Die Rolle des Chores in Sophokles Antigone


Hausarbeit, 2011
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Rolle und die Funktion des Chores
2.1 Der Parodos und die Stasimon
2.2 Die Rolle des Chores im Epeisodion

3. Fazit

1. Einleitung

In dem Werk von Sophokles, das den Namen Antigone trägt, geht es um Antigone, die eine Nachfahrin des Ödipus ist und wie dieser den Fluch ihrer Familie auf sich trägt. Das Drama spielt in der Zeit, als Polynikes starb und nicht beerdigt werden durfte, weil es laut dem Gesetz verboten war. Antigone begeht einen Gesetzesbruch, indem sie ihrem Bruder die letzte Ehre erweisen will und muss dafür sterben, zieht aber Haimon, den Sohn des Kreon mit sich in den Tod, weil dieser mit Antigone verlobt ist und sie aufrichtig liebt. Den Labdakidenfluch übernimmt Kreon dabei, weil er Antigone nicht gewähren lassen wollte und damit das Schicksal auslöst, das ein blinder Seher ihm bereits offenbart hat.

In Antigone spielen nicht nur die Protagonistin, die der Tragödie ihren Namen gab eine wichtige Rolle, sondern auch ihre Schwester Ismene, Haimon, Kreon, der blinde Seher und der Alte Rat, der innerhalb der Tragödie von dem Chor, der auch zwischen den Szenen agiert, eine Rolle. Das Augenmerk dieser Hausarbeit liegt hierbei auf dem Chor der innerhalb der meisten Epeisodons agiert als auch in dem Stasimon, in denen der Chor seine Charakterträchtigkeit glaubwürdig verfestigt und auch zeigt auf wessen Seite er steht. Hierbei kann man dann auch die ersten Unterschiede zu den griechischen Trauerspielen finden, denn der Chor ist in der Regel immer neutral und reflektiert die Ereignisse selbst, selten greift er selbst in das Geschehen persönlich ein, oder agiert offensichtlich mit den anderen Charakteren.

2. Die Rolle und die Funktion des Chores

2.1 Der Parodos und die Stasimon

Den Ersten Auftritt hat der Chor im Parodos, der so was wie der Prolog zu dem nächsten Stasimon ist. Es ist das Einzugslied des Chores und gibt vor, wie die anderen Stasima aufgeteilt sind. Nur die Inhalte unterscheiden sich. In der ersten Strophe wird der Tag gelobpreist, an dem die Belagerer vertrieben wurden. Darauf folgt die erste Gegenstrophe, in der Kampf und Sieg mit Hilfe der Götter dargestellt werden. In der zweiten Strophe wird die Hilfe durch den Kriegsgott Ares dargestellt und der Zweikampf der Brüder Eteokles und Polynikes. Darauf folgt die zweite Gegenstrophe die zum Siegesfest auffordert, welches von dem Gott Bacchus geführt werden soll, der ja auch der Gott des Weines und Festlichkeit ist.

Schon hier merkt man, auf welcher Seite der Chor selbst steht, denn er feiert einen Sieg, den auch Kreon und sein Gefolge feiern würden. Er schlägt sich auf die Seite der Gewinner und nicht auf die Seite Antigones, was sich in seiner Ausgelassenheit zeigt. “Der Chor agiert in ungetrübter Siegesfreude. Nichts scheinen die Choreuten zu ahnen von der Konfliktträchtigen Entwicklung, die sich in der Eingansszene angebahnt hat.”1

Doch der Chor hat an diesem Punkt nicht die Funktion dem Zuschauer bereits zu zeigen was passieren könnte, vielmehr hat er diese reflektierende Funktion, die dem Zuschauer zeigen soll, was genau passiert ist und damit auch den Plan Antigones in seiner Deutlichkeit und vor allem Wichtigkeit zu unterstreichen.

