Der 'unfürstliche' Fürst. Rudolf von Habsburg und die Bettelorden


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
34 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehung und Ziele der Bettelorden
2. 1. Die alten und neuen Orden. Ein Vergleich

3. Der Aufstieg des „kleinen“ Grafen
3. 1. Rudolfs Beziehungen zu den Bettelmönchen
3. 2. Die königliche Familie

4. Die Vorteile der Bettelmönche
4. 1. Heinrich von Isny und Konrad Probus
4. 2. Die Predigten der Bettelmönche
4. 3. Rudolf von Habsburg in den Erzählungen der Bettelmönche

5. Die Autoren und ihre Motivation

6. Schlussbetrachtung

7. LITERATURVERZEICHNIS

8. ANHANG

1. Einleitung

Der römisch-deutsche König Rudolf I. von Habsburg (1218-1291) gilt als der Stammvater der habsburgischen Dynastie. Um kaum einen anderen mittelalterlichen Herrscher ranken sich mehr Geschichten und Sagen, die uns bis in die heutige Zeit in zahlreichen Anekdoten und Erzählungen, aber auch in Bildern und Skulpturen, überliefert sind.[1]

Der Aufstieg des im deutschen und europäischen Vergleich eher unbedeutenden Grafen Rudolf IV. von Habsburg zum deutschen König musste für viele seiner Zeitgenossen schier unglaublich erscheinen, und bewegte die Gemüter und die Phantasie seiner Mitmenschen über alle Maßen.[2] Rudolfs Leben und seine Taten, besonders sein Sieg über den mächtigen Böhmenkönig Ottokar II., der in seinem Reichtum und Lebensstil einen krassen Gegensatz zu ihm bildete, verbreiteten sich wie ein Lauffeuer über ganz Europa und bildeten die Grundlage für die Mythologisierung Rudolfs Königsherrschaft.[3] Noch viele Jahrhunderte später fanden Motive aus Rudolfs Leben, wie die bekannte Priesterlegende, Zugang zu Gedichten von Männern wie Friedrich von Schiller, oder Malern wie Johann Nepumuk Höchle.[4]

Grundlage für die Verbreitung und Überlieferung dieser Geschichten und Sagen um Rudolf von Habsburg im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation bildeten die Predigten der beiden im 13. Jahrhundert entstandenen Orden der Dominikaner und Franziskaner, die später auch Eingang in ihre zahlreichen Chroniken gefunden haben.[5]

Für die Historiographie des Spätmittelalters, besonders im Zusammenhang mit Rudolf von Habsburg, nahmen diese beiden Orden, die sogenannten Bettelorden, einen bedeutungsvollen Platz ein.[6] Die Bettelmönche schrieben auf, was die Gemüter der Zeit erregte, und geben uns so einen Einblick in eine längst vergangene Zeit. Sie lassen uns erahnen wie populär Rudolf zu Lebzeiten gewesen sein muss.[7]

Diese Arbeit wird die genaueren Zusammenhänge der Beziehungen zwischen dem Grafen und späteren König Rudolf von Habsburg und den Bettelmönchen durchleuchten. Ziel ist es, dass Verhältnis Rudolfs zu den Predigermönchen zu verdeutlichen, dieses zu hinterfragen und in einen größeren Kontext zu stellen. Wie eng waren die Beziehungen wirklich, beschränkten sie sich nur auf Glaubensfragen, oder waren sie weit intensiver und erstreckten sich auf alle Bereiche des kirchlichen, politischen und privaten Lebens?

Rudolf von Habsburg gilt als der Inbegriff des frommen und christlichen Königs. Die zahlreichen Rudolf-Erzählungen der Bettelmönche entwerfen das Bild eines mittelalterlichen Herrschers, das so gar nicht in die Tradition mittelalterlicher Herrschdarstellung passt.[8] Sie zeigen Rudolf von Habsburg, einen deutschen König, als einfachen und armen Mann, und stilisieren ihn geradezu zu einem „unfürstlichen“ Fürsten. Alles nur Propaganda, oder war Rudolf tatsächlich so, wie seine Geschichten es erzählen?[9]

Um den Themenkreis etwas eingrenzen zu können, werden die politischen Ereignisse und Taten Rudolfs weitgehend vernachlässigt und lediglich erwähnt, um die größeren Zusammenhänge besser erklären zu können.

