Gegenstand dieser Arbeit ist die Wirkung des Blicks auf einen Menschen. Die Schwerpunkte liegen auf dem Augenmotiv bei Sartre und dem Motiv des Blicks in Gogol's Erzählung Das Porträt. In Bezug auf Sartre sollen seine Ästhetik und der Raum des Imaginären umrissen werden. Nach einer knappen Darstellung grundlegender Thesen aus Das Sein und das Nichts scheint es besonders wichtig das Kapitel Der Blick hervorzuheben. Den Ausgangspunkt der Darstellung des Imaginären bei Sartre bilden die Thesen aus der Publikation Der Spielraum des Imaginären von Dr. Jens Bonnemann. In diesem Zusammenhang sollen Sartres Auffassung des Bildes und insbesondere des Porträts, aber auch das Phänomen der Halluzination sowie das des Traumes geschildert werden. Beachtung findet außerdem die Darstellung von Sartres Ästhetik. Anhand von Lucia Heumanns Argumentation in Ethik und Ästhetik bei Fichte und Sartre sollen die durch Bonnemann aufgestellten Thesen ergänzt werden. Besonders interessant scheinen die Ausführungen bezüglich Sartres Begriff der Imagination sowie seiner Ästhetik und Definition des Kunstwerks. Wichtige Anhaltspunkte liefert abgesehen von den oben genannten Werken, die wissenschaftliche Arbeit von Bernard Schumacher Philosophie der Freiheit: Einführung in Das Sein und das Nichts. Darauf aufbauend soll das Kapitel Der Blick näher betrachtet werden, da dieses den Ausgangspunkt der im weiteren Verlauf der Arbeit folgenden Übertragung von Sartres Thesen auf Gogol's Erzählung Das Porträt bildet. In Bezug auf Das Porträt sind die Augen als Leitmotiv von besonderem Interesse. Exemplifiziert wird dieses anhand der Traumsequenzen in der erwähnten Erzählung. Erläutert wird ebenfalls die Kunstproblematik, die im engen Zusammenhang mit dem Blick dargestellt wird. Abschliessend soll versucht werden Sartres Thesen aus Der Blick auf Gogol's Erzählung anzuwenden. Der Blick sowie die Kunstproblematik stehen im Mittelpunkt der Betrachtung, da das Auge als Schwelle zur Welt und als deren Teil, im Kunstdenken der europäischen Moderne eine entscheidende Rolle spielt. Insgesamt soll bewiesen werden, dass philosophische Konzeptionen sich auf literarische Konzepte anwenden lassen...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Augenmotiv bei Sartre
2. 1 Das Imaginäre bei Sartre
2. 2 Sartres Ästhetik
2. 3 Grundlegende Thesen aus Das Sein und das Nichts
2. 4 Das Kapitel Der Blick aus Das Sein und das Nichts
3. Der Blick in Gogol's Porträt
3. 1 Augen als Leitmotiv
3. 2 Kunstproblematik in der Erzählung
3. 3 Das Augenmotiv in den Traumsequenzen
4. Versuch der Anwendung Sartres Thesen auf Gogol's Erzählung
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Wirkung des Blicks auf den Menschen, indem sie die Thesen Jean-Paul Sartres aus "Das Sein und das Nichts" auf Nikolai Gogols Erzählung "Das Porträt" überträgt. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, inwiefern sich Sartres philosophische Konzepte zur Ästhetik, zur Imagination und zum Phänomen des "Blicks des Anderen" zur Analyse literarischer Texte, speziell im Hinblick auf die Kunstproblematik und psychologische Krisen der Figuren, fruchtbar machen lassen.
- Analyse des Augen-Leitmotivs als Schnittstelle zwischen Wahrnehmung und Identitätsverlust
- Untersuchung von Sartres Ästhetik und dem Raum des Imaginären
- Vergleich der psychologischen Auswirkungen des Porträts auf den Protagonisten mit Sartres Desintegrationsthesen
- Diskussion des Kunstverständnisses als moralische Verantwortung des Künstlers
Auszug aus dem Buch
3. 1 Augen als Leitmotiv
Das zentrale Motiv von Gogol's Erzählung ist das ungewöhnliche Porträt mit den lebendigen Augen, das über magische Kräfte verfügt. Nicht nur die Augen des Porträts, sondern Augen an sich im Sinne des Sehens als Wahrnehmung von der Umgebung der handelnden Charaktere sowie die Sicht der Kunst, dienen als Leitmotiv dieser Erzählung. Das Porträt steht für den äußeren Auf- und inneren Abstieg des Künstlers. Die phantastische und übernatürliche in Form des Blickes sowie die ästhetische und psychologische Ebenen vermischen sich im Porträt. In die Augen des Wucherers blickend, im Bemühen jedes Detail festzuhalten, stellt der Maler fest, dass diese Augen auf hypnotische Weise in seine eigenen blicken. Im Resultat führt das Bemühen des Malers das lebendige Abbild des Wucherers zu erhalten dazu, dass er sozusagen Gefangener des bösen Blicks wird, der eine psychische Krise herbeiführt.
Das Sujet kann nach Larsson mit Hilfe eines phantastischen Deutungsansatzes interpretiert werden, demzufolge das Bemühen die Realität zu imitieren zu einer Personalisierung des bösen Geistes führt. Daraus folgend sind die Augen als Tor zum Übernatürlichen, das Portal zum Bösen, das in okkulter Form und durch übernatürliche Kräfte realisiert wird. Aus dieser Perspektive betrachtet, lebt der Wucherer, der sich von fremdem Geld nährt, im Porträt weiter. Durch den Blick in seine Augen wird jeder Betrachter seines Seins beraubt und seine Existenz zum Scheitern verurteilt. Psychische Krankheiten werden der bösen Wirkung des Porträts zugeschrieben, also dem Übernatürlichen, wodurch das Dämonische psychologisch motiviert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Wirkung des Blicks und die ästhetischen Thesen Sartres auf Gogols Erzählung zu untersuchen und methodisch zu verknüpfen.
