Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1 Literatur zum Thema 4
2. Hauptteil 6
2.1 Die Gammler: Eine nonkonformistische Subkultur 6
2.1.1 Wer waren die Gammler? 6
2.1.2 Leitmotive der Gammler: Nonkonformismus und Individualismus 8
2.1.3 Waren die Gammler eine politische Bewegung? 9
2.1.4 Wie sahen Gammler aus? 10
2.1.5 Versammlungsorte und Treffpunkte 12
2.2 Kulturelle Praktiken der Gammler 15
2.2.1 Mobilität und Reisen 15
2.2.2 Müssigkeit und Nichtstun 17
2.2.3 Besitzlosigkeit und Konsumverweigerung 19
2.3 Reaktionen auf die Gammler 22
3. Zusammenfassung und Fazit 25
4. Quellenverzeichnis 28
1. Einleitung
"Dann kamen die Gammler. Sie probten keinen Aufstand, sie erhoben sich nicht. Sie legten sich nieder. Die jungen Helden waren müde. Sie kreierten die langsamste Jugendbewegung aller Zeiten: den Müssiggang."
Im Zuge der soziokulturellen Veränderungen während der „langen Sechziger Jahre“ , entstanden immer wieder unterschiedliche gegenkulturelle Subkulturen, welche die gesellschaftliche Ordnung in verschiedener Weise und in unterschiedlichem Ausmass zu bedrohen schienen. Aber kaum eine andere Subkultur vermochte die breite Öffentlichkeit derart in Aufregung zu versetzen, wie dies die sogenannten Gammler taten, die sich zwischen 1965 und 1967 auf öffentlichen Plätzen westdeutscher Grossstädte trafen und ihre Zeit mit Herumsitzen und Nichtstun verbrachten. Mit ihrer offen zur Schau gestellten Müssigkeit erregten sie Ärger und Neugier der Bundesbürger. Dabei waren die Gammler weder aggressiv noch laut. Sie wollten die Welt nicht programmatisch verändern, sondern im Grunde nur in Ruhe gelassen werden.
Doch wer waren diese Jugendlichen, die gemäss einer Umfrage 56% der Westdeutschen zur Arbeit zwingen lassen wollten? Wie konnte es also sein, dass diese neue jugendliche Sozialfigur mit langen Haaren, zerfransten Jeans und verschiedenfarbigen Socken , die nur wenig politisches Engagement an den Tag legte , in weiten Kreisen der westdeutschen Gesellschaft eine derart hysterische Reaktion auslöste, dass gar Bundeskanzler Ludwig Erhard meinte, dass, solange er regiere, er alles tun würde, um dieses „Unwesen“ zu zerstören?
Diese und andere Fragen sollen in vorliegender Arbeit beantworten werden. Der Fokus richtet sich dabei einerseits darauf, die subkulturellen Eigenheiten der Gammlerkultur zu umreissen und darzulegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Literatur zum Thema
2. Hauptteil
2.1 Die Gammler: Eine nonkonformistische Subkultur
2.1.1 Wer waren die Gammler?
2.1.2 Leitmotive der Gammler: Nonkonformismus und Individualismus
2.1.3 Waren die Gammler eine politische Bewegung?
2.1.4 Wie sahen Gammler aus?
2.1.5 Versammlungsorte und Treffpunkte
2.2 Kulturelle Praktiken der Gammler
2.2.1 Mobilität und Reisen
2.2.2 Müssigkeit und Nichtstun
2.2.3 Besitzlosigkeit und Konsumverweigerung
2.3 Reaktionen auf die Gammler
3. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der "Gammler" in der westdeutschen Gesellschaft der 1960er Jahre. Ziel ist es, die subkulturellen Charakteristika dieser Bewegung zu analysieren und zu ergründen, warum ihr demonstratives Entziehen von gesellschaftlicher Konformität und Arbeitsethik als derart massive Bedrohung wahrgenommen wurde.