Allianzen zwischen Adligen und der Kirche oder einzelnen Orden hat es im Mittelalter schon immer gegeben. Das Bündnis zwischen Rudolf von Habsburg und den Bettelmönchen, und als solches muss man es betrachten, war aber weit mehr als bloßes politisches Kalkül und setzte sich auch lange Zeit nach seinem Tod weiter fort. Die Bettelorden blieben wichtige Verbündete der Habsburger und sorgten auch nachträglich mit ihren Anekdoten für positive Propaganda und die göttliche Legitimation Rudolfs Königsherrschaft. Sie leisteten damit einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zur Sicherung der habsburgischen Dynastie.[10]

Beide Seiten, Rudolf von Habsburg und die Bettelorden, waren die „Aufsteiger“ des 13. Jahrhunderts und haben die starre Gesellschaftsstruktur des Hoch- bzw. Spätmittelalters entscheidend mitverändert.[11]

Zum besseren Verständnis wird im ersten Teil dieser Arbeit auf die Entstehung und die Ziele der Bettelorden eingegangen. Aus welchem Hintergrund tauchten sie plötzlich hervor, wie ist ihr unglaublicher Erfolg zu erklären, was waren ihre Ziele? In den folgenden Kapiteln wird anhand von Quellen und Biographien, wie beispielsweise dem Leben des Minoritenordensmeisters Heinrich von Isny, versucht zu belegen, wie intensiv das Verhältnis der Bettelorden zu Rudolf von Habsburg wirklich war, und wie es möglich war, aus Rudolf von Habsburg eine derart populären Gestalt des Spätmittelalters zu erschaffen.

2. Entstehung und Ziele der Bettelorden

„Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Macht die Kranken gesund, reinigt die Aussätzigen, weckt die Toten auf, treibt die Teufel aus. Umsonst habt Ihr`s empfangen, umsonst gebt es auch. Ihr sollt nicht Gold noch Silber noch Erz in euren Gürteln haben, auch keine Taschen zur Weg-Fahrt, auch nicht zwei Röcke, keine Schuhe, auch keine Stecken.“ (Matth. X, 7-10.)[12]

Die Bettelorden, auch Mendikantenorden (lat. mendicare = betteln) genannt, entstanden Anfang des 13. Jahrhunderts. Ihre Entstehungsgeschichte ist eng verknüpft mit der damaligen Unzufriedenheit der Menschen mit den innerkirchlichen Verhältnissen.[13] Seit dem 11. Jahrhundert hat es immer wieder zahlreiche Reformprojekte gegeben, die sich gegen den Reichtum und anstoßerregenden Luxus der Geistlichkeit wandten, denn gerade die Pracht und der ausschweifende Lebensstil mancher Kirchenmänner hat viel dazu beigetragen, dass die Menschen sich immer weiter von der Kirche entfernten.[14] Dieser Entwicklung wollten die neuen Orden entgegenwirken. Will Durant schreibt dazu in seinem Buch:

„Möglicherweise verdankt die Kirche ihre Rettung nicht der Inquisition, sondern der Entstehung neuer Mönchsorden, die den Häretikern das Evangelium der apostolischen Armut aus dem Munde nahmen und ein Jahrhundert lang den älteren Mönchsorden und der Weltgeistlichkeit das läuternde Vorbild eines reinen Lebens gaben.“[15]

Diese Reformorden hatten es sich zum Ziel gesetzt das Christentum wieder zu seinen einfachen Anfängen zurückzuführen.

Als Bettelorden im engeren Sinn bezeichnete man die vier großen Orden der Dominikaner, Franziskaner, Augustiner und Karmeliter, wobei die beiden letzteren im Zusammenhang mit Rudolf I. von Habsburg keine besondere Bedeutung erlangten.[16]

Der Dominikaner- oder Predigerorden wurde von Dominikus von Caleruega, einem Kanoniker an der Kathedrale zu Osma in Kastilien, gegründet und im Jahre 1216 vom Papst Honorius III. bestätigt.[17] Der Orden der Franziskaner- oder Minoriten (Fratres minores) geht auf die Gründung des aus Assisi in Umbrien stammenden Kaufmannssohn Giovanni (Franciscus) Bernadone zurück. Im Jahre 1210 zog der später heilig gesprochene Franciscus mit zwölf Jüngern nach Rom, um die Bewilligung des Papstes für seinen neuen Orden einzuholen. Nach einigem Zögern - die Ordensregeln erschienen Papst Innozenz III. zu streng- gab dieser nach und der Minoritenorden wurde offiziell anerkannt.[18]

