Wie die Polizei agiert und welche Schwachstellen sie als Institution vorweist, füllt viele Berichte und Publikationen. Dies zeugt davon, dass die Institution der Polizei wie ein undurchdringbares System scheint, welches nicht transparent einsehbar ist. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen und Vorgehensweisen, die nicht tragbar sind. Für eine dieser spezifischen Vorgehensweisen gibt es eine Begrifflichkeit: Racial Profiling. Eine besondere Aufmerksamkeit auf das Äußere und die damit einhergehende Stigmatisierung durch internalisierte Rassismen, welche als Vorwand für polizeiliche Praktiken genutzt werden.
Diese Hausarbeit thematisiert mithilfe der KOP (Kampagne für Opfer rassistisch motivierter Polizeigewalt) den Fall des Lamine G. und untersucht inwiefern Racial Profiling außer einer dekolonialen Sichtweise heraus betrachtet und bewertet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
- EINLEITUNG
- POLIZEILICHE KONTROLLE IM URBANEN RAUM
- RACIAL PROFILING ALS PRAXIS
- URSPRÜNGE DES RACIAL PROFILINGS – EINE KOLONIALE HISTORIE
- UMGANG MIT RACIAL PROFILING - KOP BERLIN
- FALLBEISPIEL: LAMINE G. – GEFAHRENZONE GÖRLITZER PARK
- FAZIT UND AUSBLICK
- QUELLENVERZEICHNIS
- LITERATUR
- WEBSITES
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit beabsichtigt, einen Erkenntnisgewinn über die Relevanz von Racial Profiling im urbanen Raum aus einer post- und dekolonialen Perspektive zu erzielen. Sie untersucht, wie polizeiliche Kontrolle durch rassistische Annahmen geprägt wird und welche historischen Wurzeln diese Praktiken haben.
- Polizeiliche Kontrolle und Macht im urbanen Raum
- Definition und Praxis des Racial Profiling
- Historische, koloniale Ursprünge rassistischer Polizeipraktiken
- Umgang und Widerstand gegen Racial Profiling am Beispiel von KOP Berlin
- Empirische Fallanalyse zum Racial Profiling am Beispiel Lamine G. im Görlitzer Park
- Gesellschaftliche Auswirkungen von Stigmatisierung und konstruierter Devianz
Auszug aus dem Buch
Racial Profiling als Praxis
Das Aussehen einer Person spielt, wie vorgehend beschrieben, die entscheidende Rolle beim Racial Profiling. Hier wird anhand von Stereotypisierung kurz gedacht – jede Person die sichtbar nicht weiß ist, könnte tatverdächtig sein. Jene Personen werden ebenso nicht mehr als Individuum angesehen, sondern als der Teil einer Personengruppe.
„Diese Gruppenmerkmale rechtfertigen dann, dass alle Angehörigen dieser Gruppen bestimmten Disziplinierungsmaßnahmen unterworfen werden können, ohne dass dies gesellschaftlich als Einschränkung individueller Rechte begriffen wird.“
Neben der Hautfarbe sind kulturelle Kleidungcodes entscheidend, wie beispielsweise Kippa, Niqab oder Burka. Erkennbare ethnische Merkmale werden hierbei zur Allgemeingültigkeit. Gleichzeitig unterliegen diese Merkmale einem ständigen Deutungswandel, was als gefährdend oder bedrohlich wahrgenommen wird. Besteht der Verdacht auf strafbares oder bedrohliches Verhalten, wird sich auf die Befugnis der verdachtsunabhängigen Kontrollen bezogen, welche gehäuft in sogenannten „Gefahrengebieten“ vorgenommen werden. Diese Gefahrengebiete, auch Gefahrenzonen oder kriminalitätsbelastete Orte genannt, werden aufgrund von Annahmen und Wissenseinschätzungen der Polizist*innen festgelegt. Jene Gefahrenzonen sind in jeder Stadt individuell – in Berlin sind es die kriminalitätsbelasteten Orte wie U-/S-Bahnhöfe, beispielsweise der Alexanderplatz oder das Kottbusser Tor, laut der Seite des Landes Berlin. Die Entscheidung, welche Bereiche als Gefahrenzonen eingestuft werden, trifft die örtliche Polizei selbst. Gemessen wird dies an der Annahme, das vorherrschende Wissen über einen Stadtteil und seine Bevölkerung gebe ausreichend Befugnis, um Personen zu kontrollieren. An diesen Orten ist die Präsenz der Polizei größer, es wird mehr patrouilliert und geschaut, ob sich Personen verdächtig benehmen. Oftmals reichen rassifizierte Merkmale für verdachtsunabhängigen Kontrollen aus welche sich (meist) als Racial Profilig definieren lassen. Was für das Racial Profiling neben dem Faktor des Aussehens charakteristisch ist, ist der fehlende triftige Grund – Personenkontrollen werden aufgrund der Gefahrenzonen ausgeübt, wobei es offensichtlich scheint, dass weiße Menschen an diesen Orten keinem so strengen Regiment unterliegen.
