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Holocaust in der Ukraine. Tätermotive der einheimischen Schutzmannschaften und der lokalen Hilfspolizei im Judenmord 1941-1944

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Diese Arbeit erforscht die verschiedenen Tätermotive der ukrainischen Kollaborateure im Massenmord an den ukrainischen Juden.
Wie Überlebende stellen sich zahlreiche Menschen auch heute noch die Frage nach dem Warum? Welche Tätermotive bewegten scheinbar einfache Männer zu solch unvorstellbarer Grausamkeit? Diese Frage ist zentral und soll in dieser Arbeit unter
Zuhilfenahme und Analyse diverser Aussagen von Überlebenden, ukrainischen Zeitzeugen und sowohl deutschen, als auch ukrainischen Tätern umfassend beantwortet werden.
Neben der zentralen Frage nach möglichen Tätermotiven soll im Folgenden ebenfalls sowohl die Zusammensetzung der Gruppe, als auch ihre Rolle im Judenmord in der Ukraine selbst genaustens beleuchtet und erläutert werden.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Entstehung und Zusammensetzung
3.1 Entstehung, Rekrutierung und Ausbildung
3.2 Zusammensetzung

4. Aufgaben und Verpflichtungen
4.1 Grundlegende Aufgaben
4.2 Beteiligung an „Aktionen”
4.3 Beteiligung an „Liquidierungen” der Ghettos

5. Tätermotive der Schutzmännerund Polizisten
5.1 Antisemitismus
5.2 Weitere Motive

6. Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Literaturverzei chnis

1. Einleitung

Die Besetzung der Ukraine im Sommer 1941 war der Anfang vom Ende für die einheimische jüdische Bevölkerung.1 Die anfängliche Euphorie über das Eintreffen der Deutschen ließ nicht erahnen, welcher Schrecken sich in den folgenden Jahren vor aller Augen abspielen würde und wie viele Menschenleben in dem wahren Kugelhagel der Einsatzgruppen erlöschen würden. Noch unvollstellbarer als die Monstrositäten der Besatzer in den Augen der Opfer war die Tatsache, dass sich ihre eigenen Landsleute, ihre Nachbarn und ehemaligen Freunde, an diesen schrecklichen Taten beteiligen würden.2 Eine der fassungslosen Überlebenden, Dominika Skiba, berichtete in einem Interview voller Empörung über ihre Deportation:

Unsere Polizei, ja, ja, die eigenen Leute. Die Eigenen. Ein Deutscher wusste ja nicht, dass ich da bin. Ein Deutscher wusste ja nicht, dass ich weggelaufen bin. Ein Deutscher wusste ja nicht, dass sich jemand dort versteckt. Das haben alles die eigenen Leute gemacht, ja. [...] Sie kannten alle und sie haben alle ausgeliefert. [...] Sie haben geschlagen, unsere eigenen Leute. Unsere Eigenen3

Auch noch so viele Jahre nach den Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges kann man die Erschütterung der Überlebenden über den „Verrat” der „eigenen Leute” deutlich erkennen. In ihrer Aussage erfasst Dominika Skiba einen oder gar den maßgeblichsten Vorteil der Zusammenarbeit mit der einheimischen Bevölkerung: Das Insiderwissen. Wer kannte die Umgebung, die Bevölkerung und beherrschte die Sprache besser als die Einwohner selbst? Vor allen Dingen die Kenntnis über die Identitäten der einzelnen Bewohner war unerlässlich bei der Identifizierung und Registrierung jüdischer Mitbürger. Ohne dieses intime Wissen hätten die Besatzer größtenteils im Dunklen tappen müssen. Eine effiziente und zügige Vorgehensweise wäre somit unmöglich gewesen.4 Auch hebt die Überlebende Skiba eine Gruppe von Kollaborateuren in ihrer Aussage besonders hervor. Die Gruppe der lokalen Polizei und der Schutzmänner setzte sich aus Einheimischen zusammen, zum größten Teil Ukrainer. Nicht nur ihr exklusives Wissen machte sie unabdingbar für die deutschen Besatzer, sondern auch die frühe Erkenntnis, dass ihr Vorhaben mit der vorhandenen Anzahl an deutschen Männern nicht zu stemmen war. Sie waren auf die Arbeitskraft der einheimischen Bevölkerung angewiesen und die Gruppe der Polizisten und Schutzmänner wuch im Laufe der Zeit immer weiter. Je weiter der Krieg voranschritt und je stärker die Partisanenbewegung wurde, desto wichtiger wurde die Kollaboration mit den Einheimischen für die Besatzungsmacht.5 Die zentrale Rolle der genannten Gruppe wird umso deutlicher, wenn man bedenkt, dass sich im Laufe des Jahres 1942 die Anzahl der Schutzmänner rapide von 33.000 auf 330.000 erhöhte.6 Dieser Umstand tritt umso stärker hervor, wenn man den zahlenmäßigen Anteil von deutschen Gendarmen und ukrainischen Schutzmännern in Betracht zieht. Je nach Region kamen auf einen deutschen Gendarmen 5-10 ukrainische Schutzmänner7 und an einigen, überwiegend ländlichen, Standorten fehlte jegliche Supervision seitens der Deutschen.8 In diesem Kontext ist die Bezeichnung der Schutzmannschaften als „Speerspitze des nationalsozialistischen Regimes” in der Ukraine, die die eigentliche Umsetzung des Vorhabens bedingten, gewiss sorgfältig gewählt.9 Wie Überlebende stellen sich zahlreiche Menschen auch heute noch die Frage nach dem Warum? Welche Tätermotive bewegten scheinbar einfache Männer zu solch unvorstellbarer Grausamkeit? Diese Frage ist zentral und soll in dieser Arbeit unter Zuhilfenahme und Analyse diverser Aussagen von Überlebenden, ukrainischen Zeitzeugen und sowohl deutschen, als auch ukrainischen Tätern umfassend beantwortet werden. Hierbei sollte jedoch angemerkt werden, dass die Quellenlage gerade bei ukrainischen Tätern äußerst dürftig und zum größten Teil nicht zugänglich ist, da sowjetische Dokumente nach wie vor lediglich in speziellen Archiven und Bibliotheken vorzufinden sind. Neben der zentralen Frage nach möglichen Tätermotiven soll im Folgenden ebenfalls sowohl die Zusammensetzung der Gruppe, als auch ihre Rolle im Judenmord in der Ukraine selbst genaustens beleuchtet und erläutert werden.

2. Forschungsstand

Die Forschung zum Sachverhalt der Kollaboration im Holocaust konnte bis in die neunziger Jahre nur teilweise erfolgen, da die sowjetischen Dokumente bis zum genannten Zeitpunkt unter Verschluss gehalten und vergleichsweise spät zu Forschungszwecken freigegeben wurden. Erschwerend kam hinzu, dass in diesen Dokumenten der Tatbestand der Kollaboration selbst im Fokus stand und die soziologischen Aspekte, die diese bedingten, größtenteils vereinfacht wurden. Wendy Lower zufolge ist die starke Vereinfachung des komplexen Phänomens der Kollaboration unschwer zu übersehen und sollte bei der Betrachtung der Dokumente sicherlich berücksichtigt werden.10 Bei der Beurteilung oder gar Verurteilung der überaus großen und heterogenen Gruppe der Kollaborateure sollten die komplizierten Umstände und die dynamische Natur der historischen Entwicklungen zujener Zeit unbedingt miteinbezogen werden.11

Die Frage, welche möglichen Tätermotive die Männer der Polizei und Schutzmannschaften dazu veranlassten, sich aktiv an dem Holocaust in ihrem Heimatland zu beteiligen, ist sicherlich ein komplexes Vorhaben. Die Antwort auf diese Frage fällt je nach Befragtem unterschiedlich aus und hängt zweifellos mit ihren eigenen Moralvorstellungen und Lebenserfahrungen zusammen. Vor allen Dingen jedoch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es im Grunde unmöglich ist, die volle Wahrheit über die Motive jedes Einzelnen in Erfahrung zu bringen, da uns der Einblick in ihre Gedanken und Gefühle zu der Zeit verwehrt bleibt. Jedoch ist es durchaus möglich, sich der Wahrheit durch vorsichtige Analyse multipler Faktoren und Einflüsse zu nähern.12 Zentral ist hierbei gewiss auch die Frage, wie ausschlaggebend Antisemitismus für die Entscheidungen und Taten der einheimischen Kollaborateure war. Auch wenn sich Goldhagens These größtenteils auf deutsche Täter bezieht, liegt die Annahme der Übertragbarkeit auf Kollaborateure meines Erachtens nicht fern, da diese sich ebenfalls aktiv am Massenmord beteiligten. Seiner Ansicht nach ist die ideologische Gesinnung der Täter nicht nur maßgeblich, sondern das wichtigste Tätermotiv für die Tötung von Millionen Juden.13 Goldhagens Erklärung steht jedoch Christopher Brownings Ausführung entgegen, die Antisemitismus zwar als valides Motiv benennt, diesem jedoch nicht solch eine große und exklusive Bedeutung beimisst. Auch benennt er materiellen Gewinn als wirksamen Beweggrund für die einheimischen Schutzmänner und Polizisten.14 Besonders nennenswert in diesem Zusammenhang sind die Forschungen von Martin Dean, der wie Browning, der entschiedenen Einseitigkeit

Goldhagens Thesen widerspricht. Antisemitismus ist auch seiner Ansicht nach ein äußerst wichtiges Motiv, jedoch reicht es nicht aus, um das komplexe Phänomen des Völkermords zu erklären, vor allen Dingen dann nicht, wenn sich unter den Opfern einstige Freunde und Nachbarn befanden. Wie Browning führt Dean persönliche Bereicherung an und fügt gesellschaftlichen Aufstieg hinzu.15 Zudem nennt er gesicherte Essensrationen und Lohn, Rache am sowjetischen Regime16 und vor allen Dingen Angst vor Arbeitslosigkeit, da dies über Leben und Tod entscheiden konnte. Allem voran sollte Letzteres seiner Ansicht nach als Schlüsselkomponente betrachtet werden.17 Auch Johannes Enstad, der sich mit Kollaborateuren und ihren Beweggründen beschäftigte, betont, dass Angst eines der wichtigsten Motive darstellte, denn die Zeiten, in denen sich die Schutzmänner und Polizisten wiederfanden, waren geprägt von Unsicherheit und Furcht. Politische und ideologische Ansichten spielten bei den meisten demnach lediglich eine untergeordnete Rolle.18 Alexander Prusins Forschung zu diesem Sachverhalt hebt unter anderem noch blanken Opportunismus hervor, der die Männer dazu bewegte, sich an diesem Verbrechen so bereitwillig und aktiv zu beteiligen.19 Letztendlich empfinden weder Browning, Dean, Enstad, noch Prusin, dass die Entscheidungen und Taten der ukrainischen Polizisten und Schutzmänner einzig und allein auf rasenden Antisemitismus zurückzuführen sei. Es besteht demnach größtenteils Konsens unter den Forschern, wenn es um die Rolle der ideologischen Gesinnung der Täter geht. Allerdings werden je nach Forscher unterschiedliche Motive unterschiedlich stark gewichtet. Prusin betont in seinen Schriften, dass es kaum möglich ist, mit vollkommener Sicherheit festzustellen, welche Motive ein einzelnes Individuum dazu bewegten, sich an der systematischen Ermordung von über 1,5 Millionen Juden zu beteiligen, aber durch die genaue Beleuchtung der verschiedenen Hintergründe und Lebenserfahrungen gelang es ihm ein Modell zu erstellen, welches die Gruppe der einheimischen Kollaborateure den möglichen Tätermotiven nach in drei Kategorien einteilt: ,,ideological collaborators“, „enthusiastic conformists“ und „ordinary functionaries“. Dieses Modell soll im weiteren Verlauf genauer erläutert werden.20 Doch auch hier sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Grenzen zwischen den drei Kategorien und Gruppen nie trennscharf gezogen werden können und sich eine durchaus große Anzahl von Schutzmännern und Polizisten in Grauzonen bewegen und weder der einen, noch der anderen Kategorie eindeutig zugeordnet werden können. Sicherlich wäre die Betrachtung auf individueller Basis aufschlussreicher, jedoch realitätsfern und somit sind Vereinfachungen unumgänglich.

