Die Rolle der Frau und des Mannes in Ruth Landshoff-Yorcks "Die vielen und der Eine" und Georgi Raicevs "Angst"


Hausarbeit, 2009

14 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Die Frau in Die vielen und der Eine
2.2 DerMannin Dievielen undderEine
2.3 DieFrau in Angst
2.4 DerMannin Angst
2.5 Ein Vergleich der Frauen- und Männerrollen

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Arbeit hat einen Vergleich zweier Werke aus den 1920er und 30er Jahren zum Gegenstand. Die vielen und der Eine ist ein Roman von Ruth Lanshoff-Yorck, der 1930 veröffentlicht wurde. Das Werk der Nichte des Verlegers Samuel Fischer, zählt zu der Literatur der Weimarer Republik, genauer zu der Neuen Sachlichkeit. Dementsprechend orientiert sich ihr Schreibstil an der Öffentlichkeit, denn durch die allgemein verständliche Sprache sowie durch realitätsbezogene Darstellungen sollte der Massengeschmack getroffen werden. Abgesehen davon gehörte die Schriftstellerin der Berliner Bohème an, was in ihrem Werk klar abzulesen ist. Dabei beschreibt Landshoff-Yorck die Homo- und Bisexuellenszene. Sie liefert zusätzlich faszinierende Einblicke in die Welt der Promiskuität, der Androgynität sowie in die des Triebhaften Verlangens nach Sexuellem in Verbindung mit Drogen. Die Rollen werden neu verteilt. So scheinen die Männer weibliche Züge zu tragen und Frauen dafür einen Bubikopf und maskuline Kleidung.

Im Gegensatz dazu steht Georgi Raičevs Angst. Eine Erzählung, die dem bulgarischen Expressionismus der 1920er Jahre zuzuordnen ist. Inspiriert wurde er dabei durch den Deutschen Expressionismus, der durch die Neue Sachlichkeit abgelöst wurde. Hervorzuheben wäre außerdem, dass Raičev ein Vertreter des literarischen Psychologismus gewesen ist. Besonders wichtig ist für ihn die Introspektive. Dabei geht er verstärkt auf das Innenleben des Helden ein und lässt Milieubeschreibungen überwiegend außer Acht, was im direkten Gegensatz zu Lanshoff-Yorcks Schreibstil und Absicht steht. Die Frauen- und Männerrollen sind dabei klar verteilt. Die Frau ist die Schwache und die Ängstliche und sehr feminine Gestalt und der Mann ein starkes Respekt einflößendes Wesen.

Die angesprochenen Werke sollen in Bezug auf die Rolle der Frau sowie des Mannes untersucht werden. Als erstes geschieht dies am Beispiel von Die vielen und der Eine und darauf folgend anhand von Angst. Geschildert werden dabei entscheidende Grundzüge, die beiden Geschlechtern von ihren Autoren verliehen werden. Abschließend sollen diese im Vergleich dargelegt werden. Belegt werden die Thesen anhand von ausgewählten Textstellen.

Ausgewählt wurden diese zwei Werke, weil sie aus der gleichen Dekade stammen, jedoch große Unterschiede aufweisen. Die Handlung beider Werke spielt zwar in der Stadt, jedoch wird diese sehr verschieden empfunden. In Angst ist die Stadt etwas, was den Menschen nicht zur Ruhe kommen lässt und in Die vielen und der Eine sind die verschiedenen Metropolen ein geborgener Ort an dem die Charaktere gern verweilen und sich komfortabel fühlen. Das Verständnis von der Rolle der Frau und der des Mannes ist außerdem sehr konträr. Diese und weitere Faktoren machen einen Vergleich besonders reizvoll.

Gearbeitet wurde mit der bulgarischen und ebenfalls mit der deutschen Quelle von Angst. Zitiert werden solljedoch nur die deutsche Übersetzung.

2. Hauptteil

2.1. Die Frau in Die vielen und der Eine

Eine der Frauenfiguren in Landshoff-Yorcks Roman ist eine selbstbewusste, freche junge Frau, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt und es so gestaltet, wie es ihr beliebt. Sie trägt ausgefallene Kleidung und provoziert gerne mit ihrem Aussehen und Verhalten. Diese Frau ist die Protagonistin Louis Lou.