Beide Orden entstanden im engen Zusammenhang mit der sich außerhalb und innerhalb der Kirche entwickelnden Armutsbewegung des 12. und 13. Jahrhunderts. Die Franziskaner sind neben den Dominikanern der wichtigste Bettelorden und stehen für eine neue Art mönchischen Lebens im 13. Jh., das sich vor allem in der Stadt, in Zuwendung zu den Menschen und in kollektiver Armut vollzog.[19]

Die Bettelmönche kamen der katholischen Kirche und den Menschen des Spätmittelalters in einer ihrer schwersten Epochen zu Hilfe. In ihrer Struktur, ihrem Aufbau und ihren Zielen unterschieden sich die Bettelorden grundlegend von den älteren Orden, wie beispielsweise den Benediktinern. Doch gerade diese Unterschiede brachten ihnen ihren unglaublichen Erfolg und bildeten die Grundlage für ihre rasche Verbreitung über ganz Europa.

2. 1. Die alten und neuen Orden. Ein Vergleich

Die Bettelorden waren im Gegensatz zu den anderen Orden ein rein städtisches Phänomen. Sie beschäftigten sich nicht nur mit ihrem eigenen Seelenheil, sondern widmeten ihre ganze Kraft der Mission unter Christen und Ungläubigen. Diese Reformorden grenzten sich ganz bewusst von den älteren und zumeist reicheren Orden ab. Sie lehnten nicht nur den persönlichen, sondern auch gemeinsamen Besitz ab, strebten nicht nach Grundbesitz oder eigenen Betrieben. Dieser Umstand machte sie viel unabhängiger, da sie nicht auf Schenkungen reicher Adliger angewiesen waren und daher viel freier agieren konnten. Die Bettelmönche lebten fast ausschließlich von Schenkungen, dem Erlös ihrer Arbeit und, wenn nötig, auch vom Betteln.[20] Dies zeigte sich auch bei der Aufnahme neuer Brüder in die Gemeinschaft. Bei den anderen Orden war es noch weit verbreitet neue Mitglieder nur aufzunehmen, wenn deren Angehörige eine Schenkung an das jeweilige Kloster machten. Dies hatte zur Folge, dass die Klöster teilweise zu reinen Adelsklöstern wurden, da die weniger Reichen sich solche Schenkungen zumeist nicht leisten konnten.[21]

Im Gegensatz dazu konnte jeder Mensch, egal ob arm oder reich, das Gelübde der Franziskaner oder Dominikaner ablegen und in den Orden eintreten. Diese Unterschiede werden leicht verständlich, wenn man die Hintergründe betrachtet, aus denen die Bettelorden hervorgegangen sind, nämlich ihre Verwurzelung in der Armutsbewegung.[22] Besonders in ihrer Anfangszeit verachteten die Bettelmönche Geld und Luxus. Will Durant schreibt dazu:

„Entsetzt über das skrupellose Gewinnstreben seiner Zeit und über die Pracht und den Luxus mancher Geistlicher, schmähte Franz von Assisi das Geld als teuflisch und fluchwürdig, und hieß seine Anhänger, es wie Kot zu verachten.“[23]

Die Bettelmönche versuchten das Ideal evangelischer Christusnachfolge durch ein einfaches und für die Menschen beispielhaftes Leben in Armut, Buße und christlicher Predigt außerhalb und innerhalb der Kirche zu verwirklichen.[24] Nach Eintritt in den Orden legten die Mitglieder ein Gelübde ab, fortan in absoluter Armut, Keuschheit und Gehorsam zu leben.

