Stellt Anna Labzina sich in ihren Memoiren „Days of a Russian Noblewoman“ als unterdrückte Frau dar?


Essay, 2010
5 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Stellt Anna Labzina sich in ihren Memoiren „Days of a Russian Noblewoman“ als unterdrückte Frau dar?

Rückblickend nehmen wir oft die Frauenrolle in Russland im 18. Jahrhundert als eine entmündigende und unterdrückte Situation wahr. In unserem Kopf entsteht ein Bild von einer Frau, die am Herd steht und in einer männlich ausgerichteten Gesellschaft lebt. Aber wie empfanden die Frauen ihre gesellschaftliche und familiäre Position? Nahmen sie sich so wahr, wie wir sie heute wahrnehmen? Anna Labzina, ein junges russisches Mädchen aus dem 18. Jahrhundert schrieb im hohen Alter ihre Lebensgeschichte in Memoiren nieder. Am Beispiel Anna Labzina möchte ich die Frauenrolle aus Sicht der Frau diskutieren. Stellt Anna Labzina sich in ihren Memoiren als unterdrückte Frau dar? Und welche Intentionen hatte sie, ihre Memoiren zu verfassen?

In den Memoiren „Days of a Russian noblewomen” beginnt Anna Labzina ihre Lebensgeschichte mit dem Tod ihres Vaters. Zu dem Zeitpunkt war sie fünf Jahre alt und hatte zwei jüngere Brüder. Sie beschreibt, dass ihre Mutter unter dem Tod ihres Vaters sehr leidet und nur mithilfe ihres Onkels und der Religion wieder zu Kräften kommt. Anschließend beginnt ihre strenge Erziehung durch die Mutter, die darauf ausgerichtet ist, Anna auf das spätere Leben vorzubereiten und den Sinn des Lebens der Religion zu widmen. 1772 wird Anna von ihrer Mutter mit Alexander Matveevich zwangsverheiratet. Daraufhin beschreibt sie die ehelichen Zustände, die nicht immer ganz leicht für sie waren.

Anna Labzina beschreibt sich in der strengen Erziehung durch die Mutter zweideutig. Auf der einen Seite sieht sie sich als ein gefügiges und unterwürfiges Kind, welches den Anweisungen der Mutter nicht widerspricht. Auf der anderen Seite beschreibt sie die Zeit bis zu ihrem 13. Lebensjahr als einen glücklichen Lebensabschnitt.

Nachdem Annas Mutter sich von dem Verlust ihres Mannes erholt hat, beginnt Annas Erziehung zur Unterwürfigkeit. Sie berichtet, dass sie lesen und schreiben lernte und sehr streng erzogen wurde. Sie musste zu jeder Zeit draußen arbeiten und bekam nur so viel zu essen, dass es zum Leben reichte. Jeden Tag musste sie die Bibel lesen und anschließend arbeiten. Wenn sie sich ihren Bedürfnissen widmen wollte, wurde dies nicht gern gesehen. Das Klettern in den Bäumen wurde ihr verboten, da Lebendigkeit sich nicht für ein Mädchen schickte. Auf die Frage, warum die Mutter Anna so rigoros erziehen würde, sagt diese nur, dass Anna auf ihr weiteres Leben vorbereitet werden müsse und sie so spätere Belastungen und Schicksalsschläge besser ertragen könne. Es wird durch verschiedene Beispiele in dem Text deutlich, dass die Mutter nicht möchte, dass die Tochter sich vor irgendeiner Situation fürchten muss. So bringt sie ihr zum Beispiel das schwimmen im tiefen Flussbett bei. Anna selbst sagt über sich aus, dass sie überhaupt keinen eigenen Willen hatte und sogar nur die Wünsche besaß, die der eigenen Mutter gefallen hätten. Die Abhängigkeit zu der Mutter wird vor allem durch die zweckmäßige Heirat deutlich. Durch Annas Gedanken wird dem Leser deutlich, dass sie sich vor Alexander Matveevich fürchtet und keine Sympathie zu ihm verspürt. Als jedoch die Mutter Anna von der arrangierten Hochzeit erzählt, zeigt sie der Mutter ihre wahren Gefühle nicht. Sie unterstützt diese Entscheidung der Mutter viel mehr, indem sie ihr vergewissert, dass sie ihr niemals widersprechen würde und dass sie die Wünsche ihrer Mutter wie ein Gesetz behandeln würde. Anschließend teilt die Mutter ihr Ratschläge zu, wobei sie betont, dass der Ehemann nun das wichtigste in Annas Leben sei und sie ihm immer gehorchen müsse. So wird sie in Zukunft keine Anweisungen von ihrer Mutter erhalten, sondern von ihrem Ehemann oder von dessen Mutter. Aus unserer heutigen Sicht würden wir bei solch einer Erziehung von einer Unterdrückung des Kindes reden. Wir würden davon ausgehen, dass das Kind nicht glücklich sein kann.

Anders bei Anna Labzina: Sie beschreibt diesen Zeitabschnitt als eine glückliche Phase ihres Lebens und beschreibt ihre Mutter als Vorbild und Heilige. Wo auch immer die Mutter war, brachte sie Frieden und den Segen Gottes mit. Auch beschreibt Anna sich selbst nicht als vollständig gefügige Tochter. Das Klettern in den Bäumen wurde ihr verboten. Dennoch ging sie stillschweigend in den Wald und brachte dort ihren Brüdern das Klettern bei. Wäre Anna zu diesem Zeitpunkt so gefügig gewesen, wie man es zuerst denkt, dann wäre sie gar nicht mehr geklettert. So verstieß sie absichtlich gegen das Verbot ihrer Mutter. Ebenso kann die Situation des Schwimmens im tiefen Flussbrett falsch verstanden werden. Die Mutter möchte die Tochter auf die Zukunft vorbereiten und sie alles lehren. Jedoch kann diese Art der Erziehung die Fürsorge der Mutter widerspiegeln. Die Aussagen über die Mutter würden diese These unterstreichen. Sie sei barmherzig und sie hätte ihr ganzes Leben christlichen Werken gewidmet. Vielleicht ist ihre Tochter eines ihrer christlichen Werke? Rückblickend beschreibt Anna auch, dass sie die Befehle der Mutter mit Freuden ausgeführt habe. Wie sieht es jedoch mit der arrangierten Hochzeit aus? Die Einstellung der Tochter wird in dieser Situation nicht ganz deutlich, da sie keine klare Meinung hat. Sie widersetzt sich den Anweisungen der Mutter nicht. Jedoch zeigen die Tränen, die sie verweint, wie sie wirklich empfindet. Auf die Rechtfertigung ihrer Erziehung und die damit verbundene Beschreibung der Mutter, welche schrecklichen Schicksale Anna treffen können, reagiert Anna undurchsichtig.: „It was as if she had forseen my fate, which held all these things in store for me.“ Es stellt sich die Frage, ob diese Aussage auf den weitern Verlauf ihres Lebens und das Zusammenleben mit ihrem Mann gemünzt ist? Wie verlief ihr Eheleben mit Alexander Matveevich? Und wird dort für den Leser ein klares Bild über Anna selbst gegeben?

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Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Stellt Anna Labzina sich in ihren Memoiren „Days of a Russian Noblewoman“ als unterdrückte Frau dar?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
5
Katalognummer
V169570
ISBN (eBook)
9783640879656
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stellt, anna, labzina, memoiren, russian, noblewoman“, frau
Arbeit zitieren
Pia Brinkkoetter (Autor), 2010, Stellt Anna Labzina sich in ihren Memoiren „Days of a Russian Noblewoman“ als unterdrückte Frau dar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169570

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