Die Frage nach dem richtigen Handeln beschäftigt bis heute verschiedene moralphilosophische Lager. Sollen Handlungen moralischen Geboten folgen? Wenn ja, wer legt diese fest, was wären die richtigen moralischen Gebote? Oder sollten unsere Handlungen danach beurteilt werden, welche Folgen sie nach sich ziehen? Welche Folgen sind gut, welche schlecht? Hier handelt es sich um einige Beispiele aus dem Fragenkatalog moralphilosophischer Fragestellungen. An dieser Stelle möchte ich eben diese Fragen kurz aus der Perspektive eines Konsequentialistischen Moralkonzeptes betrachten.
Ob nun eine Handlung richtig oder falsch ist, hängt ausschließlich von ihren Konsequenzen ab. Wenn wir vor der Entscheidung stehen, welche Handlung wir in einer bestimmten Situation ausführen sollten, werden wir mit verschiedenen Handlungsalternativen konfrontiert. Wir müssen diese Handlungsalternativen also miteinander vergleichen. Als Vergleichsaspekt dient uns die jeweils berechnete Konsequenz jeder Handlung. Allgemein können wir hier vorerst festlegen, dass diejenige Handlung, die gute Konsequenzen nach sich zieht, derjenigen, die schlechte Konsequenzen nach sich zieht, vorzuziehen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die konsequentialistische Perspektive auf moralische Handlungen
2.1 Definition und Messbarkeit von Konsequenzen
2.2 Der Nutzenbegriff im Handlungsutilitarismus
3. Das Juba-Camaica-Beispiel: Sklaverei und Gesamtnutzen
4. Moralische Intuition vs. konsequentialistisches Prinzip
4.1 Die Herkunft unseres Moralverständnisses
4.2 Die Problematik moralischer Intuitionen in der Argumentation
5. Fazit: Die Grenzen der moralischen Intuition
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Auseinandersetzung mit dem Konsequentialismus unter Rückgriff auf moralische Intuitionen. Dabei wird insbesondere analysiert, ob konsequentialistische Theorien durch gängige moralische Vorstellungen – etwa die Ablehnung von Sklaverei – entkräftet werden können oder ob diese Intuitionen selbst ein fragwürdiges, gesellschaftlich konstruiertes Fundament besitzen.
- Analyse des konsequentialistischen Moralkonzepts und des Nutzenbegriffs.
- Untersuchung von Zielkonflikten zwischen Gesamtnutzen und individuellen Menschenrechten.
- Erörterung der kulturellen und gesellschaftlichen Bedingtheit von Moral.
- Hinterfragung der Argumentationskraft moralischer Intuitionen gegenüber rationalen Prinzipien.
Auszug aus dem Buch
Die moralische Herausforderung des Konsequentialismus durch das Juba-Beispiel
Nehmen wir an, es gibt zwei Inseln, von denen eine, „Juba“, Sklaverei betreibt und die andere, „Camaica“ Sklaverei abgeschafft hat. Während Juba zum ökonomischen Wohlstand gelangt und die Sklaverei durch politische Rahmenbedingungen eingeschränkt wurde (keine harten Strafen, Lohn für die Sklaven), verarmt Camaica nach der Abschaffung der Sklaverei; dem Volk und den ehemaligen Sklaven geht es insgesamt schlechter als denjenigen auf Juba.
In diesem Beispiel stellt Sklaverei eindeutig eine Maximierung des Gesamtnutzens der Inselbevölkerung da. Ist es aber diejenige Alternative mit den besten Konsequenzen? Ginge es Juba vielleicht nicht ohne Sklaverei noch besser? Die Frage, auf die ich eigentlich hinaus will, ist diejenige, ob es ausreichend ist zu sagen, nur weil es Camaica ohne Sklaverei schlechter geht als Juba, dass Juba die Alternative mit den besten Konsequenzen gewählt hat. Immerhin muss eingeräumt werden, dass hier nur zwei konkrete Alternativen betrachtet werden, wobei es sicherlich weitere gibt.
