Gewalt gegen Frauen im Alten Testament


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Samuelbücher
2.1 Aufbau
2.2 Entstehung und geschichtlicher Kontext
2.3 Einordnung von 2 Sam

3. Die Erzählung 2 Sam 13 im biblischen Kontext
3.1 2 Sam 10 bis
3.2 2 Sam
3.3 2 Sam

4. Inhaltlich-formale Elemente der Erzählung 2 Sam 13
4.1 Erzählerische Eigenart des Textes
4.1.1 Die Erzählcharaktere
4.1.2 Aufbau der Erzählung
4.2 Die einzelnen Motive des Textes
4.2.1 Die Liebe zwischen Amnon und Tamar
4.2.2 Der Rat des weisen Jonadab
4.2.3 Die Vergewaltigung Tamars

5.2 Sam 13 im Kontext des Seminarthemas „Gewalt im AT“
5.1 Gewaltförmigkeiten in 2 Sam
5.1.1 Blickthematik
5.1.2 Vergewaltigungsthematik

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Kontext des Hauptseminars mit dem Titel „Gewalt im Alten Testament“ wird in dieser Hausarbeit das Kapitel dreizehn aus dem zweiten Samuelbuch gesondert unter der Thematik „Gewalt gegen Frauen“ betrachtet. Nachdem ein einleitender Überblick über den Aufbau, die Entstehung und den geschichtlichen Kontext gegeben wurde, wird das dreizehnte Kapitel über Amnon und Tamar unter besonderer Berücksichtigung des biblischen Kontextes betrachtet. Interessant ist dabei die Einordnung der vorliegenden Textstelle in den Gesamtkontext der Thronfolgeerzählung Davids vor dem Hintergrund des literarischen Kontextes. Im Anschluss daran liegt der Fokus ausschließlich auf dem dreizehnten Kapitel des zweiten Samuelbuches. Dabei wird der vorliegende Bibeltext mit Hilfe exegetischer Erkenntnisse analysiert und interpretiert. Ebenso wird in einem nächsten Schritt herausgestellt, welche unterschiedlichen Formen von Gewaltakten und Gewalttätigkeiten in 2 Sam 13 vorzufinden sind.

Die Erzählung in 2 Sam 13, die mit den Worten Amnon und Tamar überschrieben ist, handelt vor allem von dem Verhältnis zwischen König Davids Tochter Tamar und ihrem Halbbruder Amnon, der sich unsterblich in seine Schwester verliebt hat. Der negative Höhepunkt der Erzählung findet statt, als Tamar von ihrem sich krank stellenden Bruder unter einem Vorwand in sein Haus gelockt und schließlich von ihm vergewaltigt wird. Diese und andere zum Teil damit im Zusammenhang stehende Gewalttaten werden Gegenstand dieser Arbeit sein und unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet.

2. Die Samuelbücher

Die zwei Samuelbücher stellen ein einziges Buch dar, was durch die Schlussmasora hinter 2 Sam 24,25 deutlich wird.1 Der Grund dafür, dass sie dennoch als zwei voneinander getrennte Bücher im Alten Testament zu finden sind, könnte bei der Entstehung der Septuaginta (LXX) zu suchen sein. Denn hier treten erstmals beide Bücher in einer kürzeren Ausgabe als im ursprünglichen hebräischen Text separat auf. Die Trennung der beiden Bücher findet nach 1 Sam 31 statt, nachdem der Tod Sauls erzählt wurde.

2.1 Aufbau

Den äußere Rahmen der Samuelbücher bilden zum einen das Danklied der Hanna in 1 Sam 2,1-10 und zum anderen das Danklied Davids in 2 Sam 22,1-51.2 Der durch die Samuelbücher dargestellte Geschichtsablauf reicht von der Geburt des letzten Richters Samuel, durch den das Königtum Israels eingeführt wurde, über Saul als ersten König sowie seinen Tod bis zur Herrschaft Davids bis kurz vor dessen Tod. Zu unterteilen sind die Samuelbücher in vier inhaltliche Teile, die mit der Erzählung von Samuel und Saul in 1 Sam 1-15 beginnen, mit der Geschichte vom Aufstieg Davids in 1 Sam 16 bis 2 Sam 5,7-8 und der Geschichte über die Thronfolge Davids in 2 Sam 6,9-20 fortfahren und mit unterschiedlichen Nachträgen in 2 Sam 21-24 enden. Der vorliegende Text 2 Sam 13 ist demnach in den dritten Teil einzuordnen, der von der Thronfolge Davids erzählt.

