Wie konnte Tenochtitlán, eine der größten Städte der frühen Neuzeit, von einer vergleichsweise kleinen Gruppe spanischer Konquistadoren besiegt werden? Dieses auf den ersten Blick widersprüchliche Szenario bildet den Ausgangspunkt der Arbeit. Die lange verbreitete Vorstellung, wenige hundert Spanier hätten allein durch technische oder kulturelle Überlegenheit ein ganzes Reich zu Fall gebracht, wird dabei bewusst hinterfragt. Statt eines heroischen Eroberungsnarrativs sucht die Untersuchung nach den tatsächlichen historischen Bedingungen, die den Untergang des Reiches der Mexica ermöglichten.
Nach dieser Fragestellung ordnet die Arbeit die Ereignisse zunächst historisch ein. Sie zeichnet den Weg von den frühen Expeditionen in der Karibik über erste Kontakte mit indigenen Gruppen bis hin zum Vormarsch Hernán Cortés’ ins Landesinnere nach. Dabei wird deutlich, dass die Spanier keineswegs von Beginn an als überlegene Macht auftraten, sondern häufig improvisierten, auf lokale Kenntnisse angewiesen waren und mehrfach selbst in existenzielle Bedrängnis gerieten. Die Begegnung mit Tenochtitlán macht den enormen Kontrast zwischen der Größe und Organisation der Stadt und der begrenzten Stärke der Invasoren besonders sichtbar.
Im Zentrum der Arbeit steht anschließend die Analyse der Faktoren, die letztlich den Sieg ermöglichten. Neben der militärischen Technologie der Spanier werden auch deren psychologische Effekte betrachtet. Ein weiteres Kapitel setzt sich kritisch mit der Frage auseinander, ob die Mexica die Konquistadoren als göttliche Wesen interpretierten oder ob diese Deutung erst nachträglich entstand. Ergänzt wird dies durch Untersuchungen zu den ökonomischen Motiven der Spanier, zu den verheerenden Auswirkungen der Pockenepidemie, zur zunehmend katastrophalen Versorgungslage Tenochtitláns sowie zu inneren politischen Spannungen im Reich der Mexica.
Besonders deutlich tritt die Bedeutung indigener Bündnisse hervor. Die Arbeit zeigt, dass die Spanier rasch zur zahlenmäßigen Minderheit wurden und ohne zehntausende einheimische Verbündete weder militärisch noch logistisch handlungsfähig gewesen wären. Im Fazit wird daher klar: Der Fall Tenochtitláns war kein Werk weniger Europäer, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus Krankheit, Hunger, inneren Konflikten und indigenen Machtkämpfen, in denen die Spanier vor allem als auslösender Faktor wirkten.
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- Dario Heeland (Author), 2020, Die Eroberung Tenochtitláns im Jahr 1521, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1691920