In dieser Arbeit wird Foucaults berühmter Vortrag "Was ist Kritik" zusammengefasst und einige der grundlegenden Argumentationsmuster Foucaults werden kritisiert: Die Entwicklung einer Methode jenseits des Gegenstands, die rein nominalistische Festsetzung einer Verbindung von Wissen und Macht, sowie die Identifikation von Genese und Identität.
Auch heute noch gilt Foucault in den Geisteswissenschaften als ein Ausnahmetheoretiker und gar als Modernisierer der Wissenschaft – einer, der neue Forschungsgebiete eröffnete und radikal mit alten Dogmen brach. Hinter der teils rätselhaften Sprache seiner Schriften stehen also durchaus ernste theoretische Ansprüche, die es wert sind, geprüft zu werden. Dieses Vorhaben will ich in dieser Arbeit verfolgen, indem ich das theoretische Gerüst, welches Foucault in dem Vortrag „Was ist Kritik“ benutzt, rekonstruiere und kritisiere. Der Vortrag bietet sich dazu an, da er viele zentrale Begriffe und Thesen Foucaults einführt. Für eine tiefere Auseinandersetzung mit Foucault, die ich an dieser Stelle nicht leisten kann, müsste man selbstverständlich seine materialen Analysen zu den bekannten verschiedenen Themen (Klinik, Gefängnis etc.) heranziehen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Foucault: Ein radikaler Kritiker
- 2. Die Zeit der Aufklärung: Das Wechselspiel von Regierung und Kritik
- 3. Kritik bei Foucault: Kontingente Akzeptanzbedingungen einer Singularität aufzeigen
- 4. Kritik der Foucaultschen Kritik
- 4.1 Die Methode
- 4.2 Macht und Erkenntnis
- 4.3 Die Abstraktion vom Gegenstand
- 5. Fazit
- 6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit zielt darauf ab, das theoretische Gerüst, welches Michel Foucault in seinem Vortrag „Was ist Kritik“ entwickelt, tiefgehend zu rekonstruieren und kritisch zu analysieren.
- Foucaults Verständnis von Kritik und dessen Ursprünge in der Aufklärung.
- Das dynamische Verhältnis zwischen Regierungskünsten und der kritischen Haltung.
- Die Untersuchung von Macht-Wissen-Systemen und deren Einfluss auf die Subjektformung.
- Die methodischen Ansätze Foucaults: Archäologie, Genealogie und Strategie.
- Die kritische Bewertung der von Foucault formulierten Thesen zur Kritik.
Auszug aus dem Buch
3. Kritik bei Foucault: Kontingente Akzeptanzbedingungen einer Singularität aufzeigen
Dem Projekt der Kritiken möchte Foucault allerdings nicht folgen, sondern die Frage nach Kritik (das, was Kant Aufklärung nennt) in Anschluss an die Vernunftkritik der Frankfurter Schule und die Phänomenologie ins Zentrum seiner Analyse stellen. Das bedeute wiederum, „daß man sich auf eine Praktik einläßt, die man eine historisch-philosophische nennen könnte“ (Foucault 1992: 26). Damit ist ein doppeltes Programm gemeint:
Erstens solle die philosophische Frage, „wer bin ich mit Bezug auf die Geschichte der Macht-Wissens-Systeme formuliert werden. Dabei sei zu untersuchen, welchen Machteffekten die historischen Inhalte ihre,Wahrheit' verdanken und sie (die historischen Inhalte) dadurch freisetzen. Zweitens sollen konkret solche Strukturen betrachtet werden, die es zur Aufklärungsepoche gab, denn in dieser entstanden „direkt und an der Oberfläche sichtbarer Transformationen die Beziehungen zwischen Macht, Wahrheit und Subjekt, die es zu analysieren gilt“ (ebd.: 28).
Die Befassung mit der Kritik, die oben bestimmt wurde als Forderung nach einer anderen Art der Subjektformung, bedeute nun, die historisch-philosophische Praktik zu betreiben, welche darin bestehe, das eigene Selbst durch historische Strukturen zu erklären. Dabei sei die Aufklärungsepoche zentral, da in ihr die Beziehungen zwischen Macht, Wahrheit und Subjekt gut studiert werden können. Die Frage nach der eigenen Identität solle also gestellt werden, ihre Antwort müsse jedoch historisch ausfallen und dabei auf Strukturen, statt auf Subjekte verweisen. Zudem sei eine Kritik der geschichtswissenschaftlichen Herangehensweise nötig, die zeige, inwiefern diese selbst mit Machtstrukturen zusammenhänge. Dann könne mit Rekurs auf die historischen Inhalte eine eigene Geschichte geschrieben werden (ebd.: 26-27).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Foucault: Ein radikaler Kritiker: Dieses Kapitel führt Foucault als einflussreichen Denker ein und skizziert das Hauptziel der Arbeit, Foucaults theoretisches Gerüst aus „Was ist Kritik“ zu rekonstruieren und zu kritisieren.
