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Die Europawahlen 2024. Das Demokratiedefizit der Europäischen Union. Ursachen, Kritik und Reformperspektiven

Title: Die Europawahlen 2024. Das Demokratiedefizit der Europäischen Union. Ursachen, Kritik und Reformperspektiven

Term Paper , 2024 , 20 Pages

Autor:in: Kiomarz Takhari (Author)

Politics - Topic: European Union
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Summary Excerpt Details

Die Arbeit untersucht das häufig diskutierte Demokratiedefizit der Europäischen Union vor dem Hintergrund der Europawahlen 2024. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwiefern die institutionelle Struktur der EU den demokratischen Anforderungen moderner politischer Systeme gerecht wird. Auf Basis demokratietheoretischer Ansätze, insbesondere der Input-, Output- und Throughput-Legitimation nach Fritz Wilhelm Scharpf, werden zentrale Defizite der europäischen Demokratie analysiert. Ein besonderer Fokus liegt auf der Rolle des Europäischen Parlaments, der geringen Wahlbeteiligung sowie dem Second-Order-Election-Modell, das Europawahlen als Nebenwahlen nationaler Politik erklärt. Darüber hinaus werden politische Krisen wie die Euro- und Flüchtlingskrise als Katalysatoren für eine zunehmende Politisierung und Legitimitätskrise der EU betrachtet. Abschließend diskutiert die Arbeit Reformperspektiven zur Stärkung der demokratischen Legitimation, darunter institutionelle Reformen, transnationale Wahllisten und eine stärkere Einbindung der europäischen Öffentlichkeit. Die Arbeit richtet sich an Studierende der Politikwissenschaft, Sozialwissenschaften und Europastudien sowie an Leserinnen und Leser mit Interesse an europäischer Demokratie und politischer Integration.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

  • 1. EINLEITUNG
    • 1.1 FORSCHUNGSFRAGE UND ZIEL DER ARBEIT
    • 1.2 AUFBAU DER ARBEIT
  • 2. THEORETISCHER RAHMEN: LEGITIMITÄT UND DEMOKRATIE IN DER EU
    • 2.1 THEORETISCHER RAHMEN: LEGITIMITÄT UND DEMOKRATIE IN DER EU
    • 2.2 DAS SECOND-ORDER ELECTION MODEL UND SEINE BEDEUTUNG FÜR EUROPAWAHLEN
  • 3. INSTITUTIONELLE UND STRUKTURELLE DEFIZITE DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS
    • 3.1 INSTITUTIONELLE DEFIZITE
    • 3.2 WAHLBETEILIGUNG UND BÜRGERFERNE
    • 3.3 POLITISCHE KRISEN UND POLITISIERUNG DER EU
  • 4 MÖGLICHKEITEN ZUR STÄRKUNG DER DEMOKRATISCHEN LEGITIMATION DER EU
  • 5. FAZIT
  • 6. LITERATURVERZEICHNIS

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit widmet sich der zentralen Fragestellung, inwiefern die Europäische Union tatsächlich ein Demokratiedefizit aufweist und welche Reformansätze dazu beitragen könnten, ihre demokratische Legitimation zu stärken. Sie beleuchtet dabei die Ursachen der Kritik und mögliche Reformperspektiven im Kontext der Europawahlen 2024.

  • Analyse des Demokratiedefizits der Europäischen Union und seiner Ursachen.
  • Vorstellung und Anwendung von Konzepten demokratischer Legitimation (Input-, Output-, Throughput-Legitimation).
  • Untersuchung des "Second-Order Election Model" und dessen Relevanz für Europawahlen.
  • Identifizierung institutioneller und struktureller Defizite des Europäischen Parlaments und anderer EU-Institutionen.
  • Betrachtung der Auswirkungen politischer Krisen und der Politisierung auf die Legitimität der EU.
  • Diskussion möglicher Reformansätze zur Stärkung der demokratischen Legitimation und Bürgerbeteiligung.

