Der Einsatz von Zinssicherungsinstrumenten bei der Unternehmensfinanzierung


Seminararbeit, 2011
12 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unternehmerische Risiken aus Zinsänderungen

3. Möglichkeiten zur Absicherung von Zinsänderungsrisiken
3.1 Kreditzusagen
3.2 Anleiheoptionen
3.3 Cap
3.3 Floor und Collar
3.4 Zinsswap
3.5 Swaptions

4. Strategien zur Absicherung der Unternehmensfinanzierung

5. Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Jedes Unternehmen, welches sich der Fremdfinanzierung bedient, muss sich auch mit deren Kapitalkosten auseinandersetzen. Zurzeit ist die Fremdfinanzierung aufgrund der niedrigen Leitzinsen sehr günstig. Zinsen können jedoch Schwankungen unterliegen, was ein kapitalintensives Vorhaben, welches heute noch günstig erscheint, eventuell stark verteuert und sogar unwirtschaftlich werden lässt. Es gibt eine Vielzahl an Absicherungsinstrumenten, um sich gegen Zinsänderungsrisiken zu schützen. Da aufgrund der gerade wieder anziehenden Wirtschaft mittelfristig Zinserhöhungen erwartet werden,1 hat die Fragestellung nach den Zinssicherungsinstrumenten bei der Unternehmensfinanzierung in der gegenwärtigen Zeit besonderes Gewicht. Ziel der Arbeit ist es, die Möglichkeiten der Zinssicherung bei der Unternehmensfinanzierung darzustellen und Strategien herauszuarbeiten, wie das Zinsrisiko effektiv abgesichert werden kann. Dazu wird nach dem einleitenden Teil zuerst die Notwendigkeit der Absicherung von Zinsrisiken am Beispiel von verschiedenen Ausgangsszenarien heraus- gearbeitet und die einzelnen Risikoquellen analysiert. Selbstverständlich bringen die verschiedenen Finanzierungsformen auch Zinschancen durch mögliche gün- stige Entwicklungen mit sich, auf die Darstellung dieser Chancen wird aber auf- grund des beschränkten Umfanges dieser Arbeit verzichtet. Deshalb unterbleibt auch die Behandlung von Zinsrisiken, welche nicht aus der Unternehmens- finanzierung stammen.2

Nachdem die Risiken bekannt sind, beschäftigt sich Abschnitt drei mit den verschiedenen Möglichkeiten, welche zur Absicherung unternehmerischer Zins- änderungsrisiken dienen können. Hierbei werden nur die für die in Praxis relevantesten Absicherungsprodukte erläutert. In Ergänzung an die dargestellten Möglichkeiten zur Risikovermeidung oder -verminderung durch veränderte Marktzinssätze wird in Abschnitt vier anhand von Beispielen der Einsatz der Absicherungsprodukte praxisnah dargestellt. Es werden mögliche Strategien herausgearbeitet, in welchem Umfang Zinssicherung betrieben werden sollte und welche Risiken eine Absicherung unabdingbar machen. Am Ende erfolgt ein ausführliches Fazit, in dem die wichtigsten Ergebnisse noch einmal zusammen- gefasst dargestellt werden.

