Autismus - Diagnostik, Früherkennung und Therapie in Deutschland


Hausarbeit, 2010
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Autismus
2.1 Diagnostische Kriterien und Formen des Autismus
2.2 Die Entwicklung autistischer Kinder in den ersten Lebensjahren
2.3 Ursachen
2.4 Epidemiologie

3 Diagnostik
3.1 Diagnostische Instrumente
3.2 Die Früherkennung / der frühkindliche Autismus

4.. Therapie
4.1 Frühförderung mit ABA
4.2 TEACCH

5 Zusammenfassung und Diskussion

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Autismus-Spektrum-Störungen sind Erkrankungen, die den Betroffenen ein soziales Leben in unserer Gesellschaft fast unmöglich machen. Das Führen eines als normal zu bezeichnenden Lebens ist für autistische Kinder und Erwachsene aufgrund ihrer Isolation und Einschränkungen eigentlich undenkbar. Autismus gilt als unheilbar, jedoch zeigen einige Therapieformen erfolgreiche Ergebnisse. Den Betroffenen und ihren Angehörigen kann sehr geholfen werden - wenn die Therapie frühzeitig beginnt und langfristig angelegt ist. Wie sieht es also zur Zeit in Deutschland aus mit der Früherkennung und Frühförderung von autistischen Kindern?

In der vorliegenden Arbeit werden zunächst die verschiedenen autistischen Störungen mit ihren Ursachen, Diagnosekriterien und Merkmalen vorgestellt. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf dem frühkindlichen Autismus. Die diagnostischen Instrumente bei autistischen Erkrankungen und auch hier speziell die Frühdiagnostik werden ebenfalls thematisiert. Außerdem wird auf die unterschiedlichen Therapieformen eingegangen, wobei zwei besonders etablierte Methoden, „ABA" und „TEACCH", genauer dargestellt werden.

Einem autistischen Kind frühzeitig die richtige Therapie und damit die Teilnahme an einem sozialen Leben zu ermöglichen, ist das Ziel der Maßnahmen zur Früherkennung und macht diese so wichtig.

2. Der Autismus

2.1 Diagnostische Kriterien und Formen des Autismus

In der ICD-10 (WHO, 2005) sind unter F84 „Tiefgreifende Entwicklungsstörungen" erfasst. Dies sind die so genannten Autismus-Spektrum­Störungen. Eingeschlossen sind hier der frühkindliche Autismus (F84.0), der auch Kanner-Syndrom genannt wird, der atypische Autismus (F84.1), das Rett-Syndrom (F84.2) und das Asperger-Syndrom (F84.5) (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Grundformen des Autismus; erst. v. Verf.

Für die Diagnostik jeder dieser Störungen gilt, dass eine qualitative Beeinträchtigung in sozialer Interaktion und Kommunikation sowie ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten gegeben sein muss und sich die Störung in früher Kindheit manifestiert (bis zum fünften Febensjahr). Die Diagnose des frühkindlichen Autismus erfordert eine Sprach- oder Entwicklungsstörung, die vor dem vierten Febensjahr auftritt. Kinder, die am frühkindlichen Autismus leiden, haben z. B. im Kindergarten wenig bis gar kein Interesse an anderen Kindern. Sie reagieren kaum auf direkte Ansprache und spielen oft mit Spielzeug, das nicht ihrem Alter entspricht. Dies sind nicht selten Spielzeuge, die groß, bunt oder geräuscherzeugend sind. Beim Spielen damit zeigen die Kinder oft stereotype Verhaltensweisen. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn autistische Kinder nie das Sprechen erlernen und somit in ihrem Ausdrucksvermögen extrem eingeschränkt sind. Wenn die Kinder sprechen lernen, so tun sie dies erst sehr spät, außerdem ist die Sprache nicht besonders ausgeprägt und wird nicht zu Kommunikationszwecken verwendet (Freitag, 2008). Ein Beispiel: Mindestens drei Viertel aller sprechenden autistischen Kinder zeigen ein echoartiges Nachplappern (Echolalie), welches keine kommunikative Bedeutung hat (Frith, 1992). Auf die Besonderheiten in der Entwicklung von Kindern mit frühkindlichem Autismus wird im nächsten Unterkapitel genauer eingegangen.

Hingegen tritt das Asperger-Syndrom ohne Sprach- und Entwicklungsstörungen auf, jedoch mit Problemen der sozialen Interaktion und stereotypem, repetitivem Verhalten und Sonderinteressen. Betroffene Kinder und Jugendliche sind oft überdurchschnittlich intelligent oder sogar hochbegabt, haben aber große Schwierigkeiten, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, denn beispielsweise fällt ihnen das Interpretieren von Mimik und Gestik extrem schwer und sie verstehen Humor, Ironie usw. in der Regel nicht. Sie haben ihr Leben lang nur sehr wenige Freunde. Auch ist eine auffällige Motorik zu beobachten: Die Kinder zeigen sich ungeschickt und schwerfällig (Bauerfeind, 2007).

Der atypische Autismus beginnt später als der frühkindliche Autismus. Er zeigt dieselbe Symptomatik, nur in schwächerer Ausprägung (Freitag, 2008).

