Auf des Messers Schneide

Ein Porträt der in Ridley Scotts Film Blade Runner (Director’s Cut) dargestellten Gesellschaft sowie der darin agierenden Hauptfiguren


Hausarbeit, 2004
25 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zukünftige Welten

2. Ridley Scotts Blade Runner

3. Die Handlung

4. Die Gesellschaft in Blade Runner
4.1 Bevölkerte Leere
4.2 Die staatliche Kontrolle
4.3 Industrie und Macht
4.4 Off-World Colonies und Rassismus
4.5 Künstliche Sklaven

5. Die Hauptfiguren
5.1 Roy Batty – Schöpfung, Bestie und Erlöser
5.2 Rick Deckard – Jäger, Sünder und Geliebter
5.3 Deckard ein Replikant?

6. Auf des Messers Schneide

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Zukünftige Welten

Schon zum Ende des 19. Jahrhunderts, ‚als die Bilder das Laufen lernten’, war bereits das Interesse vorhanden, Wunderbares und Fantastisches durch das neue Medium Film ausdrücken zu können.[1] Fritz Langs Metropolis (1927) oder Just Imagine (1930) von David Butler gelten dabei als frühe Meilensteile des Genres. Während der zunehmenden Expansion von Hollywood waren es vor allem Science Fiction Filme wie The Time Machine (George Pal, 1960), die durch ihre revolutionären Effekte und Kostüme neue Welten erschufen und Kritiken an der realen Welt transportierten. Erst zu Beginn der 1970er erlebte das Genre eine Wiederbelebung, durch die das Fantastische auch wieder finanziell interessant wurde. Große Space Operas wie 2001: A Space Odysee (Stanley Kubrick, 1968) oder Star Wars (George Lucas, 1977) ebneten den Weg für neue Wege jener Filmgattung. (vgl. Moncao, 2004: 285f)[2]

1982 kam ein Science Fiction Film in die weltweiten Kinos, der die Zuschauer jedoch erneut zu überraschen vermochte.

„What we see in Blade Runner is nothing like what we have seen, or come to expect, in other science fiction films. We are used to the space opera of Star Wars and its sequels, to the fairy tale elements of E.T., even to the teenage comedy routines of more recent films like Back to the Future. All good films of their kind, but none of them create such a sustained alternate reality.” (Pierce, 1991: 201)

2. Ridley Scotts Blade Runner

1982 kam Ridley Scotts Adaption des Romans Do Androids Dream Of Electrip Sheep von Phillip K. Dick unter dem Titel Blade Runner weltweit in die Kinos. Das atmosphärische und vielschichtige Werk, als eine Mischung aus Science Fiction, Film Noir und Horrorfilm inszeniert, erschien jedoch nicht in der von Scott gewollten Fassung (vgl. Boozer Jr., 1991: 212). Nach Testvorführungen und Sichtungen durch die Produzenten wurden einige Änderungen gegen den Willen des Regisseurs durchgesetzt. Eine voice-over Narration und das aufgesetzt wirkende Happy End wurden hinzugefügt, da man überzeugt war, so den Geschmack der breiten Masse besser treffen zu können und die Verständlichkeit der komplexen Welt zu erhöhen (vgl. Bukatman, 1998: 36f). Trotzdem blieb der Erfolg an den Kinokassen aus und machte den Film zu einem finanziellen Desaster (ebd.: 34). 1992, zum zehnjährigen Jubiläum, kam der Film erneut in die Kinos, diesmal in der von Scott bevorzugten Fassung. „ [T]he banal narration was scrapped, in its entirety this time; the ambivalent original ending was restored; and the ‘unicorn reverie’ was inserted in one scene” (ebd.: 37).[3] Da diese Version in größerem Umfang die Intentionen und ursprünglichen Vorstellungen der Macher widerspiegelt, soll eben jener ‚Director’s Cut’ in der folgenden Analyse der ‚Theatrical Version’ vorgezogen werden.[4]

3. Die Handlung

Der Film spielt im Los Angeles des Jahres 2019. Die riesige Millionenstadt ist zu einem „konturlosen Slum offensichtlich vorwiegend asiatischer Prägung“ (Seeßlen/Jung, 2003b: 495) verkommen.[5] In diesem vom Dauerregen geplagten Umfeld wird der Protagonist Rick Deckard von seinem ehemaligen Arbeitgeber, Polizeichef Bryant, reaktiviert. Als Mitglied der Spezialeinheit der Blade Runner wird er wieder dafür sorgen, von Menschen kaum unterscheidbare Androiden, so genannte Replikanten, die sich illegal auf der Erde aufhalten, aufzuspüren und ‚in den Ruhestand zu versetzen’. Vier der hoch entwickelten Replikanten-Serie Nexus 6 verfolgt und erledigt Deckard im Laufe der Filmhandlung mehr oder weniger problemlos. Parallel dazu erzählt der Film in einem zweiten Handlungsstrang die Suche der gejagten Kunstmenschen nach einer Möglichkeit, ihre limitierte Lebensdauer zu verlängern. Die Roboter hinterlassen dabei eine ähnlich blutige Spur wie ihr Jäger Deckard, so dass zum Ende hin alles auf die finale Konfrontation des Blade Runners mit dem letzten überlebenden Replikanten hinausläuft. Bei diesem Zweikampf stirbt zwar auch der letzte und Anführer der flüchtigen Androiden, jedoch nicht ohne vorher, von Mitleid erfüllt, Deckards Leben zu retten. Während seiner Untersuchungen und Spurensuche lernt der Polizist die attraktive Sekretärin des „Industriellen und ‚Vater’ der Replikanten, Tyrell“ (ebd.: 496) kennen und lieben. Die Tatsache, dass es sich bei ihr auch um eine Replikantin handelt, führt dazu, dass Deckard am Ende des Films mit ihr flieht.

