Virtuelle Räume - Raummetaphern & deren Berechtigung im www


Seminararbeit, 2009

11 Seiten


Leseprobe

Virtuelle Räume.

Raummetaphern & deren Berechtigung im www

Information & Gesellschaft

Der Begriff Informationsgesellschaft kann als Schlagwort unserer Gesellschaft bezeichnet werden. Seine Popularität verdankt das Konzept nicht zuletzt den neuen Medien, unter welchen die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien verstanden werden.

Die Veränderungen, die mit den neuen Technologien einhergehen, werden als Übergang zur Informationsgesellschaft beschrieben (vgl. Steinbicker 2001: 7). Was aber nun verbirgt sich hinter dem klingenden Namen Informations-gesellschaft? Um festzustellen, ob wir in einer Informationsgesellschaft leben, muss zuvor geklärt werden, was diese ausmacht. Dafür soll eine Annäherung über die Zerlegung des Begriffs in seine Bestandteile Information und Gesellschaft vorgenommen werden. Der Begriff Information kommt vom lateinischen Vokabel „informatio“ dem die Bedeutungen bilden, formen und unterrichten zugeschrieben werden. Demzufolge entwickeln wir durch die Aufnahme von Informationen, die auf unserem persönlichen Vorwissen beruht, Wissen. Durch den Informationsfluss verändert und erweitert sich unser individueller Wissensvorrat fort-während. Auf diesem Prozess beruht die Ausbildung und Formung unserer Persönlichkeit, was demzufolge als niemals abgeschlossener Prozess bezeichnet werden kann.

Unter einer Gesellschaft versteht man einen soziologischen Grundbegriff, mit dem „das strukturierte und organisierte System menschlichen Zusammenlebens und - wirkens [bezeichnet wird.] Die Gesellschaft wird im Allgemeinen unter philosophisch-anthropologischem und sozial-psychologischen Gesichtspunkt als Grundvoraussetzung für die menschliche Entwicklung (Sozia-lisation, Enkulturation) und für die Entfaltung von Kultur betrachtet.“ (www.meyers-lexikon.de) Was nun aber macht das, durch Arbeitsteilung organisierte Zusammenleben von Menschen, eben die Gesellschaft, zu einer Informationsgesellschaft. Jochen Steinbicker nennt „die wachsende wirtschaftliche Bedeutung des Informationssektors, […] den explosionsartigen Anstieg verfügbarer Informationen durch Datennetze und die Entwicklung […] von Multimedia-Universaldiensten sowie die Informatisierung und zunehmende Wissensbasierung aller Berufe“ (Steinbicker 2001: 7) als Gründe für die Berechtigung um von einer gegenwärtigen Informationsgesell-schaft sprechen zu können. Steinbicker meint, dass hauptsächlich der technologische Wandel und die erhöhte Verfügbarkeit von Informationen die zugrundeliegenden Triebkräfte für die Entstehung einer (post)modernen Informations-gesellschaft sind. Dabei ist das Konzept nicht neu, sondern wurde bereits vor mehr als 40 Jahren von Daniel Bell und Peter Drucker eingeführt und durch Manuell Castells in den 90er Jahren erneut zum interessierenden Gebiet gemacht (vgl.ebd. 8). Seitdem scheinen die Popularität und das Interesse am Begriff ungebrochen. Unter Bezug auf Daniel Bell und Peter Drucker erkennt Jochen Steinbicker Wissen, Innovation und die Technikproduktion als die treibenden Kräfte für die Ausbildung einer Informationsgesellschaft, mit der ein sozio-ökonomischer Wandel von der industriellen Gesellschaft eben hin zur Informationsgesellschaft einhergehe (vgl. ebd. 9). Auffällig bei den (Erst)Konzeptionen Druckers und Bells Theorien der Informations-gesellschaft sei laut Steinbicker vor allem die Tatsache, dass diese vor der Entwicklung moderner Medien, die hauptsächlich Mitte der 70er Jahre stattgefunden habe, entstanden sind (vgl. ebd. 15f). Später hinterfragte der Kulturtheoretiker Manuel Castells den Einfluss der „neuen Technologien bei der ökonomischen Re-strukturierung der modernen Gesellschaft“, (Nollmann 2006: 483) und hat daraus seine Theorie der globalen ‚Netzwerk- und Informations-gesellschaft‘ hervorgebracht. Nach Castells ist die Netzwerkgesellschaft nicht durch die starke Flut von Information und Wissen, sondern durch deren konsequente Anwendung, ferner durch die Interpendenz von Technologie und Gesellschafts-entwicklung gekennzeichnet (vgl. Castells in Nollmann 2006: 483), die zu einer Minderung der Macht staatlicher Kontrollen sowie einer Autoritätserweiterung der globalen Medien führe (vgl. Nollmann 2006: 487). Geht man von Castells Überlegungen aus, leben wir, im gegenwärtigen Diskurs des Internets, in einer informatisierten Gesellschaft, da das von ihm genannten Kriterium der erweiterten Macht globaler Medienindustrien vor allem im erhöhten Informations- und Unterhaltungsdrang der Menschen liegt. Demzufolge hat das von Castells entwickelte Konzept im Kontext moderner Blog und Informations-aktivitäten an Berechtigung nichts verloren. Signifikante Beispiele für die Machtstrukturen im Netz boten zum Beispiel die Probleme, die große Firmen wie Jamba durch Statements von Bloggern hatten, die durch ihre Organisation im Netz zu einer Lawine von negativer Reputation geführt hatten (www.spiegel.de).

