Die Portfolios vermitteln basale Kenntnisse und Fähigkeiten des Fachs Vergleichende Literaturwissenschaft und umfassen folgende Themen und Arbeitsfelder: Zeichen- und Textbegriff, Bedeutungs- und Handlungsanalyse, literarische Übersetzung, Literatur und kulturelles Wissen sowie literarische Kommunikation.
Inhaltsverzeichnis
- Portfolioprüfung 1: Bedeutungsanalyse
- Portfolioprüfung 2: Handlungsanalyse
- Portfolioprüfung 3: Übersetzungsanalyse
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Portfolio-Prüfung befasst sich mit drei separaten literaturwissenschaftlichen Analysen, die jeweils unterschiedliche Aspekte der Textinterpretation beleuchten. Das übergreifende Ziel ist es, verschiedene Analysemethoden anhand konkreter literarischer Werke anzuwenden und die Ergebnisse strukturiert darzulegen.
- Bedeutungsanalyse einer Kurzgeschichte von Felicitas Hoppe.
- Handlungsanalyse einer Novelle von Jonas Lüscher.
- Vergleichende Übersetzungsanalyse eines Auszugs aus Shakespeares Hamlet.
- Untersuchung von Erzählstrukturen, Charakterdarstellung und semantischen Feldern.
- Analyse von Leerstellen und deren Einfluss auf die Textinterpretation.
- Vergleich von Übersetzungsstrategien (rezeptions- vs. produktionsorientiert).
Auszug aus dem Buch
Portfolioprüfung 1: Bedeutungsanalyse
Anknüpfend an die Kurzgeschichte Die Hochzeit von Felicitas Hoppe aus dem Sammelwerk Picknick der Friseure, erschienen 1996 beim Fischer Taschenbuch Verlag, soll eine Bedeutungsanalyse angefertigt werden. Im weiteren Verlauf soll genauer auf die Darstellung und das Verhalten einzelner Charaktere eingegangen und betrachtet werden, insbesondere diese, welche den Text besonders beeinflussen und prägnant herausstechen. Unter anderem spezialisiere ich mich auf essentielle Leerstellen, sowie das Niederschlagens des Trompeters mit einem Tablett. Dies wird im Folgenden näher betrachtet, da diese Strukturen dem Text am meisten Form zuweisen. Der Eindruck, dass die Hochzeit im völligem Chaos versinkt, unterstützen die obig genannten Aufführungen.
Bei näherer Betrachtung der verschiedenen Figuren in der Kurzgeschichte ist auffällig, dass keiner Figur ein Name zugewiesen wird, somit alle Personen namenlos sind und anonymisiert werden. Aufgrund dessen herrscht eine gewisse Distanz zwischen Text und Rezipient. Die beschriebenen Charaktere werden somit nur als Braut, Bräutigam, Brautvater, Brautmutter, Wirt, Wirtssohn, Onkel und Nichten betitelt (vgl. S.83 ff.). Diese Gegebenheit impliziert, dass sämtliche Figuren lediglich ihrer jeweiligen Aufgabe zugeteilt werden, nämlich Gast, beziehungsweise Familienmitglied oder Dienstleister. Dadurch werden sie nicht an sich als Persönlichkeiten wahrgenommen, sondern nur an den Handlungen, die sie vollziehen, somit wirken die Figuren leblos und charakterlos, es entfaltet sich kein persönlicher Bezug zu den jeweilig Anwesenden der Hochzeit. Anderweitig dazu korrelieren viele Figuren mit Assoziationen animalischer Merkmale, diese werden durch den Text neu semantisiert. Deutlich wird dies durch das Verhalten der Teilnehmer, wenn beispielsweise davon geschrieben wird, wie die „Väter sich wie Hunde ineinander ver[beißen]“ (S.86), die Mutter des Bräutigams sich „mit Zähnen und Klauen“ (S.86) gegen die Braut und somit die Hochzeit wehrt. Unter anderem teilen die Gäste „die Beute untereinander (S.85) [auf]". Durch die neuen Semantisierungen animalischer Attribute wird das ungesittete, zügellose und unmoralische Verhalten der Hochzeitsgesellschaft verdeutlicht und steht somit im Vordergrund der Geschichte.
Diese Darstellungen stehen in Korrelation zueinander und die Anonymität unterstützt und verstärkt die animalische Wahrnehmung der Menschen des Textes.
Zusammenfassung der Kapitel
Portfolioprüfung 1: Bedeutungsanalyse: Dieses Kapitel analysiert Felicitas Hoppes Kurzgeschichte "Die Hochzeit" hinsichtlich der Charakterdarstellung, der Rolle von Leerstellen und spezifischen Ereignissen, die das Chaos der Hochzeitsgesellschaft unterstreichen.