Ein weiterer, für ihren Erfolg sehr wichtiger Unterschied der Bettelmönche zu den älteren Orden, der sehr zu ihrer großen Beweglichkeit und raschen Verbreitung über Europa beigetragen hat, war die Ermangelung einer festen Bindung der Mönche an einen bestimmten Konvent, der sogenannten „stabilitas Loci“. So konnten die Prediger der Bettelmönche selbstständig von Stadt zu Stadt ziehen und ihre Lehren unter den Menschen verbreiten.[25]

Durch diese Neuerungen breiteten sich die Bettelmönche in den folgenden Jahren in ungeheuer Schnelligkeit über ganz Europa aus. Bereits im Jahre 1268 zählte man 1100 Franziskanerklöster und etwa 500 Klöster der Dominikaner, die sich gleichmäßig über ganz Europa verteilten.[26] Ihr großer Erfolg und ihre stetig wachsende Anhängerzahl ist in erster Linie aber mit der damals vorherrschenden Unzufriedenheit der Menschen des Spätmittelalters, mit dem teilweise sittenlosen Leben der Geistlichkeit und der Verpolitisierung des kirchlichen Lebens, besonders während der langen Auseinandersetzungen mit den Staufern, zu erklären.[27] Die Menschen nahmen Anstoß an der Verweltlichung der Kirche, die immer häufiger politische oder soziale Interessen über die Wahrung ihres religiösen Auftrags stellten.

Ebenso führten die sozio-ökonomischen und sozio-kulturellen Wandlungen des 12. und 13. Jahrhunderts, zeitgleich mit dem Aufschwung der Städte, zu neuer Armut und sozialen Konflikten. Aus diesem Grund siedelten sich die Bettelmönche fast ausschließlich in den alten und neu entstehenden Städten an.[28] Gerade hier wünschten und forderten die Menschen stärkere seelsorgerische Betreuung.[29] Die Mönche der Bettelorden strebten nicht nach ländlicher Einsamkeit, wie beispielsweise die Benediktiner, sondern suchten ganz bewusst den Kontakt zu den Menschen und gewannen so, auch wegen ihrer krankenpflegerischen und fürsorglichen Arbeit an den Menschen, hohes Ansehen. Der damalige Mangel an Seelsorgern tat ein übriges, um den Erfolg der Bettelmönche in den Städten zu gewährleisten.[30]

Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit lag jedoch in der Predigt und allgemeinen Seelsorge des Volkes.[31] Predigen bedeutete für sie aber nicht die einfache Wiedergabe eines biblischen Textes, sondern vielmehr die Erklärung christlicher Werte anhand von Beispielen aus dem praktischen Leben. Sie suchten sich gewissermaßen bekannte Anhänger ihrer Lehren, um diese als Vorbilder für ein einfaches, frommes und christliches Leben in ihren Predigten und Anekdoten zu verwenden.[32]

Auch im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und insbesondere in der damals schon sehr verstädterten Region des Oberrheins fanden die Lehren der Bettelmönche starken Wiederhall und gewannen viele Anhänger.[33] Mit ihrem einfachen, christlichen und demütigen Leben trafen sie den Zeitgeist vieler Menschen im 13. Jahrhundert und erreichten viele Menschen, darunter auch den Grafen Rudolf von Habsburg.

3. Der Aufstieg des „kleinen“ Grafen

„Herrgott im Himmel, sitze fest, sonst nimmt Dir dieser Rudolf Deinen Platz!“[34]

„ Die Wahl des schwäbischen Grafen Rudolf von Habsburg zum deutschen König am 1. Oktober 1273 in Frankfurt am Main beendete das sogenannte Interregnum und markierte nach verbreiteter Auffassung den Beginn der spätmittelalterlichen Epoche des deutschen Königtums, das die Grundlagen seiner Herrschaft nach der staufischen Katastrophe und einer Schwächephase der Monarchie nur mühsam zu konsolidieren vermochte und schließlich vor allem auf die eigene "Hausmacht" als entscheidender Basis für die Ausübung herrschaftlicher Gewalt zurückgreifen musste.“[35]