3. Entstehung und Zusammensetzung

3.1 Entstehung, Rekrutierung und Ausbildung

Schon in den ersten Tagen der Besetzung der Ukraine wurde den Deutschen bewusst, dass sowohl eine erfolgreiche Umsetzung der Operation „Barbarossa”, als auch die Aufrechterhaltung von Ordnung und Kontrolle auf dem besetzten Gebiet nur mithilfe der einheimischen Bevölkerung zu erlangen waren. Der Personalmangel seitens der Besatzer machte sich also recht früh bemerklich und zwang sie sich auf Freiwillige aus der ortsansässigen Bevölkerung zu verlassen.21 Bevor jedoch strategisch zusammengesetzte Gruppierungen zur Entlastung geformt wurden, begnügten sich die Besatzer mit oftmals von ihnen angezettelten, aber auch in einigen Regionen spontan auftretenden Pogromen, in denen sich Teile der ukrainischen Bevölkerung gegen ihre jüdischen Nachbarn verbündeten. Schätzungsweise 50.000 - 200.000 Juden fielen den Pogromen, die teilweise bereits vor der eigentlichen Besatzung begonnen hatten,22 und deren Folgen zum Opfer.23 Diese Ereignisse sollten laut dem Leiter des Reichssicherheitshauptamts, Reinhard Heydrich, keineswegs verhindert werden: „Selbstreinigungsbestrebungen antikommunistischer oder antijüdischer Kreise [...] ist kein Hindernis zu bereiten.”24 Im Gegenteil: Dieses Phänomen sollte von der Besatzungsmacht gar gefördert werden.25 Dennoch wurde mit Voranschreiten der Zeit ersichtlich, dass die zum Teil „spontane Gewalt” gezügelt und kontrolliert werden musste und die Formierung von geordneten Gruppierungen unumgänglich wurde.26 So begann die Umwandlung der „Pogromtäter” in Angehörige der Hilfspolizei.27

Die Tatsache, dass Einheimische so intensiv miteinbezogen werden mussten, war dem nationalsozialistischen Regime jedoch von Anfang an ein Dorn im Auge, denn auch wenn

Ukrainer im Vergleich zu Juden und anderen Identitätsgruppen in der Rangliste der nationalsozialistischen Ideologie höher standen, so waren sie dennoch weit von dem Status der „Herrenrasse” entfernt. Adolf Hitler selbst beantwortete die Frage nach der Bewaffnung der einheimischen Hilfskräfte auf dem Spitzentreffen vom 16. Juli 1941. Für ihn stand fest, dass kein anderer als ein Deutscher eine Waffe tragen dürfe: „Nur der Deutsche darf Waffen tragen, nicht der Slawe, nicht der Tscheche, nicht der Kosak oder der Ukrainer!”28 So deutlich und endgültig sich seine Worte auch angehört haben mögen, konnten sich seine ideologisch starren Vorstellungen nicht lange durchsetzen, denn zu seinem Leidwesen musste Heinrich Himmler schon bald darauf zugeben, dass die SS alleine den Polizeiauftrag nicht bewältigen konnte, und so gab der Polizeichef den Befehl „zusätzliche Schutzformationen” aus den „genehmen Volksteilen” zu bilden.29 Zu diesen akzeptablen „Volksteilen” war die Zugehörigkeit der Ukrainer unumstritten und sie bildeten bei Weitem den größten Anteil an Männern, die sich den Polizeieinheiten und der Schutzmannschaft anschlossen.30 Um die Anzahl an Freiwilligen zu erhöhen, wurden nationalistische Hoffnungen und Bestrebungen der Ukrainer, natürlich nur zum Schein, ermutigt und tatsächlich gab es zu Anfang genügend Männer, die sich aus freien Stücken zum Polizeidienst meldeten.31

Zu Anfang wurden die erwähnten Gruppierungen „Hilfspolizei” genannt. Ab August 1941 bekamen sie den Titel „Ordnungsdienst” und auch kam eine von der SS zusammengestellte Gruppe von Schutzmännern hinzu. Die Deutschen selbst nahmen es mit den Bezeichnungen nicht so genau und die Terminologie wurde somit locker gehandhabt. Ab November 1941 wurden alle lokalen Gruppierungen dieser Art unter die Bezeichnungen „Unterstützende Einheiten der Deutschen Polizei” oder „Schutzmannschaft der Ordnungspolizei” eingeordnet.32 Doch die Verwirrung rund um die offiziellen und inoffiziellen Bezeichnungen der Formationen war sicherlich das geringste Problem in Anbetracht der Tatsache, dass die Anzahl an Freiwilligen schon bald nicht mehr genügen und das Problem des Personalmangels die deutsche Administration erneut zum Handeln zwingen würde. Nachdem Hitler die Erweiterung der einheimischen Hilfskräfte durch den Führererlass vom 18. August 1942 bewilligte, begann die Zwangsrekrutierung in der Ukraine. Ein Angehöriger der Polizei, der in der Lage war, die Flucht in den Westen zu bewerkstelligen, erinnerte sich, dass zu der Zeit zahlreiche junge Männer aus seinem Dorf einen Brief vom Bürgermeister erhielten. In diesem wurden sie aufgefordert, sich umgehend zur Polizeiwache zu begeben, wo sie dann gezwungen wurden, sich der Polizeieinheit anzuschließen. Daraufhin wurden sie einer ärztlichen Untersuchung unterzogen und dann verschiedenen Baracken zugewiesen. Sie bekamen ein eigenes Gewehr und ein Bett zugeteilt.33

Nachdem die Männer der Schutzmannschaft beigetreten waren, ob freiwillig oder nicht, bekamen die meisten lediglich eine Grundausbildung und nur einige Auserwählte kamen in den Genuss einer Spezialausbildung, die in für diesen Zweck errichteten Polizeischulen stattfand und bis zu acht Wochen dauern konnte. Kurse der politischen Bildung, die der ideologischen Indoktrination dienten, wurden, nachdem Himmler ihre Notwendigkeit betonte, 1942 dem Programm beigefügt.34 Sie wurden nach ihren Leistungen beurteilt und einige schafften es sogar, selbst in die Reihen der Ausbilder aufzusteigen.35 Die Ausbildung der Schutzmänner war zum Teil militärischer Natur. Marschieren, Sportkurse und Waffentraining zählten somit zu den grundlegenden Disziplinen. In Galizien beispielsweise wurde dem Kurrikulum Deutschunterricht und die Grundlagen des Strafrechts hinzugefügt.36 Zudem erhielten sie eine Einführung in die fundamentalen Aufgaben der Polizisten und Schutzmänner. Dazu zählten unter anderem das Erstellen einer Anzeige, das Prozedere der Patrouille und auch angemessenes Verhalten gegenüber Bevölkerung und Vorgesetzten.37

Gelegentlich kam es vor, dass besonders eifrigen und fähigen ukrainischen Schutzmännern der Beitritt zur deutschen SS und SD gewährt wurde.38 Doch bevor ein solcher Schritt gewagt werden konnte, musste die deutsche Sicherheitspolizei zunächst gewährleisten, dass die Männer der Polizei und Schutzmannschaften mit dem deutschen Regime sympathisierten und ein hohes Maß an Loyalität vorweisen konnten. Bei der Zusammenstellung der Einheiten wurden vor allen Dingen neben Volksdeutschen Ukrainer bevorzugt, die eine positive Einstellung gegenüber dem Germanisierungsprozess innehatten.39 Eine strikte Probezeit von sechs Monaten wurde ebenfalls zu Sicherheitszwecken eingeführt. Wenn sich die Auszubildenden währenddessen vorbildlich verhielten und keinerlei Misstrauen weckten, so wurden sie in die für sie vorgesehenen Schutzmannschaftseinheiten eingeteilt und durften ihren Dienst antreten.40

3.2 Zusammensetzung

Bei näherer Betrachtung der Zusammensetzung der Gruppe der Schutzmänner und Polizisten sind einige statistische Trends zu erkennen. Tatsächlich wird man feststellen müssen, dass die wenigstens von ihnen vor der Besatzungszeit Erfahrungen mit Polizeiarbeit machen durften.41 Ehemalige Polizisten oder gar Soldaten waren nur vereinzelt anzutreffen42 und dieser Umstand erklärt durchaus die Notwendigkeit einer Ausbildung der Rekruten. Bezüglich der Aspekte Beruf, Nationalität und Bildungsgrad stimmen die Anteile in der Gruppe mit denen in der gesamten Bevölkerung überein.43 So dürfte die Tatsache, dass der höchste Anteil der gesamten Gruppe ukrainischer Herkunft ist, keineswegs überraschen.44 Laut Martin Deans Untersuchungen waren 70 % der Schutzmänner in Brest und Umgebung Ukrainer, 20 % waren polnischer Herkunft und der Rest setzte sich vor allen Dingen aus Russen und Belorussen zusammen.45

Die meisten der Rekruten stammen aus ländlichen Gegenden.46 Dieser Umstand erklärt den überproportionalen Anteil an Landwirten innerhalb der Schutzmannschaftseinheit des Baranovichi - Distrikts. Ganze 75 % der dort eingesetzten Männer waren vor ihrem Dienst in der Landwirtschaft tätig, 20 % übten einen handwerklichen Beruf aus und lediglich weniger als 5 % der Rekruten hatten das Privileg einer höheren Ausbildung.47 Die meisten Schutzmänner konnten nur einen niedrigen oder mittelmäßigen Grad an Bildung vorweisen.48 In Anbetracht der Tatsache, dass 75 % aller Rekrutierten zuvor einer landwirtschaftlichen Tätigkeit nachgingen, erscheint die Beobachtung, dass der größte Teil aus ärmeren Verhältnissen stammte evident.49 Zudem besteht kein Zweifel daran, dass der Status über den Rang bestimmte, denn diejenigen, denen es vergönnt war, eine Karriere als Unteroffizier anzustreben, fanden sich üblicherweise in den kleineren Gruppen der Geschäftsmänner oder derjenigen mit einer höheren Ausbildung wieder.50

Bei der Altersverteilung innerhalb der Gruppe der Schutzmänner und Polizisten weckt eine Beobachtung besonderes Interesse: In der Gruppe der Freiwilligen sind mehr ältere Männer vertreten als in der Gruppe der Zwangsrekrutierten. Insgesamt waren Deans Untersuchungen zufolge 50 % aller Schutzmänner unter 25 Jahren, 43 % zwischen 25 und 35 und nur 6 % über 35 Jahren. Die Gruppe der Zwangsrekrutierten bestand aus jungen Männer zwischen gerade mal 17 und 21 Jahren51 und dabei sollte man berücksichtigen, dass sie insgesamt den größten Anteil aller Schutzmänner ausmachten, denn allein im Laufe des Jahres 1942 stieg die Zahl der Schutzmänner von 33.000 auf 330.000.52 Circa 105.000 davon dienten allein in der Ukraine53 und somit verschiebt sich die Altersverteilung durch die massenhafte Zwangsrekrutierung ab August 1942 nach unten. Dadurch, dass zahlreiche Schutzmänner so jung waren, haben viele von ihnen vor ihrer Rekrutierung außer der Arbeit auf den Bauernhöfen ihrer Familie keinerlei Berufserfahrung sammeln können.54

Nicht nur junge Männer aus der gemeinen Bevölkerung wurden in die Reihen der Schutzmannschaften und der Hilfspolizei aufgenommen, sondern auch Kriegsgefangene sollten ab November 1941 zugelassen werden.55 Jedoch galten sie und desertierte Partisanen als nicht sonderlich vertrauenswürdige Anwärter und waren infolgedessen unterrepräsentiert und nur vereinzelt anzutreffen. Desertierte Partisanen hatten zum Teil eine höhere Wahrscheinlichkeit, als potenzielle Spione verurteilt und erschossen zu werden, als in die Reihen der Schutzmänner zu gelangen.56 In der Gruppe der Kriegsgefangenen wurden selbstverständlich nur jene für geeignet erklärt, die keinerlei kommunistische Überzeugungen hegten und entweder ukrainischer, belorussischer oder baltischer Herkunft waren.57