Bei jeder Kontrolle mit positivem Ergebnis (beispielsweise ein abgelaufener Pass) und leichten Abweichungen von sozialen Normen, wird der vorliegende Bias verstärkt. Dies schafft eine „konstruierte Devianz“ . Es kann vermutet werden, dass dies zu einer konstruierten Delinquenz führen kann, wenn die betroffene Person sich wehrt: So wird eine Person kontrolliert und stigmatisiert, sie möchte darüber in den Austausch gehen oder zeigt klare Grenzen auf – die Auseinandersetzung mit der Autorität führt meist nicht zum Verständnis, sondern zu härteren (teils auch physischen) Maßnahmen und strafrechtlichen Belangen. Dies kann im Folgenden am empirischen Beispiel von Lamine G. dargelegt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Struktur der deutschen Staatsgewalt und die Rolle der Polizei ein, wobei sie die institutionellen Schwachstellen und die Problematik der willkürlichen Kontrolle bestimmter Bevölkerungsgruppen beleuchtet.
POLIZEILICHE KONTROLLE IM URBANEN RAUM: Dieses Kapitel erörtert, wie urbane Räume aufgrund ihrer Merkmale wie hoher Populationsdichte und Institutionsdichte verstärkt polizeilicher Kontrolle unterliegen und wie dabei marginalisierte Gruppen ins Visier geraten.
RACIAL PROFILING ALS PRAXIS: Hier wird Racial Profiling als spezifische Vorgehensweise definiert, die auf Stereotypisierung und dem äußeren Erscheinungsbild von Personen basiert, oft in sogenannten „Gefahrengebieten“ stattfindet und zu einer verstärkten Stigmatisierung und Kriminalisierung führt.
URSPRÜNGE DES RACIAL PROFILINGS – EINE KOLONIALE HISTORIE: Das Kapitel beleuchtet die historischen Wurzeln der Polizei im Kolonialismus und zeigt auf, wie koloniale Strukturen und ein rassistischer Blick bis heute die polizeiliche Praxis und damit auch das Racial Profiling prägen.
UMGANG MIT RACIAL PROFILING - KOP BERLIN: Dieser Abschnitt stellt Initiativen wie KOP Berlin vor, die sich mit der Aufarbeitung und Dokumentation rassistischer Polizeigewalt befassen und auf die Notwendigkeit unabhängiger Beschwerdestellen hinweisen.
FALLBEISPIEL: LAMINE G. – GEFAHRENZONE GÖRLITZER PARK: Anhand eines konkreten Fallbeispiels wird illustriert, wie Racial Profiling in der Praxis aussieht, welche Auswirkungen es für Betroffene hat und wie die Justiz damit umgeht.
FAZIT UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer dekolonialen Aufarbeitung und Restrukturierung der Polizei, um rassistische Praktiken zu beenden und eine gesamtgesellschaftliche Ethik zu etablieren.
Schlüsselwörter
Racial Profiling, Polizeigewalt, dekolonial, postkolonial, urbane Kontrolle, Rassismus, Diskriminierung, Gefahrengebiete, Stereotypisierung, KOP Berlin, Lamine G., Görlitzer Park, soziale Ungleichheit, Sicherheitspolitik, struktureller Rassismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich grundsätzlich mit dem Phänomen des Racial Profiling durch die Polizei im urbanen Raum, betrachtet aus einer post- und dekolonialen Perspektive, und untersucht dessen Ursprünge, Praktiken und gesellschaftliche Auswirkungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die polizeiliche Kontrolle im urbanen Raum, die Definition und praktische Anwendung von Racial Profiling, dessen koloniale Ursprünge, der Umgang zivilgesellschaftlicher Initiativen damit und eine Fallanalyse zu einem konkreten Vorfall.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel der Arbeit ist es, einen Erkenntnisgewinn darüber zu erzielen, welche Prägnanz Racial Profiling im urbanen Raum besitzt und dies aus einer post- und dekolonialen Betrachtungsweise heraus zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine qualitative Herangehensweise, indem sie theoretische Konzepte (Postkolonialismus, Urban Studies, Rassismustheorien) mit empirischen Beobachtungen (z.B. Chroniken von Polizeigewalt) und einem konkreten Fallbeispiel verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Konzepte von polizeilicher Kontrolle und Racial Profiling, deren historische Verankerung in kolonialen Strukturen, die Rolle von Initiativen wie KOP Berlin im Umgang damit und eine detaillierte Fallanalyse zum Fall Lamine G. im Görlitzer Park.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Racial Profiling, Polizeigewalt, dekolonial, Rassismus, urbane Kontrolle, Diskriminierung und koloniale Historie charakterisiert.
Wie prägt die koloniale Geschichte die aktuelle Polizeiarbeit laut der Autorin?
Laut der Autorin findet die Polizei als Institution ihre Anfänge im Militär und in der Zeit des Kolonialismus, wobei koloniale und imperiale Strukturen ihre Praktiken prägten. Der "weiße koloniale Blick" ist nach wie vor eng mit der Polizeipraxis verwoben und beeinflusst rassistische Annahmen im Umgang mit bestimmten Bevölkerungsgruppen.
Was ist die Rolle von "Gefahrengebieten" im Kontext von Racial Profiling in urbanen Räumen?
„Gefahrengebiete“, auch Gefahrenzonen oder kriminalitätsbelastete Orte genannt, sind Bereiche in Städten, die von der Polizei aufgrund von Annahmen und Wissenseinschätzungen als Orte mit erhöhter Kriminalität eingestuft werden. In diesen Zonen werden gehäuft verdachtsunabhängige Personenkontrollen durchgeführt, die oft auf rassifizierten Merkmalen basieren und weiße Menschen seltener betreffen.
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- Nele Heimann (Author), 2025, Polizeiliches Racial Profiling dekolonial betrachtet. Eine Fallanalyse des Lamine G., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1691289