1 Einleitung
Gewalt ist ein globales Phänomen und Problem, denn verbale und körperliche Übergriffe, Rassendiskriminierungen, Vergewaltigungen und Morde sind in jedem Land weit verbreitet. Oft verkünden die Nachrichten, die Kriminalitätsrate sei erneut gestiegen. Unabhängig des Alters, des Geschlechts oder der verschiedenen sozialen Gruppierungen und Schichten ist der Nährboden für Gewalt überall gegeben. Egal ob in Beziehungen, im Eheleben, im familiären Umfeld, im Freundeskreis, im Berufsleben, auf dem Schulhof oder im Schulsport, kann dort aggressives und gewalttätiges Potenzial vorhanden sein beziehungsweise entstehen. Sogar zwischen ganzen Systemen oder vereinzelten Ländern findet Gewalt aktiv statt, wenn wir einen Rückblick auf die Weltkriege werfen. Massenmedien, wie etwa der Fernseher, senden oft gewaltverherrlichende Filme und in den Nachrichten werden jeden Tag schreckliche Gewalttaten emotionslos präsentiert. Gewalttätige und pornografische Kurzfilme werden per Knopfdruck am Handy zum Belustigen und Schockieren an den Freund versendet. Diskussionen über die Zensur des Internets und gewaltverherrlichender Computerspiele nehmen zu, die auf der einen Seite logisch erscheinen, auf der anderen aber die Freiheiten des Menschen einschränken. Steigende Arbeitslosigkeit und wachsende Armut scheinen die Hemmschwelle der Gewalt tiefer zu legen und die Gewaltbereitschaft und Beschaffungskriminalität zu erhöhen. Man erkennt, dass das Thema Gewalt mit seinen Ursachen und Wirkungen ein komplexes Gebiet ist, welches politisches und soziales Engagement benötigt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DEFINITION / BEGRIFFSERKLÄRUNG
2.1 AGGRESSIONEN
2.2 GEWALT
3 FORMEN DER GEWALT
4 ENTSTEHUNGSTHEORIEN
4.1 TRIEB- ODER INSTINKTTHEORIE
4.2 AGGRESSIONS- FRUSTRATIONSTHEORIE
4.3 LERNTHEORIE
4.4 KATHARSIS-HYPOTHESE
5 GEWALTPRÄVENTION
5.1 MEDIATION (PRIMÄR)
5.2 COOLNESS-TRAINING (SEKUNDÄR)
5.3 ANTI-AGGRESSIONS-TRAINING (TERTIÄR)
6 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursprünge von Gewalt und Aggression, definiert die grundlegenden Unterschiede dieser Phänomene und beleuchtet sowohl psychologische Entstehungstheorien als auch praxisnahe Ansätze der Gewaltprävention.
- Differenzierung zwischen aggressiven Verhaltensweisen und Gewalthandlungen
- Analyse klassischer psychologischer Entstehungstheorien (Trieb-, Lern- und Frustrationstheorie)
- Untersuchung der Rolle von Medien und Sozialisation bei der Gewaltentstehung
- Vorstellung von Präventionsstrategien in verschiedenen Stufen (Primär, Sekundär, Tertiär)
Auszug aus dem Buch
4.3 Lerntheorie
Die Lerntheorie besagt, dass aggressives und gewaltbereites Verhalten wie jedes andere Verhalten, zum Beispiel die Fähigkeit zum Schreiben oder Sprechen, erlernt werden kann. Der größte Einfluss besteht im Modelllernen, wo durch Abschauen Nachahmungsprozesse angeregt werden. Hier haben Eltern eine große Verantwortung gegenüber ihren Kindern. Mediale und reale Bilder motivieren zur Nachahmung. Hat ein Nachahmer Erfolg bei der Ausführung eines aggressiven Verhaltens, zum Beispiel durch Bewunderung oder Durchsetzung, ist es sehr wahrscheinlich, dass dieses Verhalten übernommen wird. Ein erfolgreich angeeignetes Aggressionsverhalten tendiert dazu, auf ähnliche Situationen übertragen zu werden. D.J. Hicks führte dazu ein interessantes Experiment durch:
„Hicks ließ Kindern, die durchschnittlich etwa 5 Jahre alt waren, einzeln einen 8 Minuten dauernden Film mit aggressiven Inhalten vorführen. Die Filmhelden (Modelle) zeigten 4 körperliche und 4 verbale Aggressionen, von denen man annehmen durfte, dass sie den Kindern noch unbekannt waren;…Als Modell agierte … 1. ein männlicher oder 2. ein weiblicher Erwachsener bzw. 3. ein männliches oder 4. ein weibliches Kind. … Bei Kindern, die den Aggressionen zugesehen hatten, kam es zu einer großen Zahl imitativer Aggressionen … (Herbert Selg, 1974).“
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Der Autor führt in die Problematik von Gewalt als globales Phänomen ein und erläutert den Aufbau der Hausarbeit sowie das methodische Vorgehen.