2. Die Zeit der Aufklärung: Das Wechselspiel von Regierung und Kritik: Hier wird Foucaults These zur Entstehung der Kritik in der Aufklärungsepoche beleuchtet, die er im Kontext der „Regierungskünste“ als Haltung des „Nicht-regiert-werden-Wollens“ interpretiert.
3. Kritik bei Foucault: Kontingente Akzeptanzbedingungen einer Singularität aufzeigen: Dieses Kapitel erläutert Foucaults Verständnis von Kritik als historisch-philosophische Praktik, die die Entstehung des eigenen Selbst durch die Analyse von Macht-Wissens-Systemen in der Aufklärung untersucht.
4. Kritik der Foucaultschen Kritik: In diesem Hauptteil erfolgt die kritische Auseinandersetzung mit Foucaults drei Hauptthesen, wobei seine Methodik, sein Verständnis von Macht und Erkenntnis sowie die Abstraktion vom konkreten Gegenstand hinterfragt werden.
4.1 Die Methode: Dieser Unterabschnitt kritisiert die Vagheit und die Verallgemeinerung von Foucaults Methode zur Erklärung der Identität durch historische Strukturen.
4.2 Macht und Erkenntnis: Hier wird Foucaults definitorische Verknüpfung von Wissen und Macht als zirkulär und empirisch unzureichend kritisiert, da sie eine unabhängige Betrachtung von Wissen erschwert.
4.3 Die Abstraktion vom Gegenstand: Der letzte Unterabschnitt bemängelt, dass Foucault bei der Analyse der Akzeptanz von Macht-Wissen-Systemen zu stark vom konkreten Untersuchungsgegenstand abstrahiert und sich auf dessen Bedingungen konzentriert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentrale Kritik an Foucaults Vermischung von Wissen und Macht zusammen und stellt diese Kants Aufklärungsbegriff gegenüber, wobei auch eine zutreffende Einsicht Foucaults anerkannt wird.
Schlüsselwörter
Foucault, Kritik, Aufklärung, Macht, Wissen, Subjektformung, Regierungskünste, Archäologie, Genealogie, Historisch-philosophische Praktik, Kontingenz, Erkenntnis, Kant, Herrschaft, Macht-Wissen-Systeme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit rekonstruiert und kritisiert Michel Foucaults theoretisches Gerüst der Kritik, insbesondere wie es in seinem Vortrag „Was ist Kritik“ dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind Foucaults Kritikbegriff, das Wechselspiel von Regierung und Kritik in der Aufklärung, Macht-Wissen-Systeme, Subjektformung sowie Foucaults methodische Ansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, Foucaults Konzept der Kritik methodisch und inhaltlich zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, wie er Macht und Wissen definiert und verbindet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit analysiert Foucaults Ansätze unter Bezugnahme auf seine Begriffe von Archäologie, Genealogie und Strategie, um dessen kritische Haltung und die damit verbundenen Macht-Wissen-Systeme zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt Foucaults Kritikbegriff, die historischen Bedingungen der Kritik in der Aufklärung und vor allem eine detaillierte Kritik von Foucaults Thesen bezüglich Methode, Macht-Wissen und Abstraktion vom Gegenstand.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Foucault, Kritik, Aufklärung, Macht, Wissen, Subjektformung, Regierungskünste, Archäologie, Genealogie und Kontingenz charakterisiert.
Wie verortet Foucault den Ursprung der Kritik?
Foucault verortet den Ursprung der Kritik in der Aufklärungsepoche, wo sie als Gegenstück zu den neu entstehenden Regierungskünsten auftritt und die Haltung des „Nicht-regiert-werden-Wollens“ repräsentiert.
Was versteht Foucault unter „historisch-philosophischer Praktik“?
Unter „historisch-philosophischer Praktik“ versteht Foucault die Analyse, wie die eigene Identität durch historische Macht-Wissens-Systeme und die Beziehungen zwischen Macht, Wahrheit und Subjekt geformt wird.
Warum wird Foucaults definitorische Verknüpfung von Wissen und Macht kritisiert?
Sie wird kritisiert, weil sie als zirkulär angesehen wird, das Ergebnis der Analyse vorwegnimmt und eine unabhängige Betrachtung von Wissen außerhalb von Machtbeziehungen erschwert, wodurch viele Phänomene unerklärbar werden.
Was ist der Kernunterschied zwischen Kants Aufklärungsbegriff und Foucaults Kritikverständnis laut dieser Arbeit?
Laut der Arbeit legt Kant den Fokus auf den Gebrauch des eigenen Verstandes zur Erlangung korrekter Erkenntnisse über die Welt, während Foucault Kritik als Reflexion über die untrennbare Beziehung von Macht und Wahrheit in historischen Strukturen begreift.
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- Anne Weber (Autor), 2024, Eine Kritik an Foucaults Verständnis von Kritik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1696241