Martin Dean geht in seiner Arbeit davon aus, dass der Polizeiberuf unter Umständen auch zwielichtige Individuen und Kriminelle anzog. Diese Art von Männern finden sich zweifellos innerhalb der Schutzmannschaften wieder, dennoch ist anzumerken, dass Alexander Prusin in seiner Recherche lediglich sechs Individuen unter 82 fand, die zuvor vorbestraft oder gar verurteilt wurden. Festzustellen, wie viele zwielichtige oder moralisch fragwürdige Charaktere unter ihnen weilten, ist nahe zu unmöglich. Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass sie die Mehrheit bildeten.58 Der größte Anteil der Schutzmänner hatten keinerlei politische Zugehörigkeit vor 1941. In Daria Rudakovas Stichprobe von 34 Schutzmännern und Polizisten gehörte vor der Rekrutierung nur einer der kommunistischen Partei an und ein weiterer der nationalistischen Vereinigung „Organisation Ukrainischer Nationalisten” (OUN) an. Im Laufe der Zeit erhöhte sich jedoch die Anzahl an nationalistisch gesinnten Männern auf insgesamt 14 %. Alexander Prusins Stichprobe weist einen leicht höheren Prozentsatz von 17 % auf.59

Schließlich lassen sich einige Gemeinsamkeiten erfassen: Die meisten Männer waren in puncto Polizeiarbeit zum Zeitpunkt ihrer Rekrutierung unerfahren und waren mit 17-25 Jahren recht jung. Den Kern der Gruppe bildeten Landwirte aus ärmlichen Verhältnissen mit einem geringen oder mittelmäßigen Bildungsgrad. Zudem waren sie zum größten Teil unpolitisch in der Hinsicht, dass die meisten keiner Partei oder politischen Vereinigung angehörten. Sicherlich fanden sich unter ihnen vereinzelt Individuen mit krimineller Vergangenheit wieder, doch der überwiegende Anteil waren gewöhnliche junge Männer, die allesamt eine äußerst ungewöhnliche Zeit erlebten.

4. Aufgabenund Verpflichtungen

4.1 Grundlegende Aufgaben

Die Aufgaben und Verpflichtungen der Schutzmannschaften und Polizeieinheiten im Reichskommissariat Ukraine waren mannigfaltig und divers. Da diese einheimischen Hilfsgruppen den deutschen Gendarmen zahlenmäßig sichtlich überlegen waren, sollten sie die mühsame Zuarbeit übernehmen.60

Anfangs beschäftigten sich die Schutzmänner und Polizisten mit den Aufgaben, für die sie ursprünglich vorgesehen waren und zu welchem Zwecke sie eigentlich gegründet wurden. Die Unterstützung der Gendarmerie im Kampf gegen die erstarkende Partisanenbewegung in Form von Bewachung und Sicherung wichtiger öffentlicher Gebäude war hierbei eine der wichtigsten Pflichten. Vor allen Dingen nachts sollten sie Banken, Vorratslager, Getreidespeicher und andere essenzielle Standorte vor potenziellen Angriffen oder Sabotageakten schützen.61 Nähergelegene Gefangenenlager und später auch jüdische Ghettos wurden von ihnen bewacht, um beispielsweise jeglicher Art von Schmuggel vorzubeugen. Je weiter der Krieg voranschritt, desto vielfältiger wurden ihre Pflichten. Da ein außerordentlicher Mangel an Arbeitskräften in Deutschland nach Hilfe von Außen verlangte, waren die Schutzmänner und Polizisten ebenfalls dafür verantwortlich, junge und arbeitsfähige Ortsansässige zu verhaften, um sie hinterher nach Deutschland zu deportieren. Zusätzlich sollten sie die Ernte der Landwirte aus der Umgebung einziehen und Steuern in Form von Nahrung oder Vieh eintreiben. Außerdem kam hinzu, dass sie Zwangsarbeiter zu ihren Arbeitsstellen, beispielsweise im Straßenbau, geleiten mussten, genau so wie Juden, deren Arbeitsplätze außerhalb des Ghettos lagen. Zusätzlich zählten Verhaftungen und Exekutionen von sowohl Partisanen, als auch ihren Helfern zu den Pflichten der Schutzmänner.62 Neben diesen essenziellen Aufgaben gehörten auch typisch polizeiliche Pflichten wie Kontrolle von Pässen, Hausdurchsuchungen, Ermittlungen bei geringfügigen Verbrechen, Durchführung von Ausgangssperren und weitere derartige Aufgaben.

Doch von großem Interesse ist hierbei die Frage, ob und in welchem Umfang sich die Schutzmannschaften und Polizeieinheiten an den sogenannten „Aktionen”, in denen vor allen Dingen Juden, aber auch andere Gruppen in Massen und auf inhumanste Weise hingerichtet wurden.

4.2 Beteiligung an „Aktionen”

Am 19. September 1941 nahmen die Deutschen Kiew ein und bereits am 28. September verteile die ukrainische Polizei über 2.000 Kopien eines Befehls, der für alle jüdischen Bewohner in und um Kiew gelten sollte. Am darauffolgenden Tag sollten sie sich alle um 8:00 Uhr morgens an einer Kreuzung in der Nähe des jüdischen Friedhofes versammeln. Mitzubringen waren Dokumente sowie Geld und Wertgegenstände, warme Kleidung und Unterwäsche. Im nächsten Abschnitt der Anordnung wurden die Konsequenzen der Verweigerung jedem, der sie las, unmissverständlich deutlich gemacht: ,,Xto He ni;iiiop>i;u<v('Ti>c>i hi>omv po3iio|wi;i7i<eiiHio ov;ie po3CTpin»HHÜ.”63 Dieselbe Strafe drohte den Bürgern, die sich unerlaubt an dem zurückgelassenen Eigentum der Juden bereichern wollten. In nur zwei Tagen fanden 33.771 Juden in der Schlucht von Babyn Jar den Tod. Das Sonderkommando 4a der Einsatzgruppe C, Polizeibataillon 45, Polizeibataillon 303 und die ukrainische Hilfspolizei waren an der größten Massenerschießung des Zweiten Weltkrieges beteiligt.64 Aufgrund der schier unvorstellbaren Masse an Opfern ist ,,die Tragödie von Babyn Jar zum Sinnbild der Vernichtung aller sowjetischen Juden geworden.”65

Dina Mironovna Pronicheva war eine der Menschen, die sich an diesem Tag nahe des jüdischen Friedhofes versammelten. 1911 geboren, war sie zum Zeitpunkt der Tragödie 30 Jahre alt und hatte zwei Kinder im Alter von drei und einem Jahr. Da sich ihre Kinder zu der Zeit im Kinderheim aufhielten, waren sie nicht bei ihr, als sie mit Tausenden anderen Juden in Richtung der Schlucht Babyn Jar geführt wurde. Sie konnte nicht ahnen, dass sie eine der wenigen sein würde, die diese fürchterliche Massenerschießung überlebten und zusätzlich auf wundersame Weise die einzige Unverletzte unter ihnen sein würde.66 Bei näherer Betrachtung ihrer faszinierenden Geschichte erkennt man, welch unverschämtes Glück Dina Pronicheva erfahren hatte. Dies kann leider nicht von ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester behauptet werden, denn sie kamen allesamt im Kugelhagel der Einsatzgruppen um. ,,My father, mother and sister were shot in Babi Yar - I saw this.”67

Als sie die Melnykstraße entlanggingen, konnten Dina und Zehntausende von Todgeweihten nicht ahnen, was ihnen an diesem schicksalhaften Tag widerfahren würde. Da sie so viele ihrer Besitztümer mitbringen sollten, gingen die meisten wohl davon aus, dass sie wahrscheinlich lediglich an einen anderen Ort gebracht werden würden.68 Dass ihnen all dies geraubt und sie noch am selben Tage ermordet werden würden, war den meisten von ihnen laut Dinas Aussagen nicht bewusst.

Bewacht und zur Schlucht geführt, oder vielmehr getrieben, wurden die Opfer von ukrainischen Hilfspolizisten, wie neben Dina unzählige weitere Überlebende und Zeugen bekräftigten.69 Dina erkannte die „Politsai” oder „Politseiskie”, wie sie unter den Ukrainern selbst bezeichnet wurden, an ihren Uniformen.70 Ein ehemaliges Mitglied der Hilfspolizei umschrieb diese in einer Aussage:

Our uniform was black, we had soldier's coats they were black, the sleeves had gray cuffs, the buttons were made of white metal in two rows, the epaulettes were black, the belt was also black with a white metal buckle.71

Zusätzlich konnte man die Schutzmänner und Polizisten natürlich an der Sprache erkennen, sowie die Zeugin Nadia Barlanetska, die eine der „Aktionen” beobachten konnte: „Ho HameMy. Ho YKpauHCKOMy”72 Unzählige weitere Zeitzeugen und Überlebende bestätigen immer wieder die Anwesenheit ukrainischer Polizisten und Schutzmänner, nicht nur in Babyn Jar, sondern an allen anderen Erschießungsstätten. Doch nicht nur die Bewachung und das Geleiten der Opfer zählte zu ihren Aufgaben. Dina erinnerte sich, dass sie an einem bestimmten Kontrollpunkt von deutschen Polizisten in Empfang genommen wurden, die sie dann unter Schlägen zu einem großen, offenen und grasüberwachsenen Platz trieben. Sie erinnerte sich an die schiere Panik, die unter den Opfern ausbrach. Viele wurden zu Boden gerissen und zu Tode getrampelt, während die Masse versuchte, den Schlägen der Polizisten und den Angriffen ihrer Hunde zu entkommen. Diejenigen, die überlebten, gelangten letzten Endes zum offenen Gelände und wurden in ebenso fürchterlicher und menschenverachtender Manier von ukrainischen Hilfspolizisten in

Empfang genommen und auf ihren Tod „vorbereitet”.73 Nadia Barlanetska konnte diesen Teil des Prozesses ebenfalls bezeugen und berichtete: „Cpe^u HeMeu CToanu llojiiiiaii u ohu CKaaanu hm htoobi ohu pa3fleBanucb u CKu^anu 3onoTO Bee [...] to ohu nocoöupanu Bce u orao.no »mm Bee CKu^anu.”74

Nachdem sie gezwungen wurden, sich nackt auszuziehen und ihnen alles, was sie besaßen und mitgebracht hatten, geraubt wurde, wurden sie einen Hügel hochgejagt, hinter dem sich das wahre Ausmaß des Schreckens, der ihnen noch bevorstand, offenbarte. „Before my very eyes people went insane, they turned gray, all around there were heartrending cries and moans. All day long, there was machine gun fire.”75 Dieses Beschreibung lässt uns lediglich erahnen, welches Grauen die bedauernswerten Opfer in diesen Momenten durchleben mussten. Damit jedoch nicht genug, denn immer wieder berichteten Überlebende von der unvorstellbaren Grausamkeit der einheimischen Polizisten und Schutzmänner. Auch Dina wurde Zeugin dessen und berichtete die Polizisten „abused them terribly, whenever and however they could with their hands, feet, some of the policemen had brass knuckles. People walked to the execution covered in blood.”76 Eine schreckliche Vorstellung, die immer wieder in Zeugen- und Überlebendenberichten zur Geltung kommt. Es ist ungemein bekannt und liegt bei genauerer Betrachtung sicherlich nahe, dass Massenerschießungen zusätzlich Schauplätze von furchtbaren Schandtaten waren. Ein Zeuge erinnerte sich: ,,Es wurden Kinder mit zerschlagenen (offensichtlich durch Gewehrkolbenschläge) Köpfen entdeckt [...] Die Säuglinge wurden nicht erschlagen, sondern lebendig in die Grube geworfen und mit Erde zugeschüttet.”77 Auch findet man unzählige Berichte von Vergewaltigungen und anderen diversen Misshaldungen, die die Opfer bei diesen „Aktionen” haben über sich ergehen lassen müssen. An diesen grausamen Machenschaften waren gewiss sowohl deutsche, als auch ukrainische Polizisten und Schutzmänner beteiligt.