Auszug aus dem Buch

2.2 Das Second-Order Election Model und seine Bedeutung für Europawahlen

Europawahlen unterscheiden sich in mehrfacher Hinsicht von nationalen Wahlen. Während nationale Wahlen die Zusammensetzung der Regierung direkt beeinflussen, sind Europawahlen institutionell weniger bedeutsam, da das Europäische Parlament nur begrenzte legislative Kompetenzen besitzt. Bereits 1980 wurde argumentiert, dass diese Wahlen als „Second-Order Elections" betrachtet werden können, da sie vor allem von nationalen politischen Konstellationen geprägt sind (Reif & Schmitt, 1980, S. 3). Die Wähler nehmen sie weniger ernst, und es zeigt sich eine systematische Verzerrung im Wahlverhalten. Das Modell besagt, dass Europawahlen hauptsächlich als Gelegenheit genutzt werden, um die nationale Regierung entweder zu bestrafen oder eine symbolische Unterstützung für kleinere Parteien auszudrücken. Regierungsparteien verlieren tendenziell an Stimmen, während Oppositions- oder kleinere Parteien profitieren (ebd., S. 8). Dieses Muster zeigt sich unabhängig vom eigentlichen europäischen Kontext und ist somit weniger Ausdruck einer spezifischen EU-Politik als vielmehr ein Indikator für innenpolitische Stimmungen (ebd., S. 10). Ein weiteres Merkmal von Second-Order Elections ist die geringere Wahlbeteiligung. Nach den Berechnungen der ursprünglichen Studie liegt diese im Durchschnitt deutlich unter der von nationalen Wahlen (ebd., S. 16). Besonders in Ländern ohne Wahlpflicht ist die Mobilisierung gering, und viele Wähler, die dennoch teilnehmen, neigen dazu, Protestparteien oder Splittergruppen zu wählen (ebd., S. 19).

Eine spätere Analyse bestätigte, dass fast 40 % der Stimmenverluste großer Regierungsparteien auf den Wechsel von Wählern zu kleineren Parteien zurückzuführen sind (Hix & Marsh, 2008, S. 497). Dabei profitieren nicht nur Oppositionsparteien, sondern auch EU-kritische und grüne Parteien (ebd., S. 498). Die empirischen Daten zeigen zudem, dass Europawahlen für viele eine Gelegenheit sind, ihre ideologischen Präferenzen auszudrücken oder die nationale Regierung abzustrafen (ebd., S. 500). Besonders relevant ist die Wahlzyklushypothese innerhalb des Modells. Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt im nationalen Wahlzyklus die Europawahl stattfindet, verändern sich die Wahlergebnisse. Findet sie kurz nach einer nationalen Wahl statt, profitieren meist die Gewinner der nationalen Wahl. Im weiteren Verlauf der Legislaturperiode verschiebt sich das Kräfteverhältnis zugunsten der Oppositionsparteien (Reif & Schmitt, 1980, S. 25). Eine umfassende Untersuchung über mehrere Wahlgänge hinweg zeigt, dass sich dieses Muster durchgehend wiederholt: Regierungsparteien verlieren, während Oppositionsparteien und kleinere Parteien profitieren (Hix & Marsh, 2008, S. 503).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Arbeit untersucht das Demokratiedefizit der Europäischen Union und dessen Auswirkungen auf die Legitimation ihrer Institutionen, wobei die Europawahlen und das „Second-Order Election Model“ eine zentrale Rolle spielen.

2. Theoretischer Rahmen: Legitimität und Demokratie in der EU: Dieses Kapitel stellt die Konzepte der Input-, Output- und Throughput-Legitimation nach Scharpf vor und erläutert das Second-Order Election Model, das das Wahlverhalten bei Europawahlen als von nationalen Dynamiken geprägt beschreibt.

3. Institutionelle und strukturelle Defizite des Europäischen Parlaments: Hier werden die strukturellen Schwächen der EU-Institutionen analysiert, darunter die begrenzte legislative Macht des Europäischen Parlaments, die indirekte Legitimation der Kommission sowie die geringe Wahlbeteiligung und die Bürgerferne, die durch politische Krisen verstärkt werden.

4. Möglichkeiten zur Stärkung der demokratischen Legitimation der EU: Dieses Kapitel diskutiert verschiedene Reformansätze zur Verbesserung der demokratischen Legitimation, wie die Einführung transnationaler Wahllisten, eine stärkere Verknüpfung der Wahl des Kommissionspräsidenten und die Förderung einer europäischen Öffentlichkeit.

5. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass das Demokratiedefizit der EU auf strukturellen und institutionellen Mängeln beruht, die sich in niedriger Wahlbeteiligung und der Politisierung durch Krisen manifestieren, wobei demokratische Standards nationaler Kontexte nicht eins zu eins übertragbar sind.

