Rechtsextremismus bei Frauen

Einstellungen, Selbstbilder, Beteiligungsformen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

24 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen

3. Rechtsextremismus als politisches Phänomen - Parteien und Wahlerfolge

4. Frauen und Rechtsextremismus
4.1 Erklärungsansätze
4.2 Das rechte Frauenbild am Beispiel eines Parteiprogramms
4.3 Selbstbilder rechter Frauen
4.4 Beteiligung am Rechtsextremismus
4.4.1 Einstellungen
4.4.2 Wahlverhalten und Parteimitarbeit
4.4.3 Tatbeteiligung und Gewaltbereitschaft

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

7. Zusammenfassung

1. Einleitung

Wann immer in den Medien über rechtsextremistisch motivierte Gewalttaten, Demonstra-tionen rechter Organisationen oder sonstige Aktionen der rechten Szene berichtet wird, erscheint in diesem Zusammenhang unweigerlich das Bild des jugendlichen männlichen Täters, sodass es den Anschein hat, das Phänomen Rechtsextremismus stellt sich als ein spezifisches Männerproblem dar.

Rechte Frauen hingegen geraten selten in das Bewusstsein der Bevölkerung, sie werden von den Medien zumeist als Zuschauerinnen bei diesen Aktivitäten wahrgenommen und finden in den Berichterstattungen keine Präsenz. Dadurch wird das Bild von den Frauen als das friedlichere Geschlecht weiter ausgebaut und die Ausübung von Gewalt in Verbindung mit männlichem Verhalten gebracht (Hammann 2002: 99-100).

Diese Einschätzung wird zusätzlich von den Befunden aus Wahl- und Gewaltanalysen bekräftigt, nach denen es mehrheitlich männliche Wähler sind, die den Rechtsparteien ihre Stimmen geben und ihnen somit zu enormen Wahlerfolgen, zumindest auf Landesebene, verhelfen. Für gewöhnlich sind es auch männliche Jugendliche, die sich an fremdenfeind- lichen Ausschreitungen beteiligen.

Allerdings lässt sich der Wahlforschung darüber hinaus die Erkenntnis verdanken, dass zu ungefähr einem Drittel Frauen und Mädchen an diesen Wahlentscheidungen Anteil nehmen (Bitzan 2000: 10).

Da dieses Drittel dafür spricht, dass Frauen für fremdenfeindliche Agitationen ebenso empfänglich zu sein scheinen wie die Männer, setzte zu Beginn der 90er-Jahre die Ausein- andersetzung mit den Motiven für die Herausbildung rechter Einstellungen und den Handlungsformen bei Frauen ein. Entsprechende Untersuchungen wurden vorwiegend im Rahmen der Frauenforschung durchgeführt (Birsl 1996: 49).

Auf der Grundlage dieser Forschungen widmet sich die Arbeit den Frauen im rechtsextremen Spektrum und stellt ihre Motivationen, Überzeugungen und Arten der politischen Beteiligung vor.

In diesem Kontext soll im Besonderen auf die bereits kurz angerissenen geschlechtsspezifischen Differenzen eingegangen werden, aus denen sich folgende Frage ableiten lässt:

Gibt es signifikante Unterschiede zwischen den Einstellungen und Partizipationsverhalten rechter Frauen und denen rechtsextremistische eingestellter Männer?

Es soll hier aufgezeigt werden, dass die Unterschiede lediglich auf der Handlungs-, nicht aber auf der Einstellungsebene anzutreffen sind.

Zunächst erfolgen in einem theoretischen Teil die Begriffserklärungen, wobei an dieser Stelle die Schwierigkeit deutlich werden wird, den Sammelbegriff Rechtsextremismus klar zu definieren und seine Abgrenzungen festzulegen.

Zur Veranschaulichung des Phänomens werden im Anschluss kurz die gegenwärtig relevanten Rechtsparteien und deren Wahlerfolge umrissen.