Doch die Grausamkeit der einheimischen Hilfspolizisten ließ sich nicht nur im Rahmen der

Massenerschießungen beobachten. Auch die Juden, die in Ghettos lebten, wurden stets Zeugen von der Willkür und Brutalität der jungen Schutzmänner. Burd Michail wurde Zeuge eines grausamen Verbrechens:

Eines Tages stürmte die ukrainische Polizei in das Ghetto und ergriff [...] Donik Bondar [...], denn er war von Beruf Böttcher. Der betrunkene Polizist Wowk befahl Donik bis zum nächsten Morgen 12 Fässer anzufertigen. Donik gab ihm zur Antwort: „Ich werde nur ein Fass machen.” Da stieß Wowk ihm den Lauf seines Gewehres in den Mund und drückte ab. Die Kugel riss ihm beinahe die Hälfte der Schädeldecke weg.78

Wie in diesem fürchterlichen Bericht geschildert, war es keine Seltenheit Schutzmänner und Polizisten im betrunkenen Zustand anzutreffen, wie ein weiterer Zeuge bestätigte:

A notorious policeman appeared. He was drunk and had a pistol. He shouted: ,,I will kill you, I will kill you!” He aimed at my head, but I was frightened and cowered. As a result he missed his target and shot me through the right forearm: the bullet passed right through. I am sure he wanted to kill me but missed because he was drunk and I still have a scar on my arm.79

Glücklicherweise kam dieser ukrainische Zeuge verletzt aber lebend davon. Hierbei wird ebenfalls ersichtlich, dass nicht nur Juden und andere marginalisierten Minderheiten Zeugen und Opfer dieser Grausamkeiten wurden, sondern auch ukrainische Bürger sich zumindest vor einigen berüchtigten Polizisten und Schutzmännern in acht nehmen mussten.

Nachdem die Opfer von Babyn Jar und allen anderen „Aktionen” die Torturen überstanden hatten, folgte bedauerlicherweise nicht die Art Erlösung, auf welche so viele noch bis zur letzten Sekunde in ihrer Verzweiflung hofften. Dina stellte sich auf Befehl in eine Reihe von Menschen vor die Schlucht. Während das Sonderkommando 4a schoss und die anderen in der Reihe von Opfern tötete, sodass sie vornüber in die Grube fielen, sprang Dina ab und landete auf den verletzten oder bereits toten Körper der anderen. Sie konnte nur überleben, indem sie sich tot stellte.80

Die wichtigste Frage, die sich im Kontext dieser Arbeit auftut, ist jedoch, ob sich die ukrainischen Schutzmänner und Hilfspolizisten aktiv am Erschießen beteiligten oder nicht. Sie bewachten, trieben und misshandelten die Opfer in den letzten Minuten ihres Lebens, doch waren sie letzten Endes am eigentlichen Tod der Gepeinigten beteiligt? Als Dina in die Grube sprang, stiegen sowohl deutsche, als auch ukrainische Polizisten hinab, um diejenigen zu töten, die den ersten Schuss offensichtlich überlebt hatten. Einer dieser Polizisten verpasste ihr einen Tritt, um festzustellen, ob sie noch am Leben war. Dina zeigte keinerlei verräterische Reaktion und schaffte es somit, ihr eigenes Leben zu retten. Doch nachdem sie es entgegen aller Wahrscheinlichkeit bewerkstelligte unbemerkt aus der Grube zu flüchten und somit der Hölle von Babyn Jar zu entkommen, wurde ersichtlich, dass dies lediglich die Erste Hürde auf ihrem Weg, der hier nicht weiter beschrieben werden soll, darstellte.81 Dina war jedoch nur eine der zahlreichen Menschen, die die aktive Beteiligung der ukrainischen Schutzmänner und Polizisten am Erschießen von unschuldigen und wehrlosen Juden bezeugen konnten. Eine weitere Überlebende, V. E. Levitskaya, erzählte von einem furchterregenden Szenario, welches sich im Jahre 1942 vor ihren Augen abspielte:

Facists and Ukrainian Nationalists were doing their black job like they were doing happy work. Killing people, they were laughing out loud at people who were suffering from cold and pain. When I fell onto still warm bodies of people who were shot, I saw another ten or so naked people were brought to the hole. Among women with children there was my sister and two-year old brother in her lap. My brother was crying and screaming that he was cold. Having heard that, one of the polizai laughed and said soon he will not be cold. And then with one shot point blank from his rifle he killed both my sister and brother. When other polizai and Germans saw what he did, they answered in unison laughter and encouragement.82

Levitskaya betonte, dass es sich um ukrainische Polizisten handelte und dass es für sie allem Anschein nach keinerlei Bürde darstellte, wehrlose Opfer wie ihre Schwester und ihren kleinen Bruder zu erschießen. Im Gegenteil: Ihrer Ansicht nach hatte es ihnen gar Vergnügen bereitet.

Laut SS-Obersturmführer August Häfner übernahmen die ukrainischen Hilfskräfte sogar Aufträge, die selbst den Einsatzkommandos zuwider waren. Im ukrainischen Ort Bjelaja- Zerkow, der sich in ungefähr 70 Kilometern Entfernung von Kiew befand, blieben nach einer Massenerschießung ungefähr 90 jüdische Kinder in einem Haus zurück.83 Der SS- Offizier und Sonderkommando-Führer der Einsatzgruppen, Paul Bobei, befahl ihm, eben jene Kinder zu erschießen:

Daraufhin gab Bobei mir den Befehl, die Erschießung der Kinder durchzuführen. Ich fragte ihn: „Durch wen soll die Erschießung durchgeführt werden?” Er antwortete: „Durch die Waffen-SS.” Ich erhob Einspruch. Ich habe zu ihm gesagt: ,,Das sind alles junge Männer, wie sollen wir es vor denen verantworten, wenn sie kleine Kinder erschießen?” Daraufhin sagte er: „Dann nehmen Sie doch ihre Männer.” Auch jetzt sagte ich wieder: ,,Wie sollen die das tun, die haben doch auch kleine Kinder.” Das Tauziehen hat etwa 10 Minuten gedauert.84

Nach dieser Interaktion verlor Standartenführer Bobel lauf SS-Obersturmführer Häfner endgültig die Nerven und erinnerte ihn, dass auf Befehlsverweigerung Erschießung steht.

So sah Häfner sich gezwungen, seinem Vorgesetzten einen anderen Vorschlag zu unterbreiten:

Ich habe zu ihm gesagt: „Standartenführer, darf ich noch einen letzten Vorschlag machen.” Er genehmigte dies. Ich habe vorgeschlagen, daß die ukrainische Miliz des Feldkommandanten die Kinder erschießen solle. Es wurde von keiner Seite gegen diesen Vorschlag Einspruch erhoben.85

Nachdem Häfners Vorschlag Zuspruch erlangte, sagte er in seiner Vernehmung am 31. Mai

1945 zusätzlich aus, dass er beauftragt wurde die Erschießung zu überwachen.

Wo sie gerade getroffen wurden, wurden sie eben getroffen. Sie fielen in die Grube. Es war ein unbeschreiblicher Jammer. Dieses Bild vergesse ich nie in meinem Leben. Ich trage sehr schwer daran. Insbesondere ist mir ein Erlebnis mit einem kleinen blonden Mädchen in Erinnerung, das mich an der Hand nahm. Es wurde später auch erschossen. Das hat mich am meisten erschüttert.86

Seiner Aussage zufolge war nicht nur er, sondern auch die ukrainischen Polizisten von den Geschehnissen an diesem Tage betroffen. Er bemerkte, dass diese zitterten, als der Wagen, der die Kinder transportierte, vorfuhr. Wenn man seiner Schilderung Glauben schenken kann, so liegt die Annahme nicht fern, dass diese Tragödie auch den ukrainischen Tätern für immer in Erinnerung blieb. Auch wenn dieses Ereignis nicht belegt, dass auch nur einer der Beteiligten diese Aufgabe genoss, so untermauert es dennoch die Tatsache, dass ukrainische Polizisten und Schutzmänner aktiv als Schützen an Erschießungen beteiligt waren. Es muss dennoch angemerkt werden, dass sich normalerweise in den verschiedenen Einheiten immer die gleichen Männer bereitwillig für diese Aufgabe meldeten.87

Schließlich lässt sich nicht bestreiten, dass ukrainische Schutzmänner und Polizeieinheiten an den „Aktionen”, in denen eine unvorstellbare Anzahl von Juden auf barbarischste Weise hingerichtet wurden, anwesend waren und sich zudem aktiv an diesen beteiligten. Sie bewachten die Opfer, um sicherzustellen, dass keiner von ihnen die Flucht ergriff, sobald sie realisierten, welches Schicksal ihnen bevorstand. Sie geleiteten die Opfer daraufhin zu dem Ort, an dem sie nicht nur ihrer Kleidung und ihrem Besitz, sondern auch ihrer Menschenwürde beraubt wurden. Auch dabei stellten die Schutzmänner sicher, dass die Opfer taten, was von ihnen verlangt wurde. Der Willen derjenigen, die sich weigerten, wurde von ihnen mit Gewalt gebrochen. Eine Anzahl von ihnen beteiligten sich nicht nur in der Rolle der Beihelfer, sondern auch als Schützen an den Massenerschießungen und waren in direkter Weise für den Tod von unzähligen Unschuldigen verantwortlich. Auch wenn der größte Teil der Schutzmänner und Polizisten bei diesen „Aktionen” nicht den Abzug betätigten, so läge eine erfolgreiche und effektive Umsetzung der organisatorisch aufwendigen Erschießungen ohne ihren Einsatz keineswegs im Bereich des Möglichen.88 Die Beteiligung und Rolle bei der ersten Todeswelle, die in Form einer scheinbar nie endenden Abfolge von Massenerschießungen kam, ist nach Analyse etlicher Aussagen von Überlebenden, Zeugen und Tätern kaum zu bestreiten. Doch schon bald darauf folgte die zweite massive Todeswelle, die den aktiven Einsatz der einheimischen Polizisten für die deutschen Besatzer unabdinglich machte.

4.3 Beteiligung an Ghetto - Liquidierungen

Die erste Welle unvollstellbarer Gewalt, in der deutsche Einsatzgruppen mit aktiver und unerlässlicher Beihilfe der einheimischen Polizisten und Schutzmannschaften eine unermessliche Anzahl von unschuldigen Menschen ermordeten, war bedauerlicherweise nicht das Ende des Leides der jüdischen Gemeinschaft. Unmittelbar darauf folgte nämlich eine gar noch tödlichere Welle, an der die Beteiligung der Schutzmänner und Polizisten unbestreitbar ist.

