Durch die Globalisierung und den technischen Fortschritt hat die internationale strategische Allianz, die in der Literatur erstmalig 1985 auftritt, immer mehr an Bedeutung gewonnen (Vgl. Fontanari 1995, 118). In einer Studie der Boston Consulting Group wird geschätzt, dass rund 30 % der globalen Unternehmensumsätze in 2005 direkt auf internationale strategische Allianzen zurückführbar waren. Im Jahre 1980 waren es lediglich 2 % (BCG 2006, 1).
Eine funktionierende strategische Allianz bietet den beteiligten Unternehmen die Möglichkeit, Ziele zu erreichen, die ohne diese Kooperation nur sehr schwer oder mit einem erheblich höheren Einsatz von Ressourcen erreichbar sind (Vgl. Wolf 2002, 12).
Studien zeigen jedoch, dass die Misserfolgs-Quote strategischer Allianzen sehr hoch ist. So sind nach einer Studie von McKinsey aus dem Jahr 1992 33 % aller strategischen Allianzen für beide Partner ein Misserfolg, einer Studie von Hirn/Krogh zufolge scheitert sogar jede zweite Allianz vorzeitig (Vgl. Fontanari 1995, 119).
Entschließt sich ein Unternehmen dazu, eine internationale strategische Allianz einzugehen, muss es sich mit den Faktoren beschäftigen, die für den Erfolg oder das Scheitern einer solchen Allianz verantwortlich sein können. Wesentlichen Einfluss auf den Ausgang einer solchen Kooperation hat die Partnerwahl, welche Hauptgegenstand dieser Arbeit ist. Gerade durch eine wohlüberlegte Wahl des Partners kann das Gelingen einer strategischen Allianz entscheidend beeinflusst werden (Raffée/Eisele 1994, 20 f.).
Doch auf welche Eigenschaften potenzieller Partner sollte besonderes Augenmerk gelegt werden? Diese Frage soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit beantwortet werden.
Hierbei sollen auch die weichen Faktoren Vertrauen und Commitment berücksichtigt werden, da diese eng mit der Partnerwahl verknüpft sind. Ziel ist es herauszuarbeiten, welchen Einfluss diese Aspekte auf eine erfolgreiche internationale strategische Allianz haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Internationale Strategische Allianz
2.2 Motive für strategische Allianzen
2.3 Erfolg
2.4 Erfolgsfaktoren von strategischen Allianzen
2.5 Bedeutung der Partnerwahl als Erfolgsfaktor
3 Erfolgsfaktoren der Partnerwahl
3.1 Ähnlichkeit der Unternehmen
3.2 Kultur
3.2.1 Nationale Kultur
3.2.2 Unternehmenskultur
3.3 Kompatibilität und Komplementarität
3.4 Weitere Kriterien
4 Weiche Erfolgsfaktoren
4.1 Vertrauen
4.1.1 Rationales Vertrauen
4.1.2 Emotionales Vertrauen
4.1.3 Bedeutung von Vertrauen
4.2 Commitment
4.2.1 Rationales Commitment
4.2.2 Emotionales Commitment
4.2.3 Bedeutung von Commitment
5 Problembereiche der Erfolgsfaktorenforschung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung der Partnerwahl als kritischen Erfolgsfaktor für internationale strategische Allianzen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Kriterien bei der Selektion eines potenziellen Partners maßgeblich sind und welche Rolle dabei weiche Faktoren spielen.
- Analyse der zentralen Motive für die Bildung strategischer Allianzen.
- Untersuchung von harten Erfolgsfaktoren wie Ähnlichkeit, Kompatibilität und Komplementarität.
- Evaluation des Einflusses der nationalen und Unternehmenskultur auf den Kooperationserfolg.
- Bedeutung von Vertrauen als stabile Grundlage für die Zusammenarbeit.
- Einfluss von rationalem und emotionalem Commitment auf die Leistungsfähigkeit der Allianz.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Nationale Kultur
Bei der Analyse der nationalen Kultur soll nach Stüdlein im ersten Schritt ein grundlegendes Verständnis der anderen Kultur erarbeitet werden. Hierbei spielen zum einen generelle „Grundmuster bzw. die innere Logik der fremden Kultur“ (Stüdlein 1997, 229) eine große Rolle aber auch solche Aspekte, die „von besonderer Bedeutung für die geplante Partnerschaft sind“ (Stüdlein 1997, 229). Zudem weist Stüdlein explizit darauf hin, eventuelle Subkulturen nicht zu vernachlässigen, falls diese einen großen Teil der Mitglieder des Partnerunternehmens ausmachen, da sich Subkulturen oft signifikant von der nationalen Kultur unterscheiden (Vgl. Stüdlein 1997, 229).
