Die Ideenlehre Platons unter erkenntnistheoretischen Vorzeichen


Hausarbeit, 2009

15 Seiten, Note: 1,3


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Ideenlehre Platons
Die Ideen
Zwei-Welten-Theorie
Die Gleichnisse
Begründung

Das Höhlengleichnis Platons
Inhalt
Erkenntnistheoretische Deutung

Der Dialog Menon
Inhalt
Erkenntnistheoretische Deutung

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Obwohl das Weltgeschehen nur selten von einzelnen Personen abhängt, dürfte Platon wohl eine Ausnahme sein. Wäre er als junger Mann in einem der vielen Kriege seiner Vaterstadt gefallen, die Welt würde heute ganz anders aussehen [...]. Denn Platons Philosophie hat Maßstäbe gesetzt, die über die Jahrhunderte bis heute das Forschen und Denken bestimmen sollten.“[1]

Platon war ein großer Denker der Antike, dessen Werke bereits unzählige Male untersucht und erforscht wurden. Insbesondere seine Ideenlehre weckte oftmals das Interesse verschiedener Philosophen. Dementsprechend groß ist auch die Auswahl an Sekundärliteratur zu seinen Werken.

Diese Ideenlehre wird auch der Hauptuntersuchungsgegenstand dieser Arbeit sein. Jedoch wird sie nicht auf den Idealstaat eingehen, den Platon in der Politeia mithilfe der Ideenlehre begründet, sondern sich denn erkenntnistheoretischen Aspekten widmen. Dafür eignet sich insbesondere das bekannte Höhlengleichnis von Platon und der Dialog Menon, die im Folgenden textanalytisch untersucht werden. Zuvor jedoch wird es einen kurzen Überblick über die Ideenlehre geben, der notwendig ist, um jegliche Zusammenhänge zu verstehen.

In der Antike konzentrierte man sich eigentlich auf metaphysische Probleme der Philosophie. Auch Platon wurde oft so interpretiert. So schreibt Diogenes Laertius über Platons Philosophie: „Das Endziel sei die Verähnlichung mit Gott.“[2]

Obwohl die Erkenntnistheorie in der Antike nicht das hauptsächliche Thema war, lohnt es sich Platons Werke auf erkenntnistheoretische Anzeichen zu untersuchen. Inwiefern es eine Erkenntnistheorie Platons gibt und ob die jeweiligen Begründungen in sich schlüssig sind, wird ausgiebig zu untersuchen sein.

Die Ideenlehre Platons

Die Ideenlehre Platons wird von vielen als sein Hauptwerk angesehen. Diese Meinung vertritt teilweise auch schon Diogenes Laertius, wenn auch in sehr abgeschwächter Form.[3]

Jedoch gibt es einige Diskussionen über die richtige Deutung. „Da die Theorie von Platon nie in expliziter Form formuliert wurde, ist ihre Interpretation bis heute umstritten.“[4] Jedoch sind sich die meisten Philosophen heutzutage einig, dass es die Ideenlehre gibt und dass sie von Platon stammt und nicht von Sokrates, den Platon verwirrender Weise in seinen Dialogen sprechen lässt.

Die Ideen

Das Zentrum der Ideenlehre bildet die Ideentrias, gebildet von der Idee des Schönen, des Guten und des Gerechten.[5] Die Idee des Guten jedoch steht über allen anderen Ideen. Sie ist das Hauptziel des Erkenntnisweges der Philosophen.[6] „Im ganzen finden wir im Phaidon zwei Gruppen von Ideen, die ethisch-ästhetischen und die logisch-mathematischen. Bei den ethisch-ästhetischen Ideen steht die Ideentrias […] voran, bei den logisch-mathematischen Ideen die Idee der Gleichheit. Diese beiden Gruppen bilden den Kern der Ideenlehre und bleiben es auch bis zu Platons letzten Dialogen.“[7]

Was verbirgt sich nun aber hinter diesem Begriff der Idee? Sie scheinen ja etwas anderes zu sein als das, was wir unter einer Idee, also einem geistigen Einfall, verstehen. Um Platons Begriff der Idee besser verstehen zu können, muss man sich einem weiteren Bestandteil seiner Ideenlehre widmen, der Zwei-Welten-Theorie.