Als im Sommer des Jahres 1942 der Befehl erlassen wurde, die jüdischen Ghettos zu räumen, wurden alle verfügbaren Kräfte eingezogen. Darunter war die Gruppe der Schutzmänner und Polizisten zweifellos die größte und übernahm zugleich eine aktive Rolle bei diesem Unternehmen.89 Dieser Befehl stieß anfänglich auf Widerstand, der sich auf dem Treffen der Gebietskommissare in Lutsk vom 29. - 31. August 1942 bemerkbar machte. Obwohl Reichskommissar Erich Koch eine hundertprozentige Räumung anstrebte, so wurden lautstarke Forderungen nach einer zeitlichen Aufschiebung des Unterfangens geäußert. Diese entsprangen jedoch sicherlich nicht etwaigen moralischen Bedenken, sondern der banalen Tatsache, dass es erheblich an Arbeitskräften mangelte. Auch wenn einer kleinen Gruppe von circa 500 Juden in Volhynia-Podolia ein Aufschub der Exekution gewährt wurde, so belief sich dies jedoch auf maximal zwei Monate. Die Entschlossenheit des deutschen Regimes in der Angelegenheit der „Endlösung” war demnach kaum zu erschüttern.90 Die Räumungen verliefen stets identisch: Die Sicherheitspolizei, Männer der Schutzstaffel und des Sicherheitsdienstes mithilfe der einheimischen Schutzmannschaften und Polizisten trieben zunächst die Juden innerhalb eines Ghettos zusammen.91 Sobald dies geschehen war, wurde die Gruppe der Opfer zum Exekutionsgelände gebracht, welches sich zumeist nicht allzu weit vom Ghetto selbst befand.92 Von da an verlief die Tötung ebenso wie die zuvor beschriebenen „Aktionen”: Die Opfer wurden gezwungen, sich auszuziehen und im Anschluss von Angehörigen der deutschen Sicherheitspolizei, der Gendarmerie und der einheimischen Schutzmannschaften erschossen.93

Die Anwesenheit und Beteiligung der Schutzmannschaften und Polizisten an der „Liquidierung” der Ghettos in den Jahren 1942 und 1943 ist in Anbetracht der zahlreichen Berichte von Opfern, Zeugen und Tätern nicht zu bestreiten. Der ehemalige Polizeileiter von Samgorodok selbst gestand in seiner Vernehmung:

In June 1942 I participated together with the Germans in the shooting of Jews. In total about 500 people were shot including children, women and the elderly. My participation in the destruction of the jewish inhabitants of Samgorodok consisted in the fact that I and the policemen under my command collected the Jews from their houses and drove them into the school building. I selected the specialist workers who were to be employed on various tasks by the Germans, and under my direction the Samgorodok police kept the Jews under strict guard during the shooting.94

Es ist demnach nicht abzustreiten, dass die Polizei zumindest in diesem Maße an den Räumungen beteiligt war. Doch was hier ausgelassen wird, sich jedoch in vielen anderen Quellen wiederfindet, sind die Tage nach der eigentlichen Räumung, in denen insbesondere Schutzmänner und lokale Polizisten aktiv wurden. Der Umstand, dass die Räumungen keineswegs der Geheimhaltung unterstanden, sorgte unter den jüdischen Ghettobewohnern für Aufruhr und bedingte die Flucht zahlreicher Menschen, als letzten verzweifelten Versuch der Rettung. Diejenigen, die es schafften, den Mauern des Ghettos zu entkommen, flohen in die nahe gelegenen Wälder. Dies bedeutete, dass die Räumung in den darauffolgenden Tagen weitergeführt werden musste, denn das Ziel war die totale, hundertprozentige Vernichtung aller noch lebenden Juden.95 Dieses Ziel erlaubte keinerlei Überlebende und so wurden Suchaktionen iniziiert, an denen sich vorwiegend Schutzmänner beteiligten. Die Ghettos und die Wälder wurden genaustens durchsucht und Flüchtlinge sofort erschossen. Da sie keine aktiven Partisanen waren, war eine Vernehmung seitens der deutschen Polizei überflüssig und so wurden sie auf Ort und Stelle ermordet. In dieser Phase wurde das Jagen von Geflohenen und deren sofortige Hinrichtung zu einem routinemäßigen Bestandteil der Arbeit von Schutzmännern und einheimischen Polizisten.96

Die zweite Todeswelle in Form von Ghettoräumungen und der darauffolgenden Aufspürung und Hinrichtung von geflüchteten Opfern war erstaunlicherweise weitaus zerstörerischer als die erste Welle. Sie bedeutete die endgültige Vernichtung aller Juden, die bis dahin das Glück hatten, überlebt zu haben. In der Region Volhynia beispielsweise sind 80 % aller ermordeten Juden im Rahmen der „Liquidierungen” getötet worden.97 Zu allem Überfluss bestand dieses Mal die größte Gruppe von Opfern aus Frauen, Alten, Kranken und Kindern.

Insgesamt lässt sich die Bedeutung und Intensität der Beteiligung der Schutzmänner und Polizisten kaum überschätzen. Allein in Anbetracht der Tatsache, dass diese Gruppe

Beteiligter den deutschen Kräften zahlenmäßig weit überlegen war und ihre Mithilfe sogar gegen die Ideologie und gegen den Willen der Obrigkeit angenommen werden musste, zeigt, dass der Holocaust in der Ukraine unter anderen Umständen niemals so schnell und effektiv in die Tat hätte umgesetzt werden können. Ihm fielen allein in der Ukraine über 1,5 Millionen Juden zum Opfer. Eine Zahl, die so hoch ist, dass sie unser aller Vorstellungsvermögen weitaus übersteigt. Die Opfer fanden ihre letzte Ruhe in 700 Massengräbern, dessen Oberflächen sich laut Zeugenaussagen noch Tage nach den Erschießungen bewegten. Es war ein entsetzliches Verbrechen, welches bis zum heutigen Tage in vielen völlige Entrüstung auslöst und eine essenzielle Frage aufwirft: Welche Motive bewegten die Täter dazu, sich an etwas zu beteiligen, was jegliche Grenzen der Moral sprengt? Was würde die Beteiligung an dieser Art Geschehen jemals rechtfertigen können? Auch wenn dieses Verbrechen niemals, weder rechtfertigt, noch verziehen werden kann, so sind die Vorgänge, die sie bedingten, dennoch überaus komplex und spannen ein Netz voller Interdependenzen, die es zu ergründen gilt.

5. Tätermotive der Schutzmänner und Polizisten

5.1 Antisemitismus

The Ukrainian Police were animals. They were killers. They turned against fellow Ukrainians simply because they were Jews. There was anti-Semitism before Hitler, the progroms and even in the First World War. We even had to bow to Polish Policemen, they didn't beat us up or anything like that. The Ukrainians were murderers.98

Aussagen dieser Art waren des Öfteren innerhalb der Gruppe von Überlebenden zu vernehmen. Wie in Goldhagens Thesen wird Antisemitismus hier als eines der wichtigsten oder gar das wichtigste Motiv für die Beteiligung der Einheimischen am Holocaust genannt. Nachdem welchen Schrecken die Überlebenden mitansehen und am eigenen Leib erfahren mussten, ist diese Wertung gewiss nachvollziehbar. Dennoch gilt auch hier: Die Realität lässt sich nicht immer in Schwarz und Weiß zeichnen.

Sicherlich ist nicht zu bestreiten, dass Antisemitismus bereits vor Hitler existierte. Tatsächlich reicht die Geschichte des Antisemitismus in der Ukraine, wie vielerorts, weit zurück. Die anti-jüdische Gewalt im Ersten Weltkrieg und die Pogrome von 1918 - 1920" lagen zum Zeitpunkt der Besetzung nicht weit zurück und waren durchaus präsent in den Erinnerungen zahlreicher Ukrainer.99 100 Dieses Problem innerhalb der ukrainischen Gesellschaft war so weit verbreitet und immanent, dass es heute noch als „traditioneller Antisemitismus” bezeichnet wird.101 Dessen Existenz ist nur schwer von der Hand zu weisen, da vielerorts Pogrome ausbrachen, bevor die Besatzer die Gelegenheit hatten, einzutreffen.102 Die Memoiren von Dmytro Duchyns'kyi, ein ehemaliger Inhaber eines Elektrofachgeschäftes in Przemysl, wurden im Rahmen eines Projektes erstellt, welches 1947 die Anfertigung und Sammlung von 64 Memoiren ukrainischer Zeitzeugen veranlasste. Es ist die älteste und dem Holocaust zeitlich nähdste Sammlung von ukrainischen Memoiren und in ungemein vielen von ihnen sind verteidigende Haltungen spürbar.103 Duchyns'kyi berichtete darin ohne Umschweife über sein Verhältnis und Haltung gegenüber Juden:

Of the sixty thousand inhabitants of Przemysl, Jews constituted 45 percent. - All of them were capitalists. Factory owners, merchants, industrialists, artisans, lawyers, doctors are jews [...]. The Jews lived well at the expense of our peasant, ate tasty food, and walked about finely dressed [...]. In the spring of 1942 the Germans began to drive the Jews into the ghetto which was set up in one district of the city. I had many acquaintances and fellows in the profession [electrical engineering] who were Jews and with whom I lived in peace and towards whom I had no hate. - On the contrary, I was sorry to see how every morning and evening they were taken to work and back from work, unshaven and hungry. I very often gave aquaintances some bread or a cigarette - these were people. - As people I was sorry for them, but as a nation they had done so much evil to my nation - no! On the whole Ukrainians sympathized with the Jews, and our peasantry saved a lot of them from inevitable death and did not stop to think about how they were exposing themselves and their family to danger. - The police found a bunker in which one peasant near Przemysl hid twenty-five Jewish men and one Jewish woman. They liquidated the Jews and sent the peasant to Auschwitz, whence he never returned.104

Duchyns'kyi fand klare Worte, um den Futterneid, der zu jenen Zeiten von vielen verspürt wurde und eine altbekannte Rechtfertigung für antisemitische Neigungen darstellt, zu beschreiben. In seiner Aussage zieht er ebenfalls eine scharfe Trennlinie zwischen ,,den Juden” als Einheit und den Juden, die er persönlich kannte. Sein augenscheinliches

Mitleid, welches gelegentlich in Form einer Zigarette oder eines Stückes Brots auftrat, ist lediglich auf Letztere begrenzt. Simultan hebt er die einfachen Ukrainer hervor, die mutig ihr Leben auf Spiel setzten, um das Leben vieler von „denen” zu retten. Obwohl es zahlreiche solcher Beispiele gibt, in denen Ukrainer Juden bei sich versteckten und sich somit selbst wissentlich in Gefahr begaben, gibt es bedauerlicherweise ebenso viele Gegenbeispiele, die den traditionellen Antisemitismus innerhalb der ukrainischen Bevölkerung zu der Zeit untermauern. So auch das Beispiel von Emiliia Prybytkivs'ka, die während des Vordringens der Roten Armee in den Westen floh und 1945 im Hause eines Mannes in Tschechien aufgenommen wurde. Der Mann nahm jedoch ebenfalls einen geflohenen Kriegsgefangenen bei sich auf, von dem sie in ihrem Bericht erzählte:

I was interested in talking to him, but you can imagine my amazement when he could barely speak Russian, let alone Ukrainian, and his face betrayed his Jewish origin. His strange eyes, penetrating and small, give me the creeps even now when I recall this 'countryman'. That was the end of our aquaintance. When I revealed to [my host] my suspicions about the Ukrainian origin of the Prisoner of War, he said: 'It's not possible. He's a Ukrainian from Crimea. He often takes the cross of my wall and kisses it. No, he's no Jew.105

Nach einem Hin und Her konnte Emiliia Prybytkivs'ka ihren Gastgeben jedoch überzeugen, dass dieser den Kriegsgefangenen fälschlicherweise für einen Ukrainer hielt und dies endete unmittelbar in der Denunzierung und Exekution des besagten Juden. Emiliia war sich keiner Schuld bewusst und empfand ihr Handeln in keinster Weise als unmoralisch.106 Selbst Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg und nachdem die damit verbundenen Untaten an der jüdischen Bevölkerung längst kein Geheimnis mehr waren, ist eine Trennung von ,,den unsren” und „denen” in den Erzählungen vieler Ukrainer zu vernehmen. Als Beispiel dient hierbei die Zeitzeugin Nadia Barlanetska, die zunächst höchst widerwillig die Beteiligung von ukrainischen Polizisten und Schutzmännern bestätigte. Damit jedoch nicht genug, denn mit einem Lächeln auf ihrem Gesicht verweigerte sie daraufhin jegliche Auskunft über die Identitäten der bereits rechtlich belangten Polizisten ihres Dorfes. Auf die Nachfrage, wieso sie sich noch so viele Jahre nach den Geschehnissen und über bereits offen zugängliche Informationen in Schweigen hüllt, erwiderte sie lediglich mit einem Schulterzucken und fügte hinzu: „Wozu? Ich will nicht, dass sie ein Fass aufmachen und sie belästigen.”107 Demnach ist ihre Loyalität gegenüber ihrer Identitätsgruppe, trotz dem Unrecht, den sie zu verschulden hatten, auch so lange danach immer noch stärker als das Mitleid mit den Opfern.

