrkraft sowie die spezifischen Rahmenbedingungen der Schule, die den Kontext für die Unterrichtseinheit bilden.
2. Didaktische Analyse: Hier wird der fachliche Gehalt des „Faust“ beleuchtet, die Stellung des Themas im Lehrplan begründet und der didaktische Ansatz zur Vermittlung dieser komplexen Inhalte dargelegt.
3. Ziele: Dieses Kapitel definiert die angestrebten Kompetenzzuwächse der Schülerinnen und Schüler im Bereich der literarischen Analyse und der kooperativen Arbeit.
4. Methodische Analyse: Hier werden die gewählten Unterrichtsmethoden (Sitzkreis, Partnerinterviews, produktionsorientierte Erarbeitung) methodisch legitimiert und ihr Beitrag zum Lernziel erläutert.
5. Tabellarischer Entwurf: Dieses Kapitel bietet eine strukturierte zeitliche und inhaltliche Übersicht der geplanten Unterrichtsstunde, inklusive der spezifischen Lehrer- und Schülerhandlungen sowie der eingesetzten Medien.
Schlüsselwörter
Johann Wolfgang von Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater, Szenenanalyse, Produktionsorientierung, Dramentheorie, Literaturunterricht, Rollenkonflikt, Handlungsorientierung, Weimarer Klassik, Schulinternes Curriculum, Deutschunterricht, Interpretationskompetenz, Gruppendynamik, Lehrerentwurf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit stellt einen detaillierten Unterrichtsentwurf für das Fach Deutsch in einer zehnten Klasse dar, der sich mit der Erschließung von Johann Wolfgang von Goethes „Faust – Der Tragödie erster Teil“ befasst.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentral sind die Analyse des „Vorspiels auf dem Theater“, die Reflexion über das Wesen der Dichtung und die Auseinandersetzung mit der Rolle des Dichters, des Regisseurs und des Publikums.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Das Ziel ist die Förderung der Analyse- und Interpretationskompetenz der Schülerinnen und Schüler durch eine handlungsorientierte und produktionsorientierte Annäherung an das literarische Werk.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Lehrkraft setzt produktionsorientierte Verfahren ein, bei denen Schülerinnen und Schüler durch das Verfassen von „Gedankenblasetexten“ ihre Interpretationen der Figurenpositionen argumentativ begründen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine didaktische und methodische Analyse sowie einen detaillierten tabellarischen Verlaufsplan, der die methodischen Schritte der Unterrichtsstunde präzise aufschlüsselt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren das Dokument?
Schlüsselbegriffe sind insbesondere Produktionsorientierung, Rollenkonflikt, Szeneninterpretation und Handlungsorientierung im Deutschunterricht.
Warum spielt der „Rollenkonflikt“ eine zentrale Rolle im Entwurf?
Der Rollenkonflikt dient als Brückenelement, um das Interesse der Schülerinnen und Schüler an ihrer eigenen Lebenswelt mit der literarischen Problematik des „Faust“ zu verknüpfen.
Wie werden die Schüler in den Arbeitsprozess eingebunden?
Die Schüler arbeiten in Gruppen, wobei sie sich in die verschiedenen Perspektiven der Figuren des „Vorspiels“ (Direktor, Dichter, Lustige Person) hineinversetzen und ihre Positionen anhand von Textbelegen erarbeiten.
- Quote paper
- Susan Dankert (Author), 2011, Faust - Der Tragödie erster Teil: Goethes Rollenkonflikt anhand des Prologs "Vorspiel auf dem Theater" , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168889