Abstract: Rainer Paris hat in seinem Aufsatz “Warten auf Amtsfluren” (2001/4, Kölner Zeitschrift für
Soziologie und Sozialpsychologie) fünf Merkmale von Warten aufgezeigt: Zentralität der Zeit, Zielgerichtetheit/
Ereignisorientierung, erzwungene Passivität, Isolation/ Selbstbezogenheit und Abhängigkeit/
Kontingenz. Das Thema meiner Semesterarbeit soll sein: Inwiefern stimmen diese Merkmale und wenn ja,
wie äußern sie sich? Gibt es vielleicht noch ein sechstes Merkmal, auf das Paris nicht gestoßen ist?Dies
habe ich vor durch die Analyse von den field notes, belletristischer (z.b.:Warten auf Godot) und wissenschaftlicher
Literatur zu erreichen.
1)Warten? Was ist warten ?
Warten ist eine eigenartige Tätigkeit. Eigentlich ist es ja keine Tätigkeit im herkömmlichen Sinn,
denn das aktuelle Geschehen steht ja nicht im Vordergrund, sondern das Zukünftige, das unser Ziel
ist. Wir können in dieser Zeit nicht viel anderes machen, da wir meist unsere durch Warten bereits
erreichte Position aufgeben würden, wenn wir uns mit anderen Dingen beschäftigten. So können
wir uns kaum vom „Warten“ lösen. Die Zeit dehnt sich und aus Stunden werden Tage und aus
Tagen Wochen. Dabei wissen wir meist ganz genau, wie lange wir warten. Und erst durch die
Dauer des Wartens auf etwas ergibt sich dessen Wert. Genauso lange wie wir warten, stehen wir in
absoluter Abhängigkeit von eben dem, der uns warten läßt. Und obwohl wir alle zur selben Zeit auf
dasselbe warten, so tun wir das dennoch jeder für sich und jeder alleine.
Früher hatten die Menschen eine ganz eine andere Beziehung zur Zeit. Denn erst als man auf etwas
wartete, nahm man Zeit als solche war. So ist „Warten“ eine recht späte Erfindung, die dem ersten
Menschen vermutlich relativ unbekannt, war, da er die Geschehnisse in seiner Umgebung nicht einschätzen
und berechnen konnte (vgl. Rammstedt 1975).
Nachdem Zeit in verschiedenen Lebensabschnitten verschieden wahrgenommen wird, ist auch das
„Warten“ nicht immer gleich. Wenn ein Kind auf etwas ein Jahr wartet, ist ein Jahr eine kleine
Ewigkeit. Als Erwachsener ein Jahr auf etwas zu warten, ist etwas ganz normales. Z.B. ist man als
Architektur-Student fast genauso lange auf der Universität wie im Gymnasium. Doch wird dem
Studenten die Zeit, verglichen mit einem Gymnasiasten, viel schneller vorbei gehen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1)Warten? Was ist warten ?
2)Paris und seine fünf Merkmale
3)Becketts „Warten auf Godot“
4)Die Zeit im Laufe der Zeit
5)Warten im Tagesablauf des industrialisierten Menschen
6)Quellen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die soziologische Phänomenologie des Wartens, basierend auf den von Rainer Paris definierten Merkmalen. Das primäre Ziel ist es, diese Merkmale kritisch zu hinterfragen, durch interdisziplinäre Analysen (Literatur, Field Notes, soziologische Fachliteratur) zu überprüfen und zu klären, ob das Warten als soziale Praxis durch neue gesellschaftliche Bedingungen transformiert wurde.
- Phänomenologie und soziologische Definition des Wartens.
- Analyse der fünf Merkmale des Wartens nach Rainer Paris.
- Die literarische Verarbeitung des Wartens in Becketts „Warten auf Godot“.
- Historische und industrielle Entwicklung des Zeitbewusstseins.
- Warten als Machtinstrument und Ausdruck von Zeitökonomie.
Auszug aus dem Buch
1)Warten? Was ist warten ?
