Die Verarbeitung des Verlustes des Ehemannes in der Gegenwartsliteratur

Untersucht an den Romanen „P.S. Ich liebe Dich“ & „Das Jahr magischen Denkens"


Seminararbeit, 2009
19 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „P.S. Ich liebe Dich“ & „Das Jahr magischen Denkens“
2.1 Inhaltszusammenfassungen der Romane
2.1.1 „P.S. Ich liebe Dich“
2.1.2 „Das Jahr magischen Denkens“
2.2 Sterbeprozess und Abschied
2.3 Umgang mit dem Verlust
2.3.1 Die Anfangszeit
2.3.2 Trauerverarbeitung
2.3.2.1 Die schmerzliche Stimmung
2.3.2.2 Interesse für die Außenwelt
2.3.2.3 Ein neues Liebesobjekt
2.4 Die Veränderung des Lebens

3. Fazit

4. Bibliographie

1.Einleitung

„Ohne den Tod, könnten wir das Leben nicht schätzen“[1], sagte Elisabeth Kübler Ross. Der Verlust eines geliebten Menschen gehört zu den schlimmsten Dingen, die einem im Leben passieren können, doch ebenso soll der Tod eines Menschen den Hinterbliebenen verdeutlichen, wie kostbar und kurz ein Leben ist und dass man jeden Augenblick, den man noch hat, genießen sollte, bevor es zu spät sein könnte.

Die Gegenwartsliteraturen „P.S. Ich liebe Dich“ von Cecelia Ahern und Joan Didions Buch „Das Jahr magischen Denkens“ befassen sich mit der Thematik des Verlustes des geliebten Ehemannes und wie die beiden Frauen den Tod ihres Partners bewältigen und ihr Leben ohne ihn fortführen.

In meiner Hausarbeit werde ich diese beiden Bücher vergleichen, da sie denselben Grundinhalt, nämlich den Umgang mit dem Tod des Gatten, haben, obwohl es einen signifikanten Unterschied in den Romanen gibt. Während die Geschichte im Roman „P.S. Ich liebe Dich“ Fiktion ist, ist „Das Jahr magischen Denkens“ eine Autobiografie von Joan Didions Erlebnissen.

Ich werde in meiner Hausarbeit herausfinden, wie die Frauen mit dem Todesfall umgehen und welche Gründe existieren, warum die beiden Frauen unterschiedlich trauern. Sind die typischen Merkmale der Trauer nach Freud[2] bei den Frauen im Roman zu finden, welche überwiegen dabei? Wie ist ihr Verhältnis gegenüber ihrer Umwelt und welche Anlässe kann es dafür geben? Müssen sie sich gegenüber ihren Freunden wegen ihrer Trauer rechtfertigen? Wie verändert sich ihr Leben ohne ihre Ehemänner und wodurch wird der Wandel bewirkt? Sorgt der Tod der Männer dafür, dass die Frauen ihr Leben verbessern und mehr schätzen?

Diese und weitere Fragen lassen die beiden Romane in ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden entstehen, die ich, in meiner jetzt folgenden Hausarbeit bearbeiten werde, um Antworten zu finden.

Die Bibliographie, die ich für die Arbeit konsultieren werde befindet sich am Schluss dieser Arbeit.

