Sprachpolitik in Südtirol - ein kurzer Überblick


Referat (Ausarbeitung), 2003

12 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhalt

1. Historische Entwicklungen in Südtirol
a. Friedensvertrag von Saint-Germain 1919
b. Ettore Tolomei
c. Das Hitler-Mussolini-Abkommen

2. Der Pariser Friedensvertrag

3. Das erste Autonomiestatut 1948
a. Die Großkundgebung auf Schloss Sigmundskron
b. Die UNO wird eingeschaltet – die Südtirolfrage wird international
c. Die Feuernacht
d. Die Neunzehnerkommission

4. Das neue Autonomiestatut 1972
a. Ausschnitte aus dem Statut
b. Autonomiekommissionen
c. Das Proporzdekret

5. Die Entwicklung bis heute

6. Die spezielle Situation der Ladiner

7. Anleitung zur Diskussion

8. Bibliografie

9. Internetseiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ladinien ist das Land der Dolomiten. So fest sind diese zwei Begriffe miteinander verwoben, dass sie getrennt kaum vorstellbar wären. Diese "Bleichen Berge", deren kühne Silhouette die ladinischen Täler überragt, prägen das Landschaftsbild und den Charakter der Menschen Ladiniens.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Historische Entwicklungen in Südtirol

1.a Der Friedensvertrag von Saint-Germain 1919

Bis 1918 war Südtirol ein wesentlicher Bestandteil von Tirol. Entgegen den 14 Punkten Wilsons und entgegen dem Wunsch der Bevölkerung wurde durch den Friedensvertrag von Saint-Germain 1919 nicht nur das italienischsprachige Trentino, sondern auch das deutschsprachige Südtirol - von Salurn bis zum Brenner - Italien zugesprochen. Dem neuen Regime wurden keine Auflagen gemacht, die den Schutz der deutschen Minderheiten betrafen.[1]

1.b Ettore Tolomei

Nach der Machtergreifung Mussolinis (1922) wurde die Italianisierung besonders vorangetrieben. Seine Politik wurde von Ettore Tolomei[2] bestimmt, der im Juli 1923 in Bozen ein Italianisierungsprogramm verkündete. Es umfasste 32 Punkte, die in der Folgezeit umgesetzt wurden. Diese Politik sah die Umwandlung der traditionellen Kultur- und Lebensform in Südtirol vor. Die Hauptmaßnahmen waren die Abschaffung der einheimischen Gemeindeverwaltungen, die Einsetzung von italienischen Amtsbürgermeistern, das Verbot deutschsprachiger Schulen und des deutschsprachigen Privatunterrichts, das Verbot der deutschen Sprache in den Ämtern und im öffentlichen Leben, die Italianisierung der Familiennamen[3], die Verdrängung der einheimischen Volksgruppe aus den öffentlichen Stellen. Der Name "Tirol" wurde gestrichen und für "Südtirol" wurde die Bezeichnung "Alto Adige" eingeführt.

Durch die Zuwanderungs- und Ansiedlungspolitik von Mussolini, die er verstärkt in der Mitte der dreißiger Jahre betrieb, sollte die Italianisierung gefördert werden. Es wurden Industrieanlagen errichtet, um viele Arbeitsplätze für italienische Arbeiter zu schaffen (z.B. Lancia-Werke in Turin, Stahlwerke in Mailand, Aluminiumwerk in Montecatini). Daher veränderte sich die bis dahin mittelständisch, handwerklich und landwirtschaftlich geprägte Wirtschaft Südtirols. Außerdem stieg die Zahl der Italiener, vor allem in den Städten, stark an.

1.c Das Hitler-Mussolini-Abkommen

1939 schloss Hitler mit Mussolini ein Abkommen über die Umsiedlung der Südtiroler. Es stellte die deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler vor die Wahl, in Gebieten des Deutschen Reiches neu zu siedeln, oder mit der italienischen Staatszugehörigkeit in Südtirol zu bleiben. Jedoch der Krieg verhinderte großteils die Umsiedlungen. In der durch italienische Zwangsmaßnahmen und deutsche Propaganda geförderten

Option[4] entschieden sich 213.000 Südtiroler (86 % der deutschsprachigen und ladinischen Bevölkerung) für die deutsche Staatsbürgerschaft. Bis 1943 wanderten 70.000 Südtiroler, vornehmlich unselbständig Erwerbstätige aus den Städten und Tälern, ab. Ein Drittel der ausgewanderten Südtiroler kehrte nach dem Krieg wieder zurück.[5]

Im September 1943 erfolgte die deutsche Besetzung Südtirols und der benachbarten italienischen Provinzen. Die Herrschaft der Nationalsozialisten dauerte zwei Monate. Die Opfer des Naziregimes waren vor allem jene, die in der Umsiedlungsphase in Südtirol sesshaft blieben. Die führenden Köpfe der sogenannten "Dableiber" oder "Heimattreuen" wurden gezielt verfolgt. Die Nationalsozialisten stellten Einrufungsbefehle an die Südtiroler. Wer sich der Einberufung entzog, konnte mit dem Tode bestraft werden.

