Armutsgrund: Behinderung?!


Seminararbeit, 2011

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlegende Definitionen
2.1 Behinderung
2.2 Armut

3. Die Gruppe der Menschen mit Behinderung
3.1 Betrachtung ausgewählter Dimensionen
3.1.1 Bildung
3.1.2 Teilhabe am Arbeitsleben
3.1.2.1 Erwerbstätigkeit
3.1.2.2 Erwerbslosigkeit
3.1.3 Einkommenssituation
3.1.3.1 Erwerbseinkommen
3.1.3.2 Transferleistungen
3.1.3.3 sonstige Einkommen

4. Zusammenfassung und Diskussion

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Behinderung kann jeden treffen! Ein plötzlicher Unfall oder eine langwierige Krankheit und schlagartig resultieren daraus Veränderungen in allen Bereichen des Lebens. Oftmals geht dieses u.a. mit dem (drohenden) Verlust der eigenständigen Erwerbsarbeit einher und damit die Angst vor Armut und Exklusion. Aber gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Behinderung und Armut?

Bei der Betrachtung dieser Thematik lassen sich, trotz dünner Datenlage, zwei wesentliche Überzeugungs- und Argumentationsrichtungen unterscheiden. Zum einen die These von Cloerkes (2001, S. 72), welcher basierend auf Jantzen (1974) behauptet: „Behindert wird vor allem der, der arm ist, und wer behindert ist, wird arm. Behinderung und Armut sind eng miteinander verflochten.“ Diese Meinung wird sowohl von VertreterInnen der Behindertenhilfe als auch in der UN – Behindertenkonferenz selbst wiedergegeben. In letzterer wird in der Präambel sogar explizit darauf hingewiesen, dass „[...] die Mehrzahl der Menschen mit Behinderungen in einem Zustand der Armut lebt [...]“. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2010b; Auslassungen: F.K.) Demgegenüber steht wiederum die Feststellung der Bundesregierung in ihrem 2. Armuts- und Reichtumsbericht von 2005, „[...] dass gesundheitliche Beeinträchtigungen in der Regel nicht zu monetärer Armut führen“. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2005, S. 154; Auslassung: F.K.)

Die vorliegende Hausarbeit im Rahmen des Seminars „Armut, Arbeitslosigkeit und Wohnungslosigkeit“ greift die beschriebene Problematik auf und untersucht anhand ausgewählter Dimensionen des Lebens von Menschen mit Behinderung, ob für diese Gruppe ein besonderes Risiko besteht in Armut zu geraten. Um Vergleichsmöglichkeiten zu haben, wird diesen die Gruppe der Menschen ohne anerkannte Behinderung gegenübergestellt. Dieses geschieht in erster Linie auf der Basis von Erhebungsdaten des Mikrozensus[1] 2005 sowie der Armuts- und Reichtumsberichte[2] der Bundesregierung. Es ist zu beachten, dass demnach das subjektive Wohlbefinden der Betroffenen – trotz unbedingter Relevanz - außen vor bleiben muss.

2. Grundlegende Definitionen

Im Folgenden werden die zwei wesentlichen Begrifflichkeiten, die als Arbeitsgrundlage dienen sollen, definiert.

2.1 Behinderung

Im Sinne des § 2 Abs.1 des SGB IX gelten Menschen als behindert, „[...] wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist“. (Stascheit 2008, S. 1303; Auslassungen: F.K.) Daraus geht hervor, dass „normale“ Alterserscheinungen keine Behinderung im Sinne des o.g. Paragrafen darstellen.

Weiterhin werden Abstufungen bei der Feststellung und Anerkennung einer Behinderung mittels des Grades der Behinderung (GdB) vorgenommen. Dieser bewertet dabei die Auswirkung einer Behinderung auf die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und wird in Zehnerschritten von 20 bis 100 bestimmt. (Vgl. Pfaff 2007, S. 194) Eine Person erhält demnach den Status „behindert“, wenn eine Funktionsbeeinträchtigung von mindestens 20 Prozent vorliegt. Ist diese noch unter 50 Prozent festgesetzt, handelt es sich um eine so genannte leichte Behinderung. Weiterhin gelten Menschen mit einem Grad der Behinderung ab 50, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik haben oder hier beschäftigt sind, als schwerbehindert.

Mit der Anerkennung der Behinderung, die ausschließlich auf Antrag erfolgt und mit einer genauen Prüfung verbunden ist, ist es der Person möglich, die für sie notwendige Unterstützung in Anspruch nehmen zu können. Darunter fallen u.a. der besondere Schutz durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und Nachteilsausgleiche wie arbeitsrechtliche Vorteile besonders für Menschen mit einer Schwerbehinderung. (Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2010a, S. 11f)

2.2 Armut

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales weist in seinem 3. Armuts- und Reichtumsbericht darauf hin, dass „Armut [...] ein gesellschaftliches Phänomen mit vielen Gesichtern [ist]. Es entzieht sich deshalb einer eindeutigen Messung“. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2008, S. I; Auslassung/Einschub: F.K.) So gibt es viele unterschiedliche Definitionsansätze, die dieses Phänomen aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.