Ein Beispiel für ihr provokantes Verhalten ist die Freizügigkeit, die sie an den Tag legt. Gerne küsst sie Männer und Frauen, deren Zahl im Laufe der Handlung ungewöhnlich hoch wird. Zwar scheint sie immer wieder leicht verwirrt, spielt jedoch trotz dieses Aspekts nicht nur bei den heterosexuellen, sondern auch bei den homosexuellen Handlungen mit. Ihr Verhalten gegenüber der Prinzessin Maria soll diese These veranschaulichen: „Die Prinzessin war nackt in ihrem Ankleideraum. [...] Louis Lou setzte sich auf einen niedrigen Stuhl und sah der kleinen Prinzessin zu. [...] Frech war sie und unendlich mutig, die kleine Prinzessin. Sie reckte sich vorwärts und küßte Louis Lou auf den Mund - sehr vorsichtig, damit das Rouge nicht verwischte. Aber frech genug, um ihr die bewegliche Zunge zwischen die Zähne zu pressen.“ (Landshoff-Yorck 2001: 68-69). Zu beachten wäre an dieser Stelle, dass Louis Lou zwar den Kuss empfängt und das ohne Widerstand, Prinzessin Maria jedoch den aktiven Part übernimmt und dadurch zu einer Trägerin ähnlicher, wenn nicht gleicher Ideale wird, wie Louis Lou. Diese ,neue Frau' lebt ihre sexuellen Wünsche frei und offen, vor allemjedoch eines guten Gewissens aus. Eine ebenso freie Einstellung hat vor allem Prinzessin Maria in der Hinsicht auf die Ménage à trois. Für sie scheint es kein Problem zu sein, wenn ihr Mann Walja und Louis Lou sie betrügen würden:

„Sie riß an Louis Lous Armen, sie legte die Hände auf Waljas Schultern, sie machte eine Reverenz, die dem Spiegel galt und ihrer Freundin: „Habt ihr mich betrogen?“ Sie lachte. „Wie findest du, daß sie küßt, diese kleine Deutsche? Gut, nicht wahr? Ich habe bemerkt, sie erschrickt, wenn man ihr die Zunge zwischen die Zähne schiebt.“ Und sie lachte. Wart ihr sinnlich, draußen im Mondschein? Gab sie sich dir hin für eine kleine Blume, die du ihr brachst? Und die kleine Prinzessin lachte“ (Landshoff-Yorck 2001: 72)

Der Wunsch nach einer festen Beziehung ist zwar am Horizont zu erkennen, jedoch scheint es eher so, dass für die Frauen in Landshoff Yorcks Roman, die Polygamie den Weg zum Glück ebnet: „Percys Gesicht. Das war das einzig störende in ihrem Dasein, das erfüllt davon war, mit ganzen Schulklassen zu flirten“ (Landshoff-Yorck 2001: 131). Die sehr offen ausgelebte Sexualität schaffte das Image einer Frau, die leicht zu haben ist. Eine Figur des Romans äußert sich diesbezüglich auf folgende Weise: „Aber ein hellblaues Pyjama von Ihnen ziehe ich doch nicht gerne an. Wer weiß, wie viel Jungens wir treffen werden, die es schon einmal gesehen haben und wiedererkennen.“ (Landshoff- Yorck 2001: 153). Am Ende dieses Werkes lässt die Autorin nur vermuten, dass die Frauenfiguren sich nicht für ihre vielen Liebhaber, sondern für den Einen entscheiden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Frau und des Mannes in Ruth Landshoff-Yorcks "Die vielen und der Eine" und Georgi Raicevs "Angst"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Neues Schreiben von Autorinnen in den 20er und 30er Jahren
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V169116
ISBN (eBook)
9783640873463
ISBN (Buch)
9783640873098
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frau, Mann, Ruth Landshoff- Yorck, Die vielen und der Eine, Georgi Raičev, Angst, Deutsch, Bulgarisch, Neue Sachlichkeit, Expressionismus, Deutschland, Bulgarien, Psychologismus, Weimarer Republik, Frauen- und Männerrollen
Arbeit zitieren
Olga Levina (Autor), 2009, Die Rolle der Frau und des Mannes in Ruth Landshoff-Yorcks "Die vielen und der Eine" und Georgi Raicevs "Angst", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169116

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