Auch wenn all diese Beispiele nicht beweisen, dass auch nur einer der Zeugen den Massenmord an über 1,5 Millionen Juden je gutgeheißen hätte, so bestärken sie dennoch das Argument des „traditionellen Antisemitismus” und lassen vermuten, dass dieser zumindest einen der möglichen Tätermotive darstellte. Der Umstand, dass in beinahe der Hälfte aller 64 Memoiren der Holocaust keine einzige Erwähnung findet, und die ukrainische Beteiligung an ihm in fast allen verschwiegen wird, ist der Sache ebenfalls nicht förderlich. Die antisemitischen Tendenzen innerhalb der ukrainischen Gesellschaft wurden ferner zu allem Überfluss durch nationalsozialistische Propaganda, vor allen Dingen in polizeilichen Kreisen im Rahmen ihrer Ausbildung, nur zusätzlich verstärkt und im Folgenden instrumentalisiert.108 Zudem gehen nationalistische Überzeugungen oftmals Hand in Hand mit antisemitischen Neigungen. Trotz vergeblichen Versuchen, die Beteiligung von OUN und UPA-Anhängern am Massenmord zu verharmlosen oder gar vollständig zu verheimlichen, ist dies heute eine wohlbekannte Tatsache. Die Ideologie dieser Gruppierungen unterschied sich nicht wesentlich von der nationalsozialistischen, denn sie beinhaltete sowohl Elemente von extremem Nationalismus, als auch Elemente von Faschismus.109 Es ist demnach keineswegs verblüffend, dass der OUN- und UPA verbundene Schutzmänner und Polizisten in den Deutschen Verbündete oder gar Befreier sahen, wie einer der freiwilligen Polizisten betonte:

We need to work harder. We have to help the German Army - our liberators. Don't wait for the Jewish-Bolsheviks, there are none left now. But if they do come, will it be good for us? There will be no mercy for us all. We need to serve our liberators now.110

Sein Kollege Scherbina bekräftigte ihn eines Tages, und dies wurde von Zeugen überhört: ,,WE need to destroy all Jews, so there is not a drop of Jewish blood left. No more Jewish-Bolshevism! The Germans will get rid of all Jews and Bolsheviks!”111 Wie in diesen zwei Aussagen werden Juden und Bolshvismus oftmals in Verbindung oder gar gleichgesetzt. Diese Vorstellung entspringt jedoch eher der effektiven Propaganda der deutschen Besatzer anstatt der Realität. Immer wieder wurden diesen beiden völlig voneinander unabhängigen Gruppen gemeinsame Machenschaften nachgesagt. Auch wurden allerlei Verbrechen, seien sie von sowjetischen oder nationalsozialistischen Täter verübt worden, den Juden angelastet und im Nachhinein als Rechtfertigung für Akte der „Vergeltung” genutzt worden. Es ist die altbekannte Rolle des Sündenbocks, in welcher sich Juden historisch gesehen oftmals wiederfanden, in die sie auch jetzt erneut hineingezwängt wurden.

Fairerweise muss man jedoch eine recht erhebliche Unterscheidung zwischen Schutzmännern und Polizisten machen, die freiwillig oder zwangsrekrutiert wurden. Es war durchaus zu beobachten, dass die Gruppe der Freiwilligen, die sich bereits zu Anfang für diesen Beruf meldeten, durchaus elanvoller an die Erledigung ihrer Pflichten herantrat. Die Gruppe der zwangsweise rekrutierten Männer war, wie oftmals berichtet wurde, eher passiv und erfüllte ihre Aufgaben mit weniger Tatendrang.112 Die kleineren Gruppen innerhalb der Schutzmannschaften, die sich stets bereitwillig in die Rolle der Schützen begaben, sowohl während der Aktionen, als auch während der „Ghetto-Liquidierungen“, bestanden zumeist aus freiwillig Rekrutierten. Dieser Umstand legt nahe, dass die Gruppe der freiwilligen Schutzmänner und Polizisten stärker von ideologischen Motiven geleitet wurde. Seien diese antisemitischer oder nationalistischer Natur, wobei beide Gesinnungen oftmals in Kombination auftraten.113

Abschließend ist nicht zu bestreiten, dass Antisemitismus ein starkes und bedeutendes Motiv in der aktiven Beteiligung der einheimischen Schutzmänner und Polizisten am Judenmord in der Ukraine darstellte. Es war vor allen Dingen unter den freiwillig beigetretenen Männern weit verbreitet und vorherrschend. Dennoch muss man berücksichtigen, dass, obwohl Antisemitismus definitiv eine Rolle spielte, es letzten Endes lediglich nur einer der Beweggründe innerhalb der großen und diversen Gruppe der Polizisten und Schutzmänner war.114 Die Beteiligung der Einheimischen am systematischen Massenmord ist keineswegs ein monokausales Phänomen und bedient sich vielerlei verschiedener Motive.115 Diese Tatsache soll jedoch keinesfalls die Existenz und Schwere des Motivs des Antisemitismus infrage stellen.

5.2 Weitere Motive der Schutzmänner und Polizisten

Die Beteiligung an solch einem organisatorisch umfangreichen und unfassbar grausamen Verbrechen wirft zurecht Fragen zu möglichen Motiven auf. Doch ist dies aufgrund der bereits gegebenen Komplexität der Angelegenheit nicht lediglich auf einen einzelnen Beweggrund zurückzuführen. Dies wäre sicherlich zu kurzsichtig und würde in einer ungeheuerlichen Vereinfachung münden. Die Prozesse jedoch sind vielseitig und ineinander verwoben, so wie die diversen Motive innerhalb der einheimischen Tätergruppe. Allein die Vielfältigkeit innerhalb der Gruppe selbst deutet bereits auf vielerlei diverse Motive hin.116 Alexander Prusins allgemeiner Versuch der Unterteilung aller Kollaborateure in Gruppen ausgehend von verschiedenen Motiven lässt sich in gewissen Teilen sicherlich auch auf die Gruppe der Schutzmänner und Polizisten übertragen. In seinem Modell identifiziert er drei typische Gruppen von Kollaborateuren.

Die erste und gleichzeitig kleinste Gruppe bestand aus ,,Ideological Collaborators“. Diese waren in ihrem Tun, wie der Name bereits andeutet, rein oder zum größten Teil ideologisch motiviert. Jedoch merkt Prusin an, dass die meisten von ihnen wiederum aus Rache agierten, anstatt lediglich aus purer Ideologie heraus. Hierbei ist die Rache am sowjetischen Regime gemeint, welches ihnen oder ihrer Familie in irgend einer Form Leid zugefügt hatte. Dabei war gewiss so einigen noch die verheerende Hungersnot der Dreißigerjahre in Erinnerung. Zahlreiche Ukrainer wurden vom zuvor vorherrschenden Regime deportiert und viele um ihr gesamtes Hab und Gut gebracht. Dementsprechend hegten einige Schutzmänner außerordentlichen Groll gegen diejenigen, die ihnen Unrecht angetan hatten und Rache durch Kollaboration mit dem Feind schien ihnen der nächst logische Schritt zu sein.117 Doch neben Vergeltung waren die beiden ideologischen Motive Nationalismus und Antisemitismus in dieser Gruppe besonders maßgebend. Ob separat von einander oder in Kombination: Sie waren für die Männer dieser speziellen Gruppe ausschlaggebende Beweggründe zur aktiven Partizipation am Judenmord, nicht nur als Wachen, sondern auch als Schützen.

Die zweite Gruppe innerhalb Prusins Modells ist die Gruppe der „enthusiastic conformists“. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass obwohl der Schein einer starken politischen oder ideologischen Motivation gewahrt wird, so ist dies dennoch nichts weiter als bloßer Schein. Tatsächlich bestanden keinerlei ausgeprägten ideologischen oder politischen Gesinnungen, sondern lediglich die Fähigkeit der Anpassung. Demnach wäre es dieser Art von Kollaborateuren letztendlich gleich, welches Regime die Macht innehatte und welcher Ideologie diese folgte. Die populären Konzepte wurden angenommen, um möglichst konfliktlos durch die Zeit der Okkupation zu kommen.118

Die dritte und somit letzte Gruppierung im Bunde ist die der „ordinary functionaries“. Diese setzte sich vorwiegend aus Menschen zusammen, die in ärmlichen Verhältnissen lebten und sich auf der niedrigsten Stufe der sozialen Hierarchie wiederfanden. Laut Prusin waren diese bereits daran gewöhnt, keinerlei Autonomie oder Macht innezuhaben. Sie taten schon immer, was von ihnen verlangt wurde. Ausgehend von ihrer Armut zögerten diese nicht lange, wenn sich die Möglichkeit bot, ihr Los zu verbessern.119 Die Zugehörigkeit zur lokalen Polizei oder Schutzmannschaft brachte gewiss eine Art Auszeichnung, eine gewisse soziale Stellung, sowohl materielle als auch monetäre Vorteile und zudem Macht mit sich.120 Demnach waren sowohl ein gewisses Maß an Macht, als auch die Möglichkeit, aus der Armut aufzusteigen durch einen Beitritt zu den einheimischen Hilfsgruppen gewährleistet. Prusins Forschung nach ist gerade diese Gruppe mit Abstand die größte, aber auch diejenige, die sich am ehesten an Gewaltakten und damit zumeist einhergehenden Aneignungen von fremdem Eigentum beteiligte. Denn die Versuchung der Bereicherung, Ausübung von Macht und sozialem Aufstieg war größer als jegliche politische Überzeugung oder soziale Loyalität gegenüber ihren Nachbarn. Die Tatsache, dass ihre Gewohnheit der unhinterfragten Befolgung von Befehlen nun in Verbindung mit der Möglichkeit des sozialen Aufstieges stand, bekräftigte diese nur weiter in ihrem Tun und mengte dem nun zusätzlich ein Maß Enthusiasmus bei.121 Nicht nur wurde ihnen Versorgung mit Nahrungsmitteln und gesichertes Einkommen versprochen,122 sondern auch diverse Belohnungen bei besonders gut ausgeführter Arbeit. Diese Aussichten animierten so einige zu besonders eifriger Ausführung der Befehle.123

Es ist gewiss unbestreitbar, dass viele Schutzmänner und Polizisten, sobald sie in den Genuss der zahlreichen Vorteile ihrer Arbeit kamen, von Habgierde gepackt und durch sie angetrieben wurden, schneller und effizienter zu arbeiten. Doch weilten unter ihnen oftmals verzweifelte Männer, die sich in Anbetracht ihrer Situation gezwungen sahen, dieser Arbeit nachzugehen. Arbeitslosigkeit war vor allen Dingen zu diesem Zeitpunkt ein außerordentlichen Problem, welches nach dringlicher Lösung verlangte, denn oftmals ging es dabei um Leben und Tod. Nicht nur um das Leben des Schutzmannes selbst, sondern auch um das seiner Familienmitglieder. Der gesicherte Lohn war nicht lediglich ein netter Zuschuss, sondern für viele absolut entscheidend und unentbehrlich: ,,I haven't got a lump ofbread, I havejoined the police force to feed my children“124

Zudem war der Beitritt zu einer Polizei- oder Schutzeinheit eine effektive Möglichkeit der Umgehung einer eventuellen Deportation nach Deutschland zu Zwecken der Zwangsarbeit:

At the end of 1942 or the beginning of 1943 the Germans began to send former prisoners of war and young people to work in Germany. I wanted to stay at home and to make this possible I decided to go to work for the Germans in the police and so avoid transportation to Germany. At this time I voluntarily joined the police.125