2. „P.S. Ich liebe Dich“ & „Das Jahr magischen Denkens“

2.1 Inhaltszusammenfassungen der Romane

2.1.1 „P.S. Ich liebe Dich“

Der Roman „P.S. Ich liebe Dich“ von Cecelia Ahern handelt von dem Ehepaar Holly und Gerry. Als Gerry, nach sieben Jahren Ehe, durch einen Hirntumor im Alter von dreißig Jahren verstirbt, scheint Hollys Leben für sie ebenso zu Ende zu sein, wie das ihres Mannes. Sie ist neunundzwanzig Jahre alt, als er sie verlässt. Daraufhin fällt sie in tiefe Depressionen und sieht in ihrem Leben keinen Sinn und keinerlei Motivation mehr. Doch ihre Freunde versuchen alles Mögliche, um Holly beizustehen und nach kurzer Zeit erhält Holly ein Päckchen mit mehreren Briefen von Gerry, die er vor seinem Tod geschrieben hatte und zu einem bestimmten Zeitpunkt von der Post an sie abschicken ließ. Über eine Dauer von einem Jahr darf sie jeden Monat einen dieser Briefe, die mit Monatsnamen gekennzeichnet sind, öffnen und bekommt in ihnen Aufgaben, die sie bewältigen muss, aufmunternde Worte und am Schluss jedes Briefes die Worte ‚P.S. Ich liebe Dich‘. Durch das Lösen der Aufgaben, findet sie Schritt für Schritt den Weg zurück ins Leben.[3]

2.1.2 „Das Jahr magischen Denkens“

„Das Jahr magischen Denkens“ ist ein autobiografisches Buch von Joan Didion, in dem sie das Geschehene in ihrem Leben dem Leser versucht so zu erklären und widerzuspiegeln, wie sie es selbst erlebt hatte. Joan und ihr Mann John sind vierzig Jahre verheiratet, als er am Abend des 30.12.2003 an einem Herzinfarkt stirbt. Zu diesem Zeitpunkt liegt ihre einzige Tochter Quintana auf der Intensivstation eines Krankenhauses und kämpft um ihr Überleben. In dem Buch schreibt Didion über den Tod ihres Mannes, versucht sich über die Endgültigkeit des Verlustes bewusst zu werden, zu akzeptieren, dass ihr Mann nicht wiederkommen kann und versucht zu verstehen, was mit ihm und ihrer Tochter passiert ist. Nach dem Tod Johns steht sie ihrer kranken Tochter bei, bis diese wieder gesund wird und stellt sich erst dann ihrer Trauer, ihrer Veränderung des Lebens und der Akzeptanz des Todes.[4]

2.2 Sterbeprozess und Abschied

Die Art des Todes sowie die Dauer des Sterbeprozesses bei den Männern unterscheiden sich in den beiden Romanen. Joan schreibt über den Tod ihres Mannes:

„[…] am 30. Dezember 2003, schien mein Ehemann, […] am Tisch im Wohnzimmer […], an den wir uns gerade zum Abendessen gesetzt hatten, einen heftigen Herzinfarkt zu erleiden […], der seinen Tod verursachte.“[5] Johns Tod tritt unerwartet, mitten im Alltag, aber nicht ohne jegliche Vorwarnungen, ein. Joan schreibt in ihrem Buch, dass „John glaubte, er werde bald sterben.“[6] Er sagte immer wieder zu ihr, dass er mit seinem baldigen Tod rechnete, doch sie nahm ihn nicht ernst. Sie war hingegen davon überzeugt, dass er nur „niedergeschlagen“[7] war, da er einen Roman beendet hatte, bei dem sich die Veröffentlichung sehr lange hinzog und er schwere Medikamente nehmen musste, weswegen er, ihrer Ansicht nach, melancholisch wurde.

Während er sich in seinem letzten Jahr mit „einer Menge aufreibender medizinischer Probleme herumschlagen“[8] musste, realisierte sie nicht, dass er im Begriff war, sich bei ihr zu verabschieden und mit seinem Leben abzuschließen. Es gab eine Vielzahl von Andeutungen seines Sterbens und ebenso für den Abschied von seinem Leben. Das körperliche Anzeichen seines bevorstehenden Todes waren die schweren Medikamente, die er nehmen musste, da er, wie man im Roman auf Seite 89 lesen kann, sich mehrere Male, aufgrund seines anormalen Herzrhythmus‘ in ein ambulantes Verfahren begeben musste, bei dem er Elektroschocks bekam, die aber nach einigen Behandlungen nicht mehr hilfreich waren. Nachdem ihm im Sommer ein Herzschrittmacher eingesetzt wurde, verbesserte sich seine Stimmung und sein Zustand, motiviert von dem Erfolg des Herzschrittmachers und der bevorstehenden Hochzeit seiner Tochter. Diese positive Veränderung ließ Joan nicht mehr an den möglichen Tod ihres Mannes denken und dennoch starb er einige Monate darauf vor ihren Augen, ohne dass sie es, im Gegensatz zu ihrem Mann, ahnte.