Somit sind die Menschen durch die Entwicklung moderner Technik- und Kommunikationstechnologien einmal mehr Täter und Opfer zugleich, da genannte Auswirkungen nur auf der Basis der neuen Techniken wie dem Internet möglich wurde. Diese haben neben neuen Handlungsfeldern den Raum und die Zeit überwunden und mediale, nicht mehr begrenzbare Alternativräume in Form von ‚virtuellen Räumen‘ mit sich gebracht. In diesem Beitrag interessiert hauptsächlich die Beschaffenheit dieser neuen Raumkonzeptionen, ferner was diese eigentlich zu Räumen macht, sind sie doch nicht spür- oder fassbar, unendlich und nirgends durch eine Begrenzung festzumachen.

Das Internet als Raum?

Darum soll in diesem Beitrag geklärt werden, warum das Internet und seine Nutzungsvarianten räumlich ko-nnotiert sind. Warum wir im Cyberspace surfen, uns auf der Datenautobahn bewegen, in Form virtueller Communities globale Dörfer, um in Herbert Marshall McLuhans Worten zu sprechen „global villages“ (McLuhan 1984: 63) aufbauen, Kommunikationen in Chatrooms nachgehen oder die eigene Homepage besuchen. Aufgrund dieser Aufzählung wird erkennbar, dass die Dinge, die mit dem Internet verbunden sind, meist einer geografischen Semantik unterliegen, die Klaus Beck als Raummetapher des Internets bezeichnet (vgl. Beck 2005: 5). Kann allerdings ein Raum, der lediglich aus Zeichen und auf der Basis semantischer Informationen bzw. einem Übertragungsprotokoll von Kommunikationsaktivitäten unterliegt, als Raum bezeichnet werden?

Fragestellungen zu dieser Thematik können also sein:

Warum wird das Internet als Raum bezeichnet? Wie ist dieser Raum beschaffen und wie wird er konstruiert? Wie bewegen sich die Menschen in medialen Räumen? Bewegungen erfordern einen Körper, mit dem diese ausgeführt werden können; wie also wird Körperlichkeit in virtuellen Räumen konstruiert und wie gehen wir mit dieser nichtvorhandenen Körperlichkeit um? Wird diese Überlegung weitergedacht, interessiert die Frage, wie sich diese neuen Raumerfahrungen auf das Individuum und seine realen Bewegungen im sozialen Umfeld, im wirklichen Lebensraum auswirken. Neben der Betrachtung der Auswirkungen auf das einzelne Individuum ist höchst interessant, wie sich das Internet auf das gesamtgesellschaftliche Zusammen-leben wirkt.

Was sagt die Wissenschaft?

Fragen über Fragen tauchen auf, der virtuelle Raum ist ein fremdes Territorium, er ist ein noch junges Forschungsfeld, das jedoch in Anbetracht seiner starken gesellschaftlichen Integration und der breitgefächerten Nutzung, die die neuen Technologien mit sich gebracht haben, Wissenschaftsdisziplinen verschiedenster Art zu interessieren beginnt. War die Raumkonzeption einst lediglich im Interessengebiet der Geowissenschaften angesiedelt, sind die Felder, die sich der Thematik des Raumes widmen, heute breiter. Räumliche Determinanten interes- sieren unter klingenden Namen wie der „Chorologie“ (www.lexolino.de). Unter Chorologie, von griechisch chóra, was soviel bedeutet wie Land, und lógos, was Wort oder Lehre meint, versteht man die Raum- bzw. Ortswissenschaft, also die Lehre vom Raum (vgl. ebd.), die als Unter-disziplin der Geowissenschaft sowie der Geschichtswissenschaft an-gewandt wird. Daneben interessiert der Raumbegriff auch die Phänomenologie, die selbst der Philosophie unterzuordnen ist, neben der Soziologie, die von sozialen Räumen spricht, welche auf der Basis von Handlungen und Interaktionen beschrieben werden können. Daneben wenden sich im gegenwärtigen Diskurs auch geisteswissenschaftliche Fächer wie die Kulturwissenschaften oder die Medien- und Kommunikationswissen-schaften der Raumthematik zu, was erneut zu einem Gutteil mit der Relevanz des Raumbegriffs in Bezug auf den virtuellen Raum zu erklären ist.

Um oben genannte, wenngleich ohne Anspruch auf Vollständigkeit, gestellten Fragestellungen, zumindest zu einem Bruchteil, aufzuschlüsseln, muss zuvor geklärt werden, was unter dem Begriff Raum verstanden wird. Dafür soll der Raum aus dem Verständnis der Geographie erklärt werden.

[...]

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Details

Titel
Virtuelle Räume - Raummetaphern & deren Berechtigung im www
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V169368
ISBN (eBook)
9783640878901
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Informationsgesellschaft, virtuelle Räume, Castells, Definitionen Raum, Information und Gesellschaft, Definition Informationsgesellschaft, Virtualität, Raum und Körper, Persönlichkeit im Internet, Bewegung im virtuellen Raum, virtuelle Gesellschaft
Arbeit zitieren
MMag. Catrin Neumayer (Autor), 2009, Virtuelle Räume - Raummetaphern & deren Berechtigung im www, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169368

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