Neben Armut und dem Wunsch der Zwangsarbeit in einem fremden Land zu entgehen, kommen zwei weitere fundamentale Motive hinzu, die sicherlich viele Polizisten und Schutzmänner antrieb. Das erste war das lähmende Gefühl der Angst. Sei es die Angst vor den schwerwiegenden Konsequenzen der Arbeitslosigkeit oder den Folgen der Verweigerung oder Auflehnung. In solchen chaotischen und ungewöhnlichen Zeiten ist zweierlei gewiss: Furcht und Unsicherheit. Die prekäre Lebenslage, in der sich viele einfache Ukrainer zur Zeit der Besetzung wiederfanden, erlaubte es nicht wählerisch zu sein.126 Doch einen weiteren fundamentalen menschlichen Charakterzug sollte man ebenfalls berücksichtigen: Die Anfälligkeit des menschlichen Wesens für die Korruption durch unerwartet erhaltene Macht. Es war nicht das erste und gewiss nicht das letzte Mal, dass die Befähigung, Befehle zu erteilen oder gar über Leben und Tod zu entscheiden, einen korrumpierenden Effekt auf die Entscheidungsträger ausübte.127 Karl Stojka, der als Roma den Krieg in Wien überlebte, beschrieb diesen Effekt überaus treffend:

Nicht Hitler, Göring, Goebbels, Himmler und alle wie sie hießen, haben mich verschleppt und geschlagen. Nein! Es war der Schuster, der Nachbar, der Milchmann, der Postmann. Die haben eine Uniform bekommen, eine Binde bekommen und eine Haube und einen Totenkopf da oben und da waren sie die Herrenrasse!128

Gewiss war der Effekt eben so wirksam bei zahlreichen ukrainischen Schutzmännern und Polizisten, die bis dato noch auf der tiefsten Stufe der gesellschaftlichen Hierarchie standen, und plötzlich verlieh ihnen die Uniform einen neuen sozialen Status, Geld, Güter und vor allen Dingen die Entscheidungsmacht über Teile der Bevölkerung. Zwar waren sie nicht die „Herrenrasse“, doch erfuhren sie gesellschaftliche Aufwertung. Sie konnten sogar eine Art soziale Mobilität innerhalb der Reihen der Schutzmannschaften selbst erreichen und tatsächlich eine nennenswerte Karriere anstreben. Was solch eine ausgesprochene Veränderung der Umstände eines Menschen in eben diesem bewirkte, kann man sich nur vorstellen. Neben all diesen möglichen Beweggründen wird eine in den Aussagen der Schutzmänner und Polizisten besonders hervorgehoben und fungiert dabei als größter gemeinsamer Nenner: Der unerschütterliche Wille zu überleben. In solch schwierigen und chaotischen Zeiten, in der Gewalt eines von Natur aus ausbeuterischen Regimes,129 waren die meisten der Männer zu jung, zu schwach oder zu arm, um Widerstand zu leisten.130 Das eigene Überleben wurde zur größten Priorität und Tugenden wie Moral erschienen in Anbetracht der Lage zweitrangig.

Letztendlich ist die Frage nach möglichen Tätermotiven sicherlich berechtigt und wesentlich, doch nicht einfach zu beantworten, da eine erhebliche Anzahl an Einflussfaktoren mitbedacht werden muss. Die zahlreichen Vorteile und Boni, die mit der Position eines Schutzmannes oder Polizisten einhergingen, weckten gewiss in vielen den Opportunismus, doch muss man sich vor Augen halten, dass so einige dabei viel weiter gingen als andere. Ein Teil der Schutzmänner und Polizisten überschritt jegliche Grenzen und trat somit in den Bereich des Unverzeihlichen. Zwar war diese Gruppe die kleinste unter den Männern, doch ihre Taten waren absolut verheerend. Dies ist nicht mit bloßem Opportunismus zu erklären, noch weniger scheint dabei der Wille zu Überleben maßgeblich zu sein. Blanker Antisemitismus und Korruption durch neugewonnene Macht waren besonders hier von größter Wichtigkeit und endeten in zerstörerischer Gewalt. Doch der größte Teil der Schutzmannschaften und Polizeieinheiten führten die Befehle halbherzig aus, da keinerlei ideologische Gesinnungen vorherrschten und ihr Tun, ausgehend von ihrer auswegslosen Situation, dem Zwecke des Überlebens in äußerst dunklen Zeiten diente. Dennoch, auch wenn die Befehle halbherzig ausgeführt wurden, haben sie doch ihren Zweck erfüllt und eine der schlimmsten Verbrechen der Menschheit möglich gemacht und in die Tat umgesetzt. Die Schwere der Schuld sollte im besten Falle auf individueller Basis entschieden werden, da die Kategorien, auch wenn sie etwas differenzierter sind, nicht jede Facette einer Situation miteinschließen können.131 Oftmals traten die Motive je nach Individuum in verschiedensten Kombinationen und Gewichtungen untereinander auf. Die Komplexität dieses Unterfangens jedoch macht ein gewisses Grad an Verallgemeinerung unumgänglich.

6. Schlussbetrachtung

Die Besetzung der Ukraine im Sommer 1941 entfachte ein wahres Inferno für über 1,5 Millionen Juden. Die Umsetzung eines der größten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit verlangte nach aktiver Beteiligung zigtausender Einheimischer und so wendete sich Nachbar gegen Nachbar und Freund gegen Freund. Ein Großteil der Arbeit wurde in die Hände der einheimischen Schutzmänner und Polizisten gelegt und diese erfüllten ihr Soll effektiv und ohne Umschweife. „HeMUbi ohu >i<e Obinu TaKue xuTpme hto ny^uMu pyKaMu flenanu cnoe fle.no, cTpamHoe fle.no flenanu.“132 Auch wenn bei den „Aktionen“ das eigentliche Schießen zum größten Teil von deutschen Einsatzgruppen übernommen wurde, so lag der gesamte Rest des mehrschrittigen Prozesses in der Verantwortung der ukrainischen Helfer. Sie trieben die wehrlosen jüdischen Opfer zusammen und sorgten dafür, dass keiner es wagte zu fliehen, als sie sie zum Exekutionsgelände brachten. Dort zwangen sie die Opfer, sich sowohl ihres gesamten Hab und Guts, als auch ihrer Kleidung zu entledigen. Nackt, verwundbar und gepeinigt wurden die Opfer genötigt, sich in einer Reihe aufzustellen, wo das letzte, worauf sie noch hoffen durften, eine Kugel war, die ihrem Leben ein sofortiges Ende bescherte. Vielen wurde aber selbst dies nicht gewährt und sie erstickten qualvoll unter der Erde und den toten Körpern der anderen.133 „Es war unmöglich immer hinzuschauen. Es war grausam. Vieh vor dem Schlachten zu sehen, das ist grausam. Aber das waren Menschen.“, erinntere sich Adolf Vislovski viele Jahrzehnte nach den grausamen Geschehnissen, von denen er als Kind Zeuge wurde.134 Damals wie auch heute, herrscht reine Fassungslosigkeit darüber, dass Menschen in solch einer Weise, in der Tat wie Vieh, in Massen getötet worden sind, für kein weiteres Vergehen als das jüdischer Herkunft zu sein. Vor allen Dingen äußerten Überlebende absolute Entrüstung über die Tatsache, dass ihre eigenen Nachbarn und Landsleute sich so bereitwillig am systematischen Massenmord beteiligt hatten. In den Augen vieler war dies ein unverzeihlicher Verrat. Die Motive der Schutzmänner und Polizisten, die zum größten Teil recht jung und ungebildet waren und zumeist aus ärmlichen Verhältnissen stammten, waren mannigfaltig. In der Betrachtung und Bemessung möglicher Tätermotive sollte unbedingt eine Differenzierung zwischen freiwillig beigetretenen und zwangsweise rekrutierten Schutzmännern stattfinden. In der Gruppe der Freiwilligen findet man den größten Anteil an ideologisch motivierten Schutzmännern und Polizisten, die oftmals starke antisemitische Tendenzen und nationalistische Bestrebungen aufwiesen. Diese Gruppe beteiligte sich oftmals freiwillig an Erschießungen und übernahm die Rolle des Henkers, ohne überzeugt werden zu müssen. Die Gruppe der Zwangsrekrutierten, welche den größten Anteil aller Schutzmänner und Polizisten darstellte, war vorwiegend unpolitisch und wies keinerlei starke ideologische Gesinnungen auf. Diese Männer würden entweder der zweitgrößten Kategorie der „enthusiastic conformists“ oder der, der „ordinary functionaries“ zugeordnet werden, die zahlenmäßig den übrigen beiden Kategorien weit überlegen war. In der zweiten Gruppe finden sich Opportunisten wieder, die bereitwillig den Befehlen der Obrigkeit folgten, um ihre Umstände zu verbessern. Ihre Anpassungsfähigkeit, gekoppelt mit all den Vorteilen und Belohnungen, die der Polizeiberuf mit sich brachte, machte sie zu enthusiastischen Beihelfern, die bereit waren, ihre jüdischen Mitbürger für ihr eigenes Wohl zu opfern. Geld, Güter, sozialer Aufstieg und die Möglichkeit einer erfolgreichen Karriere ließ sie ihre Moral vergessen und lenkte ihre Loyalität hin zu den Besatzern und weg von den jüdischen Nachbarn. Doch hatten die meisten aller Schutzmänner und Polizisten ein Motiv gemeinsam: Der Wille zum Überleben war ungemein stark und ließ sie Dinge tun, die sie unter anderen Umständen niemals auch nur gewagten hätten zu tun. Da sie größtenteils vollkommen verarmt waren, waren sie gezwungen, mit dem nationalsozialistischen Regime zu kollaborieren. Die Arbeit als Schutzmann und Polizist sicherte ihnen Essensrationen, gesicherten Lohn und Pensionen zu und Arbeitslosigkeit kam vor allen Dingen zu dieser Zeit einem Todesurteil gleich. Um ihre Familien zu ernähren, Deportationen und anderweitigen Konsequenzen zu entgehen, konnten sie sich den Luxus des Widerstandes nicht leisten. Die meisten taten das, was nötig war, um zu überleben. Viele der Motive kamen in verschiedenen Kombinationen vor, einige bedingten andere und wurden je nach Individuum verschieden gewichtet. Es ist unmöglich, mit absoluter Sicherheit zu sagen, was ein Individuum dazu verleitete, sich an so etwas Ungeheuerlichem zu beteiligen, da man nie vollends wissen kann, welche Umstände, Gedanken und Gefühle diesen begleiteten. Doch es ist gewiss, dass sich solch ein komplexes Phänomen, wie scheinbar normale Menschen sich plötzlich an solch einer Monstrosität beteiligen konnten, nicht lediglich auf einen Beweggrund zurückzuführen ist. Die Schwere der Schuld müsste auf individueller Basis bemessen werden.

Quellenverzeichni s

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[...]


1 Daria Rudakova: Civilian Collaboration in Occupied Ukraine and Crimea, 1941-1944. A Study of Motivation, PhD Thesis, Perth: University of Western Australia, 2018, S. 3.

2 Martin Dean: Collaboration in the Holocaust. Crimes of the Local Police in Belorussin and Ukraine 19411944, Hampshire 2000, S. 101.

3 Imke Hansen: Und das waren unsere Nachbarn, in: Panel 7- The Memory of Collaboration, Wiener Wiesenthal InstitutfürHolocaust-Studien, URL: https://www.youtube.com/watch?v=_7Si1oPOgek (04.05.2021).

4 Vgl. Rudakova: Civilian Collaboration, S. 99.

5 Natalia Petrouchkevitch, Natalia: Victims and Criminals. Schutzmannschaft Batallion 118, Master Thesis, Ontario: University of Western Ontario, 1999, S. 51.

6 Dean: Collaboration, S. 60.

7 Ebenda, S.101.

8 Rudakova: CivilianCollaboration, S. 95.

9 Dean: Collaboration, S. 77.

10 Wendy Lower: Local Participation in the Crimes of the Holocaust in Ukraine. Forms and Consequences, Panel 2, München (?), S. 2.

11 Eebenda, S.17.

12 Rudakova: Civilian Collaboration, S. 28.

13 Knut Mellenthin: Die Goldhagen - Debatte, war's das schon?, in: Chronologie des Holocaust, URL: http://www.holocaust-chronologie.de/artikel/die-goldhagen-debatte.html (29.04.2021).