Doch er selbst vermutete seinen zeitigen Tod und gab seiner Frau Signale, die sie jedoch erst nach seinem Versterben realisierte. Beispiele dafür sind unter Anderem, auf Seite neunzig, seine Bitte, im November, einen Monat vor seinem Tod, mit seiner Frau nach Paris zufliegen, weil er das Gefühl hatte, nicht noch einmal die Chance zubekommen, mit ihr diese Stadt zu sehen und er überließ ihr seine Notizen mit Ideen für weitere Bücher, weil er wusste, dass er nicht mehr die nötige Zeit hatte, um sie schreiben zu können.[9]

Der Sterbeprozess bei Joans Mann John hatte eine kurze Dauer. Er hatte zwar vor seinem Herzinfarkt Probleme mit seinem Herzen, aber diese wurden durch den Herzschrittmacher beseitigt. Der Herzschrittmacher hat jedoch nur die Funktion, Impulse an das Herz zuschicken, damit es sich regelmäßig zusammenzieht[10], schützt aber nicht vor einem Herzinfarkt, dem Verschluss der versorgenden Herzkranzarterie.[11] Für Joan kommt der Tod ihres Mannes plötzlich und unerwartet, sodass sie sich nicht bei ihm Verabschieden konnte. Er jedoch ahnte es und verabschiedete sich bei ihr, in dem er ihr Sachen hinterließ, wie die Manuskripte der Bücher und er die Zeit mit ihr genoss, indem sie sich ein letztes Mal Paris ansahen und die Zeit gemeinsam verbrachten.

In Aherns Roman „P.S. Ich liebe Dich“ zieht sich der Sterbeprozess von Hollys Mann Gerry über einen längeren Zeitraum. Nachdem Gerry mehrere Tage über Migräne klagte und beschloss, zum Arzt zu gehen, bekam er dort die erschütternde Diagnose, dass in seinem Gehirn ein Tumor wuchs, der jedoch zu spät erkannt wurde, als dass man ihm hätte helfen können.[12] Die Dauer, von der Diagnose des Tumors bis zum Tod Gerrys, wird im Buch nicht genannt, jedoch ist anzunehmen, dass er unter einem schlimmen Grad des Tumors litt und daher nur etwas über ein halbes Jahr zu leben hatte.[13] Gründe dafür sind, z.B., dass er die Diagnose erst erhalten hatte, als er bereits Schmerzen im Bereich des Kopfes empfand. Dies ist ein Zeichen für einen fortgeschrittenen Tumor, der zu spät erkannt wurde und deshalb nicht behandelbar ist. Ebenfalls wird im Buch nicht erwähnt, ob er eine Therapie zur Heilung hatte, oder nicht. Die Dauer von ca. sechs Monaten hätte außerdem vollkommen für das Schreiben der Briefe und das Buchen der Reise gereicht.

So kann man aus der Diagnose schließen, dass der Tod Gerrys, der am „2. Februar um vier Uhr morgens“[14] eintrat, von Holly und ihm erwartet wurde. Holly verbrachte die Tage, in denen Gerry im Krankenhaus lag, bei ihm und ging erst nach seinem Tod. An diesem Tag, im Februar, war sie bei ihm und sah ihm beim Sterben zu, ebenso wie es Joan bei ihren Mann tat. Auf der Seite 39 heißt es: „[…] hielt Holly Gerrys Hand fest in der ihren und lächelte ihn an, während er seinen letzten Atemzug tat und die Augen schloss.“ Auf der selben Seite steht, dass sie keine Angst hatte, sie wollte stark für ihn sein, um ihn zu zeigen, dass er gehen durfte, ohne sich um seine zurückgelassene Frau zu sorgen. Sie war erleichtert, dass seine Schmerzen vorbei waren und dass sie in diesem Moment bei ihm sein durfte und sehen konnte, dass er friedlich einschlief und starb. Holly und Gerry wussten, aufgrund der Prognose des Tumors, dass ihre gemeinsame Zeit nur noch begrenzt war. So nutzten sie diese und verbrachten sie gemeinsam und bekamen dadurch die Chance, im Gegensatz zu dem Ehepaar Joan und John, sich voneinander zu verabschieden und all das zu sagen, was gesagt werden sollte, bevor es dafür zu spät ist.