Der nächste Teil befasst sich dann konkret mit den Frauen im Rechtsextremismus.

Hierbei werden zuerst zwei Erklärungsansätze vorgestellt, der erste setzt sich mit der Partizipation von Frauen im Allgemeinen auseinander und der Ansatz der Dominanzkultur von Holzkamp und Rommelspacher thematisiert den weiblichen Rechtsextremismus. Es existieren in der wissenschaftlichen Debatte nicht viele Erklärungsmodelle, die einen Bezug zu Frauen aufweisen, die Dominanzkulturthese und deren Abwandlungen gewinnen allerdings immer mehr an Bedeutung und werden aus diesem Grund hier herangezogen (Birsl 1996: 59).

Daran anschließend sollen die wesentlichen Inhalte des ideologischen Frauenbildes vorgestellt dargelegt werden.

Am Beispiel des Parteiprogramms der „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ (NPD) wird dann untersucht, inwieweit sich dieses in den Manifesten rechter Parteien wieder finden lässt.

Aufbauend darauf erfolgt die Betrachtung der Selbstbilder, wobei auf die Widersprüche zu Ideologie ebenso eingegangen werden soll wie auf die teilweise vorzufindenden Konformitäten.

Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit der konkreten Beteiligung der Frauen am Rechtsextremismus. Dabei wird die Einstellungsebene durchleuchtet und der Gegensatz zur Handlungsebene sichtlich gemacht. Dieser Teil ist so angelegt, dass die Beteiligungsformen an Intensität zunehmen, d.h. es werden zuerst Einstellungen betrachtet, danach die Wahl als einfache politische Partizipationsform und als Steigerung dazu die Parteimitarbeit vorgestellt und als letzte Stufe der aktiven rechtsextremistischen Politik die Gewaltbereitschaft und

-anwendung analysiert.

Die Ergebnisse der einzelnen Teilabschnitte werden zwischendurch jeweils zusammengetragen.

2. Begriffsdefinitionen

Wenngleich auch der Begriff Rechtsextremismus im alltäglichen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Sprachgebrauch Vorrang vor den Termini Rechtsradikalismus oder Neofaschismus hat, fehlt es bisher an einer einheitlichen Definition, die das Phänomen in seiner Vielschichtigkeit und Komplexität erfasst (Stöss 1993: 14).[1]

Mit dem Rechtsextremismusbegriff dominiert ein politisch-verfassungsrechtliches Begriffsverständnis, was bedeutet, dass sich der Verfassungsschutz nach dieser Definition richtet. Für die Gerichtsbarkeit ist dahingegen ein amtlicher Rechtsextremismusbegriff angedacht, der im Grundgesetz und im Strafgesetzbuch näher benannt wird, für diese Betrachtungen hier aber nicht von Bedeutung ist (Stöss 1993: 7).

Der Kern des demokratischen Verfassungsstaates wurde 1952 im Zuge des Verbotsverfahrens der „Sozialistischen Reichspartei“ (SRP) festgelegt und als freiheitlich demokratische Grundordnung bezeichnet. Ihre Grundprinzipien sind:

1. die Achtung der Menschenrechte

die Volkssouveränität

die Gewaltenteilung

die Verantwortlichkeit der Regierung

die Gesetzmäßigkeit der Verwaltung

die Unabhängigkeit der Gerichte

das Mehrparteienprinzip

die Chancengleichheit aller politischen Parteien

das Recht auf verfassungsmäßige Bildung und Ausübung

einer Opposition (Backes/Jesse 1996: 466-467).

Als rechtsextremistisch sollen nun alle die Parteien, Personen und Organisationen bezeichnet werden, deren Politik oder Ideologie die Ablehnung dieser Prinzipien beinhalten.

Im Gegensatz zum Rechtsextremismus sind die Ziele und Positionen des Rechtsradikalismus nicht eindeutig auf die Beseitigung der Bestandteile der Grundordnung gerichtet, er bewegt sich aber trotzdem am äußersten rechten Rand des politischen Spektrums.