Nach Kriegsende im Mai 1945 wurde in Bozen die Südtiroler Volkspartei (SVP) gegründet. Sie bildete sich aus der Südtiroler Widerstandsbewegung gegen Option und NS-Herrschaft und verlangte das Selbstbestimmungsrecht für Südtirol. In einer Unterschriftenaktion forderten die Südtiroler einmütig die Rückkehr zu Österreich. Diese Forderung wurde von Österreich auf der Pariser Friedenskonferenz vertreten, die Alliierten lehnten sie aber aus verschiedenen politischen Erwägungen heraus,1946 ab.

2. Der Pariser Friedenvertrag

Hierauf erfolgte der Abschluss des Pariser Abkommens zwischen Österreich und Italien, das als Annex in den italienischen Friedensvertrag von 1947 aufgenommen wurde. Das Pariser Abkommen (Gruber-De Gasperi-Abkommen) war ein Zusatzvertrag, der am 5. September 1946 zwischen den Außenministern von Österreich und Italien, Karl Gruber und Alcide De Gasperi unterzeichnet wurde. (Foto[6])

[...]


[1] Zappe, S.67

[2] Ettore Tolomei wurde am 16.8.1865 in Rovereto geboren. Er studierte Geographie und war bereits 1890 Herausgeber der nationalistischen italienischen Zeitschrift "La Nazione Italiana". Seit 1886 propagierte er die Italianisierung Südtirols, gestützt auf die Theorie der Wasserscheide als der "natürlichen Staatsgrenze" der italienischen Nation. Zu diesem Zwecke schuf er willkürliche italienische Namen für Südtiroler Ortsnamen. Seit 1919 war Tolomei Mitglied Nr. 1 der faschistischen Partei in der Provinz Bozen. 1922 organisierte er den berüchtigten faschistischen Sturm auf das Bozner Rathaus, welcher den Marsch auf Rom einleitete. Durch seine Verdienste um die Nation wurde Tolomei vom Faschismus zum Senator ernannt und in den Grafenstand erhoben. Auch das demokratische Italien bestätigte ihn 1946 als Senator.1939 fungierte er als Hauptinitiator der Umsiedlung der Südtiroler.1946 war er wiederum Berater der italienischen Regierung während der Friedenskonferenz. Am 26.5.1952 starb er und erhielt unter Teilnahme von höchsten Vertretern der italienischen Regierung ein Staatsbegräbnis. Erwähnenswert wäre noch, dass sich die Südtiroler Volkspartei in einer Erklärung eindeutig von den beiden Anschlägen distanziert hat. (Quelle: ÖStA, AdR, BMfAA, II-pol, Südtirol, Karton 73. http://zis.uibk.ac.at/stirol_doku/dokumente/19610214.html [22.04.2003]

[3] Beispiele: aus "Ciastel" wurde Kasteller, aus "Costa" wurde Kostner, aus "Rives" Rifesser, aus "Trebe" Tröbinger, aus "Val" Thaler – siehe "Abänderung ladinischer Familiennamen" http://www.vejin.com/familienname.html [03.05.2003]

[4] Die "Option": Am 23. Juni 1939 vereinbarten Vertreter des nationalsozialistischen Deutschen Reiches und des faschistischen italienischen Staates die Umsiedlung der SüdtirolerInnen in das Deutsche Reich. Alle deutschsprachigen SüdtirolerInnen konnten wählen (="optieren"), ob sie die italienische Staatsbürgerschaft beibehalten oder die deutsche Reichsangehörigkeit annehmen und in das Deutsche Reich abwandern wollen. Gleichzeitig wurde den SüdtirolerInnen zugesichert, dass ihr Besitz von Italien abgelöst und durch das "Dritte Reich" ersetzt werden würde. ("Die Option", http://homepage.uibk.ac.at/~c61710/otext.html, [25.04.2003])

[5] Zappe, S.70

[6] "Zukunft in Südtirol" http://www.svpartei.org/smartedit/dateien/zis/Zis_Sonder_LV2002.pdf [25.04.2003]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Sprachpolitik in Südtirol - ein kurzer Überblick
Hochschule
Universität Wien  (Romanistik)
Veranstaltung
Sprachwissenschaftliches Proseminar 2
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
12
Katalognummer
V16899
ISBN (eBook)
9783638216050
Dateigröße
805 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand.
Schlagworte
Sprachpolitik, Südtirol, Sprachwissenschaftliches, Proseminar
Arbeit zitieren
Mag. Verena Lindtner (Autor), 2003, Sprachpolitik in Südtirol - ein kurzer Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16899

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