Zwei-Welten-Theorie

Die Zwei-Welten-Theorie ist eng verknüpft mit dem Verständnis der Ideen. So unterteilt Platon die Welt in zwei Bereiche. Der erste Teil besteht aus den sinnlich-wahrnehmbaren Dingen, der zweite Bereich aus den schon erwähnten Ideen. „ […] [D]ie Dinge sind das Sichtbare, die Ideen sind das Unsichtbare, das nur Denkbare […]“.[8] Die Dinge sind also das, was wir wahrnehmen. Die Sinnesdinge, die sich in einem ständigen Wandel befinden. So verändert sich alles Wahrnehmbare im Laufe der Zeit, die Ideen aber sind „unveränderlich, die Ideen sind das Immer-Seiende, die Ideen sind ewig.“[9] Man könnte es auch so definieren, dass die Welt der Dinge unsere Alltagswelt ist mit den Gegenständen, die wir sinnlich wahrnehmen können wie beispielsweise Personen, Bäume, Tiere oder Gebäude. Die Welt der Ideen beschreibt den Bereich jener Begriffe, die man nicht mit den Sinnen wahrnehmen kann. Zu dieses gehören zum Beispiel Begriffe wie Gerechtigkeit, Mut oder Gleichheit.

Die Gleichnisse

In der Politeia finden sich die drei Gleichnisse, die Platon benutzt, um seine Ideenlehre zu veranschaulichen, das Sonnengleichnis, das Liniengleichnis und das Höhlengleichnis.

„Die Sonne, so sagt das Sonnengleichnis, macht alles Sichtbare in seinem Sein erst möglich, sie macht aber auch alles Sehen allererst möglich. So ist es die Idee des Guten als die höchste Idee, die allen Ideen als dem wahren Sein dies wahre Sein verleiht, die aber auch alles Erkennen der Ideen als das Erkennen des wahren Sein möglich macht.“[10]

Die Sonne steht also metaphorisch für die Idee des Guten, also für das oberste Erkenntnisziel der Menschen, insbesondere, da nur für sie erreichbar, für die Philosophen. Diese Deutung der Sonne wird im Folgenden bei der erkenntnistheoretischen Untersuchung des Höhlengleichnisses noch eine bedeutende Rolle spielen.

Das Liniengleichnis ist am besten zu verstehen, indem man es durch eine Grafik veranschaulicht:

Die Ide en selbst

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schatten und Spiegelbilder[11]

Das Liniengleichnis verdeutlicht also noch einmal Platons Einteilung der Gegenstände und Begriffe der Welt, wobei hier nun deutlich wird, dass für ihn die sinnlich-wahrnehmbaren Dinge der Alltagswelt nicht viel mehr sind als die Schatten und Spiegelbilder dieser. Dass die Ideen selbst an oberer Stelle stehen sollte nicht mehr verwundern, jedoch sieht man beim Liniengleichnis auch, wie hoch Platon die Mathematik schätzte. Da auch die Gegenstände dieser Wissenschaft, vorzugsweise die Zahlen, nicht mit den Sinnen fassbar sind, kommen sie den Ideen näher als die Dinge der Alltagswelt.

Das Höhlengleichnis ist wohl das bekannteste Gleichnis Platons. Da von ihm allerdings noch eine ausführliche Analyse im nächsten Kapitel folgt, wird hier auf eine Zusammenfassung verzichtet.

Begründung

In der Philosophie ist es üblich, die eigenen Thesen auch zu begründen, um negativer Kritik vorzubeugen. Auch Platon hat für seine Ideenlehre Belege genannt.

