Die Würde des Schülers


Essay, 2010

6 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Theoretischer Rahmen
a. Der Begriff Würde aus rechtsphilosophischer Perspektive
b. Die Wahrung der Würde als protektiver Faktor der Persönlichkeitsentwicklung
c. Die Anerkennung der Würde als Gleichheit aller Menschen

2. Entwürdigende Praktiken in der Schule und ihre Folgen
a. Warum entwürdigende Praktiken systemisch bedingt sind
b. Wenn Schulnöte kränken - psychosomatische Signale
c. Folge Schulschwänzen, Schulverweigerung

3. Wie der Schulalltag würdig gestaltet werden kann
a. Die Würde des Schülers achten - mikro- und makrosystemische Betrachtungen
b. Empowerment: Pädagogisches Arbeitsbündnis

Würdiger Umgang in zwischenmenschlichen Beziehungen sollte ein Grundsatz in jeglicher Interaktion sein. So auch in denen, die sich zwischen Lehrer und Schüler abspielt, also von einer gewissen Hierarchie geprägt ist.

1. Theoretischer Rahmen.

a. Der Begriff Würde aus rechtsphilosophischer Perspektive.

Zunächst ist es unerlässlich, den begriff ‚Würde’ inhaltlich zu füllen. Dazu sei der Blickwinkel aus rechtsphilosophischer Perspektive gewählt.

Im Art. 1, Abs. 1 des Grundgesetzes heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Ob dies so ist, kann hinterfragt werden. Zum einen kennt jeder aus seiner eigenen Biographie bzw. aus seinem Lebensalltag oder auch aus den täglichen Medienberichten Situationen oder Beispiele, die man nicht mit dem Begriff ‚Würde’ in Verbindung bringen würde, egal in welchem Zusammenhang diese stehen (aktuell die Debatte über Missbrauchsfälle in katholischen Internaten der 60er Jahre).

Zum anderen lässt auch die Formulierung im Grundgesetz aus linguistisch-morphologischer Sicht ein Infragestellen zu: Zusammensetzungen mit der Endung -bar beschreiben eine Möglichkeit oder Unmöglichkeit, jedoch keine Forderung oder gar ein Verbot. Wäre die Würde des Menschen tatsächlich unantastbar, hieße es, dass man sie gar nicht antasten bzw. verletzen kann. Der Gesetzestext meint natürlich, dass die Würde des Menschen unter keinen Umständen angetastet werden darf, im Sinne von: Die Würde des Menschen ist nicht anzutasten oder darf nicht angetastet werden.

Nicht nur das deutsche Grundgesetz, sondern auch die ‚allgemeine Erklärung der Menschenrechte’ benennt diese Gedanken mit dem jeweils ersten Artikel: „alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“

Der Gehalt menschlicher Würde besteht also in der Verwirklichung der Menschenrechte, die in adaptiver Form durch die UNO Kinderrechtskonvention formuliert wurden (UN- KINDERRECHTSKONVENTION (1989)):

- Ein Leben in körperlicher Unversehrtheit,
- Ein Leben in freiheitlicher Selbstbestimmung, Persönlichkeitsentfaltung und Willensbekundung,
- Ein Leben in sozialer Gerechtigkeit sind u.a. die Grundgedanken dieses Papiers.

b. Die Wahrung der Würde als protektiver Faktor der Persönlichkeitsentwicklung.

Mit ihrer Deklaration soll die Würde der Kinder und somit der Schülerinnen und Schüler geschützt bzw. garantiert werden und Risikofaktoren, die die Entwicklung negativ beeinflussen, möglichst minimiert werden.

Protektive Faktoren helfen dem Schüler, sich trotz Risiken zu entwickeln. Sie sind einerseits in der Persönlichkeit des Kindes zu finden (bspw schnell selbstständig, nicht ängstlich etc.), andererseits aber v.a. in der Familie oder Gemeinde (bspw. stabile Bezugsperson, diese muss liebevoll, gutmütig, sorgsam sein und das Kind nach seinen Möglichkeiten so unterstützen, dass es sich positiv entwickeln kann - Mutter, Nachbar, Lieblingslehrer) (WERNER, 2005). Dazu gehört, anzuerkennen, dass es in seiner Individualität Bedürfnis und Fähigkeiten hat. Wie jeder Mensch.

c. Die Anerkennung der Würde als Gleichheit aller Menschen.

Denn allein aufgrund seines bloßen Menschseins, also ohne Unterscheidung wie etwa nach der Herkunft, der ‚Rasse’, des Geschlechtes, des Alters, der Religion, der Abstammung, der sexuellen Orientierung, etc. werden ihm diese Menschenrechte zugesprochen. Dieser Gleichheitsgedanke hat historische Wurzeln: die Gleichheit aller Menschen vor Gott.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Die Würde des Schülers
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Rehabilittaionspädagogik)
Autor
Jahr
2010
Seiten
6
Katalognummer
V169512
ISBN (eBook)
9783640882007
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gleichheit, Anerkennung, Würde, Resilienz, Arbeitsbündnis, Schulschwänzen, Schulverweigerung, Grundrecht, Menschenrecht
Arbeit zitieren
Vincent Große (Autor), 2010, Die Würde des Schülers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169512

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