2. Unternehmerische Risiken aus Zinsänderungen

Das Zinsrisiko bezieht sich auf die Veränderung der zukünftigen relevanten Marktzinssätze.3 Es existieren grundsätzlich drei unterschiedliche Szenarien, wie sich eine Veränderung der Zinsen negativ auf das Unternehmen auswirken kann. Das erste Szenario stellt sich, wenn ein Unternehmen zu variablen Zinssätzen finanziert ist und somit eine Zinsveränderung direkt auf die Konditionen der Kredite und damit auf die Gewinn- und Verlustrechnung durchschlägt. Das Unter- nehmen profitiert in diesem Fall von sinkenden Zinsen da sich die Finanzierung verbilligt, hat jedoch das Risiko, dass es bei steigenden Zinsen eine stärkere Zins belastung hinnehmen muss.4 Das Risiko ist je nach Umfang der Fremd- finanzierung und den erwarteten zukünftigen Zinsveränderungen unterschiedlich hoch. Im Gegenzug ist das Unternehmen immer zu Marktkonditionen finanziert und Veränderungen in der Finanzierungsstruktur sind einfacher möglich.5 Das zweite Szenario stellt sich, wenn die Zinssätze der Unternehmensfinanzierung für eine bestimmte Zeit festgeschrieben sind. In diesem Fall erfolgt während der Laufzeit immer die gleiche Zinsbelastung in der Gewinn- und Verlustrechnung.6 Das Risiko für höhere Zinsbelastungen des operativen Geschäftes ist somit ausgeschaltet, dafür hat das Unternehmen bei einer normalen Zinsstrukturkurve grundsätzlich höhere Fremdkapitalkosten als bei einer variablen Zinsverein- barung. Das Risiko bei dieser Art der Finanzierung liegt bei möglichen Opportunitätskosten, welche durch Zinssenkungen entstehen können. Das Unternehmen ist an den teureren Vertrag gebunden und kann nicht von den günstigen Zinssätzen profitieren.7 Dies kann als Wettbewerbsnachteil interpretiert werden, da Wettbewerber, welche sich variabel finanzieren, einen geringeren Zinsaufwand aufweisen und somit Produkte eventuell billiger anbieten können. Das dritte Szenario ist das Aufkommen eines Finanzierungsumfangs in der Zukunft, dies erfolgt entweder durch das Auslaufen fester Finanzierungs- vereinbarungen oder durch einen zusätzlichen zukünftigen Finanzierungsbedarf. Hier besteht das Risiko in einer Zinserhöhung. Die Risikostruktur ist somit ähnlich wie im ersten Szenario, nur dass die Risiken möglicher erhöhter Aufwendungen nicht unmittelbar, sondern erst in der Zukunft eintreten können.

3. Möglichkeiten zur Absicherung von Zinsänderungsrisiken

3.1 Kreditzusagen

Die Absicherung aller drei Risikoszenarien kann in verschiedenen Situationen sinnvoll sein. Die einfachste und meist billigste Möglichkeit für Unternehmen ihre Zinsrisiken zu reduzieren sind Kreditzusagen mit fixiertem Zinssatz, welche das Unternehmen nicht zwingend in Anspruch nehmen muss. Das Unternehmen hat folglich die Möglichkeit, die Vertragsunterschrift unter anderem von Ver- änderungen der Marktzinssätze abhängig zu machen. Dies ist die einzige Absicherungsmöglichkeit, welche zu keinen direkten Kosten oder Nachteilen für das Unternehmen führt. Die Fristen für Kreditzusagen werden daher von den potentiellen Gläubigern recht kurz angesetzt, da diese das Risiko allein tragen. Diese Form der Reduzierung des Zinsrisikos kann auch als Option verstanden werden, bei der das Unternehmen das Recht erhält, einen bestimmten Kredit abzuschließen.8

3.2 Anleiheoptionen

Eine Option ist auch in so genannte Callable Bonds eingebettet. In diesem Fall ist das Unternehmen Emittent dieser festverzinslichen Anleihe und erhält das Recht, die Anleihe zu bestimmten Zeitpunkten zu einem vorher festgelegten Kurs zurückzukaufen. Das Unternehmen wird somit bei sinkenden Zinsen die Option ausüben, um diese dann relativ teure Finanzierung zu beenden und sich mit billigerem Kapital einzudecken.9 Da die Rücknahmekurse meist deutlich über hundert liegen, muss die Zinssenkung deutlich ausfallen, damit sich die Ausübung lohnt. Mit Bezug auf die vorgestellten Risikoszenarien bezieht sich diese Absicherungsmethodik auf die Reduzierung von Opportunitätskosten, welche bei fixierten Zinssätzen entstehen können. Damit die Käufer der Anleihe diese Option des Unternehmens akzeptieren muss der Callable Bond mit höheren Kupons ausgestattet sein wie eine normale Anleihe. Die Differenz zwischen dem höheren und einem vom Markt normal erwarteten Kupon ist der Preis der Zins- absicherung.10