Konsens herrscht darüber, dass Rechtsextremismus zwei Dimensionen umfasst. Zum einen betrifft er die individuelle Ebene, die in Einstellungen und Verhalten aufgegliedert ist, zum anderen lässt er sich auf der Gesellschaftsebene finden, zu der Institutionen, Parteien und Organisationen gezählt werden (Kleinert/Rijke 2000: 170).

Im Rahmen dieser Arbeit liegt die Konzentration verstärkt auf der individuellen Ebene liegen, da der Forschungsschwerpunkt die Untersuchung von Einstellungen und Verhalten verlangt.

Rechtsextremismus wird als Sammelbegriff für verschiedene politische und soziale Bestrebungen benutzt, deren Gemeinsamkeiten folgende inhaltliche Elemente darstellen:

- Ablehnung des Gleichheitsprinzips: Die rechtsextremistische Ideologie leitet aus ethnischen, physischen und geistigen Unterscheidungen von Personen eine Ungleichheit von bestimmten Menschen ab, was durch Diskriminierung dieser Gruppierungen zum Ausdruck gebracht wird.

Überbewertung ethnischer Zugehörigkeit: Die Identität wird zuallererst durch die Kriterien Rasse oder Nation bestimmt. Der jeweils eigenen wird dabei eine höhere Stellung zugesprochen als anderen Gruppen. Die Mitglieder, die diesen Gruppen angehören, werden geringer geschätzt und abwertender behandelt als Mitglieder der eigenen Ethnie. Hier kommt der Nationalismus zum Ausdruck, der somit als ein weiteres Ideologieelement des Rechtsextremismus bezeichnet werden kann.[2] Aus ihm folgen konsequenterweise die Ablehnung demokratischer Grundprinzipien wie der Menschen- und Bürgerrechte.

Antipluralismus: Hierbei wird unterstellt, dass die Existenz verschiedener Parteien- und Interessensgruppen, wie sie im demokratischen Rechtsstaat zu finden sind, die Auflösung der Gesellschaft bewirkt. Rechtsextremisten erstreben eine geschlossene Gesellschaft, die Regierten und die Regierenden sollen dabei eine Einheit bilden. In diesem Zusammenhang wird der Begriff der Volksgemeinschaft angebracht, der sich alle Individuen durch Integration zu unterwerfen haben.

Autoritarismus: Aus dem Antipluralismus lässt sich als weiteres Element der Autoritarismus ableiten. Das im demokratischen System vorherrschende Wechsel-verhältnis von Staat und Gesellschaft wird von der rechtsextremistischen Ideologie negiert. Sie stellt den Staat über die Gesellschaft, sodass nunmehr eine einseitig dominierende Beziehung vorliegt, in der die Einflussnahmemöglichkeiten der Gesellschaft reduziert sind (Pfahl-Traughber 2001: 14-16).

Die soeben vorgestellten Elemente lassen sich zwar in allen rechtsextremistischen Bestrebungen vorfinden, allerdings variieren dabei die Betonungen der einzelnen Punkte, d.h. dass die eine Gruppierung den Aspekt des Autoritarismus mehr in den Vordergrund stellt als eine andere. Dabei spielt es allerdings keine Rolle, wenn nicht alle Ideologieelemente von jeder rechtsextremistischen Vereinigung gleichermaßen stark betont werden, da sich jede einzelne schon gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung ausspricht und die Gruppen oder Parteien somit an der Grenze des verfassungsmäßig tolerierten Bereichs agieren.

Eine einheitliche und geschlossene Rechtsextremistische Ideologie kann daher nicht existieren (Pfahl-Traughber 2001: 16).

3. Rechtsextremismus als politisches Phänomen - Parteien und Wahlerfolge

In diesem Abschnitt soll der organisierte Rechtsextremismus in Form von Parteien und deren Wahlerfolge vorgestellt werden. Die hieraus gezogenen Erkenntnisse können für die darauf folgenden Analysen der Einstellungs- und Handlungsoptionen rechter Frauen hilfreich sein.