14 Christopher Browning: Die Entfesslung der »Endlösung«. Nationalsozialistische Judenpolitik 1939-1942, München 2003, S. 401.

15 Dean: Collaboration, S. 102.

16 Ebenda, S. 60.

17 Dean inRudakova: CivilianCollaboration, S. 103.

18 EnstadinRudakova: CivilianCollaboration, S. 104.

19 PrusininRudakova: CivilianCollaboration, S. 106.

20 Ebenda.

21 Petrouchkevitch: Victims and Criminals, S. 47.

22 Il'Ja Alt'Mann: Opfer des Hasses. Der Holocaust inderUdSSR 1941-1945, Gleichen2008, S. 282.

23 Aly Götz: Europa gegen die Juden 1880-1945, Frankfurt am Main 2017, S. 160.

24 Birthe Kundus: Krieg und Holocaust in Europa, München 2018, S. 202.

25 Browning: EntfesslungderEndlösung, S. 392.

26 Ebenda, S. 396.

27 Ebenda, S. 399.

28 AdolfHitler, zitiert nach Browning: Entfesslung derEndlösung, S. 399.

29 Browning: EntfesslungderEndlösung, S. 399f.

30 Lower: LocalParticipation, S.11.

31 Dean: Collaboration, S. 67.

32 Petrouchkevitch: Victims and Criminals, S. 56 f.

33 Dean: Collaboration, S.66f.

34 Olesya Khromeychuk: Ukrainians and the German Armed Forces During the Second World War, in: History 100:5 (2015), S. 716.

35 Dean: Collaboration, S. 73.

36 Rudakova: Civilian Collaboration, S. 94.

37 Ebenda, S. 96.

38 Ebenda, S. 94.

39 Petrouchkevitch: Victims and Criminals, S. 54.

40 Petrouchkevitch: Victims and Criminals, S. 55.

41 Dean: Collaboration, S. 61.

42 Dieter Pohl: Nationalisozialistische JudenverfolgunginOstgalizien 1941-1944. Organisationund Durchführungeines staatlichen Massenverbrechens, Oldenbourg 1997, S. 93.

43 Dean: Collaboration, S. 74.

44 Lower: LocalParticipation, S.11.

45 Dean: Collaboration, S. 74.

46 Ebenda, S. 65.

47 Ebenda, S. 74.

48 PrusininRudakova: CivilianCollaboration, S. 91.

49 Ebenda, S. 89.

50 Dean: Collaboration, S. 74.

51 Dean: Collaboration, S. 73 f.

52 Ebenda, S. 60.

53 Yitzhak Arad: The Holocaust in the Soviet Union, Jerusalem 2009, S. 107 f.

54 Dean: Collaboration, S. 74.

55 Rudakova: Civilian Collaboration, S. 86.

56 Dean: Collaboration, S. 75.

57 Rudakova: Civilian Collaboration, S. 96.

58 Rudakova: Civilian Collaboration, S.92f.

59 Ebenda, S. 86.

60 Dean: Collaboration, S. 60.

61 Rudakova: CivilianCollaboration, S. 97.

62 Dean: Collaboration, S.60f.

63 Aufruf an die Juden von Kiew, in: Deathcamps, URL: http://www.deathcamps.org/occupation/pic/bigbabijar14.jpg (04.05.2021): „Wer dieser Aufforderung nicht nachkommt und anderweitig angetroffen wird, wird erschossen.” (eigene Übersetzung).

64 Karel C. Berkhoff: Dina Pronicheva’s Story of Surviving the Babi Yar Massacre. German, Jewish, Soviet, Russian and Ukrainian Records, in: Brandon, Ray/Lower, Wendy (Hrsg.): The Shoah in Ukraine. History, Testimony, memorialization, Bloomington2010, S. 291 f.

65 Alt’Mann: Opfer desHasses, S. 352.

66 Berkhoff: Dina Pronicheva’s Story, S. 294.

67 Aussage der Überlebenden Dina Mironovna Pronicheva, zitiert nach Berkhoff: Dina Pronicheva’s Story , S. 308.

68 Ebenda, S. 301.

69 Kundus: Krieg und Holocaust, S. 207.

70 Berkhoff: DinaPronicheva's Story, S. 301.

71 Dean: Collaboration, S. 68.

72 Oral History Interview withNadiaBarlanetska, in: EHRI, URL: https://portal.ehri-project.eu/units/us-005578-irn44528-irn44975 (04.05.2021): „Auf unserer Sprache. AufUkrainisch.” (eigene Übersetzung).

73 Berkhoff: Dina Pronicheva's Story, S. 302 f.

74 Barlanetska: Oral History Interview, in: EHRI: „Unter den Deutschen stand die Politsai und sie sagte ihnen, dass sie sich ausziehen sollten und ihr gesamtes Gold abwerfen sollten [...] so haben sie alles gesammelt und alles neben dem Graben abgeworfen.” (eigene Übersetzung).

75 Aussage der Überlebenden Dina Mironovna Pronicheva, zitiert nach Berkhoff: Dina Pronicheva's Story, S. 303.

76 Aussage der Überlebenden Dina Mironovna Pronicheva, zitiert nach Berkhoff: Dina Pronicheva's Story, S. 304.

77 N.N., zitiertnach Alt'Mann: Opfer desHasses, S. 357.

78 Aussage des Überlebenden Burd Michail, in Müller, Margret/Müller, Werner (Hrsg.): Nur wir haben überlebt. Holocaust in der Ukraine. Zeugnisse und Dokumente, Weilerswist-Metternich 2016, S. 88.

79 N.N., zitiertnachDean: Collaboration, S. 102.

80 Aussage der Überlebenden Dina Mironovna Pronicheva, zitiert nach Berkhoff: Dina Pronicheva's Story, S. 306.

81 Berkhoff: DinaPronicheva's Story, S. 306 f.

82 Aussage der Überlebenden V. E. Levitskaya, zitiert nach Michael Gesin: The Destruction of the Ukrainian Jewry during World War II, Lewiston 2006, S. 67.

83 Ernst Klee (Hrsg.): Schöne Zeiten. Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer, Frankfurt am Main 1988, S. 132.

84 Aussage des August Häfner: Institut für Zeitgeschichte, München-Berlin, Archiv, Gd 01.54/16, S. 15.

85 Ebenda.

86 Ebenda, S. 17.

87 Dean: Collaboration, S. 162.

88 Rudakova: Civilian Collaboration, S. 107.

89 Dean: Collaboration, S. 78.

90 Dean: Collaboration, S. 93.

91 Christopher Browning: Judenmord. NS-Politik, Zwangsarbeit und das Verhalten der Täter, Frankfurt am Main2001, S. 202.

92 Dean: Collaboration, S. 77.

93 Ebenda, S. 83 f

94 Aussage des ehemaligen Polizeichefs in Samgorodok, zitiert nach Dean: Collaboration, S. 82.

95 Dean: Collaboration, S. 165.

96 Ebenda, S. 97 ff.

97 Ebenda, S. 165.

98 Aussage einer Überlebenden N.N., zitiertnachDean: Collaboration, S. 101.

99 Alt'Mann: Opfer des Hasses, S. 264.

100 Gesin: The Destruction of the Ukrainian Jewry, S. 59.

101 Khromeychuk: Ukrainians andthe German ArmedForces, S. 717.

102 Alt'Mann: Opfer des Hasses, S. 282.

103 John-Paul Himka: Ukraine Memories of the Holocaust. The Destruction of Jews as Reflected in Memoirs Collected in 1947, in: Canadian Slavonic Papers 54:3/4 (2012), S. 427.

104 Aussage des Dmytro Duchyns'kyi, zitiert nachHimka: Ukraine Memories, S. 437.

105 Aussage derEmiliiaPrybytkivs'ka, zitiert nachHimka: Ukraine Memories, S. 434.

106 Ebenda.

107 Barlanetska: Oral History Interview, in: EHRI.

108 Gesin: The Destruction of the Ukrainian Jewry, S. 64.

109 Ivan Katschanovski: The OUN, the UPA, and the Nazi Genocide in Ukraine, in: Black, Peter/Rasky, Bela/Windsperger, Marianne (Hrsg.): Collaboration in Eastern Europe during the Second World War and the Holocaust, Wien2019, S. 181 f.

110 Aussage des Polizisten Makhlai, zitiert nach Rudakova: Civilian Collaboration, S. 80.

111 Aussage des Polizisten Scherbina, zitiert nach Rudakova: Civilian Collaboration, S. 80.

112 Dean: Collaboration, S. 71.

113 Rudakova: CivilianCollaboration, S. 81.

114 Patrick Debois und Edward Husson: Neue Ergebnisse zur Geschichte des Holocaust in der Ukraine. Das „Oral History”-Projekt von Yahad-In Unum und seine wissenschaftliche Bewertung, in: Hürter, Johannes/Zarasky, Jürgen (Hrsg.): Besatzung, Kollaboration, Holocaust. Neue Studien zur Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden, München 2008, S. 179.

115 Dean: Collaboration, S. 163.

116 Rudakova: Civilian Collaboration, S. 20.

117 Dean: Collaboration, S.60f.

118 Rudakova: Civilian Collaboration, S. 104 f.

119 Rudakova: CivilianCollaboration, S. 106.

120 Ebenda, S. 97.

121 Ebenda, S. 106.

122 Dean: Collaboration, S. 60.

123 Ebenda, S. 102.

124 Aussage eines Polizisten N.N., zitiert nach Dean: Collaboration, S. 67.

125 Aussage eines Polizisten N.N., zitiert nach Dean: Collaboration, S. 67.

126 Rudakova: Civilian Collaboration, S. 104.

127 Dean: Collaboration, S. 102.

128 Aussage von Karl Stojka, zitiert nach Maurice Philip Remy: Holokaust. Teil 2: Entscheidung, POLAR Film + Medien GmbH, 2001.

129 Dean: Collaboration, S. 71.

130 Rudakova: Civilian Collaboration, S. 31.

131 Gaelle Fisher und Caroline Mezger: Introduction - The Holocaust in the Boarderlands. Interethnic Relations and the Dynamics of Violence in Occupied Eastern Europe, in: Fisher, Gaelle/Mezger, Caroline (Hrsg.): The Holocaust in the Boarderlands. Interethnic Relations and the Dynamics of Violence in Occupied Eastern Europe, Göttingen 2019, S. 26 f.

132 Oral History Interview with Adolf Vislovski, in: EHRI, URL: https://portal.ehri-project.eu/units/us-005578-irn44528-irn44978 (04.05.2021): „Die Deutschen, sie waren doch so listig, dass sie mit fremden Händen ihre Sache verrichteten, eine schlimme Sache.” (eigene Übersetzung).

133 Oral History Interview with Adolf Vislovski, in: EHRI.

134 Aussage von Adolf Vislovski, zitiert nach Romain Icard: Shoah durch Erschiessen. Einsatzgruppen in der Ukraine, Alive - Vertrieb und Marketing/DVD, 2014.

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Título: Holocaust in der Ukraine. Tätermotive der einheimischen Schutzmannschaften und der lokalen Hilfspolizei im Judenmord 1941-1944

Tesis (Bachelor) , 2021 , 38 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Elisaveta Milaeva (Autor)

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Detalles

Título
Holocaust in der Ukraine. Tätermotive der einheimischen Schutzmannschaften und der lokalen Hilfspolizei im Judenmord 1941-1944
Universidad
University of Trier
Calificación
1,0
Autor
Elisaveta Milaeva (Autor)
Año de publicación
2021
Páginas
38
No. de catálogo
V1695707
ISBN (PDF)
9783389177495
ISBN (Libro)
9783389177501
Idioma
Alemán
Etiqueta
holocaust ukraine tätermotive schutzmannschaften hilfspolizei judenmord
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Elisaveta Milaeva (Autor), 2021, Holocaust in der Ukraine. Tätermotive der einheimischen Schutzmannschaften und der lokalen Hilfspolizei im Judenmord 1941-1944, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1695707
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