Schlüsselwörter

Demokratiedefizit, Europäische Union, Europawahlen, Legitimation, Second-Order Election Model, Wahlbeteiligung, Europäisches Parlament, Europäische Kommission, politisches System, Supranationalität, Populismus, Krisenmanagement, Reformansätze, Bürgerbeteiligung, Öffentlichkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Diese Arbeit untersucht umfassend das sogenannte Demokratiedefizit der Europäischen Union, analysiert dessen Ursachen, beleuchtet Kritikpunkte und diskutiert Reformperspektiven zur Stärkung der demokratischen Legitimation der EU.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder sind die Konzepte der demokratischen Legitimation (Input-, Output-, Throughput-Legitimation), das Second-Order Election Model für Europawahlen, institutionelle Defizite des Europäischen Parlaments und der Kommission, die geringe Wahlbeteiligung sowie die Politisierung der EU durch Krisen und der Aufstieg populistischer Parteien.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, zu klären, inwiefern die Europäische Union tatsächlich ein Demokratiedefizit aufweist und welche Reformansätze dazu beitragen könnten, ihre demokratische Legitimation zu stärken.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine theoretisch-konzeptionelle Analyse, indem sie verschiedene Konzepte zur demokratischen Legitimation vorstellt, und eine empirische Perspektive, die strukturelle Schwächen des politischen Systems der EU und die geringe Wahlbeteiligung als Indikatoren betrachtet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden theoretische Rahmenbedingungen zur Legitimität und Demokratie in der EU, institutionelle und strukturelle Defizite des Europäischen Parlaments sowie die Auswirkungen politischer Krisen und der Politisierung der EU auf das Demokratiedefizit ausführlich behandelt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Demokratiedefizit, Europäische Union, Legitimation, Second-Order Election Model, Wahlbeteiligung, Europäisches Parlament, Europäische Kommission, Populismus und Reformansätze charakterisiert.

Wie beeinflusst das "Second-Order Election Model" die Wahrnehmung der Europawahlen?

Das Modell besagt, dass Wähler Europawahlen oft als "Nebenwahlen" betrachten, die primär dazu dienen, nationale Regierungen abzustrafen oder kleinere Parteien zu unterstützen, anstatt sich auf europäische Themen zu konzentrieren, was zu einer geringeren Wertschätzung dieser Wahlen führt.

Welche Rolle spielen politische Krisen wie die Euro- und Flüchtlingskrise für das Demokratiedefizit der EU?

Politische Krisen haben die Politisierung der EU verstärkt und gezeigt, dass zentrale Entscheidungen oft von exekutiven Akteuren ohne ausreichende parlamentarische Kontrolle getroffen wurden, was das Vertrauen der Bürger in die demokratischen Prozesse der EU untergraben hat.

Warum wird die Europäische Kommission als "technokratisch" kritisiert und welche Auswirkungen hat dies auf ihre Legitimation?

Die Europäische Kommission wird als technokratisch kritisiert, weil ihre Mitglieder nicht direkt von den Bürgern gewählt werden, sondern von den Mitgliedstaaten vorgeschlagen und vom Europäischen Parlament bestätigt werden. Dies führt zu einer geringen direkten demokratischen Kontrolle und einer Politikführung, die primär auf Expertise statt auf direkter Wählerlegitimation basiert.

Welche konkreten Reformen könnten die Wahlbeteiligung bei Europawahlen steigern?

Mögliche Reformen umfassen die Einführung transnationaler Wahllisten, eine stärkere und verbindlichere Verknüpfung der Wahl des Präsidenten der Europäischen Kommission mit den Europawahlen (Spitzenkandidatenmodell) sowie eine verbesserte europäische Öffentlichkeit und Bürgerkommunikation.

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Details

Title
Die Europawahlen 2024. Das Demokratiedefizit der Europäischen Union. Ursachen, Kritik und Reformperspektiven
College
University of Siegen
Author
Kiomarz Takhari (Author)
Publication Year
2024
Pages
20
Catalog Number
V1692293
ISBN (PDF)
9783389175323
ISBN (Book)
9783389175330
Language
German
Tags
Europawahlen 2024 Wahlbeteiligung Europäische Union (EU) Demokratiedefizit Europäisches Parlament
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kiomarz Takhari (Author), 2024, Die Europawahlen 2024. Das Demokratiedefizit der Europäischen Union. Ursachen, Kritik und Reformperspektiven, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1692293
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