4. Die Gesellschaft in Blade Runner

„In der Science Fiction geht es um die Zukunft der Menschheit. Jedenfalls um die Zukunft eines bestimmten Zivilisationsmodells.“ (Seeßlen/Jung, 2003a: 29). Auch Blade Runner zeigt dem Zuschauer in beeindruckender Detailverliebtheit die zukünftige Gesellschaft von Los Angeles im Jahre 2019. Kennzeichnend für jene Darstellung sind die vielseitigen Facetten der porträtierten Gesellschaft, deren genauere Analyse und Verständnis sich auf die im Film weit verteilten Hinweise bezieht. In Anlehnung an J.B. Kerman (1991) wird die dabei häufig implizierte Kritik an aktuellen oder vergangen realen Zuständen sozialer Interaktion ebenfalls aufgezeigt und hinterfragt. „It is worth taking a closer look at several [...] very convincing details, and considering how they imply the politics of the story’s society and construct a critique of our own.” (ebd.: 16)[6]

4.1 Bevölkerte Leere

Das L.A. der Zukunft zeichnet sich auf den ersten Blick als eine dicht besiedelte und heterogene Massengesellschaft aus. Vor allem eine der ersten Sequenzen des Films (vgl. Sequenzprotokoll: Nr. 5) bringt dies dem Zuschauer eindringlich nahe. Die Kamera fährt hier in einer erst diffusen, dann zielstrebigen Fahrt vorbei an flackernden Neonlichtern, durch das multinationale Gedränge der Straßen, als ob man selbst die Straßen überqueren würde. Zusammen mit dem geschickt arrangierten Sounddesign, bestehend aus Versatzstücken diverser Sprachen und Musikauszügen, ergibt sich ein erster, direkter und unmittelbarer Eindruck des Stadtbildes. Demnach zu urteilen müsste die Stadt, trotz trostloser Stimmung, geradezu aus allen Nähten platzen. Auch im weiteren Verlauf des Films scheint sich dieser Eindruck zu verstärken. In der hektisch gefilmten Verfolgungsjagd in Sequenz Nr. 29 muss Deckard sich durch große Menschenansammlungen quälen, um nicht die Spur der verfolgten Replikantin Zhora zu verlieren.

[...]


[1] Auffällig ist z.B. die Tatasche, dass schon die frühen Filme von Méliès oft Wörter wie ‚Traum’ oder ‚Wunder’ im Titel tragen. (vgl. Monaco, 2004: 286)

[2] Auch wenn Star Wars und 2001 eindeutig verschiedene Rezipienten Klientel bedienen und nicht vergleichbar sind, so haben sie doch für das Genre, beide auf ihre Weise, einen großen Dienst getan.

[3] Der Director’s Cut von Blade Runner war der erste von vielen weiteren Filmen, die überarbeitet, neu vertrieben wurden, und begründete somit einen neuen Trend in Hollywood.

[4] Für die im Fließtext angeführten Verweise/Zitate aus dem Film wurde ein Sequenzprotokoll erstellt, welches nach dem Schema (Sequenzprotokoll, Nummer) zitiert wird und im Anhang der Arbeit zu finden ist.

[5] Eine sehr prägnante und ausführlichere Zusammenfassung der Handlung und der zentralen Themen des Films bieten Seeßlen und Jung im zweiten Band ihres Werkes Science Fiction (Seeßlen/Jung, 2003: 495f)

[6] Die Möglichkeit in Scotts Film eine linkspolitische Intention zu sehen, ist zwar vorhanden, jedoch ging es letztendlich wohl eher darum, eine logische Folgerung unserer heutigen Gesellschaft aufzuzeigen als ein marxistisch ambitioniertes Werk zu erschaffen (vgl. Kerman, 1991: 16-18).

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Auf des Messers Schneide
Untertitel
Ein Porträt der in Ridley Scotts Film Blade Runner (Director’s Cut) dargestellten Gesellschaft sowie der darin agierenden Hauptfiguren
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Einführung in den Medienstudiengang
Note
2,5
Autor
Jahr
2004
Seiten
25
Katalognummer
V169307
ISBN (eBook)
9783640875801
ISBN (Buch)
9783640876013
Dateigröße
779 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Blade Runner, Harrison Ford, Ridley Scott, Film Noir, Roboter, Androiden, Replikanten, Film, Filmanalyse, Handlung, Hauptfiguren, Medienanalyse, Phillip K. Dick, Do Androids Dream Of Electrip Sheep, Verfilmung, Science-Fiction
Arbeit zitieren
Benedikt Wagner (Autor), 2004, Auf des Messers Schneide, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169307

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