Die Mythologie unserer Vorfahren ist sehr umfangreich und interessant. Schwierig ist jedoch die Quellenlage, da sich die meisten Schriften auf mündliche Überlieferungen stützen und die Autoren ihre Werke erst viele Jahrhunderte später aufschrieben. Es ist hierbei schwierig, die Intentionen der Autoren und die reine Geschichtsschreibung auseinanderzuhalten. Einige Werke der mittelalterlichen Autoren berichten über dieselben Mythen, geben diese jedoch auf eine ganze andere Art und Weise wieder. Wie kann so etwas passieren und welches Werk ist Fiktion und welches basiert auf reiner Historiografie?
In meiner Arbeit werde ich diese Fragen anhand der beiden Autoren Saxo Grammaticus und Snorri Sturluson versuchen zu beantworten. Beide Autoren sind Skandinavier und Christen, trotzdem schrieben beide eine sehr unterschiedliche Saga, die „Balder Saga“. Wie kam es dazu und aus welchem Grund schreiben beide Autoren ihr Werk so unterschiedlich? Um diese Fragen untersuchen zu können, bedarf es zunächst einer genaueren Untersuchung der Autoren und ihrer Werke. Zunächst werde ich das Leben des Saxo Grammaticus beschreiben. In welchem Umfeld lebte er und wie kam er dazu, sein Werk „Gesta Danorum“ zu verschriften? Anschließend gehe ich auf sein Werk „Gesta Danorum“ ein und werde dann die stilistischen Mittel, Saxos Quellen und die Entstehungsgeschichte des Werkes aufzeichnen. Dieser theoretische Unterbau dient dem Verständnis des Werkes und für den Ausschnitt der Balder Saga, worauf ich mich im darauffolgenden Kapitel beziehen werde.
Um ein Verständnis des Werkes „Edda“ von Snorri Sturluson zu erlangen, werde ich auch hier einen theoretischen Unterbau vorlegen. Sein Werk zählt zu den isländischen Quellen. Aufgrund dessen werde ich auf diese Quellengattung eingehen und sie vorstellen. Abschließend beschreibe ich die Saga des Balders aus der isländischen Tradition von Snorri Sturluson.
Beide Sagas werde ich im nächsten Kapitel vergleichen und interpretieren. Dabei versuche ich vor allem, die Unterschiede beider Sagas zu durchleuchten.
In meinem Fazit gebe ich die Aspekte beider Quellen kurz und knapp wieder, um die genauen Unterschiede diskutieren zu können. Dabei werde ich meine eigene Meinung berücksichtigen und diese in der Diskussion stark vertreten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.Das Leben des Saxo Grammaticus
3. Die Gesta Danorum
3.1. Quellen, stilistische Merkmale und die Entstehungsgeschichte der „Gesta Danorum“
4. Die Saga des Balderus bei Saxo Grammaticus
5. Die Isländersaga
5.1 Besondere Merkmale der Isländersagas
6. Das Leben des Snorri Sturluson und seine Werke
7. Die Saga des Baldrs aus isländischer Tradition
8. Vergleichung der beiden Baldersagen
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Unterschiede in der Darstellung der „Balder-Sage“ bei den mittelalterlichen Autoren Saxo Grammaticus und Snorri Sturluson. Ziel ist es, die Einflüsse der jeweiligen Autoren, ihrer Herkunft und ihrer christlichen Überzeugungen auf die mythologische Überlieferung herauszuarbeiten und zu analysieren, warum trotz gleicher Quellenbasis unterschiedliche Erzählstrukturen entstanden sind.
- Biografische Analyse von Saxo Grammaticus und Snorri Sturluson.
- Untersuchung der Entstehungsgeschichte und Charakteristika der „Gesta Danorum“ und der isländischen Sagas.
- Gegenüberstellung und Interpretation der Baldersagen in dänischer und isländischer Tradition.
- Diskussion über den Einfluss christlicher Weltsicht auf die Bearbeitung heidnischer Mythen.
Auszug aus dem Buch
4. Die Saga des Balderus bei Saxo Grammaticus
Zunächst befasst sich Saxo mit Hotherus, den Pflegesohn des norwegischen Königs Gewarus, welchen er als sehr talentiert beschreibt: „Auch besaß er manche Geistesgaben; kunstfertig war er im Schwimmen, Bogenschießen und Faustkampf; so geschmeidig war er, wie man in seinem Alter nur sein kann.“ Die Tochter des Königs verliebt sich in ihn, aber Balderus, Odins Sohn, der sie beim Baden sah, verliebte sich so sehr in sie, dass er beschloss, seinen Konkurrenten zu töten. Dieser begegnet im Wald Walküren (virgin silvestres) und wird von ihnen gewarnt, dass Balderus ein Halbgott (semideus) sei. Außerdem erklären sie ihm, dass sie über Sieg und Niederlage entscheiden können und ihren Freunden in der Schlacht helfen. Als er nun Gevars um die Hand seiner Tochter bittet, verwehrt er ihm diese, aus Furcht vor Balderus. Jedoch kennt Gevar einen Waldzwerg namens Mimmig, der ein Schwert besitzt, welches Balderus töten würde. Daraufhin erwirbt Holtherus das Schwert und kehrt heim. Balderus nutzt diese Abwesenheit, um sich Nanna zu nähern. Diese weist ihn jedoch ab, mit der Begründung: „[…] ein Gott könne mit einer Sterblichen nicht ehelichen verbunden werden;weil der ungeheure Unterschied der Naturen die eheliche Gemeinschaft ausschliesse.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Quellenlage mythologischer Überlieferungen ein und formuliert die Forschungsfrage zum Vergleich der Baldersagen von Saxo Grammaticus und Snorri Sturluson.