- Soziale Zusammensetzung und Ideologie der Gammler-Subkultur
- Kulturelle Praktiken wie Mobilität, Müssigkeit und Konsumverweigerung
- Die "Gammler" als politischer Protest gegen die Wohlstandsgesellschaft
- Gesellschaftliche und staatliche Reaktionen auf das Phänomen
- Der Prozess der Kommerzialisierung und das Ende der Bewegung
Auszug aus dem Buch
2.1.5 Versammlungsorte und Treffpunkte
Im Unterschied zu anderen gesellschaftlichen Aussteigern oder Randständigen traten die Gammler zumeist in Gruppen auf. Erst durch das Aufsuchen gemeinsamer Treffpunkte wurde der Gammler wirklich zum Gammler. Denn so sehr sich der Gammler auch als Individualist empfand, bedurfte er einer Gruppe von Gleichgesinnten, um sich als solcher zu erleben.53 Hollstein hält fest, dass sich die Gruppen vor allem aufgrund von „gleicher Lebenseistellung und Lebensweise“ gebildet haben.54 Dadurch, dass die Gammler dem eigenen Selbstverständnis nach sehr darauf achteten, gegenüber allen Seiten offen zu sein, entstanden „situative Gruppen“, die durch Musik und Gespräche untermalt waren und ab 1966 von erweiterten Kreisen Jugendlicher aufgesucht wurden.55
Gammler waren in erster Linie ein urbanes Phänomen. Denn Grossstädte beherbergten das grösste soziale Potential für nonkonformistische Strömungen, sie boten am meisten Freiräume und gleichzeitig grosse plurale Öffentlichkeiten.56 Dadurch, dass sich sie an gut frequentierten Plätzen in den Innenstädten versammelten, waren sie gemäss Detlef Siegfried die „erste Jugendsubkultur“, die „aus dem Schatten der privaten Keller“ und „halb öffentlichen Tanzböden […] in das Rampenlicht der Öffentlichkeit“ trat.57 Dass sich ihre Anhänger inmitten der Zentren der Grossstädte versammelten, war in zweierlei Hinsicht von Bedeutung: Zum Einen waren diese Orte auch für Neuzugereiste stets leicht zu finden und anerboten sich daher ideal als Anlaufstelle und erste Adresse58. Zum anderen machten sie die Öffentlichkeit dadurch auf sich aufmerksam.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen der Gammler als nonkonformistische Jugendbewegung zwischen 1965 und 1967 ein und stellt die zentrale These auf, dass die von ihnen wahrgenommene Bedrohung in der demonstrativen Abkehr von der Konformität der Wohlstandsgesellschaft lag.
2. Hauptteil: Der Hauptteil beleuchtet die soziale Struktur, Ideologie, das Erscheinungsbild sowie die kulturellen Praktiken der Gammler und analysiert die vielfältigen gesellschaftlichen und polizeilichen Reaktionen auf diese Subkultur.
3. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Gammler als „stiller Protest“ agierten, dessen Popularität durch die Kommerzialisierung der Symbole schließlich in die Massenkultur aufging und das Phänomen als eigenständige, sichtbare Subkultur auflöste.
Schlüsselwörter
Gammler, Subkultur, 1960er Jahre, Wohlstandsgesellschaft, Nonkonformismus, Individualismus, Müssigkeit, Leistungsgesellschaft, Protestbewegung, Konsumverweigerung, Jugendkultur, gesellschaftlicher Wandel, Zeitgeist, Widerstand, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der westdeutschen Gammler-Bewegung der 1960er Jahre als nonkonformistische Subkultur.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Motive, das Erscheinungsbild, die kulturellen Praktiken und der subkulturelle Protest der Gammler gegen das herrschende Wirtschaftssystem.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Untersuchung zielt darauf ab, zu erklären, warum die Gammler als massive Bedrohung der gesellschaftlichen Ordnung empfunden wurden und worin ihre soziopolitische Bedeutung lag.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse zeitgenössischer Quellen, soziologischer Studien und publizierter Interviews mit Zeitzeugen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Gammler-Kultur, ihrer Identitätsmerkmale wie Mobilität und Nichtstun sowie die Reaktionen von Politik, Polizei und Presse.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Nonkonformismus, Leistungsgesellschaft, Konsumverweigerung und Jugendprotest bestimmt.
Inwiefern kann man das „Gammeln“ als politisch bezeichnen?
Obwohl die Gammler keine explizit politischen Forderungen stellten, wird ihr „ostentatives Anderssein“ und die Verweigerung gegenüber dem Wirtschaftswunder als „passiver Protest“ und „sprachlose Opposition“ gewertet.
Warum endete die Gammler-Bewegung nach 1968?
Die Bewegung endete maßgeblich durch die Kommerzialisierung ihrer Stilelemente (wie lange Haare oder Parkas), wodurch die protestative Kraft der Symbole verloren ging und sie in die Massenkultur integriert wurden.
- Arbeit zitieren
- Kay Eskes (Autor:in), 2011, Gammler in der BRD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169390