2.2 Entstehung und geschichtlicher Kontext

Aufgrund verschiedener Indizien wird eine längere Entstehungsgeschichte der Samuelbücher angenommen, von denen ebenfalls angenommen wird, dass sie von einem Kreis von Jerusalemer Hofbeamten und Priestern verfasst wurden.3 Die deuteronomistische Redaktion der Samuelbücher lässt den Beginn der Abfassung des Werkes frühestens am Ende der Königszeit vermuten, wenngleich die Endform des Werkes in die exilisch-nachexilische Zeit gesetzt wird.

Die Samuelbücher sind geschichtlich in den Kontext des Königtums in Israel und Juda einzuordnen, da in ihnen die Genese des Königtums nachgezeichnet wird.4 Sie lassen erkennen, dass die Einführung des Königtums dem Willen YHWHs widersprach. In der damaligen Zeit fand die israelitische Staatenbildung als Übergang von einer sogenannten Sippengesellschaft in eine Gesellschaftsform mit außerfamiliärer Dauergewalt statt.5 Vor der Entstehung des Königtums war die israelitische Bevölkerung eine Gesellschaft ohne politische Zentralinstanz, die aus gleichrangigen Gruppen zusammengesetzt war. Die Jurisdiktionsgewalt oblag im Bereich der Großfamilien dem pater familias und im Bereich der Sippe dem Sippenältesten. Die gesellschaftlichen und außerstaatlichen Entwicklungen ließen einen dauerhaften Bestand einer derartigen Gemeinschaft nicht zu. Ganz besonders forderten die außenpolitischen Bedrohungen durch andere Völker sowie die ökonomischen Entwicklungen eine umfassende politische Einheit und machten somit „ein dauerndes gemeinsames Handeln der israelitischen Gruppen oberhalb der Sippenebene notwendig“6. Nähere Erläuterungen zur königskritischen Darstellung der Entstehung des israelitischen Königtums werden nicht gegeben, da im Fokus dieser Arbeit und des vorliegenden Textes nicht die Entstehung, Entwicklung und der Zusammenbruch des Königtums Israels, sondern die Gewaltdarstellungen innerhalb der Erzählung stehen sollen.

2.3 Einordnung von 2 Sam 13

Durch die Zusammenhänge der Erzählung 2 Sam 13 sowohl mit den vorherigen Texten, als auch mit den nachstehenden Texten kann angenommen werden, dass diese Verbindungen vom Verfasser gewollt und so angelegt sind.7 In den nachfolgenden Erzählungen wird sich Abschalom an Amnon rächen, wodurch weiteres Unheil über die Familie Davids kommt. Nach vorne hin scheint die Erzählung durch eine Reihe von Parallelen mit der Batscheba- David-Urija-Erzählung in Verbindung zu stehen. Es stehen in beiden Fällen schöne Frauen im Blick der Männer (11,2; 13,1), die jeweils auf Anordnung König Davids geschickt werden (11,4; 13,7), woraufhin beide dem Befehl des Königs Folge leisten, in die Räumlichkeiten der Männer hineingehen und anschließend von ihnen genommen werden (11,4; 13,11.14). In beiden Fällen ist der König erzürnt über die Vorfälle (12,5; 13,21), wobei er in der ersten Erzählung durch die Natan-Parabel selbst das Objekt seines Zornes wird. Durch die Verwendung ähnlicher Begriffe, wie beispielsweise essen, liegen, nehmen, wird David in auffällige Nähe zu Amnon gesetzt, so dass nach Dietrich/Mayordomo der Gedanke aufkommt: „Wie der Vater, so der Sohn!“8 So lassen sich auch gleich diverse Fragen über die Vorkommnisse in 2 Sam 13 stellen. Hat David etwa aufgrund seiner eigenen Fehlbarkeit Verständnis für seinen Sohn Amnon und schickt deshalb Tamar zu ihm oder macht sie ihn blind gegen die Fehlbarkeit Amnons? Und ist er deshalb untätig, nachdem er von Amnons Schandtat hörte? Wie Natan es vorausgesagt hat, ist das Haus Davids scheinbar von einem Fluch überschattet. Davids doppeltes Vergehen wird ihm mit dem Verlust seiner Frauen und dem Tod seiner Söhne zurückgezahlt, wie es in den nachfolgenden Erzählungen berichtet wird. Daran ist die Weitsicht und Genialität des Erzählers zu erkennen, der die Erzählung in kunstvoll gespannte Erzählbögen setzt und sie deshalb als die Erzählung von der Thronnachfolge Davids bezeichnet wird. Es werden Bilder entworfen „von Staat und Macht, von Gewalt und Moral, von Gott und Geschichte“9 sowie von Männern und Frauen, welche bis heute ihre Faszination behalten haben.

