Welche Gründe gibt es für die im Vergleich zu Schweden niedrige Erwerbsbeteiligung von Frauen in Österreich?


Essay, 2010

5 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Welche Gründe gibt es für die im Vergleich zu Schweden niedrige Erwerbsbeteiligung von Frauen in Österreich?

Christian Dörr, A0340794, 28.5.2010

Frei von der Leber weg gesprochen ist der Grund für diesen signifikanten Unterschied in der Erwerbsbeteiligung, meiner Meinung nach, in der unterschiedlichen politischen Herangehensweise der beiden Länder zum Thema Kinderbetreuung zu suchen.

Dennoch können harte Fakten den gesunden Menschenverstand Lügen strafen, also sehen wir uns einmal die Statistiken der Erwerbsbeteiligung im Vergleich der Staaten an. Die Erwerbsquote der Frauen in Österreich lag 1985 bei 51% und die der schwedischen Frauen bei 50.1%. Im Jahr 1960 hatte sich die Zahl in Österreich kaum verändert. Sie stieg „lediglich“ von 51% auf 52.1% um magere 1.1% an. Im Vergleich dazu stieg sie in Schweden auf 77.6% an. Ein Plus von knapp einem Fünftel. Daran kann man eine Stagnation in Österreich im direkten prozentualen Vergleich in Schweden und ein stetes Wachstum in Schweden ableiten (vgl. Schmidt M. 1993). Im Jahr 2006 blieb die Erwerbsquote in Österreich deutlich unter der von Schweden liegen (vgl. Beckert in Joas 2007). In Schweden waren im Jahr 2006 70.7% der weiblichen Erwerbsbevölkerung erwerbstätig und in Österreich im Vergleich dazu bei 63.5% (vgl. Eurostat). In beiden Staaten scheiden Frauen zumindest zeitweise mit der Geburt eines Kindes aus dem Erwerbsleben, was meine heißeste Spur zu dieser Thematik ist. Schweden betreibt eine Frauenarbeitspolitik, welche auf eine hohe Erwerbsbeteiligung von Frauen abzielt und dem gegenübergestellt Österreich eine traditionelle, konservative, geschlechtsabhängige Politik am Arbeitsmarkt. Die Gemeinsamkeit beider Industriestaaten bezüglich der Aufgabe, das Thema „Beruf und Familie“, unter einem Hut zu bringen, obliegt meistens der Verantwortung der Frauen. Im dem stark dem traditionellen Frauenbild verhafteten Österreich herrscht das „breadwinner model“ vor, welches besagt, dass Frauen für die Kindererziehung und Kinderversorgung zuständig sind – zumindest in den ersten Jahren des jungen Lebens, während der Staat sich relativ passiv verhält und erst mit dem Erreichen des Kindergartenalters ein erstes Unterstützungsangebot für die Masse der Bevölkerung bereitstellt. Die Zahlen sprechen für sich insofern, als dass Frauen in Österreich mit einem Kind zwischen 0 und 2 Jahren am Arbeitsmarkt kaum in Erscheinung treten. Von den weiblichen Erwerbstätigen mit 0-2 Jahre altem Kind sind in Österreich nur rund 20% erwerbstätig. Allerdings arbeitet von diesem Fünftel nur etwa die Hälfte Vollzeit, während der Rest Teilzeit arbeitet.

Für die Altersklasse der 0-2-Jährigen in Österreich scheinen kaum institutionelle Strukturen zur Betreuung vorhanden zu sein, da sich nur ein kleiner Bruchteil im Ausmaß von etwa 3% in Betreuungsstätten versorgt findet. Die Erwerbsbeteiligung der österreichischen Frauen steigt mit zunehmendem Alter der Kinder (3-6 Jahre) auf 53.4% der Gesamtzahl der Frauen mit Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren an, wovon wieder in etwa die Hälfte im Ausmaß einer Teilzeitstelle am Erwerbsleben teilnimmt. Diese signifikante Zunahme der Erwerbsquote der österreichischen Frauen lässt sich mit der Zunahme der Inanspruchnahme und dem Vorhandensein von Kinderbetreuungsstätten für diese Altersklasse, welche in ausreichenden Vorhanden und leistbar sein sollten/sind(?), erklären.

Drei Viertel aller Kinder, also rund 75% dieses Alters, werden in Kindergärten und Betreuungsstätten betreut. In der Altersgruppe der 6-10 Jahre alten Kinder sind 62.3% der Mütter der Kinder der genannten Altersgruppe erwerbstätig, und von diesem Prozentsatz sind 26.6% nur Teilzeit beschäftigt. Mal sehen, was die Statistik bezüglich der Kinderbetreuung dazu beiträgt… lediglich sechs Prozent der Kinder werden von Betreuungsstätten betreut. Daraus schließe und bestätige ich, dass im Alter von 0-2 Jahren sowie ab dem Alter 6-10 Jahren die Frau die Aufgabe der Erziehung des Nachwuchses übernimmt und damit oft ihren außerfamiliären Job aufgibt bzw. stark einschränkt. Im Alter von 3-6 Jahren übernimmt der Staat in Form von Kinderbetreuungsstätten teilweise die Sozialisation. Diese Daten lassen ein deutliches Handicap von Frauen am österreichischen Arbeitsmarkt, erkennen (vgl. Haas B. 2003). In Schweden ist das „egalitarian employment model“ Takt angebend, was besagt, dass beide Partner Vollzeit oder zumindest Teilzeit erwerbstätig sein sollen, also in der Erwerbstätigkeit integriert bleiben, und dass die Kinderbetreuung an den Staat bzw. an Institutionen delegiert werden soll, und dass die Infrastrukturen der Staat kostengünstig oder gratis bereitzustellen hat. Von Anfang an ist es Aufgabe des Wohlfahrtstaates sowohl die Kinderbetreuung, Kinderversorgung und teilweise damit einhergehend die Kindererziehung zu übernehmen (und diese Faktoren nicht mehr hauptsächlich Aufgabe der Eltern und Angehörigen sind, sodass diese ihre Erwerbstätigkeit ungestört fortführen können), als auch die nötige Infrastruktur bereitzustellen. Die Hälfte der schwedischen Frauen mit Kindern im Alter von 0-2 Jahren ist berufstätig und 30.5% der Gesamtzahl der Frauen in einem Teilzeitmodus beschäftigt. Im Gegensatz zu Österreich werden allerdings ganze 40% der 0-2-Jährigen Kinder von Anfang in Kinderbetreuungsstätten betreut und versorgt, was in Gegenüberstellung zu Österreich einen Unterschied von sage und schreibe 37% ausmacht! Der Staat spielt also in der Kindererziehung, Betreuung und Versorgung schon im jüngsten Alter von 0-2 Jahren eine aktive, signifikante Rolle.

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Details

Titel
Welche Gründe gibt es für die im Vergleich zu Schweden niedrige Erwerbsbeteiligung von Frauen in Österreich?
Hochschule
Universität Wien
Veranstaltung
Struktur und Entwicklung der Gegenwartsgesellschaft - Europa im Wandel
Note
1,8
Autor
Jahr
2010
Seiten
5
Katalognummer
V169213
ISBN (eBook)
9783640874316
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erwerbsquote, Erwerbsbeteiligung, Frauen, Schweden, Österreich
Arbeit zitieren
Christian Dörr (Autor), 2010, Welche Gründe gibt es für die im Vergleich zu Schweden niedrige Erwerbsbeteiligung von Frauen in Österreich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169213

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