Der Erste Stasimon, folgt nach der Szene Kreon mit altem Rat. Dieser ist wie der Parodos aufgebaut in zwei Strophen und zwei Gegenstrophen. Hierbei reflektiert der Chor den Versuch Antigones ihren Bruder zu beerdigen und zeigt auch leichte Gefühlsregungen, die einen Hauch Respekt der Alten, Antigone gegenüber offenbaren. Jedoch wandelt sich dieser Respekt in Gesetzestreue um. Hierbei gibt der Chor Kreon Recht, indem er auf die Gesetze anspricht, die somit auch Kreon das Recht geben “Achtet er die Gesetze des Landes Und das Recht der Götter, bei dem man schwört, ist er hoch angesehen in der Stadt; von der Stadt ausgeschlossen ist, wer am Unrecht haftet, denn er ist dreist.”2

Hier spricht der Chor schon von dem was Antigone droht und wie wichtig die Gesetze sind. Denn diese sollen gleichbedeutend mit dem Recht der Götter sein, an die man zu der Zeit glaubte und auf die man seinen Eid schwor. Antigone die also eine Straftat nach dem Gesetz begangen hat, hat Unrecht getan und wird somit als dreist bezeichnet. Ihr droht damit der Ausschluss aus der Gesellschaft, nicht unbedingt aus der Stadt, denn sie hat der Stadt damit Unrecht getan. Direkt spricht der Chor auch in der zweiten Gegenstrophe von Antigone und sagt auch gleich, dass ihr tun vollkommen nutzlos war, schon alleine weil sie Antigone bei ihrem heimlichen Unterfangen ergriffen haben. Der Chor besingt das Ganze als würde er selbst Antigone ansprechen und ihr erklären, dass sie nicht ohne Grund zu Kreon gebracht werden würde.

“Die bringen dich doch nicht, weil sie dich unfolgsam dem königlichen Gebot und bei sinnlosem Tun ergriffen?”3

Jedoch traut sich der Chor nicht, ein Urteil zu sprechen, welches Kreon über die Lippen kommen könnte. Da der Chor die Alten verkörpert und Kreon treu untergeben ist, mutet er sich ein Urteil nicht zu, da Kreon als Oberhaupt alle Befehlsgewalt hat.

Im 3. Stasimon, das ist die nach der Szene mit Antigone, die zum König geführt wurde, handelt der Chor die Thematik des Labdakidenfluches ab. Er singt von Unheil, der Macht der Götter, und davon dass die Menschen verblendet sind. Die Hauptthematik hingegen ist der Labdakidenfluch, als dessen Opfer der Chor Antigone diagnostiziert. Er mahnt sogar und gibt dem Zuhörer einen Ausblick darauf, dass Kreon der Vollstrecker des Fluches ist.

Das heißt, dass durch seine Hand der Fluch auf Antigone wirken wird. Desweiteren weißen die Worte aber auch, laut der Ausgabe von August Jacob, darauf hin, dass Kreon selbst ein großes Unglück bevorsteht.4

Im dritten Stasimon zeigt sich deutlich, dass der Chor sehr subjektiv reflektiert und auf der Seite des Kreon steht.

“Die Choreuten haben wieder nichts begriffen. Es ist ihnen entgangen, von welcher Grundlage aus Haimon gegen Kreon opponiert. Es ist ihnen entgangen, dass der junge Mann im Rededuell weniger ein besorgter Liebhaber, als ein besorgter Sohn war. Die Meinung des Chores ist falsch…”5

Die Meinung die hier falsch ist, ist jene, das Antigone eine Verführerin sei, weil Haimon eben mit ihr verlobt ist und zu ihren Gunsten versucht den Rechtsspruch des Vaters zu ändern. Der Chor versteht das einfach falsch, denn Haimon bittet nicht um eine Abschaffung der Gesetze. Der Chor allerdings sieht das nur als einen Versuch von einem Mann, der von der Liebe geblendet wurde. Sie ergreifen hierbei Partei für das Recht und erscheinen unmenschlich, fast so als könnten sie Gefühle wie die Liebe nicht nachvollziehen.