Zu den wichtigsten kooperationsrelevanten Aspekten die im Rahmen der Landeskultur betrachtet werden sollten zählen (Stüdlein 1997, 230):
Management-/Führungsstil und Teamverhalten
Einstellung zu und Aufbau von sozialen Beziehungen und Vertrauen
Grundlegendes Konfliktverständnis und Konflikthandhabung
Einstellung zu und Handhabung von Wandel
Kontrollbedürfnis und Kontrollsysteme
Interpersonaler und interorganisationaler Kommunikationsstil
Organisatorische Strukturen und Systeme
Grundverständnis von Verhandlung; verhandlungsrelevante Prioritäten
Prozesse der Entscheidungsfindung
Zielorientierung und Zielfindungsprozesse
Durch eine intensive Beschäftigung mit diesen Aspekten kann sichergestellt werden, dass kulturell bedingte Schwierigkeiten minimiert werden. Die nötigen Informationen können Unternehmen laut Stüdlein unter anderem aus Forschungsergebnissen, wie z.B. den Dimensionen von Hofstede bekommen. In der Praxis wird sich besonders aufgrund des hohen zeitlichen Aufwands oft nicht ausführlich genug mit den angeführten kulturellen Aspekten beschäftigt (Vgl. Stüdlein 1997, 230 ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Bedeutung internationaler strategischer Allianzen ein und beleuchtet die hohe Misserfolgsquote, wodurch die Notwendigkeit einer fundierten Partnerwahl hervorgehoben wird.
2 Begriffliche Grundlagen: Dieses Kapitel definiert den Begriff der internationalen strategischen Allianz und analysiert sowohl die Motive für deren Bildung als auch die verschiedenen Ansätze zur Messung von Erfolg und Erfolgsfaktoren.
3 Erfolgsfaktoren der Partnerwahl: Hier werden die harten und weichen Kriterien bei der Partnerwahl untersucht, wobei ein besonderer Fokus auf Ähnlichkeit, kultureller Kompatibilität und komplementären Fähigkeiten liegt.
4 Weiche Erfolgsfaktoren: Dieses Kapitel widmet sich den essenziellen immateriellen Faktoren Vertrauen und Commitment und erläutert deren rationalen und emotionalen Ausprägungen für den Fortbestand einer Kooperation.
5 Problembereiche der Erfolgsfaktorenforschung: Es werden methodische Schwierigkeiten wie die Kausalitätsproblematik und die Diskrepanz zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und deren praktischer Umsetzung aufgezeigt.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz einer sorgfältigen Partnerwahl und die zentrale Rolle von Vertrauen und Commitment für den Erfolg internationaler Allianzen zusammen.
Schlüsselwörter
Internationale strategische Allianz, Partnerwahl, Erfolgsfaktoren, Unternehmenskultur, Landeskultur, Vertrauen, Commitment, Kooperationserfolg, Joint Venture, Komplementarität, Kompatibilität, Wettbewerbsvorteile, Management, Synergien, Ressourcen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Partnerwahl als einen entscheidenden Erfolgsfaktor bei der Gestaltung und Durchführung internationaler strategischer Allianzen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Im Fokus stehen die begrifflichen Grundlagen von Allianzen, die Analyse von Auswahlkriterien wie Kultur und Ähnlichkeit sowie die Bedeutung weicher Faktoren wie Vertrauen und Commitment.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Einfluss einer wohlüberlegten Partnerwahl sowie die Wirkungsweise weicher Faktoren auf den Erfolg einer internationalen Kooperation herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der verschiedene wissenschaftliche Studien und Modelle zu Erfolgsfaktoren von Allianzen verglichen und synthetisiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von harten Selektionskriterien, die differenzierte Analyse von Landes- und Unternehmenskultur sowie eine detaillierte Betrachtung von Vertrauen und Commitment.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Partnerwahl, Erfolgsfaktoren, Vertrauen, Commitment, Unternehmenskultur und internationale strategische Allianzen geprägt.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Vertrauen und Commitment?
Vertrauen wird als die Grundlage definiert, sich auf den Partner zu verlassen, während Commitment den aktiven, andauernden Willen beschreibt, Anstrengungen für den Erfolg der Partnerschaft zu unternehmen.
Welche Rolle spielt die Kultur bei der Partnerwahl?
Kulturunterschiede können laut der Arbeit zu Konflikten führen, weshalb eine frühzeitige Analyse von Landes- und Unternehmenskultur essenziell ist, um Motive und Vorgehensweisen des Partners zu verstehen.
Warum scheitern laut Autorin viele Allianzen trotz theoretischer Erfolgsfaktoren?
In der Praxis scheitern Allianzen oft, weil aufgrund von Zeit- oder Wettbewerbsdruck zu wenig in die Auswahl des Partners investiert wird oder die praktische Umsetzung wissenschaftlicher Methoden zu komplex und aufwendig ist.
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- Saskia Jarick (Author), 2010, Partnerwahl als Erfolgsfaktor Internationaler Strategischer Allianzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169305