Über den militärischen Vorfall, bei dem am 4. September 2009 ein Bundeswehroberst im afghanischen Kunduz einen folgenschweren Befehl für einen gezielten Bombenabwurf auf zwei entführte Tanklaster gab, ist von den Verantwortlichen und ihren Gegenspielern viel gesagt und von den Medien noch um ein weiteres mehr berichtete worden. Ein Dschungel aus Wahrheiten, Halbwahrheiten, Aussparungen - kurz Stückwerk, mal mehr mal weniger vollständig, ist entstanden. Immer wieder wurden dabei Fragen nach dem korrekten oder regelkonformen Verhalten, ja selbst nach der Verhältnismäßigkeit gestellt, ohne dass die Autoren ihren Lesern verlässliche Instrumente und Maßstäbe für solche Urteile an die Hand zu geben gedachten. Als Beitrag für einen sachgemäßen wissenschaftlichen Diskurs setzt sich der Autor dieser Arbeit deshalb das Ziel den Ereignisverlauf des Vorfalls aufzuarbeiten und das eigentlich Problematische, das durch die Verkettung verschiedener Umstände für die verschiedenen involvierten Parteien entstand, mithilfe der Theorien von Carl von Clausewitz und der Methode der „dichten Beschreibung“ von Clifford Geertz darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Theoretische Grundlagen
- Die „Dichte Beschreibung“
- Analyse nach Clausewitz
- Ein Vorfall, zwei Versionen
- Offensive oder defensive Taktik?
- Die Afghanen als äußerer Einflussfaktor auf den politischen Zweck
- Der Kontext für die amerikanische Kritik
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit von Martin Boldt befasst sich mit dem Luftangriff auf zwei Tanklaster in Kunduz am 4. September 2009, bei dem zahlreiche Menschen getötet wurden. Sie analysiert den Vorfall mithilfe der Methode der „dichten Beschreibung“ von Clifford Geertz und setzt diese in Bezug zu Clausewitz’ Kriegslehre. Die Arbeit will die Beweggründe von Oberst Klein, die Kommunikation des Vorfalls gegenüber der Öffentlichkeit, die amerikanische Kritik und die afghanischen Reaktionen und Erwartungen untersuchen.
- Die „Dichte Beschreibung“ als Methode zur Analyse von Ereignissen und deren Bedeutung
- Anwendung von Clausewitz’ Kriegslehre auf den Kunduz-Vorfall
- Die Beweggründe von Oberst Klein für den Befehl zum Bombenabwurf
- Die Reaktion der Öffentlichkeit und der beteiligten Parteien
- Der Einfluss des afghanischen Kontexts auf die Situation
Zusammenfassung der Kapitel
- Vorwort: Die Arbeit setzt sich mit dem Luftangriff auf die Tanklaster in Kunduz auseinander und stellt die Methodik und Zielsetzung dar.
- Theoretische Grundlagen: Das Kapitel erläutert die „Dichte Beschreibung“ von Clifford Geertz und zeigt deren Relevanz für die politikwissenschaftliche Analyse. Anschließend wird Clausewitz’ Kriegslehre vorgestellt.
- Ein Vorfall, zwei Versionen: Dieses Kapitel beleuchtet die unterschiedlichen Perspektiven auf den Vorfall, die zu unterschiedlichen Interpretationen führen.
- Offensive oder defensive Taktik?: Die Frage nach der Taktik des Luftangriffs wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.
- Die Afghanen als äußerer Einflussfaktor auf den politischen Zweck: Die Rolle der afghanischen Bevölkerung und deren Erwartungen im Zusammenhang mit dem Vorfall werden beleuchtet.
- Der Kontext für die amerikanische Kritik: Die amerikanische Kritik an dem Vorfall wird im Kontext der politischen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland analysiert.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Analyse des Kunduz-Vorfalls unter Berücksichtigung der „dichten Beschreibung“ von Clifford Geertz und Clausewitz’ Kriegslehre. Zentrale Themen sind die Beweggründe von Oberst Klein, die Kommunikation des Vorfalls, die amerikanische Kritik, die afghanischen Reaktionen und der Einfluss des afghanischen Kontexts auf die Situation. Die Arbeit beschäftigt sich mit den verschiedenen Perspektiven auf den Vorfall und den daraus resultierenden Interpretationen. Der politische Kontext der Beziehungen zwischen Deutschland, Afghanistan und den USA wird ebenfalls thematisiert.
Häufig gestellte Fragen
Was geschah beim Luftangriff in Kunduz am 4. September 2009?
Ein Bundeswehroberst gab den Befehl zum Bombenabwurf auf zwei von Taliban entführte Tanklaster, was zu zahlreichen Todesopfern führte und eine schwere politische Krise auslöste.
Was ist die Methode der "Dichten Beschreibung" nach Clifford Geertz?
Es handelt sich um eine Methode zur Analyse von Ereignissen, die nicht nur den Ablauf schildert, sondern die tiefere Bedeutung und den Kontext für alle beteiligten Akteure interpretiert.
Wie wird Clausewitz' Kriegslehre auf den Vorfall angewendet?
Die Arbeit nutzt Clausewitz, um das Verhältnis von militärischen Mitteln und politischem Zweck sowie die Dynamik der Entscheidung unter Unsicherheit zu analysieren.
Warum wurde die amerikanische Kritik an Oberst Klein so deutlich?
Die Arbeit untersucht den Kontext der amerikanisch-deutschen Beziehungen und die unterschiedlichen taktischen Auffassungen (offensiv vs. defensiv) im Afghanistan-Einsatz.
Welche Rolle spielten die afghanischen Erwartungen?
Die Analyse beleuchtet, wie die lokale Bevölkerung den Vorfall wahrnahm und wie dieser äußere Faktor den politischen Zweck des Einsatzes beeinflusste.
Was will die Arbeit zum wissenschaftlichen Diskurs beitragen?
Sie möchte über die mediale Berichterstattung hinaus verlässliche Instrumente und Maßstäbe zur Beurteilung der Verhältnismäßigkeit und Regelkonformität des militärischen Handelns liefern.
- Quote paper
- Martin Boldt (Author), 2010, Die Akte Kunduz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169181