2.Das Leben des Saxo Grammaticus: Das Kapitel beleuchtet die biografischen Hintergründe und das Umfeld des dänischen Klerikers Saxo Grammaticus als Autor der „Gesta Danorum“.
3. Die Gesta Danorum: Hier werden die Struktur, der Inhalt und die historiographische Bedeutung des 16-bändigen Werkes „Gesta Danorum“ erörtert.
3.1. Quellen, stilistische Merkmale und die Entstehungsgeschichte der „Gesta Danorum“: Dieser Unterpunkt analysiert die rhetorischen Mittel und die vielfältigen, teils antiken und teils mündlich überlieferten Quellen, auf die sich Saxo bei seinem Werk stützte.
4. Die Saga des Balderus bei Saxo Grammaticus: Der Inhalt der dänischen Überlieferung der Balder-Sage durch Saxo wird detailliert wiedergegeben, wobei der Fokus auf der Rolle des Hotherus und der menschlich-weltlichen Perspektive liegt.
5. Die Isländersaga: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entstehung, Überlieferung und die wissenschaftliche Einordnung der isländischen Sagaliteratur.
5.1 Besondere Merkmale der Isländersagas: Hier werden typische Merkmale wie die offene Komposition und die erzählerische Funktion der Sagas für die nordische Identität erläutert.
6. Das Leben des Snorri Sturluson und seine Werke: Das Leben des bedeutenden isländischen Skalden und Politikers wird dargestellt, inklusive einer Einführung in sein Hauptwerk, die „Snorra Edda“.
7. Die Saga des Baldrs aus isländischer Tradition: Die isländische Version des Mythos, die sich stark auf die Götterwelt konzentriert, wird hier chronologisch und inhaltlich beschrieben.
8. Vergleichung der beiden Baldersagen: Dieses Kapitel führt einen direkten Vergleich der beiden Überlieferungen durch und diskutiert die bewusste Umgestaltung des Stoffes durch die Autoren.
9. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, in der die unterschiedlichen Intentionen und Einflüsse der Autoren auf die jeweilige Tradierung der Sage reflektiert werden.
Schlüsselwörter
Saxo Grammaticus, Snorri Sturluson, Balder-Sage, Gesta Danorum, Isländersaga, nordische Mythologie, Quellenkritik, Mittelalter, Historiografie, Hotherus, Odin, Skandinavien, Sagaliteratur, Heidentum, Christentum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit vergleicht die zwei unterschiedlichen literarischen Darstellungen der Baldersage, wie sie einerseits von Saxo Grammaticus in dänischer und andererseits von Snorri Sturluson in isländischer Tradition überliefert wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der mittelalterlichen Quellen, dem Wirken der Autoren als Chronisten und der Untersuchung, wie religiöse und kulturelle Kontexte die mythologische Überlieferung beeinflussten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Unterschiede in der Interpretation und Erzählweise der Balder-Sage durch die beiden Autoren aufzuzeigen und zu ergründen, welche Rolle die persönliche Einstellung und die Zeitumstände der Autoren dabei spielten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode des komparativen Quellenvergleichs und der historischen Kontextualisierung, um die Sagentexte zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der beiden Autoren und ihrer Werke sowie die detaillierte inhaltliche Darstellung beider Sagenversionen, gefolgt von einer vergleichenden Interpretation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Saxo Grammaticus, Snorri Sturluson, Balder-Sage, Gesta Danorum, Isländersaga und Quellenkritik.
Wie unterscheidet sich die Baldersage bei Saxo Grammaticus von der bei Snorri Sturluson?
Saxo integriert die Sage in eine weltliche, königliche Geschichte und zeigt eine kritische Distanz zum Heidentum, während Snorri die Sage als Göttermythos belässt und eine eher neutrale, traditionelle Darstellung wählt.
Welche Rolle spielt der Charakter Nanna in den beiden Sagen?
Bei Saxo ist Nanna eine zentrale Figur und ihr Verhältnis zu Hotherus bildet den Kern des Geschehens, während sie bei Snorri eher eine untergeordnete Rolle in der Bestattungsszene spielt.
Warum bezweifeln Forscher die reine Geschichtsschreibung bei diesen Autoren?
Da beide Autoren erst Jahrhunderte nach den Ereignissen schrieben und zudem stark durch ihren christlichen Glauben sowie ihre politischen Interessen beeinflusst waren, müssen ihre Werke als subjektive literarische Bearbeitungen betrachtet werden.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur unterschiedlichen Gestaltung der Sagen?
Der Autor schließt, dass unterschiedliche regionale Traditionen und die individuellen Meinungen der Autoren zu einer Aufspaltung der Sage führten, wobei Saxo das Heidentum für das Christentum "umdeutete", während Snorri die heidnische Tradition weitgehend neutral bewahrte.
- Arbeit zitieren
- Pia Brinkkoetter (Autor:in), 2009, Quellenvergleich der Gesta Danorum und der Snorri Edda – Aufgezeigt am Beispiel der Saga des Balders, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169572