2 DEFINITION / BEGRIFFSERKLÄRUNG: Hier werden die zentralen Begriffe Aggression und Gewalt abgegrenzt und als psychologische bzw. gesellschaftliche Konstrukte definiert.
3 FORMEN DER GEWALT: Dieses Kapitel kategorisiert verschiedene Erscheinungsformen von Gewalt, von körperlicher und sexueller Gewalt bis hin zu struktureller und ökonomischer Gewalt.
4 ENTSTEHUNGSTHEORIEN: Es werden wissenschaftliche Erklärungsansätze wie die Trieb- und Instinkttheorie, die Aggressions-Frustrationstheorie, die Lerntheorie und die Katharsis-Hypothese diskutiert.
5 GEWALTPRÄVENTION: Dieser Abschnitt erläutert Interventionsmöglichkeiten in drei Stufen, beispielhaft dargestellt durch Mediation, Coolness-Training und das Anti-Aggressions-Training.
6 FAZIT: Der Autor resümiert die gewonnenen Erkenntnisse und plädiert für eine friedliche menschliche Koexistenz, die durch soziale Bedingungen und Erziehung gefördert werden kann.
Schlüsselwörter
Gewalt, Aggression, Gewaltprävention, Lerntheorie, Modelllernen, Mediation, Coolness-Training, Anti-Aggressions-Training, Katharsis-Effekt, Sozialisation, Instinkttheorie, Frustration, Erziehung, Konfliktbewältigung, Massenmedien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung von Gewalt und Aggression aus psychologischer Sicht sowie den Möglichkeiten, diesen Tendenzen präventiv zu begegnen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die begriffliche Definition, wissenschaftliche Erklärungsmodelle zur Entstehung von Gewalt und verschiedene pädagogische Ansätze zur Prävention.
Welches ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Ursachen aggressiven Verhaltens zu verstehen und aufzuzeigen, wie durch pädagogische Interventionen die Gewaltbereitschaft beeinflusst werden kann.
Welche wissenschaftlichen Theorien werden behandelt?
Es werden die Trieb- oder Instinkttheorie, die Aggressions-Frustrationstheorie, die Lerntheorie (inklusive klassischer und operanter Konditionierung) sowie die Katharsis-Hypothese analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung, die Analyse von Gewaltformen, die theoretische Herleitung der Entstehung von Gewalt und die detaillierte Vorstellung von drei Gewaltpräventionsmethoden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Modelllernen, konfrontative Pädagogik, Mediation, Gewaltprävention und Sozialisation.
Wie unterscheidet sich die primäre von der tertiären Gewaltprävention?
Die primäre Prävention setzt ein, bevor es zu Gewalttaten kommt, um Konfliktpotenziale zu minimieren, während die tertiäre Prävention bei bereits gewalttätig gewordenen Personen interveniert, um Rückfälle zu verhindern.
Warum wird der „Heiße Stuhl“ im Anti-Aggressions-Training eingesetzt?
Der „Heiße Stuhl“ dient dazu, die Täter mit ihren Taten und den Folgen für die Opfer zu konfrontieren, um ein tieferes Verständnis für das eigene Fehlverhalten und die Opferperspektive zu entwickeln.
- Arbeit zitieren
- Christoph Bärwald (Autor:in), 2009, Entstehung von Gewalt und Aggression , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169345