Der Fokus wird an dieser Stelle auf die Parteien der Gegenwart gelegt, ein geschichtlicher Abriss über die Entwicklung rechtsextremistischer Parteien erfolgt nicht.

Festzuhalten ist lediglich, dass im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten das rechtsextremistische Parteienlager in der Bundesrepublik über keine Kontinuität verfügt. Seit den 50er-Jahren lassen sich wellenförmige Auf- und Abschwünge sowohl in den Wahler-folgen als auch auf organisatorischer Ebene verzeichnen. Die Parteienlandschaft heute ist zersplittert, es herrscht Konkurrenz zwischen den einzelnen Parteien und eine einheitliche rechte Wahlpartei gibt es bisher nicht.

Bisher konnten drei Wellen ausgemacht werden: Dem Nachkriegsrechtsextremismus in der Zeit von 1948 bis 1952 folgten die Wahlerfolge der NPD in den Jahren 1966 bis 1969. Die dritte Welle entstand Mitte der 80er-Jahre unter Beteiligung der Parteien NPD, der „Deutschen Volksunion“ (DVU) und den „Republikanern“ (REP) (Stöss 1993: 23).

Für den parlamentsorientierten Rechtsextremismus sind gegenwärtig diese drei Parteien von Belang.

Die älteste von ihnen ist die NPD, die 1964 die Nachfolge der „Deutschen Reichspartei“ (DRP) einging. Sie verfügte 2004 über geschätzte 5.300 Mitglieder bundesweit und ist somit die mitgliederschwächste der rechtsextremistischen Parteien. Die NPD lehnt die freiheitlich demokratische Grundordnung ab. Das im Jahr 2000 eingeleitete Verbotsverfahren scheiterte allerdings an Formfehlern. Bei der Landtagswahl in Sachsen im vergangenen Jahr konnte die Partei unter anderem wegen einer Wahlabsprache mit der DVU, die sich dann nicht zur Wahl stellte, 9,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinen (Senatsverwaltung für Inneres 2005: 205)

Die zweitjüngste Partei ist die 1983 gegründete Partei „Die Republikaner“ (REP), die im letzten Jahr bundesweit über 7.500 Mitglieder verfügte. Sie konzentriert sich auf die süddeutschen Bundesländer, wo sie 1996 mit 9,1 Prozent der Stimmen in den Landtag einzog. Der Zweitstimmenanteil bei der Europawahl 2004 lag allerdings bei 1,9 Prozent.

[...]


[1] Der Extremismusbegriff wird von den Verfassungsschutzbehörden seit Anfang der 70er-Jahre verwendet und dient der Abgrenzung zum häufig synonym angewandten Radikalismusbegriff(Senatsverwaltung für Inneres 2005: 182).

Rechtsradikalismus bezeichnet eine mit der Verfassung verträgliche Politik der Rechten, beinhaltet aber ebenso eine antiegalitäre Einstellung (Schmidt 1995: 807).

Der Neofaschismus steht dem Nationalsozialismus nahe, ein Beispiel für eine solche Partei ist die 1952 verbotene „Sozialistische Reichspartei“ (SRP) (Schmidt 1995: 644).

[2] Nationalismus soll hier verstanden werden als ein intolerantes und übersteigertes Streben nach Macht und Ehre für die eigene Nation, wobei die Durchsetzung nationaler Ziele im Mittelpunkt steht (Schmidt 1995: 635-636).

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Rechtsextremismus bei Frauen
Untertitel
Einstellungen, Selbstbilder, Beteiligungsformen
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V169439
ISBN (eBook)
9783640878130
ISBN (Buch)
9783640878772
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rechtsextremismus, frauen, einstellungen, selbstbilder, beteiligungsformen
Arbeit zitieren
Kerstin Wendt (Autor:in), 2005, Rechtsextremismus bei Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169439

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