Portfolioprüfung 2: Handlungsanalyse: Hier wird Jonas Lüschers Novelle "Frühling der Barbaren" untersucht, wobei der Fokus auf dem Wechsel von Rahmen- und Binnenhandlung, der Handlungsunfähigkeit des Protagonisten Preising und der Interaktion verschiedener Weltmodelle liegt.
Portfolioprüfung 3: Übersetzungsanalyse: Dieses Kapitel widmet sich einer vergleichenden Analyse zweier deutscher Übersetzungen von Shakespeares "Hamlet" (Akt III, Szene 1), wobei linguistische und semantische Unterschiede sowie unterschiedliche Übersetzungsstrategien beleuchtet werden.
Literaturverzeichnis: Listet alle im Text referenzierten Primär- und Sekundärwerke auf, die für die Analysen herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Literaturwissenschaft, Bedeutungsanalyse, Handlungsanalyse, Übersetzungsanalyse, Felicitas Hoppe, Jonas Lüscher, William Shakespeare, Hamlet, Erzähltheorie, Charakterdarstellung, Leerstellen, Rahmenhandlung, Semantik, Rezeptionsorientierung, Produktionsorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit ist eine Portfolio-Prüfung, die aus drei unabhängigen, aber thematisch verknüpften literaturwissenschaftlichen Analysen besteht: einer Bedeutungsanalyse, einer Handlungsanalyse und einer Übersetzungsanalyse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Interpretation von Kurzgeschichten, die Analyse von Novellenstrukturen und Charakteren sowie den Vergleich und die Bewertung unterschiedlicher literarischer Übersetzungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, exemplarisch die Anwendung verschiedener literaturwissenschaftlicher Analysemethoden an ausgewählten Werken von Felicitas Hoppe, Jonas Lüscher und William Shakespeare zu demonstrieren und deren Besonderheiten herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet Methoden der Literaturwissenschaft, darunter Bedeutungsanalyse, Handlungsanalyse und vergleichende Übersetzungsanalyse, ergänzt durch textnahe Interpretation und die Berücksichtigung narratologischer Konzepte wie Erzählerinstanzen, Leerstellen und semantische Räume.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte: Die Bedeutungsanalyse von Felicitas Hoppes "Die Hochzeit", die Handlungsanalyse von Jonas Lüschers "Frühling der Barbaren" und die Übersetzungsanalyse von Shakespeares "Hamlet".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Literaturwissenschaft, Bedeutungsanalyse, Handlungsanalyse, Übersetzungsanalyse, Erzähltheorie, Charakterdarstellung, Leerstellen, Semantik und Rezeptionsorientierung charakterisieren diese Arbeit.
Wie werden die „Leerstellen“ in Felicitas Hoppes „Die Hochzeit“ interpretiert?
Leerstellen, wie das unerklärliche Weinen der Braut oder ihr Verschwinden mit dem Wirtssohn, tragen maßgeblich zur Dynamik und zum Eindruck des Chaos bei, da sie dem Rezipienten Raum für eigene Spekulationen lassen und die Ambivalenz der Ereignisse verstärken.
Was ist die Besonderheit der Erzählerinstanzen in Jonas Lüschers „Frühling der Barbaren“?
Die Novelle zeichnet sich durch einen ständigen Wechsel zwischen Rahmen- und Binnenhandlung aus, wobei unterschiedliche Erzählerinstanzen – homodiegetische Ich-Erzähler und heterodiegetische auktoriale Erzähler – verwendet werden, um die komplexe Struktur und Preisings Perspektive darzustellen.
Welche Rolle spielt die Analepse in Felicitas Hoppes Kurzgeschichte?
Die Analepse, eine Vorwegnahme des Schlusses im ersten Absatz, ist ein markantes Strukturelement, das den markanten Aufbau der Kurzgeschichte prägt und bereits zu Beginn einen Eindruck des erwarteten Chaos vermittelt, wodurch die Spannung erhöht wird.
Wie unterscheiden sich die Übersetzungsansätze von Schlegel und Greiner bei Hamlet?
Schlegels Übersetzung wird als rezeptionsorientiert beschrieben, da sie den Text stark an die deutsche Gesellschaft anpasst, während Greiner eher produktionsorientiert vorgeht und die ursprüngliche Bedeutung des Originals weitgehend beibehält, oft mit dem Ziel der Ästhetik.
- Arbeit zitieren
- Janis Hindelang (Autor:in), 2018, Portfolio Prüfung: Bedeutungsanalyse, Handlungsanalyse, Übersetzungsanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1692123