Die digitale Transformation zwingt traditionsreiche Industrieunternehmen dazu, strategische Zukunftsfelder wie Big Data Analytics schnell mit hochqualifizierten Talenten zu besetzen. In dieser Fallstudie am Beispiel der Poseidon AG – einem durch bürokratische Strukturen und eine durchschnittliche Betriebszugehörigkeit von 22 Jahren geprägten Unternehmen – wird untersucht, wie die Integration von 30 High Potentials (HPs) der Generationen Y und Z gelingen kann.
Der Kern des Werkes befasst sich mit dem psychologischen Spannungsfeld zwischen maximaler organisatorischer Stabilität und der notwendigen agilen Dynamik. Auf Basis fundierter Modelle wie der Zwei-Faktoren-Theorie nach Herzberg und dem Job Characteristics Model (JCM) wird analysiert, warum klassische Hygienefaktoren (Sicherheit, Gehalt) für diese Zielgruppe lediglich eine Grundvoraussetzung darstellen, aber keine nachhaltige Motivation erzeugen.
Die Analyse identifiziert eine kritische „Autonomie-Blockade“: Starre Freigabeprozesse und lange Entscheidungswege untergraben die erlebte Verantwortlichkeit und Sinnhaftigkeit der Arbeit, was unmittelbar zu Demotivation und Früh-Fluktuation führen kann. Um diesem Risiko zu begegnen, entwickelt die Arbeit ein evidenzbasiertes Interventionskonzept, das über rein oberflächliches Employer Branding hinausgeht.
Zentrale Handlungsempfehlungen umfassen ein gezieltes Job Re-Design zur Maximierung des Motivating Potential Score (MPS) sowie Maßnahmen zur Förderung des affektiven Commitments. Das Ziel ist die Schaffung struktureller Freiräume, die es Talenten ermöglichen, ihre Innovationskraft innerhalb einer stabilen Organisation zu entfalten, ohne an tradierten Hierarchien zu scheitern. Ein unverzichtbarer Leitfaden für Personalleitungen und Führungskräfte in der Transformation.
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- Ramona Künkel (Auteur), 2026, Tradition trifft Transformation. Psychologische Strategien zur Gewinnung und Bindung von High Potentials in etablierten Industriekulturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1695253