Rudolf von Habsburg war eine der faszinierendsten Persönlichkeiten des späteren Mittelalters. Ihm gelang es nicht nur, sich nach seiner Wahl zum König gegen übermächtige Gegner durchzusetzen und die Königsmacht nach dem Interregnum wiederherzustellen, sondern er legte auch die Grundlage für die spätere Machtentfaltung der habsburgischen Dynastie und wird damit zurecht als deren Stammvater bezeichnet.[36] Über seine Jugend und Kindheit ist sehr wenig bekannt. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde er am 1. Mai 1218 im oberrheinisch-elsässischen Gebiet als Sohn des Grafen Albrecht des IV. auf der Kyburg geboren.[37] Nach dem Tod seines Vaters im Heiligen Land trat Rudolf um 1240 mit 22 Jahren sein Erbe an.[38] In der Folgezeit versuchte Rudolf erfolgreich seine Besitzungen in der heutigen Schweiz und am Oberrhein auszubauen, immer das Ziel vor Augen, sich und seiner Familie eine eigene starke Hausmacht zu schaffen. Um das Jahr 1253 heiratete er Gertrud (seit 1273 Anna) von Hohenberg und damit begann der unglaubliche Aufstieg des kleinen Grafen, der ihn bis an die Spitze des Heiligen Römischen Reiches führen sollte. Sein größter Triumph als Graf war die Sicherung der Ländereien der 1264 ausgestorbenen Kyburger. In harten Auseinandersetzungen gelang es Rudolf sich gegen seinen Rivalen Graf Peter von Savoyen durchzusetzen und sich den Löwenanteil der kyburgschen Besitzungen zu sichern.[39]

Seine Wahl zum König am 1. Oktober 1273 war sowohl für Rudolf, als auch für seine Zeitgenossen völlig überraschend und wurde euphorisch bejubelt.[40] Nach den Wirren und dem ständigen Zwietracht während des Interregnums setzten die Menschen große Hoffnungen auf ihn und sahen in seiner Wahl den Beginn einer neuen und verheißungsvolleren Zeit.[41]

Die Jahre seiner Königsherrschaft von 1273 bis 1291 waren vor allem von zwei großen Aufgaben geprägt.[42] Einmal von Rudolfs Friedenspolitik, mit der er dem Reich wieder zu einer gewissen Ordnung und Stabilität verhelfen wollte, und zum anderen durch Rudolfs Revindikationspolitik, dem Versuch dem Reich die ab 1245 widerrechtlich genommenen Güter und Rechte zurückzugewinnen, ohne die eine effiziente Politik Rudolfs kaum möglich gewesen wäre.[43] Der Kampf um die verlorengegangenen Reichsgüter war eine Überlebensfrage für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. In diesem Zusammenhang ist besonders der Konflikt mit dem mächtigen böhmischen König Ottokar II. zu nennen, der sich widerrechtlich der Herzogtümer Österreich, Stiermark und Kärnten bemächtigt hatte.[44] Dieser Konflikt und besonders der spätere Sieg Rudolfs über den mächtigen Böhmen bescherte ihm zugleich seinen größten Erfolg, da es Rudolf gelang die österreichischen Herzogtümer an sein Haus zu binden und dadurch seine eigene Hausmacht zu stärken.[45] Für seine Zeitgenossen war Rudolfs Erfolg über Ottokar nicht minder wichtig. Dieser Sieg beschäftigte seine Mitmenschen über alle Maßen und ist Gegenstand vieler Erzählungen und Mythen geworden, die in Kapitel 4.3. ausführlich behandelt werden.[46]

Rudolfs unglaubliche Erfolge und sein geradezu kometenhafter Aufstieg werfen die Frage auf, wie dies überhaupt zu erklären ist und wer ihm auf seinem Weg vom Graf zum deutschen König unterstützend zur Seite gestanden hat?

Einer von Rudolfs wichtigsten Verbündeten waren die Mönche der Franziskaner und Dominikaner. Beide Orden haben einen großen Anteil an seinen politischen Erfolgen und sind mitverantwortlich für das Bild Rudolfs in der Öffentlichkeit, das ihn als einfachen, armen und frommen Mann darstellt und sich bis heute sogar bei Historikern größter Beliebtheit erfreut.[47]

[...]


[1] Siehe Anhang. Kapitel 7. S. i-v.

[2] Treichler, Willi. Mittelalterliche Erzählungen und Anekdoten um Rudolf von Habsburg. Frankfurt am Main 1971. S. 122.

[3] Krieger, Karl-Friedrich. Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf I. bis Friedrich III. Stuttgart 1994. S. 48.

[4] Siehe Anhang. Kapitel 7. 6. - 7. 8. S. iii-v.

[5] Die Habsburger im Mittelalter. S. 29/30.

[6] Mittelalterliche Erzählungen und Anekdoten um Rudolf von Habsburg. S. 70.

[7] Grabmayer, Johannes. Zwischen Diesseits und Jenseits. Oberrheinische Chroniken als Quellen zur Kulturgeschichte des späten Mittelalters. Wien 1999. S. 17.

[8] Die Habsburger im Mittelalter. S. 70.