Warten ist eine eigenartige Tätigkeit. Eigentlich ist es ja keine Tätigkeit im herkömmlichen Sinn, denn das aktuelle Geschehen steht ja nicht im Vordergrund, sondern das Zukünftige, das unser Ziel ist. Wir können in dieser Zeit nicht viel anderes machen, da wir meist unsere durch Warten bereits erreichte Position aufgeben würden, wenn wir uns mit anderen Dingen beschäftigten. So können wir uns kaum vom „Warten“ lösen. Die Zeit dehnt sich und aus Stunden werden Tage und aus Tagen Wochen. Dabei wissen wir meist ganz genau, wie lange wir warten. Und erst durch die Dauer des Wartens auf etwas ergibt sich dessen Wert. Genauso lange wie wir warten, stehen wir in absoluter Abhängigkeit von eben dem, der uns warten läßt. Und obwohl wir alle zur selben Zeit auf dasselbe warten, so tun wir das dennoch jeder für sich und jeder alleine.
Früher hatten die Menschen eine ganz eine andere Beziehung zur Zeit. Denn erst als man auf etwas wartete, nahm man Zeit als solche war. So ist „Warten“ eine recht späte Erfindung, die dem ersten Menschen vermutlich relativ unbekannt, war, da er die Geschehnisse in seiner Umgebung nicht einschätzen und berechnen konnte (vgl. Rammstedt 1975).
Zusammenfassung der Kapitel
1)Warten? Was ist warten ?: Einführung in die Phänomenologie des Wartens als eigenartige Tätigkeit und erste historisch-anthropologische Einordnung.
2)Paris und seine fünf Merkmale: Überprüfung und illustrative Ausgestaltung der fünf zentralen Merkmale des Wartens nach Rainer Paris anhand praktischer Beispiele.
3)Becketts „Warten auf Godot“: Untersuchung der statischen Situation des Wartens im literarischen Kontext des Absurden Theaters.
4)Die Zeit im Laufe der Zeit: Erörterung der unterschiedlichen Formen des Zeitbewusstseins nach Rammstedt und deren Einfluss auf die Möglichkeiten zu warten.
5)Warten im Tagesablauf des industrialisierten Menschen: Analyse der Transformation des Wartens durch Taylorismus, Industrialisierung und die moderne Ökonomisierung der Zeit.
6)Quellen: Auflistung der verwendeten Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Warten, Rainer Paris, Zeitbewusstsein, Warten auf Godot, Passivität, Zeitökonomie, Industrialisierung, Taylorismus, Phänomenologie, Macht, Kontingenz, soziale Interaktion, Zeitstruktur, Ungewissheit, Alltag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Analyse des Wartens als Phänomen und untersucht, wie Warten in verschiedenen gesellschaftlichen und zeitlichen Kontexten wahrgenommen und erlebt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Warten, die fünf Merkmale nach Rainer Paris, den Einfluss von Zeitbewusstsein sowie die soziologische Betrachtung des Wartens in der industriellen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die von Rainer Paris aufgestellten Merkmale des Wartens anhand von Beispielen und literarischen Analysen zu verifizieren und zu untersuchen, ob es weitere, bisher nicht beachtete Merkmale gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine qualitative Analyse, die wissenschaftliche Fachliteratur, literaturwissenschaftliche Quellen (wie Beckett) und eigene Feldnotizen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung der Paris-Merkmale, eine Fallstudie zu Becketts „Warten auf Godot“, eine historische Herleitung des Zeitbegriffs und eine soziologische Analyse des Wartens im modernen Arbeitsalltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird besonders durch Begriffe wie Zeitbewusstsein, Passivität, industrielle Zeitökonomie und die phänomenologische Erfahrung des Wartens geprägt.
Warum ist Warten nach der Industrialisierung ein anderes Phänomen als zuvor?
Durch den Taylorismus und die strikte Trennung von Arbeitszeit und Freizeit wurde Zeit ein strukturierter, ökonomisierter Faktor; Warten wird in diesem Kontext oft als ineffizienter Mangel an Struktur oder als notwendiges, aber unerwünschtes Übel wahrgenommen.
Kann man in jedem Zeitbewusstsein "warten"?
Nein, laut der Arbeit ist Warten, da es ein gezieltes Ausrichten auf ein zukünftiges Ereignis erfordert, erst ab einem „linearen Zeitbewusstsein mit festgelegter Zukunft“ sinnvoll möglich.
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- Marian Berginz (Author), 2002, Diskussion von Rainer Paris Aufsatz "Warten auf Amtsfluren", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16908