Zunächst muss in zwei Konzepte von Armut differenziert werden. Absolute Armut herrscht vor, wenn das Überlebensnotwendige wie beispielsweise Nahrung, Wasser oder Unterkunft fehlt und schließlich die physische Existenz bedroht ist. (Vgl. Hauser 2008, S. 96) In Gesellschaften mit sozialen Sicherungssystemen dürfte es demnach eigentlich keine absolute Armut geben.

In Deutschland ist vor allem das Konzept der relativen Armut relevant, da der durchschnittliche Wohlstand über dem physischen Existenzminimum liegt. Von relativer Armut wird gesprochen „[…] wenn in einem Land der Lebensstandard und die Lebensbedingungen von Menschen zu weit nach unten vom durchschnittlichen Lebensstandard und den durchschnittlichen Lebensbedingungen abweichen“. (Hauser 2008, S. 96; Auslassung: F.K.) Die betroffenen Menschen leben demnach unter dem, für dieses Land geltenden, soziokulturellen Existenzminimum. Damit einher geht eine gefährdete bzw. fehlende, der Menschenwürde entsprechende Teilhabe an der Gesellschaft. (Vgl. Hinrichs 2008, S. 203)

Nichtsdestotrotz wird Armut oftmals als Einkommensarmut verstanden. So haben die EU-Mitgliedsstaaten sich darauf geeinigt, eine sogenannte Armutsgrenze festzulegen. Demnach gilt als arm, wer weniger als 60% vom Median des Nettoäquivalenzeinkommens des jeweiligen Landes zur Verfügung hat. (Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2005, S. 11) In Deutschland lag diese Grenze 2008 bei 929 Euro (2005: 845 Euro). Die Reduzierung auf materielle Armut greift dabei allerdings entschieden zu kurz. Vielmehr müssen alle Lebensbereiche inklusive immaterieller Dimensionen berücksichtigt werden, in denen Unterversorgung und Benachteiligung zu verzeichnen ist. (Vgl. Dietz 1997, S. 128)

3. Die Gruppe der Menschen mit Behinderung

Menschen mit Behinderung werden in der Literatur oftmals als Randgruppe bezeichnet, die „[...] solche sozialen Benachteiligungen auf sich [vereinigen], die sie vom üblichen Leben in der Gesellschaft mehr oder minder ausschließen [...].“ (Hradil, Schiener 2001, S. 318; Auslassungen/Einschub: F.K.) Bei genauerer Betrachtung wird allerdings offensichtlich „[…] daß [sic!] sie im Hinblick auf ihre Größe keineswegs eine "Randerscheinung" darstellen.“ (Hradil, Schiener 2001, S. 320) Nach den Erhebungen im Rahmen des Mikrozensus lebten 2005 circa 8,6 Mio. Menschen mit einer anerkannten Behinderung in Deutschland (im Durchschnitt jede 10. BürgerIn). Dieses entspricht einem Anstieg um 2,7% seit 2003. (Vgl. Pfaff 2006, S. 1268) Bereits seit mehreren Jahren ist eine Zunahme zu verzeichnen, welche u.a. mit verschlechterten Gesundheitszuständen, erweiterten Definitionen und im Besonderen mit dem demografischen Wandel zu erklären ist. (Vgl. Hradil, Schiener 2001, S. 321f.)

Nimmt man eine Differenzierung innerhalb dieser nicht homogenen Gruppe vor, wird deutlich, dass der größte Teil eine sogenannte Schwerbehinderung aufweist – nämlich 6,7 Mio. Menschen. Die restlichen 1,9 Mio. Menschen haben eine leichte Behinderung. (Vgl. Pfaff 2006, S. 1268) Lediglich 5% der Menschen mit Schwerbehinderung sind dies von Geburt an. Die meisten entwickeln im Laufe ihres Lebens durch Unfall oder Krankheit eine Behinderung. (Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2008, S. 113)

[...]


[1] jährliche, umfangreiche Befragung von 1% der Privathaushalte in Deutschland

[2] Bericht über die wirtschaftliche und soziale Lage der BürgerInnen Deutschlands mit Bezug auf Armut

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Armutsgrund: Behinderung?!
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V169329
ISBN (eBook)
9783640875917
ISBN (Buch)
9783640875931
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Armut, Behinderung, Soziale Arbeit, Mikrozensus, Einkommen
Arbeit zitieren
Friederike Krugmann (Autor), 2011, Armutsgrund: Behinderung?!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169329

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