[9] Ebda. S. 71.

[10] Mittelalterliche Erzählungen und Anekdoten um Rudolf von Habsburg. S. 54.

[11] Kleinschmidt, Erich. Herrscherdarstellung. Zur Disposition mittelalterlichen Aussageverhaltens, untersucht an Texten über Rudolf I. von Habsburg. Bern 1974. S. 231.

[12] Im Februar 1209 hörte Franz von Assisi während einer Messe das Evangelium von der Aussendung der Jünger und nahm sich vor, von nun an diese Anweisungen wörtlich zu befolgen. Nachzulesen in: Durant, Will. Das frühe Mittelalter. München 1978. S. 484.

[13] Berger, Thomas. Landesherrliche Gründung von Bettelordensniederlassungen. In: Berg, Dieter. Könige, Landesherren und Bettelorden. Konflikt und Kooperation in West- und Mitteleuropa bis zur frühen Neuzeit. Werl 1998. S. 39.

[14] Das frühe Mittelalter. S. 475-477.

[15] Ebda. S. 475.

[16] Mittelalterliche Erzählungen und Anekdoten um Rudolf von Habsburg. S. 29/30.

[17] Ploetz, Dr. Carl. Der Grosse Ploetz. Freiburg 1999. S. 515.

[18] Das frühe Mittelalter. S. 488.

[19] Könige, Landesherren und Bettelorden. S. 39.

[20] Der Grosse Ploetz. S. 516.

[21] http://www.geschichte-mittelalter.de/einleitung.htm

[22] Mittelalterliche Erzählungen und Anekdoten um Rudolf von Habsburg. S. 30.

[23] Das frühe Mittelalter. S. 485.

[24] Herzfeld, Prof. Dr. Hans. Geschichte in Gestalten. Die großen Persönlichkeiten der Geschichte von der Antike bis zum Ende des zweiten Weltkriegs. München 1989. S. 322.

[25] Mittelalterliche Erzählungen und Anekdoten um Rudolf von Habsburg. S. 123.

[26] Goff, Prof. Jacques Le. Fischer Weltgeschichte. Band 11. Das Hochmittelalter. S. 253.

[27] Mittelalterliche Erzählungen und Anekdoten um Rudolf von Habsburg. S. 30.

[28] Zwischen Diesseits und Jenseits. S. 18

[29] Könige, Landesherren und Bettelorden. S. 39.

[30] Mittelalterliche Erzählungen und Anekdoten um Rudolf von Habsburg. S. 30.

[31] Ebda. S. 30.

[32] Mittelalterliche Erzählungen und Anekdoten um Rudolf von Habsburg. S. 31.

[33] Zwischen Diesseits und Jenseits. S. 17.

[34] Ausruf des Bischofs von Basel nach Rudolfs Wahl zum König 1273. In: Mittelalterliche Erzählungen und Anekdoten um Rudolf von Habsburg. S. 122.

[35] http://www.genealogie-mittelalter.de/habsburger/rudolf_1_von_habsburg_deutscher_koenig_+_1291.html

[36] Die Habsburger im Mittelalter. S. 74.

[37] Mittelalterliche Erzählungen und Anekdoten um Rudolf von Habsburg. S. 122.

[38] Ebda. S. 122.

[39] Die Habsburger im Mittelalter. S. 15.

[40] Ebda. S. 11.

[41] Ebda. S. 11.

[42] Mittelalterliche Erzählungen und Anekdoten um Rudolf von Habsburg. S. 34

[43] Ebda. S. 34.

[44] Mittelalterliche Erzählungen und Anekdoten um Rudolf von Habsburg. S. 89.

[45] Die Habsburger im Mittelalter. S. 74.

[46] Mittelalterliche Erzählungen und Anekdoten um Rudolf von Habsburg. S. 90.

[47] Die Habsburger im Mittelalter. S. 11.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Der 'unfürstliche' Fürst. Rudolf von Habsburg und die Bettelorden
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Hausptseminar: Rudolf von Habsburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
34
Katalognummer
V16937
ISBN (eBook)
9783638216395
Dateigröße
1362 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fürst, Rudolf, Habsburg, Bettelorden, Hausptseminar
Arbeit zitieren
Nicolas Stegen (Autor), 2003, Der 'unfürstliche' Fürst. Rudolf von Habsburg und die Bettelorden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16937

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