Er differenziert zwischen bloßer Meinung und wahrer Erkenntnis. Diese müssen sich dann allerdings auch auf verschiedene Bereiche beziehen. „Die echte Erkenntnis geht auf die Ideen, die bloße Meinung geht auf die Dinge.“[12]

Als einen weiteren Beleg führt Platon an, dass jeder Begriff einen Gegenstand oder eben irgendetwas bezeichnen muss. Bei Wörtern wie Baum, Stuhl oder Hund bildet sich bei jedem Menschen direkt eine Vorstellung, von dem jeweils mit dem Wort beschriebenen Gegenstand oder Individuum. Platon aber stellt nun die Frage, wie es sich mit Begriffen wie etwa gleich, ähnlich oder den Zahlen verhält. Auch diese müssten etwas bezeichnen. Da es hierfür allerdings keine sinnlich wahrnehmbaren Gegenstände gibt, die sie bezeichnen könnten, handelt es sich bei dem, was hinter dieses Begriffen steckt, nach Platon, um die Ideen.

Das Höhlengleichnis Platons

„Das Höhlengleichnis ist immer wieder auf seinen pädagogischen Gehalt hin interpretiert worden. Für uns ist seine Bedeutung für die Ideenlehre wichtiger[…].“[13]

Platons Höhlengleichnis gilt als eines der bekanntesten Gleichnisse aus der Antike. Es stammt aus dem siebten Buch der „Politeia“. Es wird von Lehrern gerne genutzt, um in die Erkenntnistheorie Platons einzuführen, da es bildhaft geschrieben und somit leicht verständlich ist.

Für Platon üblich lässt er seinen Lehrer Sokrates ein fiktives Gespräch führen. Der Gesprächspartner ist in diesem Falle Glaukon, dem die Erkenntnisgewinnung eines Philosophen mithilfe des Höhlengleichnisses erläutert wird.

[...]


[1] Höffe, Otfried (Hrsg.): Klassiker der Philosophie, 2 Bde; Bd. 1: Von den Vorsokratikern bis David Hume; München: Beck, 2008; S. 26

[2] Diogenes Laertius: Leben und Meinungen berühmter Philosophen; übers. Von Otto Apelt; 2. Aufl.; Hamburg: Meiner, 1967; S. 184

[3] vgl. Diogenes Laertius: Leben und Meinungen berühmter Philosophen; S. 179

[4] [Art.] Ideenlehre; In: Metzler Lexikon Philosophie; Hrsg. von Prechtl, Peter/Burkard, Franz-Peter; 3.Aufl.; Stuttgart: Metzler 2008 S. 256

[5] Martin, Gottfried: Platons Ideenlehre; Berlin: de Gruyter 1973 S. 14

[6] Vgl. Martin, G.: Platons Ideenlehre 1973; S. 28

[7] Martin, G.: Platons Ideenlehre 1973; S. 15

[8] Martin, G.: Platons Ideenlehre 1973; S. 40

[9] Martin, G.: Platons Ideenlehre 1973; S. 41

[10] Martin, G.: Platons Ideenlehre 1973; S. 26

[11] Vgl. Platon: Der Staat (Politeia); Hrsg. von Karl Vretska; bibl. erg. Aufl.; Ditzingen: reclam 2006; S. 323-326 ; St. 509d-511e

[12] Martin, G.: Platons Ideenlehre 1973; S. 52

[13] Martin, G. Platons Ideenlehre 1973; S. 27

15 von 15 Seiten

Details

Titel
Die Ideenlehre Platons unter erkenntnistheoretischen Vorzeichen
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
Vorlesung - Einführung in die Erkenntnistheorie
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V169067
ISBN (Buch)
9783640872084
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ideenlehre, platons, vorzeichen
Arbeit zitieren
Jana Hölters (Autor), 2009, Die Ideenlehre Platons unter erkenntnistheoretischen Vorzeichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169067

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