2.3 Umgang mit dem Verlust

2.3.1 Die Anfangszeit

Nach Gerrys Tod in „P.S. Ich liebe Dich“ musste sich Holly mit den Vorbereitungen der Einäscherung beschäftigen und traf sich mit Gerrys Verwandten und alten Schulfreunden.[15] Dadurch hatte sie Ablenkung und blieb gefasst, da sie gegenüber Gerrys Freunden stark und ruhig bleiben musste, was ihr in der Nähe von fremden Menschen nicht schwer fiel, da es nicht nur ihr, sondern auch vielen anderen Menschen unangenehm ist, sich vor Fremden zu öffnen und Gefühle preiszugeben. Sie hatte keine Zeit sich Gedanken über den Tod ihres Mannes zu machen, da sie zuerst Pflichten ihm gegenüber hatte, wie beispielsweise diese Vorbereitungen und ebenso musste sie u. a. bei den Banken und Versicherungen „den offiziellen Beweis für den Tod ihres Ehemannes“[16] vorlegen. Erst dann, als alle ihre Pflichten getan waren und Gerry eingeäschert wurde, verkroch sie sich in ihrem Zuhause und verließ dieses für etwas über zwei Monate nicht mehr. Sie wollte ihre Ruhe vor der Außenwelt haben, weil diese „Hunderte von Erinnerungen an ihr verlorenes Leben“[17] enthielt. Sie brauchte Zeit, um zu verstehen, dass ihr Mann endgültig weg war, dass ihr glückliches, zufriedenes Leben beendet wurde, dass es ausgerechnet sie und ihren Mann getroffen hatte. Nachdem alles erledigt wurde und sie alleine bei sich zu Hause war, konnte sie ihren Gefühlen und ihrer Trauer freien Lauf lassen, da sie sich niemandem gegenüber stark und gefasst zeigen musste. Dadurch, dass Gerry eingeäschert und alles erledigt wurde, hatte sie nun Zeit, über alles nachzudenken und zu realisieren, was in den letzten Monaten passiert war. Erst als sie die Briefe von ihrem verstorbenen Mann erhielt, bekam sie die Kraft zurück, dass Haus zu verlassen und der Außenwelt ins Angesicht zu sehen, denn „Gerry war“, durch die Briefe, „wieder da, und alles sah schon ein bisschen heller aus.“[18]

[...]


[1] Busch (2001-02), 11.

[2] Freud (1982), 34.

[3] Vgl. Ahern (2008).

[4] Vgl. Didion (2008).

[5] Didion (2008), 11.

[6] Ebd., 88.

[7] Ebd., 88.

[8] Ebd., 89.

[9] Vgl. Ebd., 28.

[10] Vgl. URL: http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_1201551146/Herzschrittmacher.html (21.02.2009).

[11] Vgl. URL: http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_721532547/Herzinfarkt.html (21.02.2009).

[12] Vgl. Ahern (2008), 8.

[13] Vgl. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Gehirntumor#Prognose (21.02.2009).

[14]

[15] Vgl. Ahern (2008), 39.

[16] Ebd., 40.

[17] Ebd., 40.

[18] Ebd., 41.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Verarbeitung des Verlustes des Ehemannes in der Gegenwartsliteratur
Untertitel
Untersucht an den Romanen „P.S. Ich liebe Dich“ & „Das Jahr magischen Denkens"
Hochschule
Universität Erfurt
Note
3,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V169546
ISBN (eBook)
9783640879427
ISBN (Buch)
9783640879151
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verlust, Tod, Ehemann, Gegenwartsliteratur, PS ich liebe dich, Jahr magischen Denkens
Arbeit zitieren
Susanne Hahn (Autor), 2009, Die Verarbeitung des Verlustes des Ehemannes in der Gegenwartsliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169546

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