3. Die Erzählung 2 Sam 13 im biblischen Kontext

Zu der Abgrenzung eines Kontextes von 2 Sam 13 sollen nicht die dem Text zugrundeliegenden eigenständigen Quellen herausgearbeitete werden. Es soll vielmehr um die Einbettung des vorliegenden Endtextes in den zusammenhängenden Gesamtkontext der sogenannten „Thronfolgeerzählung“10 gehen.

3.1 2 Sam 10 bis 11

Als die sogenannte Thronfolgeerzählung Davids werden die Kapitel von 2 Sam 10 bis 1 Kön 2 bezeichnet, in denen von der Festigung und anschließenden Gefährdung Davids Königsherrschaft berichtet wird, die sich vor allem aus der Familie Davids selbst entwickelt.11 In den Erzählungen vor 2 Sam 10 kämpfte David um seine Herrschaft gegen Saul und seine Familie, die er nun in 2 Sam 10 bis 12 gefestigt sieht. In 2 Sam 11 wird von Davids Ehebruch und dessen Konsequenzen berichtet. Batseba war die schöne Frau des Hetiters Urija, der sich als Krieger im Kampf gegen die Ammoniter und Aramäer befand und somit der königlichen Streitmacht unterstand. Da David mit Batseba schlief und sie daraufhin schwanger wurde, ließ er im Letzten den Hetiter Urija im Kampf an vorderster Front kämpfen, was ihm den Tod einbrachte. Der Kampf um die Ammoniterhauptstadt Rabba ist bei dieser Erzählung als Nebenschauplatz zu betrachten. Viel wichtiger an dieser Stelle ist, dass sie inhaltlich einen Wendepunkt in Davids Leben beschreibt. Denn von da an büßt er sowohl militärisch als auch sexuell an Macht ein, was durch das Ausbleiben weiterer Erzählungen über Ausweitungen des davidischen Machtbereichs zu erkennen ist. Nach 2 Sam 12, 26-31 und der Eroberung Rabbas, enden die Erzählungen über erfolgreich geführte Kämpfe und Schlachten. Die gebrochene Macht Davids lässt sich nicht nur anhand folgender Erzählungen darstellen, sondern wird bereits in der Auseinandersetzung Davids mit dem Hetiter Urija deutlich. Den doppelten Befehl Davids, sich in sein Haus zu begeben und bei seiner Frau zu liegen, verweigert der starke und ehrenvolle Urija. Damit wird er zu einem Gegenspieler Davids und greift neben der israelischen Kriegsethik indirekt auch die Verhaltensweisen des Königs an.12 Ebenso wird Davids Macht durch die Verurteilung seines Handelns durch YHWH gebrochen, dem „missfiel, was David getan hatte“ (2 Sam 11,27). Hier wird Davids Machtverlust nicht nur mit göttlichem Einwirken begründet, sondern ist auch mit dem Überschreiten von Grenzen zu begründen. Sein Machtmissbrauch endet in einem jähen Machtverlust.

[...]


1 Vgl. hierzu und zum ganzen Abschnitt E. ZENGER, Einleitung in das Alte Testament, 211.

2 Vgl. hierzu und zum ganzen Abschnitt E. ZENGER, Einleitung in das Alte Testament, 211-213.

3 Vgl. hierzu und zum Folgenden ebd., 214f.

4 Vgl. hierzu und zum Folgenden ebd.

5 Vgl. hierzu und zum ganzen Abschnitt H.-C. SCHMITT, Arbeitsbuch zum Alten Testament, 27.

6 Ebd.

7 Vgl. hierzu und zum ganzen Abschnitt W, DIETRICH/ M. MAYORDOMO, Gewalt und Gewaltüberwindung in der Bibel, 34f.

8 W, DIETRICH/ M. MAYORDOMO, Gewalt und Gewaltüberwindung in der Bibel, 34.

9 Ebd., 36.

10 I. MÜLLNER, Gewalt im Hause Davids, 83.

11 Vgl. hierzu und zum ganzen Abschnitt I. MÜLLNER, Gewalt im Hause Davids, 83, 87-89.

12 Vgl. hierzu und zum Folgenden ebd., 90f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Gewalt gegen Frauen im Alten Testament
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V169197
ISBN (eBook)
9783640874248
ISBN (Buch)
9783656447986
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewalt, frauen, alten, testament
Arbeit zitieren
Tim Weyers (Autor), 2009, Gewalt gegen Frauen im Alten Testament, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169197

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