Autismus ist keine fortschreitende Krankheit. Ohne therapeutische Maßnahmen verändert sich das Krankheitsbild im Kindesalter nur leicht und nach dem Heranwachsen fast gar nicht mehr (Frith, 1992). Von einer Heilung des Autismus ist mit und ohne Therapie in keinem Fall auszugehen, denn man muss Autismus als das ansehen, was er ist: Eine (starke) geistige Behinderung. Glücklicherweise gibt es sehr erfolgreiche Therapieprogramme, mit denen die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen verbessert werden kann. Auf diese wird in Kapitel 4 eingegangen.

2.2 Die Entwicklung autistischer Kinder in den ersten Lebensjahren

Im Rahmen dieser Arbeit ist vor allem der frühkindliche Autismus von besonderem Interesse. Daher wird an dieser Stelle auf diese Form des Autismus im Speziellen eingegangen.

Die Diagnose des frühkindlichen Autismus kann anfangs meist nur eine Verdachtsdiagnose sein, denn es ist im Säuglings- und Kleinkindalter nicht einfach, die Symptome von denen anderer Störungen wie Schwerhörigkeit, Entwicklungsaphasie oder Heller'sches Syndrom zu unterscheiden. Gerade auch, weil die typischen Sprachauffälligkeiten bei Babys nicht erfasst werden können. Lösche (1992) berichtet ausführlich über die Entwicklung autistischer Kinder. Demnach erkennen Eltern retrospektiv meist schon in den ersten beiden Lebensjahren ihres Kindes deutliche Entwicklungsverzögerungen. Diese betreffen Motorik, Sprach- und Kommunikationsentwicklung sowie das Interesse an der Umgebung. Bis zur Diagnose „Autismus" vergehen aber meist noch mindestens zwei Jahre (auf die Diagnostik und deren Probleme wird in Kapitel 3 näher eingegangen).

Der frühkindliche Autismus scheint sich allmählich im Säuglings- und Kleinkindalter zu entwickeln, um dann mit etwa drei bis vier Jahren ausgereift zu sein. Interessanterweise verbessert sich die Symptomatik nach etwa sechs Lebensjahren scheinbar von selbst ein wenig. Gründe hierfür sind bisher noch nicht bekannt (Poustka, 2004).

2.3 Ursachen

Wie kommt es, dass autistische Kinder den Kontakt zu ihren Mitmenschen verweigern und sich isolieren? Diese Frage führt zu einer Reihe teils neurologischer Störungen, die ein autistischen Krankheitsbild bedingen können. Da wären unter anderem Defekte im Kleinhirn, welches für den Bewegungsfluss zuständig ist und im limbischen System, welches als „Belohnungszentrum" gilt (Rollet & Kastner- Koller, 2007). Eine genetische Komponente scheint nicht bestreitbar, nachdem Ritvo (1985, zit. n. Rollet & Kastner-Koller, 2007) in einer Zwillingsstudie mit eineiigen Zwillingen in 95,7 % der Fälle eine Autismuserkrankung bei beiden Zwillingen belegte. Bei zweieiigen Zwillingen lag die Häufigkeit noch bei 23,5 %. Der Grund hierfür scheint in Chromosomendefekten, vorwiegend auf den Chromosomen 15 und 22, zu liegen. Möglicherweise verantwortlich für die Entwicklung autistischer Störungen sind außerdem somatische Krankheiten wie die infantile Zerebralparese, angeborene Röteln, tuberöse Sklerose, zerebrale Lipoidose und das Syndrom des fragile X-Chromosoms (WHO, 2005). Einige Forscher gehen davon aus, dass nicht ein einzelner Gendefekt zum Autismus führt, sondern eher das Zusammenwirken mehrerer (Freitag, 2008).

Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass Verhaltensweisen, die an Autismus erinnern, auch Ausdruck einer körperlichen Krankheit oder ein Zeichen schwerer Vernachlässigung (Deprivation) sein können. In diesem Fall ist das Verhalten des Kindes aber nicht darauf zurückzuführen, dass es aus sich selbst heraus keinen Kontakt zu seinen Eltern aufnimmt, denn die Kontaktarmut wurde ihm von den Eltern / der Umgebung auferlegt. Dies ist kein Autismus im Sinne der üblichen Diagnostik, auch wenn in manchen Fällen ähnliche Therapien Erfolge zeigen können (Nissen, 1989). Widerlegt werden konnten mehrere falsche Annahmen bezüglich des Ursprungs einer autistischen Erkrankung: Weder die Masern- Mumps-Röteln-Impfung (MMR-Impfung), noch Quecksilber, Allergien oder der Erziehungsstil der Eltern können Autismus bei einem Kind verursachen, dies ist in den letzten Jahren eindeutig belegt worden (Freitag, 2008). Außerdem sind auch die so genannten „Wolfskinder" nicht als autistisch zu bezeichnen. Sie wuchsen absolut isoliert von anderen Menschen im Wald auf und haben deshalb nie Sprechen gelernt und zeigen kaum Sozialverhalten Fremden gegenüber (Frith, 1992).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Autismus - Diagnostik, Früherkennung und Therapie in Deutschland
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Psychologie)
Veranstaltung
Lern- und Verhaltensschwierigkeiten
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V168922
ISBN (eBook)
9783640870400
ISBN (Buch)
9783640870233
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Autismus, Diagnostik, Früherkennung, Therapie, ABA, TEACCH
Arbeit zitieren
BA Alice Herwig (Autor), 2010, Autismus - Diagnostik, Früherkennung und Therapie in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168922

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