“ “Die Greise des Chores”, sagt Ehrenberg, “ergreifen zwar hin und wieder Partei, aber im ganzen halten sie an konventioneller Frömmigkeit fest und wenn es sich um die Aufgabe der Regierenden handelt, beschränken sie sich darauf, ‘nichts zu wissen’.””6

Es ist in der Tat immer so, dass die Alten andere Charaktere, bevorzugt Antigone und Haimon, kritisieren und selten für sie sprechen, aber sich immer aus dem enthalten was der Kreon tat. So zweifeln sie bisher keine seiner Entscheidungen an und folgen diesem. Nur einmal in Epeisodon eins ist Kreon mit dem Chor unzufrieden, weil dieser scheinbar Respekt vor Antigones tun hatte. Seitdem hingegen steht der Chor dauerhaft auf Kreons Seite, selbst wenn er in einigen Dingen warnende Botschaften, wie den vermeintlichen Untergang Kreons bringt, widerspricht er diesem nicht in seinem Tun oder warnt ihn sogar vor den Konsequenzen, die dessen Handeln haben könnte. Er bricht also nicht aus dem Schema heraus, Dinge aus den Epeisodons zu reflektieren, oder einen kleinen Ausblick in die Zukunft zu liefern.

Im vierten Stasimon zeigt der Chor wie wenig Verständnis er für die persönliche Situation der Antigone hat. Denn er bringt hier drei ähnliche Fälle an, ohne nach der Schuld oder der Verantwortung zu fragen. Dass alle drei dieser Fälle Differenzen, schon alleine wegen der Person und ihrer Lage, aufweisen, beachtet der Chor gar nicht. “Von diesem Denkansatz her wirft die historisierende Beispiel Reihe ein Schlaglicht auf das gänzliche Unverständnis des Chores für Antigones wahre Situation.”7

Gleichzeitig in dem Moment wo der Chor aber auch die 3 ähnlichen Fälle aufführt, gibt er eine kleine Andeutung von Unsicherheit preis. Der Chor schwankt in seinem Urteil über Antigones Schuld. Der Grund dafür liegt in den ähnlichen Fällen, denn folgendes erklärt August Jacob. “Denn Danae und des Phineus Söhne litten unschuldig und nur Lykurgos schuldig.”8 Der Zweifel den der Chor hier hat, ist berechtigt, denn schließlich ist die Mehrzahl seiner Beispiele unschuldig gewesen und mussten unter dem Urteil der Justiz leiden. Er zweifelt nun, daran, ob Antigones Tat wirklich eine falsche Tat war, vor allem unter dem Aspekt, unter dem Kreon es sieht.

Doch dieser kurze Moment, in dem der Chor zweifelt, wird im 5. Stasimon verworfen, als der Chor sich selbst treu bleibt und nicht in der Lage ist, soweit zu blicken, dass er die Situation, die vorherrscht, durchschaut.

[...]


1 Kästler Reinhard, K ö nigs Erläuterungen und Materialien Bd. 41- Sophokles Antigone, S 33, C Bange Verlag, Hollfeld, 1997

2 Sophokles, Antigone, S.21, Cornelsen Verlag, Berlin, 2003

3 ebd.

4 Jacob August, Sophokles Antigone- griechisch mit Anmerkungen, S. 12, Pferd. Dümmlers Buchhandlung, gedruckt bei A.W Schade in Berlin, 1849

5 Kästler Reinhard, K ö nigs Erläuterungen und Materialien Bd. 41- Sophokles Antigone, S 47f, C Bange Verlag, Hollfeld, 1997

6 Kästler Reinhard, K ö nigs Erläuterungen und Materialien Bd. 41- Sophokles Antigone, S.48, C Bange Verlag, Hollfeld, 1997

7 Kästler Reinhard, K ö nigs Erläuterungen und Materialien Bd. 41- Sophokles Antigone, S 53, C Bange Verlag, Hollfeld, 1997

8 Jacob August, Sophokles Antigone- griechisch mit Anmerkungen, S. 24, Pferd. Dümmlers Buchhandlung, gedruckt bei A.W. Schade in Berlin, 1849

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Chores in Sophokles Antigone
Hochschule
Universität Erfurt
Veranstaltung
Trauerspiele des 19. Jahrhunderts
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V169240
ISBN (eBook)
9783640874927
ISBN (Buch)
9783640875207
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, chores, sophokles, antigone
Arbeit zitieren
Christine Hirsch (Autor), 2011, Die Rolle des Chores in Sophokles Antigone, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169240

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