3.3. Cap

Der Cap ist ein derivatives Finanzprodukt das nicht an einem geregelten Markt gehandelt, sondern meistens von Banken angeboten wird. Dieses Produkt ermöglicht dem Käufer nach Bezahlung einer Prämie, welche die Kosten dieser Absicherung darstellt, Ausgleichszahlungen an verschiedenen Zeitpunkten in der Zukunft zu erhalten, wenn ein festgelegter Referenzzinssatz wie beispielsweise der EURIBOR11, über eine vorher festgelegte Zinsschwelle steigt. Die Aus- gleichszahlung berechnet sich aus der Differenz zwischen der festgelegten Zinsschwelle und dem dann aktuell geltenden Referenzzinssatz, multipliziert mit einem unterstellten Kapitalbetrag. Finanziert sich ein Unternehmen zu variablen Zinssätzen am Markt, kann es somit, wenn die Parameter des Cap übereinstimmend gewählt werden, eine mögliche Verteuerung der Finanzierung durch gestiegene Zinssätze mit der Ausgleichszahlung aus dem Cap kom- pensieren. Der Zinssatz des variabel verzinslichen Kredites wurde somit nach oben begrenzt. Außerdem profitiert das Unternehmen weiter an Zinssenkungen. Einige Banken bieten für ihre Kunden so genannte Cap-Darlehen an, in denen bereits ein variabel verzinsliches Darlehen und ein Cap kombiniert sind. Die Zinssätze sind aufgrund des Schutzes vor steigenden Zinsen entsprechend höher als bei gewöhnlichen variablen Darlehen.12

3.3. Floor und Collar

Ein Zinsfloor stellt das Gegenstück zum Cap dar, hierbei erhält der Käufer des Floors die Ausgleichszahlung bei sinkenden Zinsen unter eine festgelegte Schwelle. Der Preis hierfür ist wiederum die Optionsprämie.13 Auf die in Abschnitt zwei vorgestellten Szenarien angewendet, wäre der Kauf eines Floors nur Risiko minimierend, wenn das Unternehmen bei einer fixierten Finanzierung von sinkenden Zinsen ausgeht, um das Risiko von höheren Opportunitätskosten abzusichern. Die Prämie führt jedoch bei Abschluss zu erhöhten Kosten, welche bereits im Vergleich zu variabel finanzierten Unternehmen aufgrund der meist höheren Zinssätze der Festfinanzierung ohnehin schon höher sind. Die Nutzung dieses Finanzinstrumentes ist daher mit Vorsicht zu genießen, der Einsatz kann sich jedoch als sinnvoll erweisen, wenn sich bei der variabel finanzierten Konkurrenz ein Wettbewerbsvorteil durch mögliche sinkende Zinsen für das Ausgangsunternehmen existenzgefährdend darstellt.

Bisher haben wir die beiden gegenläufigen Finanzderivate immer aus Sicht des Käufers betrachtet, es kann jedoch auch der Verkauf für ein Unternehmen günstig sein. Wird beispielsweise ein Cap gekauft (Long Positionen) und ein Floor verkauft (Short Position), bezahlt das Unternehmen eine Optionsprämie für den Cap, erhält jedoch im Gegenzug eine Prämie durch den Verkauf des Floors. Diese Kombination nennt sich Collar. Die Kosten der Absicherung einer variablen Finanzierung durch den Cap werden durch die Erträge des Floors daher gesenkt.

[...]


1 Vgl. o.V. (2010a).

2 Solche nicht die Unternehmensfinanzierung betreffenden Zinsrisiken sind beispielsweise in vom Unternehmen gehaltenen festverzinslichen Wertpapieren enthalten.

3 Vgl. Held (2007), S. 385.

4 Vgl. Held (2007), S. 386.

5 Im Normalfall sind variabel verzinsliche Finanzierungsformen jederzeit rückzahlbar.

6 Bei Unterstellung eines Endfälligkeitsdarlehen.

7 Vgl. Held (2007), S. 386.

8 Vgl. Hull (2009), S. 785.

9 Vgl. o.V. (2010b).

10 Vgl. Hull (2009), S. 784.

11 Durchschnittlicher Zinssatz, für den sich Banken in Europa Geld leihen.

12 Vgl. Hull (2009), S. 789-791.

13 Vgl. Hull (2009), S. 791.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Einsatz von Zinssicherungsinstrumenten bei der Unternehmensfinanzierung
Hochschule
Hochschule Pforzheim
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V169293
ISBN (eBook)
9783640875054
ISBN (Buch)
9783640874798
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einsatz, zinssicherungsinstrumenten, unternehmensfinanzierung
Arbeit zitieren
Jörg Gathmann (Autor), 2011, Der Einsatz von Zinssicherungsinstrumenten bei der Unternehmensfinanzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169293

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