Man kann doch wohl kaum annehmen, die Lösungen von Juba und Camaica seien die einzigen beiden möglichen Alternativen. Nur weil Camaica es nicht schafft, ihrer Bevölkerung ohne Sklaverei zu Wohlstand zu verhelfen, ist dies kein Indiz dafür, dass es generell unmöglich ist, eine wohlständige Gesellschaft ohne Sklaverei aufrecht zu erhalten. Weiterhin ist es auch nicht ersichtlich, ob nicht eine andere Form ohne Sklaverei, beispielsweise durch eine bestimmte politische Organisation, den Gesamtnutzen der jeweiligen Gesellschaft weitaus mehr maximieren würde, als Jubas Alternative. Also ist es auch erst einmal fraglich, ob nicht auch Konsequentialisten hier einräumten, dass Jubas Alternative vielleicht gar nicht diejenige Alternative mit den besten Konsequenzen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die moralphilosophische Debatte ein und stellt die Frage, ob Handlungen primär durch moralische Gebote oder durch ihre Konsequenzen bewertet werden sollten.
2. Die konsequentialistische Perspektive auf moralische Handlungen: In diesem Kapitel wird der Konsequentialismus als Theorie definiert, die Richtigkeit von Handlungen ausschließlich von deren Folgen abhängig zu machen, wobei der Fokus auf dem Gesamtnutzen liegt.
3. Das Juba-Camaica-Beispiel: Sklaverei und Gesamtnutzen: Hier wird anhand eines fiktiven Szenarios veranschaulicht, wie ein Konsequentialist theoretisch die Sklaverei legitimieren könnte, sofern diese den Gesamtnutzen einer Gesellschaft maximiert.
4. Moralische Intuition vs. konsequentialistisches Prinzip: Dieses Kapitel hinterfragt, ob unsere moralischen Alltagsintuitionen als Argument gegen den Konsequentialismus taugen, und analysiert die soziale Konstruiertheit moralischer Werte.
5. Fazit: Die Grenzen der moralischen Intuition: Das Fazit stellt fest, dass sich der konsequentialistische Standpunkt aufgrund der Willkür moralischer Intuitionen nicht einfach durch diese entkräften lässt, da der Konsequentialist diese Gebote grundsätzlich nicht anerkennt.
Schlüsselwörter
Konsequentialismus, Handlungsutilitarismus, Moralphilosophie, Gesamtnutzen, Sklaverei, moralische Intuition, Deontologie, Alltagsmoral, Handlungsalternativen, ethische Begründung, Wohlstand, Gesellschaftsnormen, Menschenwürde, Nutzenmaximierung, ethischer Relativismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Kontroverse zwischen konsequentialistischen Ansätzen und dem moralischen Alltagsverständnis, illustriert durch die provokante Frage nach der moralischen Rechtfertigbarkeit von Sklaverei.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Nutzenethik, die gesellschaftliche Bedingtheit von Moralvorstellungen, der Konflikt zwischen kollektivem Wohlstand und individueller Freiheit sowie die Grenzen rationaler ethischer Argumentation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob der Konsequentialismus durch bloße moralische Intuitionen effektiv entkräftet werden kann oder ob diese Intuitionen einer objektiven ethischen Prüfung nicht standhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die analytische Methode der Gedankenexperimente (Juba-Camaica-Szenario) sowie die philosophische Reflexion moralischer Grundlagen und deren gesellschaftlicher Genese.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Konsequentialisten den Gesamtnutzen definieren, warum moralische Intuitionen aus deren Sicht willkürlich sein können und wie eine Argumentationsgrenze entsteht, wenn zwei verschiedene ethische Grundannahmen aufeinanderprallen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Konsequentialismus, Handlungsutilitarismus, Gesamtnutzen, moralische Intuition und die soziale Konstruktion von Werten geprägt.
Warum reicht der Verweis auf Menschenrechte oft nicht aus, um einen Konsequentialisten zu überzeugen?
Weil der Konsequentialist keine absoluten moralischen Gebote anerkennt, sondern jede Handlung allein an ihrer Konsequenz misst; Menschenrechte werden somit lediglich als (oft nützliche) Regeln, aber nicht als unantastbare Prinzipien betrachtet.
Was ist das zentrale Problem mit unserem "moralischen Alltagsverständnis"?
Das Problem besteht darin, dass dieses Verständnis gesellschaftlich erlernt und somit "künstlich" und willkürlich ist, was es als allgemeingültiges Argument gegen andere theoretische Positionen schwächt.
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- Mendina Morgenthal (Author), 2009, Können wir den Konsequentialismus entkräften, indem wir mit moralischen Intuitionen argumentieren?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169443