2. Das Augenmotiv bei Sartre: Dieses Kapitel erläutert Sartres philosophische Grundlagen, insbesondere das Imaginäre, seine Ästhetik des Kunstwerks und die phänomenologische Analyse der ontologischen Strukturen in "Das Sein und das Nichts".
2. 1 Das Imaginäre bei Sartre: Der Abschnitt beschreibt den Raum des Imaginären bei Sartre und definiert das Verhältnis zwischen Vorstellungsbild und Wahrnehmung sowie die Phänomene der Halluzination und des Traums.
2. 2 Sartres Ästhetik: Es wird analysiert, wie Sartre das Kunstwerk als irreales Objekt und das Schöne als Negation des Realen betrachtet, wobei der Künstler in eine spezifische ethische Verantwortung tritt.
2. 3 Grundlegende Thesen aus Das Sein und das Nichts: Hier werden die ontologischen Konzepte Sartres wie das Für-sich, das An-sich, die Freiheit, die Angst sowie die konstitutive Rolle des Anderen für das eigene Selbstverständnis dargelegt.
2. 4 Das Kapitel Der Blick aus Das Sein und das Nichts: Der Fokus liegt auf der Analyse des Blicks des Anderen, der das Subjekt dezentriert und in eine objektifizierende Sichtweise zwingt, wodurch neue Existenzdimensionen eröffnet werden.
3. Der Blick in Gogol's Porträt: Dieses Kapitel führt in die Handlung der Erzählung ein, charakterisiert den Künstler Čartkov und beleuchtet die kunsttheoretische Einbettung in Gogols Werk.
3. 1 Augen als Leitmotiv: Es wird untersucht, wie die lebendigen Augen des Porträts als zentrales Element für den psychologischen Abstieg des Malers und als dämonisches Tor fungieren.
3. 2 Kunstproblematik in der Erzählung: Der Abschnitt diskutiert die Warnung vor einer entseelten Kunst und den Konflikt zwischen dem Streben nach äußerem Erfolg und der Verantwortung des Künstlers für das Wesen der Dinge.
3. 3 Das Augenmotiv in den Traumsequenzen: Eine detaillierte Analyse der drei Traumsequenzen zeigt, wie das Augen-Leitmotiv den Protagonisten in eine ausweglose, angstbesetzte Konfrontation mit dem Wucherer zwingt.
4. Versuch der Anwendung Sartres Thesen auf Gogol's Erzählung: Dieses Kapitel synthetisiert die vorangegangenen Analysen, indem es Sartres philosophische Konzepte direkt auf die erzählerischen Dynamiken von Gogols "Das Porträt" anwendet.
5. Fazit: Die Schlussfolgerung bestätigt, dass sich Sartres philosophische Konzepte über das Imaginäre, den Blick und die Freiheit erfolgreich auf literarische Texte anwenden lassen, um deren psychologische Tiefe zu entschlüsseln.
Schlüsselwörter
Jean-Paul Sartre, Nikolai Gogol, Das Porträt, Phänomenologie, Ästhetik, Blick des Anderen, Augenmotiv, Imaginäre, Existentialismus, Psychologie, Kunstphilosophie, Halluzination, Desintegration, Das Sein und das Nichts, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die philosophische Dimension des Blicks und der Kunst, indem sie existenzphilosophische Thesen von Jean-Paul Sartre auf die literarische Erzählung "Das Porträt" von Nikolai Gogol anwendet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die phänomenologische Ontologie Sartres, die Funktion des Imaginären, das künstlerische Schaffen und die psychologische Wirkung des Blicks als identitätsstiftendes oder -zerstörendes Moment.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass philosophische Konzepte Sartres – wie etwa das Verständnis des "Anderen" oder die ästhetische Negation des Reale – genutzt werden können, um die komplexen psychologischen Vorgänge in Gogols Erzählung tiefergehend zu interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Theorieanalyse, bei der philosophische Texte Sartres mit literaturwissenschaftlichen Ansätzen zur Analyse von Gogols Erzählung kombiniert werden.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der sartreschen Theorie (Imaginäres, Ästhetik, Ontologie) und die anschließende Übertragung dieser Thesen auf die Erzählstruktur, die Augenmotive und die Traumsequenzen in Gogols Werk.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Existentialismus, Phänomenologie, Blick-Theorie, Kunstproblematik und Identitätsverlust definieren.
Welche besondere Bedeutung kommt den Augen in Gogols Erzählung laut der Autorin zu?
Die Augen werden als Leitmotiv identifiziert, das als "Tor zum Bösen" fungiert und den Protagonisten Čartkov in eine existenzielle Krise stürzt, indem sie ihn seines eigenen Seins berauben und unter den Einfluss des dämonischen Wucherers stellen.
Wie erklärt die Arbeit die Rolle der Traumsequenzen?
Die Traumsequenzen dienen als psychologische Manifestation der Angst des Protagonisten. Die Autorin zeigt anhand Sartres Thesen über das Imaginäre auf, dass diese Träume eine "irreale Welt" konstituieren, in der der Blick des Wucherers für den Maler real und bedrohlich wird.
- Arbeit zitieren
- Olga Levina (Autor:in), 2010, Der Blick in Sartres "Das Sein und das Nichts" und in Gogols "Das Porträt", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169117